An der Seite der Beschuldigten

Shownotes

Ein Strafverteidiger steht im Gerichtssaal auf der Seite der Angeklagten. Doch was bedeutet das wirklich – jenseits von Schlagzeilen und Vorurteilen?

In dieser Folge spricht Manuel Singler über seine Arbeit zwischen Ermittlungsakte und menschlichem Schicksal. Er erzählt von Zufallsopfern, von Mandanten in akuten Lebenskrisen und von Situationen, in denen es weniger um Paragrafen als um Verantwortung, Scham und Wiedergutmachung geht.

Dabei wird deutlich: Hinter vielen Straftaten stehen persönliche Brüche – Trennungen, Sucht, Überforderung oder psychische Ausnahmesituationen. Eine Folge über Schuld, zweite Chancen und die Frage, wie viel Menschlichkeit im Rechtssystem möglich ist.

🔍 Themen dieser Folge 👉 Warum hinter vielen Straftaten persönliche Krisen stehen 👉 Täter-Opfer-Ausgleich und Wiedergutmachung 👉 Was ein Strafbefehl bedeutet 👉 Die Rolle des Strafverteidigers als Organ der Rechtspflege 👉 Haft, Isolation und Wendepunkte 👉 Recht haben oder die beste Lösung finden?

👤 Über den Gast dieser Folge Zu Gast ist Manuel Singler, Strafverteidiger mit langjähriger Erfahrung. Er begleitet Menschen durch Ermittlungsverfahren und Hauptverhandlungen und sieht seine Aufgabe nicht nur im juristischen Beistand, sondern auch darin, Perspektiven aufzuzeigen und verantwortungsvolle Lösungen zu ermöglichen.

🎙️ Host Florian D. Weber – Moderator, Entertainer und seit über 15 Jahren ehrenamtlich in der Krisenintervention und Suizidprävention tätig. Mit „Und plötzlich: Krise“ gibt er Einblicke in Situationen, die sonst verborgen bleiben – und spricht mit Menschen, deren Geschichten bewegen.

⚠️ Inhaltsinformation Diese Folge thematisiert Gewalt, Straftaten, Haft und persönliche Krisen und kann emotional belastend sein.

Solltest du Unterstützung benötigen, findest du anonyme und kostenlose Hilfe bei der Telefonseelsorge:

📞 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 💬 https://www.telefonseelsorge.de/

Weitere Hilfe: ➡️ Arbeitskreis Leben Freiburg: https://akl-freiburg.de/ ➡️ Arbeitskreise Leben BW: https://www.ak-leben.de/

Außerdem findest du Hilfe in verschiedenen Beratungsstellen in deiner Nähe!

📅 Veröffentlichung Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen, freitags um 7 Uhr.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Es ist Freitagabend.

00:00:02: Eigentlich hat Timo heute nichts mehr vor.

00:00:05: Er ist zu Hause, als plötzlich sein Handy klingelt.

00:00:09: Eine unbekannte Nummer ruft ihn an,

00:00:12: als er dran geht, meldet sich die freundliche Stimme einer Polizistin.

00:00:16: Sie fragt ihn, ob er kurz Zeit hätte.

00:00:18: Ein paar Fragen zu beantworten.

00:00:20: Als er fragt, worum es geht, eröffnet ihm die Polizistin,

00:00:24: dass er beschuldigt sei, einen Betrug begangen zu haben.

00:00:28: Sofort wird Timo heiß und kalt.

00:00:30: Er weiß nicht, was hier gerade passiert.

00:00:32: Er hat nichts gemacht.

00:00:34: Die Polizistin fragt ihn, ob er am Montag auf dem Revier vorbeikommen kann.

00:00:39: Er bestätigt das immer noch, nicht wissend, was hier gerade geschieht.

00:00:44: Als das Gespräch beendet ist, legt Timo sein Handy auf den Tisch.

00:00:48: Er ist verzweifelt, zittert fast panisch.

00:00:51: Er weiß nicht, was er tun soll.

00:00:54: Er hat doch niemanden betrogen.

00:00:56: Was soll das denn gewesen sein?

00:00:58: Er merkt, wie er immer unruhiger wird.

00:01:01: Also setzt er sich an seinen Rechner, sucht die Nummer

00:01:04: einer Kanzlei für Strafrecht und ruft dort an.

00:01:12: Hallo zusammen und herzlich

00:01:14: willkommen zu einer neuen Ausgabe von Und plötzlich Krise.

00:01:17: Mein heutiger Gast steht oft an der Seite des Bösen.

00:01:20: So würden es zumindest manche es sicherlich formulieren.

00:01:23: Das ist eine Perspektive, die man wahrscheinlich auch einnehmen kann.

00:01:27: Es ist jedoch nicht die einzige.

00:01:29: Manuel Zingler ist Strafverteidiger.

00:01:32: Er vertritt Menschen, die Opfer einer Straftat wurden.

00:01:35: Menschen, die zu Unrecht verdächtigt werden, aber auch Menschen,

00:01:38: die schwere Verbrechen und Straftaten begangen haben.

00:01:41: Seine Aufgabe ist es, allen Menschen gleichermaßen zu ihrem Recht zu verhelfen.

00:01:47: Dabei blickt Manuel regelmäßig in menschliche Abgründe.

00:01:50: Er erlebt persönliche Schicksale hautnah mit und ist in vielen Situationen

00:01:54: weit mehr als ein rechtlicher Beistand.

00:01:58: Obwohl es irgendwie Manuel Job ist, Rationales von Emotionalem zu trennen,

00:02:02: ist er für viele Mandantinnen und Mandanten genau das

00:02:06: der emotionale Beistand in einer richtig schweren Situation.

00:02:10: Wie das aussieht, wie er das gestaltet und was das mit ihm selbst macht,

00:02:15: erzählt er uns in der heutigen Folge von Und plötzlich Krise.

00:02:19: Ich gebe zu, als ich an diesem Podcast gearbeitet habe,

00:02:22: war mein erster Gedanke

00:02:23: Nicht, dass ich jemals einen Strafverteidiger im Studio sitzen habe.

00:02:27: Umso überraschter war ich, als mir die Parallelen zu meiner Tätigkeit

00:02:31: klar geworden sind und mir diese auch in der heutigen Folge begegnen.

00:02:35: Mein Name ist Florian Weber.

00:02:37: Ich huste und moderiere diesen Podcast hier

00:02:39: und ich bin total dankbar, dass ihr hier rein hört.

00:02:42: Und jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß bei der heutigen Folge

00:02:45: mit Manuel Zingler.

00:02:57: Und plötzlich

00:02:59: Krise.

00:03:02: Gerade weil du auch schon ein für mich

00:03:05: auch vor dem Hintergrund dieses Podcasts extrem spannenden Punkt schon gemacht hast

00:03:09: Und das ist so rational und emotional trennen.

00:03:13: Bevor wir da einsteigen, lass ich jetzt die Bombe platzen.

00:03:17: Wir kennen uns schon. Echt?

00:03:18: Ja, Du sagst mal, ich formuliere es mal ganz provokant in meinem Gerichtssaal.

00:03:23: Wir haben schon mal zusammen verhandelt.

00:03:25: Am Amtsgericht Freiburg warst du Nebenklagevertreter und ich war als Schöffe da.

00:03:31: Krass. Ich

00:03:34: ging um ein Körperverletzung

00:03:36: Delikt, wo dein Mandant der Geschädigte war.

00:03:39: Also offensichtlich machst du auch Nebenklagevertreter.

00:03:41: Ja. Vertretung. Also mache ich das tatsächlich.

00:03:44: Und jetzt ein paar größere.

00:03:46: So in den letzten acht, zwölf Wochen.

00:03:49: Ähm, aber ja, dann wird.

00:03:51: Das heißt, es ist wahr.

00:03:53: Wie lange ist es her? Zwei oder drei Jahre, glaube ich.

00:03:55: Also, es ist schon eine ganze Weile her.

00:03:57: Als Jugend.

00:03:59: Ja, du hast recht.

00:04:00: Es ist ein. Es war am Jugend Schöffengericht.

00:04:02: Und du warst im Nebenklagevertreter des Geschädigten, der in der Bahn.

00:04:07: Ich erinnere mich.

00:04:08: Ach, echt?

00:04:09: Ja. Ja, genau.

00:04:11: Genau. Ich erinnere mich an den Fall.

00:04:13: Es war tatsächlich auch ein krasser Fall.

00:04:14: Der Mandant von mir wurde echt übel geschädigt.

00:04:17: Und das finde ich total spannend, weil das aus

00:04:22: ich glaube noch immer nicht zu viel verraten.

00:04:24: Wir können über den Fall, glaube ich, so ein bisschen ja, ja,

00:04:26: weil der ja rechtskräftig auch abgeschlossen

00:04:28: ist es total

00:04:29: Und es bleibt ja auch total anonym und es war so aus Gerichtsperspektive.

00:04:33: Also das werde ich, weiß ich noch genau, was wir damals diskutiert haben.

00:04:36: Waren das die körperlichen Schäden?

00:04:38: Die waren ja überschaubar, kann man sagen, also der ist,

00:04:41: der hatte ja schon Verletzungen, aber was viel schwerer gewogen hat,

00:04:45: war ja die psychische Beeinträchtigung, die hatte er damals ganz klar erzählt.

00:04:48: Er kann nicht mehr Bahn fahren und solche Sachen, also.

00:04:51: Die Sache, also Zufallsopfer, es hätte jedem passieren können.

00:04:54: Das ist für die Leute immer ganz schlimm,

00:04:56: Wenn sich zwei streiten und

00:04:57: gerne verprügelt, der andere dann weiß er, da gibt es einen Hintergrund,

00:05:00: Streit, irgendwas hat nicht gepasst.

00:05:02: Aber wenn man sozusagen einfach in der Bahn sitzt

00:05:04: und man wird halt angegriffen und weiß nicht warum,

00:05:07: der könnte das ja bei jeder Bahnfahrt wieder passieren.

00:05:09: Das ist diese psychische Komponente.

00:05:11: Der Mandant war ziemlich fertig.

00:05:12: Ja, ja, tatsächlich.

00:05:15: Aber ja, In den Fall hätte ich jetzt, als ich hierher gekommen

00:05:18: bin, nicht gedacht.

00:05:19: Wir haben nicht.

00:05:19: Aber ich musste mich jetzt zurückhalten, das nicht schon vorher zu erzählen.

00:05:22: Ja, ich. Ja, das war intensiv.

00:05:26: Der Jugendtäter, sagt man da, glaube ich, ohne jetzt da näher darauf einzugehen.

00:05:30: Aber ja, ja,

00:05:30: das ist mir doch in Erinnerung geblieben, weil der Mandant doch ziemlich

00:05:35: daran genagt hat.

00:05:36: Ja, ist dann auch immer die Frage, der spannende Punkt, was

00:05:40: bei der Nebenklagevertretung was möchte der Mandant?

00:05:43: Ist ihm jetzt aus auf finanzielle Entschädigung

00:05:46: oder ist es eine Art psychische Entschädigung, wenn man, wenn er weiß,

00:05:50: dass der andere jetzt in Haft kommt?

00:05:52: Ich denke, es ist so eine Mischung aus beidem.

00:05:55: Sicherlich ist aber auch Angst damit verbunden,

00:05:56: weil er dann denkt ja, irgendwann wird er ja wieder rauskommen.

00:05:58: Ja, ein junger Kerl und dann war ich schuld das er

00:06:01: Aber das muss man halt

00:06:02: dann ihm auch erklären, dass er nicht schuld ist,

00:06:04: sondern die Tat von jemandem begangen wurde.

00:06:08: Aber das ist doch, das ist doch total.

00:06:11: Also eigentlich ist es so mit das

00:06:12: Schlimmste, dass du das Opfer einer Tat geworden bist

00:06:16: und jetzt quasi auch noch anfängst,

00:06:18: dir selbst Vorwürfe zu machen, weil du den ja jetzt

00:06:23: vor Gericht gebracht hast.

00:06:24: Im Zweifel in Jugendarrest gebracht hast oder zu irgendeiner Strafe.

00:06:27: Das ist doch total absurd, diese Denkweise.

00:06:30: Eigentlich absolut absolut.

00:06:32: Aber wenn man mal Opfer von einer schlimmen Gewalttat geworden ist.

00:06:36: Ich glaube, da geht einem einiges

00:06:37: durch den Kopf, was man dann nicht mehr rational nachvollziehen kann,

00:06:40: sondern sich tatsächlich Angst.

00:06:42: Also ich hatte mal einen Fall, da war ich noch

00:06:45: ich war ich Student oder war ich noch im Abi?

00:06:48: Es ist auf jeden Fall schon sehr lange her, da war ich mit vier Kumpels feiern.

00:06:52: Wir waren in einem Club bei uns in der Gegend

00:06:55: und dann sind wir danach obligatorisch an die Tankstelle gelaufen, haben

00:06:58: eine Wurst, eine Currywurst gegessen, dann Fahrten, Auto hin,

00:07:02: steigen von zwei oder drei Leute, ich weiß gar nicht mehr aus.

00:07:05: Und einer komplett blutverschmiert,

00:07:08: dann okay, die dann wieder gegangen

00:07:11: und irgendwann danach haben wir erfahren, dass in dem Ort

00:07:14: jemand mit Messer in den Bauch gestochen wurde

00:07:18: und dann haben wir halt das in Verbindung gebracht.

00:07:20: Einer der Kumpels hat es

00:07:21: bei der Polizei auch gemeldet und hat gesagt, er glaube, da war was.

00:07:25: Ähm, ja, wir hatten alle enorm Angst.

00:07:29: Wir hatten also schlussendlich mussten alle zur Polizei eine Zeugenaussage machen

00:07:33: und jeder hatte Angst, dass die das also der Täter,

00:07:37: der wurde dann auch verurteilt es

00:07:38: so sieht, dass er wegen uns in Haft sitzt und wieder rauskommt.

00:07:42: Ich kann mich

00:07:43: also an so eine Situation erinnern, wo ich selber wirklich Angst hatte,

00:07:47: obwohl man eigentlich gar nichts gemacht hat.

00:07:48: Im Gegenteil.

00:07:49: Also das ja,

00:07:51: das ist vielleicht auch ein stückweit menschlich, diese Angst, wo dann aufkommt.

00:07:55: Auf jeden Fall ist es sicherlich ein interessanter Aspekt.

00:07:59: Ja, was?

00:08:00: Um vielleicht den Fall von damals noch abzuschließen Was ich,

00:08:03: was mich damals wirklich sehr beschäftigt hat, ist wir haben ja also Schmerzensgeld

00:08:07: in Deutschland

00:08:08: können wir darüber sprechen, sind natürlich ein Witz und auch damals

00:08:12: ich glaube, du hattest auch nur einen

00:08:13: vierstelligen Betrag gefordert, bei mir schon gar nicht drin war.

00:08:17: Wir haben dann glaube ich, eine relativ hohe Summe zugesprochen.

00:08:21: Ich meine, es waren 4.000 € 5.000 € so

00:08:25: von denen wir wussten, Also

00:08:27: ich, meine Chefin, Kollegin und die Vorsitzende Richterin

00:08:32: wussten, dass das nie bezahlt werden wird, weil kein Geld da ist.

00:08:35: Und das ist schon frustrierend, muss ich sagen.

00:08:36: Das hat mich damals.

00:08:37: Dann dachte ich, da sitzt ein junger Typ, dem du bei der Aussage schon anmerkst,

00:08:42: dass der wirklich unter dieser Tat leidet, der

00:08:45: ja eine Sache, an die ich mich noch ganz klar erinnert,

00:08:48: dass der einen Zahn oder einen Teil eines Zahns verloren hat

00:08:51: und nicht mal das Geld hatte, das reparieren zu lassen, wo ich gedacht habe

00:08:55: ich weiß nicht, ich.

00:08:56: Erinnere mich auch noch genau dran

00:08:57: und das Geld ist nicht geflossen im Nachhinein.

00:08:59: Bzw. Der Mandant hat dann wenigstens den Titel gehabt

00:09:02: und mit dem Titel kann er ja an gewisse Opfer vorher,

00:09:05: also Einrichtungen wo ihm helfen gehen.

00:09:07: Das hat er dann aber selbstständig gemacht.

00:09:08: Ob da was rumkommt weiß ich nicht, aber auf jeden Fall.

00:09:10: Vom Täter kam in dem Fall kein Geld.

00:09:13: Aber ich, Drees wiederum, ich mache ja nicht mehr Nebenkläger.

00:09:16: Genau.

00:09:16: War auch Strafverteidiger.

00:09:19: Ja, da versucht man natürlich dann das wieder.

00:09:23: Ja, es ist ein schmaler Grat zwischen jemand kann es eh nicht zahlen

00:09:26: und jemand will es.

00:09:27: Aber es gibt da echt unterschiedliche Mandanten.

00:09:30: Wenn wirklich ein Mandant auf Schadens

00:09:32: Wiedergutmachung aus ist, dann findet man immer eine Lösung.

00:09:35: Also ich sag mal allein zum Beispiel wenn ein Täter dann gegenüber dem Opfer

00:09:39: bei Gericht tritt und hinstellt und sagt Es tut mir leid,

00:09:42: ich habe ein eigenes Aggressionsproblem, es liegt nicht an dir,

00:09:45: Du kannst ja nichts dafür.

00:09:46: Und das tut den Opfern ja manchmal schon richtig gut.

00:09:49: Und es wird auch von den Gerichten wahnsinnig honoriert.

00:09:52: Also wenn wenn das Opfer rausgeht

00:09:56: aus dem Saal und das Gefühl hat, es kann jetzt wieder schlafen,

00:09:59: da fällt dir eigentlich

00:10:00: das ist dieser Anblick, die schauen sich ins Gesicht.

00:10:02: Der eine sitzt auf der Anklagebank, der anderen Zeugenstand.

00:10:04: Die schauen sich ins Gesicht.

00:10:06: Und der eine, der, wo eigentlich wahrscheinlich drei Nächte nicht

00:10:08: geschlafen hat vor der Verhandlung, weil er sagt Ich muss dem gegenübertreten.

00:10:12: Der kriegt plötzlich gesagt es tut mir leid und weiß, ab

00:10:16: dem Zeitpunkt passiert nichts mehr.

00:10:17: Ich sage mal die meisten Der Fall ist dann auch so

00:10:20: Ah und der kann dann schon auch mit dem guten Gefühl wieder heim

00:10:24: und die Gerichte honorieren das.

00:10:26: Also man kann da wirklich nicht nur sagen, mein Mandant bezahlt es und ja okay,

00:10:30: dann macht man da einen Titel und am Ende kommt nix.

00:10:32: Das wissen die Gerichte und die Schöffen ja eh er oder nicht?

00:10:35: Eh, aber sowieso sehr oft.

00:10:37: Und man kann auch wirklich durch viele andere Methoden Leuten wieder hell werden.

00:10:41: Also ich habe da wirklich Mandanten.

00:10:43: Einer hat mal einem aus dem blöden, aus einer blöden Situation

00:10:46: eine Backpfeife gegeben, da gab es einen Strafbefehl dann.

00:10:49: Und schlussendlich habe ich dem Gericht auch mitgeteilt,

00:10:51: der Mandant hat sich entschuldigt bei ihm.

00:10:52: Der Mandant hat von sich aus Schmerzensgeld bezahlt.

00:10:56: Ähm und wir haben Ende.

00:10:58: Vom Tag gab es sogar ein Treffen. Die haben sich die Hand gegeben.

00:11:01: Das habe ich dem Gericht mitgeteilt.

00:11:02: Dann hat der Geschädigte auch dem Gericht mitgeteilt,

00:11:04: dass er sich bei ihm entschuldigt hat, dass die das geklärt haben.

00:11:07: Und ja, bitte um Verfahrenseinstellung und dann?

00:11:10: Also das ist von den Gerichten ja viel lieber,

00:11:12: da haben die auch einen Teil davon, weil die Leute sich wieder vertragen.

00:11:15: Das sind jetzt natürlich kleinere Beispiele

00:11:17: in größeren Geschichten ist wieder eine andere Sache,

00:11:19: aber man hat die Möglichkeit und das ist auch ein Gesetz

00:11:22: Schadens Wiedergutmachung, dass das ganz viel positive Punkte.

00:11:26: Aber da muss halt bei den Tätern in Anführungszeichen ein Umdenken stattfinden. Ja,

00:11:32: aber ja, gibt Möglichkeiten.

00:11:34: Und ob das jetzt damals bei dem Fall ja, da wurde Geld zugesprochen,

00:11:37: was auch richtig ist, weil dann kann man über bestimmte Fonds

00:11:39: oder Einrichtungen kann man wieder gehen, aber dass der das nicht bezahlen kann.

00:11:43: Das war war uns damals klar.

00:11:45: Aber ich.

00:11:47: Ich glaub tatsächlich

00:11:48: vielleicht erklär mir einmal ganz kurz

00:11:49: Strafbefehl für alle, die das vielleicht noch nie gehört haben.

00:11:52: Strafbefehl heißt ja, es kommt nicht zur Gerichtsverhandlung,

00:11:54: sondern das Gericht spricht quasi ein Urteil ohne eine Hauptverhandlung.

00:11:58: Kann man das so zusammenfassen? Jein.

00:12:02: Also nein, Leute.

00:12:03: Es läuft ein Ermittlungsverfahren.

00:12:05: Ermittlungsverfahren, heißt es, gibt, es gibt einen Anfangsverdacht.

00:12:08: Die Polizei ermittelt, die Polizei schickt irgendwann

00:12:10: die Akte zur Staatsanwaltschaft und zack entscheidet mal Anfangsverdacht

00:12:13: eins in Betracht kommen einer Straftat, aus welchen Gründen auch immer.

00:12:17: Die Staatsanwaltschaft hat die Akte und die Staatsanwaltschaft sieht okay,

00:12:20: der ist jetzt vielleicht nicht vorbestraft, noch nicht

00:12:24: auffällig oder noch nicht oft auffällig, aber es reicht nicht,

00:12:27: um ein Verfahren einzustellen.

00:12:28: Eine Einstellung geht, weil kein Tatverdacht

00:12:30: oder eine Einstellung geht, weil geringe Schuld

00:12:32: und kein öffentliches Interesse oder durch gewisse Auflagen

00:12:36: kann man das öffentliche Interesse beseitigen.

00:12:38: Und wenn aber die Staatsanwaltschaft sagt na ja, das wollen wir nicht einstellen,

00:12:42: weil mit einer Einstellung genießt jemand noch die Unschuldsvermutung,

00:12:45: also keinen Eintrag ins Führungszeugnis, einen Eintrag ins Zentralregister

00:12:49: und wenn quasi die Staatsanwaltschaft sagt Nee, das schon,

00:12:53: da ist schon ein bisschen mehr dran, dann tut die Staatsanwaltschaft

00:12:55: bei Gericht einen Strafbefehl beantragen.

00:12:59: Das Gericht prüft, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht.

00:13:03: Hinreichender Tatverdacht,

00:13:05: wenn bei einer gedachten Hauptverhandlung anhand der Beweismittel,

00:13:08: die zur Verfügung stehen, ein Urteil rauskommen würde.

00:13:10: Also Prognosen?

00:13:11: Ja, und wenn das Gericht die Aktenlage prüft und sagt Ja, das

00:13:16: sehen wir so, dann ist das im Prinzip das Pendant zu einer Anklageschrift,

00:13:20: steht auch der Sachverhalt exakt wie bei einer Anklageschrift drin.

00:13:23: Nur es steht schon eine Rechtsfolge drin, nämlich zehn Tagessätze a 10 €.

00:13:27: Dann wäre man bei einer Geldstrafe von 100 €.

00:13:29: Ja, und dann bekommt die Person den Brief nach Hause vom Gericht.

00:13:32: Und da steht drin Wenn Sie das akzeptieren, dann ist das rechtskräftig.

00:13:36: Ihre Verurteilung.

00:13:37: Und wenn Sie das nicht akzeptieren, dann können Sie Einspruch einlegen

00:13:40: und dann kommt es zu einer Gerichtsverhandlung.

00:13:41: Also es ist eine schnellere Verfahrens Erledigung, weil viele dann doch

00:13:45: Strafbefehle akzeptieren.

00:13:47: Also das ist schon eine Post, wo heimkommt,

00:13:50: wo man sagt, ich akzeptiere die Strafe oder ich akzeptiere sie nicht.

00:13:53: Die man nicht haben will, eigentlich die Besten für Posten keine.

00:13:58: Das ist klar.

00:13:59: Aber das setzt dann oft an, dass die Leute mit dem Brief zu mir

00:14:03: kommen, bestenfalls innerhalb den zwei Wochen.

00:14:05: Das ist nämlich die Frist.

00:14:07: Und dann beantragt man Akteneinsicht, legt Einspruch ein und dann

00:14:10: geht das Verfahren los.

00:14:12: Ist der zweite Ansatzpunkt oder halt im Ermittlungsverfahren vorher.

00:14:15: Und das ist, glaube ich,

00:14:17: das sind wir zum Ersten Mal

00:14:18: jetzt genau an dem Punkt auch, warum ich unbedingt mit dir bzw

00:14:21: mit einem Strafverteidiger mal sprechen wollte.

00:14:23: Weil das ist so, als ich mich mit diesem Podcast beschäftigt habe,

00:14:27: ist mir klar geworden, dass ich hier nur eine Perspektive auf Krise habe.

00:14:30: Und meine Perspektive auf menschliche Krisen ist in den allermeisten Fällen

00:14:34: Entweder kommen Menschen, denen es gerade nicht so gut geht

00:14:37: zu zum Arbeitskreis, Leben in die Beratungsstelle

00:14:40: und kriegen dann einen Alltagsbegleiter wie mich, der dann irgendwie

00:14:42: sich regelmäßig mit denen trifft und einfach Quatsch zu oder das ist

00:14:46: sind plötzliche Todesfälle zu Hause, wo ich mit der Krisenintervention

00:14:51: hinkommen und dann in der Ausarbeitung.

00:14:54: Dieses Podcast ist mir aber nach und nach bewusst geworden, man

00:14:56: es gibt so viele Perspektiven auf Krisen und eine und das unterstelle ich jetzt

00:15:00: einfach mal, ist glaube ich die eines Strafverteidigers.

00:15:03: Auch Du hast es vorhin zwar schön gesagt und versuchst rational

00:15:07: und emotional zu trennen, aber wenn wir jetzt nicht nur von der.

00:15:11: In Anführungszeichen bitte verstehen einfachen Backpfeife sprechen

00:15:15: von Körperverletzung, sondern wirklich von von schlimmeren Taten,

00:15:19: dann bist du doch absolut konfrontiert mit menschlichen Krisen, oder?

00:15:23: Absolut, absolut. Also jeder Fall

00:15:26: ist sein eigenes Individuum, sein eigenes Schicksal dahinter.

00:15:32: Spannende Frage.

00:15:34: Warum begehen Leute Straftaten usw

00:15:37: Irgendwas steckt immer dahinter und wenn es keinen Grund gibt

00:15:39: es möglicherweise wieder eine psychische Erkrankung.

00:15:41: Der Grund Es gibt bei jeder Taten Hintergrund

00:15:44: und definitiv sind auch Krisen im Spiel.

00:15:46: Also oft ist es eine Trennung, oft ist eine Krankheit, oft

00:15:50: sind es finanzielle Schwierigkeiten, teils verschuldet, teils unverschuldet.

00:15:53: Also definitiv steckt hinter jedem Mandat manche,

00:15:57: ich nenne es mal kleinere Krisen, größere Krisen.

00:16:00: Wenn jemand, sage ich mal Auto fährt ohne Führerschein und das zum wiederholten

00:16:04: Mal, kann man das auch als in gewissem Umfang Krise bezeichnen.

00:16:08: Wenn jemand in einer Beziehung

00:16:11: sozusagen häusliche Gewalt erleidet

00:16:15: oder auch ausübt,

00:16:16: auch eine Krise dahinter,

00:16:18: eine Streitigkeit in der Beziehung, eine Trennung möglicherweise.

00:16:20: Also hinter jedem Mandat stecken sicherlich Krisen, manche größer,

00:16:24: manche kleiner.

00:16:25: Und ich habe täglich damit zu tun. Also

00:16:29: ich kann da bestimmt machen, weil wir fallen schon wieder

00:16:32: der eine oder andere Fälle ein.

00:16:33: Also ich ich hatte einen Fall,

00:16:37: da kommt man dann zu mir und wird bezichtigt der Vergewaltigung.

00:16:41: Er hat er war mit der Dame zusammen in einer Beziehung und die haben

00:16:44: ein kleines Kind zusammen.

00:16:47: Dann die Polizei kommt.

00:16:48: Er war ein Bauarbeiter auf seine Baustelle vor allen Leuten.

00:16:52: Durchsucht ihn, nimmt ihn mit, durchsucht seine Wohnung,

00:16:54: nimmt das Handy, Laptop, alles mit und dem ging es richtig dreckig.

00:16:58: Der wurde vor seinen ganzen Mitarbeitern bloßgestellt

00:17:02: und am Ende vom Tag hat sich halt rausgestellt,

00:17:05: dass er sich ganz normal, ehrlich und fair und transparent getrennt hat.

00:17:10: Sie kam damit nicht klar.

00:17:12: Sie hat ihn bezichtigt, der Vergewaltigung.

00:17:15: Da war nichts dran und das Verfahren wurde dann auch recht bald eingestellt.

00:17:19: Aber das war für ihn eine Krise.

00:17:21: Der Kontext der hat sich nicht mehr auf die Baustelle

00:17:23: getraut als recht oder recht hohe Person in dem Betrieb.

00:17:27: Der war auch so ein bisschen

00:17:29: für für die neue Beziehung oder auch im Freundeskreis,

00:17:32: wenn man erst mal das heißt der Vergewaltiger, dann

00:17:36: also das war dann schon, der ist dann in eine Krise gekommen

00:17:40: durch eine Anzeige und so ist er dann schlussendlich bei mir gelandet

00:17:44: und wir haben dann für ihn ein gutes Ergebnis erzielen können.

00:17:48: Aber das für den ging dann die Krise erst los.

00:17:51: Das ist eine lange Zeit, die man dann braucht,

00:17:53: bis der Ruf wiederhergestellt ist.

00:17:55: Also da gibt es ja auch

00:17:57: in den Medien Kachelmann usw, das sind ja auch so Themen.

00:18:01: Aber klar,

00:18:02: es gibt auch wieder die ganz anderen Fällen,

00:18:04: wo es wirklich Vergewaltigungen gibt, wo dann ein wo dann das Opfer

00:18:07: ganz lang in der Krise ist, wo das Opfer sich nicht traut mit dem Mann zu sprechen

00:18:11: und wo dann erst nach langer Zeit

00:18:12: vielleicht irgendwann sich mal öffnen kann,

00:18:14: wo dann in sich rein frisst und innerlich zerbricht.

00:18:17: Also deswegen hinter jeder Straftat steckt wahrscheinlich eine Krise.

00:18:21: Ähm, ja, also die Frage zu beantworten

00:18:24: definitiv ist es bei mir Alltags mit Krisen zu befassen.

00:18:29: Wie gehst du damit um? Ich ich kann mich da

00:18:33: ich versuche mich da grad reinzuversetzen,

00:18:34: was das mit jemandem macht, weil ich stimme dir 100 % zu.

00:18:37: Das ist, glaube ich, der Inbegriff einer Krise.

00:18:40: Wenn du auf einer Baustelle bist

00:18:42: und du ahnst ja nichts und arg viel mehr aus dem Nichts kann es ja dann gar nicht

00:18:46: kommen, wenn plötzlich die Polizei dasteht, dich durchsucht, mitnimmt usw

00:18:51: und dann erst mal unabhängig, ob was dran ist oder was nicht dran ist.

00:18:54: Ich glaube, wenn was dran ist,

00:18:55: dann kann man es natürlich gleich besser einordnen

00:18:58: und das schwächt dann wahrscheinlich dieses Überraschungsmoment ab.

00:19:02: Während wenn man,

00:19:03: wenn nichts dran ist, wie jetzt in dem von dir beschriebenen Fall,

00:19:06: dann zieht dir das den Boden unter den Füßen weg.

00:19:08: Und das ist für mich ein ganz wesentlicher Teil der Definition einer Krise.

00:19:12: Wenn dein Leben von jetzt auf gleich ja völlig aus aus allen Bahnen gerät.

00:19:16: Definitiv. Also wie geht man damit um?

00:19:19: Also der Mandant,

00:19:19: dem hat sie den Boden unter den Füßen weggezogen, Das ist ganz klar.

00:19:24: Er hat mich dann auch recht schnell kontaktiert.

00:19:27: Und dann ist natürlich für mich als Strafverteidiger

00:19:29: immer erst mal wichtig Versuchen Sie Ruhe zu bewahren,

00:19:32: egal wie die Situation jetzt aussieht.

00:19:34: Als allererstes aber halt mit keinem sprechen, weil

00:19:39: emotional trifft man die falschen Entscheidungen, egal was man sagen will.

00:19:43: Ich dazu ganz kurz Bei ihr kennt glaube ich absolut jeder.

00:19:45: Du kriegst eine WhatsApp Nachricht oder eine Email,

00:19:48: hast vielleicht nicht den besten Tag und hast den Impuls.

00:19:52: Da antworte ich jetzt sofort drauf Und da herzliche Einladung an alle Hörerinnen

00:19:56: und Hörer.

00:19:56: Mal gucken,

00:19:57: wie die Antwort ausfallen würde

00:19:59: und wie sie ausfällt, wenn man nur eine Nacht drüber schläft.

00:20:01: Definitiv. Definitiv. Man soll ja nicht aus.

00:20:04: Man soll nicht mit Hunger einkaufen.

00:20:06: Aus der Wut. Genau. Antworten.

00:20:08: Und so sage ich den Mann dann immer, egal in welcher Situation, Klappe halten

00:20:13: und es darf ja auch nie einem zum Nachteil ausgelegt werden.

00:20:16: Das also

00:20:17: im Gegenteil, Das zeigt, dass man okay, man muss sich sortieren, was ja auch der.

00:20:21: Fall.

00:20:22: Und dann, wenn Ruhe bewahrt wurde, ins Büro zu mir kommen.

00:20:26: Dann versuch ich.

00:20:27: Also mein Erstgespräch besteht oftmals weniger im Rechtlichen

00:20:31: als mehr den Leuten.

00:20:33: Jetzt versuchen sie runterzufahren.

00:20:34: Noch wissen wir doch gar nicht, was alles dran ist.

00:20:36: Man muss ja erst mal an die Ermittlungsakte schauen,

00:20:38: weil die Polizei kommt natürlich,

00:20:39: wenn die durchsucht mit einem Durchsuchungsbeschluss

00:20:41: kommt die natürlich mit der ganzen Ermittlungsakte im Hinterkopf.

00:20:44: Also Kenntnis davon.

00:20:46: Der Mandant, nicht der Verteidiger, in dem Fall auch noch nicht.

00:20:50: Und was man da sagt, ja, das kann sich dann am Ende vom Tag,

00:20:54: wenn sich mit irgendwas widerspricht aus der Ermittlungsakte oder oder,

00:20:58: dann kann das echt blöd sein.

00:20:59: Deswegen Ruhe bewahren.

00:21:00: Der Mann, der Mann dann kommt ins Büro und ich bin dann erst mal eigentlich

00:21:04: so ein bisschen Seelenbeistand am Abend.

00:21:05: Das war genau meine Vermutung, warum ich heute auch bin.

00:21:09: Weil ich genau das vermutet hatte. Ja, und

00:21:12: dann im ersten Schritt

00:21:14: beruhige ich das ganz und sage ihm Jetzt warten Sie doch erst mal ab.

00:21:18: Jeder Vorwurf, wenn da auf dem Papier steht, als Beispiel Vergewaltigung,

00:21:22: das ist ganz schlimm.

00:21:23: Also der Vorwurf, ob er zutrifft oder nicht, sei mal dahingestellt.

00:21:26: Einfach das auf dem Papier zu lesen ist für Leute schon mal ganz schlimm

00:21:30: und da muss man die beruhigen und sagen jetzt warten wir mal

00:21:33: ab, was am Ende die Ermittlungen ergeben und

00:21:38: oftmals also nicht immer.

00:21:39: Es gibt natürlich auch Fälle, wo was dran ist, aber oftmals

00:21:43: ergeben sich dann irgendwelche Ermittlungsansätze,

00:21:46: wo man man dann sagen kann Schauen Sie mal,

00:21:48: das ist ja auch was Positives für Sie oder wenn es halt wieder eine ganz,

00:21:52: also eine ganz spezielle Richtung geht, dass man einfach was nachweisen kann,

00:21:55: muss man sich dann überlegen Hey, okay, das gibt es jetzt eine Verfehlung,

00:21:59: aber vielleicht können wir

00:22:00: das immer dann wieder im Bereich machen usw, dass man früh sagt,

00:22:03: ich übernehme Verantwortung und auch dann gibt es Wege.

00:22:06: Oftmals googeln die Mandanten dann da ja was steht denn auf Vergewaltigung?

00:22:10: Okay, aber ein Ja okay,

00:22:14: jetzt muss ich ins Gefängnis.

00:22:15: Da kam man dann zu mir, der kam zu mir.

00:22:17: Wirklich mit dem Speiseplan von der JVA gesagt,

00:22:20: er hat schon geguckt, was da jetzt für Essen gibt, habe ich gesagt.

00:22:22: Sie es will Sie doch gar niemand aktuell in Haft nehmen.

00:22:25: Was soll jetzt das?

00:22:26: Jetzt warten Sie doch mal ab.

00:22:27: Das Verfahren wurde recht schnell eingestellt, weil gar nichts dran war.

00:22:30: Aber der war schon so voller

00:22:32: Angst und Adrenalin, dass er den Speiseplan mitgebracht hat.

00:22:35: Ich war da echt.

00:22:36: Das hat mich dann baff gemacht.

00:22:38: Ja, das glaube ich.

00:22:38: Und das ist aber ja auch, also das zeigt ja auch, wo das hinführt

00:22:44: und wie so eine Situation dann aufgenommen werden kann.

00:22:49: Es ist, finde ich,

00:22:50: also das ist total krass und jetzt bist du

00:22:54: als jemand, der sehr Rechtswissenschaften studiert hat,

00:22:56: als Jurist sitzt du da und machst plötzlich eine Arbeit,

00:22:59: die normalerweise Leute machen, die da eine Ausbildung haben.

00:23:03: Coaches, Therapeuten,

00:23:05: vielleicht auch Leute,

00:23:06: die es ehrenamtlich machen wie ich, die da auch

00:23:08: versuchen, so diese Krise so ein bisschen runter zu nehmen

00:23:10: und so ein bisschen den Zug rauszunehmen, einfach erstmal zuzuhören.

00:23:14: Aber da brauchst du doch ein unfassbares menschliches Gespür.

00:23:17: Auch das an einer anderen Stelle ganz falsch wäre.

00:23:19: Wahrscheinlich Ja, ja, sicherlich.

00:23:21: Also auch da ich sage mal da, da trennt sich

00:23:25: der eine Strafverteidiger vom anderen.

00:23:26: So ein bisschen.

00:23:28: Es gibt wie in jeder Branche, wie wir es vorhin auch gesagt

00:23:30: haben, halt unterschiedliche Leute.

00:23:32: Mir ist halt auch ganz wichtig und ich wage zu behaupten,

00:23:35: dass das mich auch in gewissem Umfang auszeichnet, dass ich versuche,

00:23:39: den Leuten nicht nur rechtlich zu helfen, sondern auch in bestimmten

00:23:41: tatsächlichen Hinsichten.

00:23:43: Also ich versuche natürlich, rechtliches, bestmögliche Ergebnis zu erzielen,

00:23:46: aber ich versuche den Leuten dann auch Tipps zu geben,

00:23:48: wie man jetzt trotz offenem Strafverfahren weiterleben kann.

00:23:52: Manche sagen,

00:23:52: Jetzt habe ich einmal so ein Verfahren gehabt,

00:23:54: ich kann ja nie mehr auf die Straße rausgehen.

00:23:56: Und da muss man den Leuten halt auch aufzeigen Stopp!

00:23:58: Am Bundeszentralregister eintragen werden irgendwann getilgt.

00:24:03: Ich hatte einmal dann dem wurde auch ein Sexualdelikte vorgeworfen.

00:24:05: Schlussendlich wurde auch verurteilt.

00:24:07: Das war auch ganz übel.

00:24:09: Dem habe ich dann auch gesagt na ja, wenn alle Stricke reißen,

00:24:12: wenn sie jetzt den Norden hochziehen oder sonst wo, da kennt sie kein Mensch mehr.

00:24:15: Also in dem ich den Leuten dann auch

00:24:17: versuche, irgendwelche Hilfestellungen zu geben oder eben.

00:24:20: Also es gibt wirklich oft Gespräche, die dann auch manchmal über eine Stunde gehen

00:24:24: im Büro, wo ich den Leuten dann halt versuche einfach ja,

00:24:27: also ich will, dass die am Ende vom Tage rausgehen aus dem Büro und dass die

00:24:31: das Problem in meinem Büro lassen und dass die lösungsorientiert denken.

00:24:35: Und interessanterweise habe ich feststellen müssen,

00:24:39: dass die Leute wegen viel kleineren, in Anführungszeichen schwächeren Delikten

00:24:44: sich viel mehr Gedanken machen, wie Leute, die wirklich

00:24:47: richtig was auf dem Kerbholz haben.

00:24:49: Also da hat einer ein Kaugummi Päckchen geklaut, der kam zu mir ins Büro,

00:24:53: auch völlig verzweifelt und andere, sage ich mal,

00:24:56: Intensivtäter, die ich vertrete, haben manchmal ein ganz anderes Denken.

00:25:00: Also eher schon Gleichgültigkeit wie jemand mit so was Kleinem.

00:25:04: Also interessant ist der Aspekt.

00:25:07: Ähm. Ja, wie gehst du da

00:25:10: für dich mit um, dass da manchmal auch Leute sitzen,

00:25:13: von denen du wahrscheinlich weißt oder ausgehst anhand der Aktenlage,

00:25:18: der wird es schon gewesen sein. Oder vielleicht ist es sogar ja.

00:25:20: Beweisen ist sehr schwierig in Deutschland.

00:25:21: Aber manchmal hast du ne Videoaufzeichnung oder so und dann hast du da jemanden

00:25:25: sitzen, der so gar nicht einsichtig ist und wo du eigentlich weißt.

00:25:29: Na ja, okay, jetzt hole ich hier irgendwie das Beste raus.

00:25:32: In einem halben Jahr sehen wir uns wieder oder so, wie gehst du da für dich mit um?

00:25:35: Gibt's auch solche Fälle?

00:25:37: Also es gibt natürlich, ich sage es mal in Anführungszeichen,

00:25:40: einfache Mandate von der Mandatsführung, also wie die menschlich gestrickt sind.

00:25:44: Es gibt Mittel kompliziert und es gibt auch sehr komplizierte.

00:25:48: Aber ich habe mittlerweile das für mich so entwickelt,

00:25:51: dass ich dem Mandanten einfach klipp und klar einmal das Rechtliche sagt.

00:25:55: Und dann sage ich eben auch einmal

00:25:56: das Menschliche, Tatsächliche, was ich ihm empfehle.

00:25:59: Ich sage ihm auch,

00:26:00: wenn er einen Anwalt sucht, der ihm nach dem Mund spricht, der ihm jetzt sagt

00:26:04: Okay, Sie sagen, Sie waren das nicht, Sie waren das wirklich nicht und dann

00:26:08: Das gibt es auch. Dann soll er zu dem Anwalt gehen.

00:26:10: Ich will aber nicht, dass Mandanten ins offene Messer rennen.

00:26:12: Also ich habe jetzt in gewissem Umfang diese Erfahrung, den Leuten zu sagen,

00:26:17: wenn sie diese Strategie bei der Beweislage weiterfahren,

00:26:20: dann können sie im Kopf gegen eine Wand rennen.

00:26:22: Und das sehe ich auch als meine Aufgabe, sie davor zu bewahren.

00:26:26: Am Ende müssen die Mandanten natürlich

00:26:27: selber entscheiden, ob sie bei ihrer Strategie bleiben oder nicht.

00:26:32: Aber ich zeige ihnen dann ganz klar auf, was halt am Ende rumkommt.

00:26:34: Und bisher lag ich da immer richtig.

00:26:36: Also ich denke, da spreche ich für jeden Strafverteidiger.

00:26:39: Man kriegt da einfach mit der Zeit so ein Gespür, wofür es hin.

00:26:42: Und ich hat eigentlich meine Mandanten dann vielleicht

00:26:45: nicht immer in der ersten Instanz.

00:26:47: Manchmal wollen sie dann auch so ein bisschen ihr eigenes Ding.

00:26:49: Aber spätestens, wenn das erste Urteil da ist und man sagt, man geht in Berufung.

00:26:53: Irgendwann hatte ich sie dann meistens so weit,

00:26:56: dass ich dann doch mit ihnen gemeinsamen Weg entwickelt habe,

00:26:58: dass man dann vielleicht doch andere Richtungen einschlägt.

00:27:02: Aber ich versuche natürlich, den Aspekt auch immer mit Verständnis

00:27:06: entgegenzutreten und ihnen sagen, ich kann die Sichtweise aus

00:27:09: deren Sicht nachvollziehen.

00:27:10: Aber ich habe halt auch die Ermittlungsakte, die ganz klar

00:27:13: das und das und das gibt, Wobei die natürlich auch vermittelt,

00:27:17: es ist ja immer das eine, die Aktenlage und die Leute dann vor Gericht zu sehen

00:27:20: ist mal ehrlich

00:27:22: das andere.

00:27:23: Da gibt es dann auch immer noch Punkte.

00:27:24: Aber wenn wenn man dann jemand zweimal vor Gericht gehört hat und der sagt zweimal

00:27:28: so war es und dann muss man natürlich mit dem Mandanten das noch mal besprechen.

00:27:32: Aber ich versuch zusammenfassend wirklich auf die Bedürfnisse

00:27:36: von Mandant extrem einzugehen.

00:27:39: Aber wenn man merkt, es geht eine bestimmte Richtung,

00:27:43: da muss man versuchen, mit ihm gemeinsam eine gute Lösung zu entdecken.

00:27:46: Und da habe ich einen guten Weg eigentlich gefunden.

00:27:50: Ich finde es echt erstaunlich, gerade weil ich so total viele Parallelen

00:27:53: zwischen deinem Job und und meinen ehrenamtlichen Jobs finde.

00:27:56: Weil du hast gerade so einen Punkt genannt. Das ist.

00:27:58: Ich versuche dem rechtlich zu erklären,

00:28:00: was Sache ist und sprecht dem auch nicht nach dem Mund.

00:28:04: Und das ist so was,

00:28:04: was ich in meiner Tätigkeit ganz klar als Orientierung vermitteln bezeichnen würde.

00:28:09: Wir haben das ganz häufig,

00:28:10: wirst ja mit ähnlichen Situationen auch schon zu tun gehabt haben.

00:28:13: Nach Todesfällen oder wenn man mit der Polizei Todesnachrichten überbringt,

00:28:16: ist die reaktion die absolute Standardreaktion.

00:28:20: Ist Kann nicht sein, Sie liegen daneben, Sie liegen falsch.

00:28:23: Und da.

00:28:25: Natürlich könnte ich.

00:28:26: Dann kann ich mitmachen

00:28:27: und kann mich an jeden Strohhalm mit den Leuten klammern und sagen Ja,

00:28:30: vielleicht haben Sie recht, vielleicht täuschen wir uns doch.

00:28:32: Aber ich weiß ja, wenn wir da sitzen und wenn die Polizei da ist,

00:28:36: dann sitzt man da nicht aus Spaß und weil man sich gedacht hat,

00:28:39: das könnte ungefähr hinkommen, sondern weil man sichere Anhaltspunkte hat.

00:28:43: Und da finde ich das eine ganz entscheidende Kompetenz,

00:28:46: auch zu sagen, das ist die Realität, über die

00:28:49: sprechen wir jetzt, und die ist scheiße, da brauchen wir uns auch gar nicht.

00:28:53: Aber so ist es eben definitiv.

00:28:55: Also das ist ein wesentlicher Aspekt.

00:28:58: Ich habe nichts davon, wenn der Mandant,

00:29:00: ja wenn sagen wir es mal so, wenn ich nicht Tacheles mit ihm sprich,

00:29:03: wenn ich es ihm nicht auch wirklich erkläre.

00:29:05: Ich muss es natürlich in einer gewissen Art und Weise völlig richtig,

00:29:08: so wie ihr an der Tür hingeht.

00:29:09: Wenn ihr eine Todesnachricht überbringt, ist das ja auch in gewissem

00:29:13: in einer gewissen Art und Weise

00:29:14: einen gewissen Umfang, wo,

00:29:15: wo ihr ja auch bestmöglich den Leuten in der Situation entgegentritt.

00:29:19: Dazu muss ich es mit ihm auch machen

00:29:21: und ihm da ja einfach auf, auf,

00:29:24: auf eine ehrliche, transparente Art und Weise, weil ich habe nichts davon,

00:29:28: wenn ich ins Goldene vom Ei versprech, was es sicherlich in der Branche auch gibt.

00:29:32: Und am Ende vom Tag, wenn er dann verurteilt und rennt ins offene Messer.

00:29:36: Ich sage ihm ganz klar, wo es hinführen kann und was

00:29:40: ich am besten für eine Strategie empfinde.

00:29:44: Wenn er da eine Be Lösungen will.

00:29:45: Eine Be strategie zeige ich auch die auf und weisen aufs Risiko hin an,

00:29:50: aber am Ende vom Tag.

00:29:51: Also es gab Mandate,

00:29:53: die haben dann zu mir gesagt, der Weg wo ich einen Vorschlag geht gar nicht usw

00:29:57: sind sie zu einem anderen Anwalt, dann war die erste Instanz rum und dann

00:30:01: kamen sie wieder zurück und haben gesagt es ist doch besser, wenn man ehrlich ist.

00:30:05: Und das ist mir einfach extrem wichtig.

00:30:07: Offene und ehrliche Kommunikation mit den Leuten, weil es sind eben nicht

00:30:11: nur rechtliche Fälle, sind immer

00:30:12: Geschichten und Schicksale dahinter und da muss man einfach versuchen,

00:30:16: in rechtlicher wie aber auch in tatsächlicher Hinsicht für die Leute das Beste am

00:30:21: Ergebnis zu erzielen.

00:30:22: Ganz mal bei so Führerscheingeschichten ist ja recht einfach.

00:30:24: Man kann natürlich jedes.

00:30:26: Wenn jemand vorläufig die Fahrerlaubnis entzogen hat.

00:30:28: Man kann das weiterspinnen, man kann überall ins Rechtsmittel gehen,

00:30:31: man kann in die Berufung gehen nach der Hauptverhandlung

00:30:34: oder am besten noch in die Revision.

00:30:35: Aber für die ganze Zeit hat der Mann dann den Führerschein weg.

00:30:37: Und wenn es zum Beispiel nur eine Sperrfrist von sechs Monaten ist

00:30:40: und die Hälfte ist schon rum, dann hätte er ihn schon lang wieder.

00:30:43: Als wenn man das jetzt

00:30:44: noch ein halbes Jahr oder ein Dreivierteljahr weiterspinnt.

00:30:47: Und da muss man dann halt auch mit dem man dann offen und transparent

00:30:50: kommunizieren und sagen Hören Sie zu.

00:30:52: Wollen Sie das wirklich bis zum bitteren Ende durchziehen?

00:30:54: Dann haben Sie den Führerschein viermal so lange weg,

00:30:56: wie wenn wir jetzt schauen, dass wir es auf die Rechtsfolgen

00:30:58: beschränken, vielleicht das Einkommen irgendwie geschmälert wird,

00:31:01: weil er in dem Moment gerade weniger verdient.

00:31:03: Und dann ist für ihn in tatsächlicher Hinsicht

00:31:06: eine deutlich bessere Lösung, wie es vielleicht rechtlich in zwei Jahren später

00:31:09: wäre, wenn am Ende nach zwei Jahren jemand sagt

00:31:12: na ja,

00:31:13: eigentlich hätten wir ihnen den

00:31:13: Führerschein nicht wegnehmen dürfen, war er ja trotzdem zwei Jahre weg.

00:31:17: Natürlich muss man auch nicht alles mit sich machen lassen rechtlich.

00:31:21: Aber das ist im Gesetz

00:31:23: leider manchmal in diesem Fall so geregelt, dass man den Führerschein

00:31:27: de facto länger weg haben kann, als es eigentlich rechtlich der Fall wäre.

00:31:31: Entspannt, weil ich mich gerade wirklich gefragt habe

00:31:33: Was würde ich machen, wenn ich es wirklich, wenn ich es wirklich nicht war?

00:31:36: Also angenommen

00:31:37: Handy telefoniert oder so haben wir vorher ein bisschen drüber gequatscht

00:31:40: und ich war es wirklich nicht.

00:31:42: Ich habe es wirklich nicht gemacht.

00:31:43: Würde ich es ausfechten und ich hätte bei mir vor

00:31:47: fünf Jahren noch gesagt auf jeden Fall im wir Gefecht bis zum bitteren Ende aus.

00:31:51: Heute würde ich glaube ich genau so denken, wie du es gerade gesagt hast.

00:31:55: Manchmal ist es vielleicht auch einfach okay, Dinge ruhen zu lassen und zu sagen

00:32:00: So, jetzt gerade wenn es jetzt um was relativ harmloses geht.

00:32:04: Klar, wenn wir über Kapitalverbrechen sprechen,

00:32:07: ist das natürlich etwas völlig anderes, glaube ich.

00:32:09: Dann kann ich diesen Impuls total nachvollziehen.

00:32:13: Du hast gerade einen ganz interessanten Satz gesagt,

00:32:15: der mir sofort aufgefallen ist Hinter jedem Fall stecken

00:32:19: menschliche Geschichten, stecken Schicksale?

00:32:23: Definitiv.

00:32:24: Ist es nicht merkwürdig, das als Strafverteidiger zu sagen,

00:32:27: der ja ganz oft aus Sicht der meisten

00:32:31: wahrscheinlich das Böse vertritt?

00:32:34: Ja. Ich bin ein Strafverteidiger, ich bin ja auch ein Mensch.

00:32:37: Also, und ja, das ist so der Klassiker

00:32:41: Wie kann man,

00:32:42: wie kann ich das

00:32:42: mit einem Gewissen vereinbaren, was man so bei jedem privaten Fest da gefragt wird

00:32:47: oder Du vertrittst ja die Bösen ja

00:32:51: nicht jeder Mensch, der was Böses macht, ist automatisch gleich ein böser Mann.

00:32:55: Man kommt manchmal in Situationen, die will man halt nicht rein.

00:32:59: Und ich sehe das ja auch immer bei Haufen Interview gegeben,

00:33:03: da war das der Satz drüber.

00:33:04: Ich sehe mich nicht als jemand, der die Bösen vertritt

00:33:08: und nee, so ist der gewiss nicht.

00:33:10: Ich, ich ich versuch einfach.

00:33:13: Ich will jetzt nicht sagen, dass ich ein Arzt bin, aber ich versuch,

00:33:16: wenn ein Mensch zu mir kommt, dass ich dem helfen kann.

00:33:19: Ich sage meinen Arzt wenn.

00:33:22: Wenn jemand zum Arzt geht, der zum Beispiel davor

00:33:26: ganz Schlimmes begangen hat, dann behandelt der Arzt ihn ja genauso.

00:33:30: Also wir können mal ein Beispiel

00:33:33: Es gibt ein Tötungsdelikt, jemand bringt jemand anderes um,

00:33:37: die Polizei kommt an den Tatort und der Täter

00:33:40: hat aber selber eine tiefe Schnittwunde, weil sich das Opfer gewehrt hat.

00:33:43: Ja, da kommen auch die Rettungssanitäter und behandeln den Täter.

00:33:47: Da kommt dann auch ein Arzt dazu.

00:33:49: Und so wie der Arzt auch den Bösen behandelt, so ist auch meine Aufgabe,

00:33:57: den Leuten zu helfen.

00:33:58: Und ja, ich bin ja auch ich bin ja nicht dazu da, nur zu schauen

00:34:04: da dem wird was vorgeworfen, der wird freigesprochen sagen.

00:34:07: Ich bin ja auch dazu da,

00:34:08: Verfahrensrechte zu sichern. Also ein Rechtsanwalt,

00:34:10: ein Strafverteidiger ist Organ der Rechtspflege.

00:34:12: Das heißt, ich habe dafür zu sorgen, dass auch alle

00:34:15: Verfahrensmaxime eingehalten werden

00:34:19: und das in Kombination natürlich mit zu schauen.

00:34:22: Also Strafzumessung hatten wir es ja vorhin, da steht ja explizit drin,

00:34:26: man muss berücksichtigen, warum hat jemand eine Tat begangen?

00:34:30: Man kann ja nicht einfach sagen, einer haut dem anderen eins über die Rübe,

00:34:33: Jeder muss das jetzt macht, kriegt jeder exakt die gleiche Strafen,

00:34:37: weil im Gesetz steht ja sogar drin im Strafgesetzbuch Strafzumessung.

00:34:41: Die persönlichen Schicksale hintendran müssen berücksichtigt werden.

00:34:45: Und es ist ein Unterschied, ob jemand jemand anderes bis aufs Übelste

00:34:49: provoziert, beleidigt, bedroht und man dann eine über die Mütze haut oder

00:34:54: ob man es aus Jux und Tollerei macht, in die Bahn läuft.

00:34:57: Aus Langeweile. Genau genommen.

00:34:59: Und das ist halt meine Aufgabe im Prinzip, so sehe ich es auch dem Gericht

00:35:03: oder der Staatsanwaltschaft dann vielleicht auch zu zeigen,

00:35:06: Hey, da gibt es einen Hintergrund.

00:35:07: So natürlich in dem Ermittlungsverfahren, so sieht sich

00:35:10: jedermann dann Die Scheinwerfer von allen Verfolgungsbehörden sind voll auf.

00:35:14: Ein Mann steht auf der Bühne und jeder guckt einen

00:35:15: an, aber meine Aufgabe ist dann natürlich auch in einem anderen Licht.

00:35:19: Es darzustellen und zu zeigen Hey, warum, Warum kam es dazu?

00:35:24: Wie, was, wo?

00:35:25: Also wenn es zu was kam

00:35:26: es gibt natürlich auch Fälle, wo es zu Unrecht zu was kam,

00:35:29: Dann ist meine Aufgabe zu sagen Hey, nee, so nicht.

00:35:32: Und ja, meine Aufgabe ist natürlich auch, die Beweise zu analysieren.

00:35:36: In dem Fall vorhin habe ich jetzt von dieser falsch Anschuldigung erzählt.

00:35:40: Das gibt es ja wirklich auch oft, dass Leute andere anzeigen,

00:35:44: obwohl was nicht so der Fall ist.

00:35:45: Und wenn jemand selber zur Polizei geht und macht Angaben,

00:35:49: dann ist er nervös und und und aufgeregt.

00:35:53: Und dann sagt er vielleicht irgendwas,

00:35:54: wo er eigentlich ganz anders rüberbringen will

00:35:56: und dann ist meine Aufgabe im Prinzip, ihn dahingehend zu helfen,

00:36:00: dass ich das, was er sagt, sortiert, strukturiert

00:36:04: und auch das rüberbringen, was er wirklich rüberbringen will. Ja,

00:36:08: ist auch ein Unterschied, ob jemand, der was Böses gemacht hat,

00:36:11: wie er sich dann gibt, ob er da sitzt und zappelt und nichts rauskriegt

00:36:15: oder ob dann wirklich ich ihm auf die Sprünge helfen kann Und dann auch.

00:36:18: Ich schreib zum Beispiel Das mache ich regelmäßig für Mandanten, denen eine Tat

00:36:22: wirklich leid tut, die sich aber vielleicht selber gar nicht trauen,

00:36:25: aus welchen Gründen oder es rechtlich auch nicht dürfen.

00:36:27: Ich meine, man darf ja auch nicht auf Zeugen einwirken.

00:36:29: Ja, schreib ich die die Opfer an

00:36:33: und entschuldige mich im Namen von Mandant oder oder wenn es zum Beispiel

00:36:36: um Schmerzensgeld Zahlung geht, biete ich den Leuten an das quasi.

00:36:40: Oftmals wollen die Geschädigten dann nicht die Kontodaten rausgeben

00:36:44: an sozusagen den Täter und dann geht es aufs Kanzlei Konto

00:36:47: und wir tun das dann weiterleiten, wenn die das möchten.

00:36:50: Also ich, ich mache auch so was.

00:36:52: Also das ist so ein bisschen zu dieser Frage.

00:36:55: Strafverteidiger Ja und wie kann ich die Bösen vertreten?

00:36:58: Also ich tu auch wenn man so will, für, für,

00:37:01: für Verurteilte oder Angeklagte oder was auch immer.

00:37:04: Dann tue ich auch solche Situationen herstellen

00:37:07: dass die sich das, dass man da wieder unrecht ausgleichen. Er

00:37:11: Ich finde es eine ganz wichtige Perspektive

00:37:13: und ich habe mir schon gedacht, dass diese

00:37:15: Frage sehr, sehr häufig gestellt bekommst und dass das natürlich irgendwie

00:37:18: so die Standardfrage ist,

00:37:19: die ein Strafverteidiger klingt Wie kann man einen Mörder vertreten,

00:37:22: Wie kann man einen Vergewaltiger vertreten?

00:37:24: Wie kann man sich noch auf deren Seite stellen?

00:37:26: Und ich muss da auch wirklich sagen, dass mir meine Zeit als als Schöffe da

00:37:30: extrem hilfreich war, um auch das noch mal zu verstehen, weil

00:37:34: tatsächlich,

00:37:35: Du hast gerade die

00:37:36: Bühne angesprochen, auf der dann alle Scheinwerfer auf dich gerichtet sind.

00:37:40: Und ich finde, das ist natürlich gerade von den oder durch die Medien oft geprägt.

00:37:43: Genau, was passiert also da wird ein Schlaglicht auf auf was geworfen.

00:37:47: Und wenn man nicht im Gerichtssaal dabei war

00:37:50: und ganz viele Dinge gehört hat und vielleicht auch wirklich

00:37:53: sich mit mit der Geschichte von Täterinnen und Tätern auseinandergesetzt hat,

00:37:57: dann kann man das nicht beurteilen.

00:37:59: Und das habe ich damals wirklich auch sehr gelernt, dass es also wirklich

00:38:03: auch wichtig ist, sich das anzuhören und und auch darauf zu schauen

00:38:07: und auch dann tatsächlich und das habe ich da auch

00:38:11: wirklich ganz, ganz

00:38:12: häufig gemacht, Urteile zu erklären und eben auch zu erklären und zu sagen

00:38:16: Du kannst jemandem nicht nur

00:38:17: das vorwerfen, was er gemacht hat, also nicht nur das Negative hinwerfen.

00:38:21: Du musst auch berücksichtigen, was er richtig gemacht hat.

00:38:25: In der Situation.

00:38:26: Und deshalb ist dieses einfach nur Draufhauen nie richtig.

00:38:30: Definitiv.

00:38:31: Also wenn man ja, ich kenne das ja auch, dann steht in der Zeitung

00:38:35: der wird viel zu milde bestraft oder jetzt vergleicht man das mit dem,

00:38:39: der kriegt für ein Fahren ohne Führerschein die Strafe,

00:38:41: der kriegt für was viel schlimmeres eine ähnliche Strafe.

00:38:44: Man kann das nicht vergleichen.

00:38:45: Das ist immer wieder in dem Buch.

00:38:47: Überall steckt was dahinter und das kann man nicht.

00:38:49: Und ich bin überzeugt, wenn ein Journalist wirklich selber in der Verhandlung wäre

00:38:54: und das alles einfach mitkriegt, was da gesprochen wird,

00:38:57: dass das er dann so was vielleicht nicht unbedingt schreiben würde,

00:38:59: das trifft natürlich nicht auf alle Fälle. Das stimmt.

00:39:01: Gibt immer Ausnahmen, aber so vom Grundsatz her ist schon wichtig.

00:39:05: Und deswegen heißt ja der Grundsatz auch immer,

00:39:08: man muss aus dem Inbegriff der Hauptverhandlung schöpfen.

00:39:10: Also man muss grundsätzlich den Leuten die Möglichkeit geben, rechtliches Gehör,

00:39:14: man muss sie anhören, man soll Zeugen hören.

00:39:16: Durch den Strafbefehl könnte man das natürlich dann

00:39:19: wieder umgehen im verfahrensfördernden Sinne.

00:39:23: Wenn das ganz klar.

00:39:24: Strafbefehle werden ja in der Regel erlassen werden, was sehr,

00:39:27: sehr deutlich ist.

00:39:28: Aber grundsätzlich sagt das Strafgesetzbuch, man soll die Leute hören,

00:39:33: Inbegriff der Hauptverhandlung.

00:39:34: Alles, was in diesem Raum gesprochen wird,

00:39:36: darf das Gericht benutzen, um ein Urteil zu fällen.

00:39:38: Und dann kommt es eben nicht mehr auf die Aktenlage an

00:39:41: und durch dieses persönliche Hören, ja, da kann man das.

00:39:45: Was steckt dahinter? Viel besser

00:39:47: mit einfließen lassen.

00:39:48: Ich hatte vorhin tatsächlich was hat vorhin

00:39:51: eine Frau da, die 85, der wird vorgeworfen,

00:39:54: sie soll

00:39:56: ein anderes Auto beim Auspacken touchiert haben,

00:39:59: Sie hätte den Knall gehört und sei einfach weggefahren.

00:40:03: Ähm, jetzt

00:40:05: sagt die Dame, es gab ein Geräusch, aber sie dachte, sie war felsenfest davon

00:40:10: überzeugt, dass das das Katzenfutter auf der Rückbank war, das umgefallen ist.

00:40:16: Sie hat auch ein Hörgerät und sie sagt durch das Hörgerät,

00:40:19: das war ganz klar diese doofen Katzenfutter Dosen.

00:40:21: Sie ist heimgefahren.

00:40:22: Nächsten Tag sieht sie in der Garage.

00:40:25: Oh, da ist an meinem Auto ein Kratzer.

00:40:28: War das doch nicht die Katzenfutter Dose.

00:40:32: Dann schaut se hoch

00:40:34: und dann ist sie zur Polizei, hat es gemeldet

00:40:36: und gesagt, sie glaubt sich jemand dran gefahren.

00:40:37: Sie weiß noch wo es war.

00:40:38: Sie weiß aber nicht an welches Auto hat es? Klar,

00:40:42: die Staatsanwaltschaft hat

00:40:43: schlussendlich einen Strafbefehl beantragt,

00:40:45: weil die Staatsanwaltschaft sagt, die Frau hätte das gemerkt

00:40:47: und hätte sich der Verantwortung entziehen wollen.

00:40:49: Weg gedüst.

00:40:50: Jetzt sind wir gegen den Strafbefehl vorgegangen.

00:40:53: Da wird es jetzt dann zeitnah zu Gericht kommen.

00:40:55: Da war die Mandantin

00:40:57: schon fast weinerlich bei mir und sie hat jetzt Angst vor Gericht usw.

00:41:01: Dann habe ich der Mandantin auch klipp und klar gesagt

00:41:03: So wie sie mir den Sachverhalt schildert, hat sie sich nicht strafbar gemacht.

00:41:07: Da kämpfen wir dagegen an!

00:41:08: Und dann habe ich ihr gesagt Wenn das Gericht jetzt nur

00:41:11: die Akte liest, dann sind da keine Emotionen drin.

00:41:14: Mann, man hört sie nicht an, man liest einfach Buchstaben,

00:41:18: ob sie jetzt da die Wahrheit sagen oder nicht.

00:41:20: Natürlich gibt es bestimmte ennzeichen.

00:41:22: Das sind Merkmale der Glaubwürdigkeit.

00:41:25: Aber emotionslos.

00:41:27: Ein Satz ist emotionslos. Wenn er da steht, dann habe ich gesagt.

00:41:29: Vor allem da bist du als Jurist ja der, der prädestiniert dafür.

00:41:34: Für die

00:41:34: alle Wissenschaftlerinnen Wissenschaftler sind wir in der objektiven Hermeneutik.

00:41:37: Also fängst du doch an, einen Satz in was weiß ich

00:41:40: wie viele Richtungen auszulegen und zu deuten.

00:41:42: Das ist ja,

00:41:43: was du mit einem Satz viel leichter machen kannst,

00:41:45: als wenn du eine Betonung, eine Emotion usw dazu hast.

00:41:48: Definitiv. Also definitiv.

00:41:50: Schlussendlich habe ich der Mandantin dann gesagt, wenn es zu Gericht geht.

00:41:54: Manchen Mandanten sage ich ja besser, dass der Anwalt für sie spricht,

00:41:58: bei manchen aber erst wenn

00:41:59: wenn es um Emotionen geht, sondern die Leute selber sprechen.

00:42:02: Und in dem Fall habe ich ja gesagt, wenn Sie das dem Richter so sagen wie mir,

00:42:07: dann habe ich keine Bedenken, dass das ein Freispruch gibt, weil die Frau,

00:42:12: das nehme ich ja zu 100 % ab und ich hab so viele Leute und dann geht es eben drum.

00:42:17: Der persönliche Eindruck

00:42:18: steht ja auch im Gesetz so

00:42:19: und das ist auch wichtig, weil dann kann man diese Schicksale auch besser erklären.

00:42:24: Kannst du ein Einblick geben, wie ist die gegangen

00:42:26: Und du hast dir gesagt, die kam fast weinerlich

00:42:28: und war ja wahrscheinlich, Du bist ja ein unglaublicher Anker

00:42:30: für diese Frau gewesen.

00:42:32: Zum einen, weil du das rechtlich einordnen kann,

00:42:34: sondern weil sie aber natürlich auch weiß, ich habe da jemanden an meiner Seite.

00:42:37: Wie ist die rausgegangen?

00:42:39: Ich habe sie beim Rausgehen wieder lächeln sehen und das war

00:42:42: also das sind so Momente, die vielleicht ja dann auch wieder.

00:42:45: Also was macht es mit dir? Ich.

00:42:47: Das freut mich. Also ich.

00:42:48: Ich helf den Leuten gern.

00:42:50: Ja, das sind für mich so die kleinen Dinge, die mir meinen Beruf

00:42:53: noch mit meinem Beruf noch mehr Freude bereiten.

00:42:57: Ich versuche den Leuten immer zu sagen Wenn sie reinkommen, ist das eine.

00:43:00: Und wenn sie bei mir rausgehen, sollen sie das Problem auf meinem Tisch lassen.

00:43:03: Sie sollen nach vorne schauen.

00:43:04: Ich sage immer positive Sozial Punkte sammeln

00:43:08: und die Probleme.

00:43:10: Ich sage immer, so lang ich noch nicht Schweißperlen auf der Stirn habe, dann

00:43:13: sollen sie die bitte auch nicht haben.

00:43:15: Und das kommt ganz gut an!

00:43:18: Natürlich machen sich die Leute im Hintergrund

00:43:20: Gedanken, aber zumindest haben sie dann

00:43:22: ja, wenn sie da rausgehen, einfach ein gutes Gefühl.

00:43:25: Keine Ahnung.

00:43:26: Bei irgendeinem Termin, wo man davor vielleicht wahnsinnig

00:43:28: Angst hatte, sei es jetzt bei einem Zahnarzt oder.

00:43:30: Sei es ein Gehaltgespräch.

00:43:32: Preis und man geht dann raus und hat ein gutes Bauchgefühl.

00:43:35: Das ist immer ganz wichtig.

00:43:37: Ein gutes Bauchgefühl heißt nicht, dass ich den Leuten verspricht.

00:43:39: Sie werden hier definitiv freigesprochen.

00:43:40: Aber das heißt, dass ich den Leuten eine Perspektive aufzeigt,

00:43:43: sei es im Freispruchbereich, sei es im Strafzumessung sbereich.

00:43:47: Das ist wieder jemand googeln, da steht Mord, lebenslänglich,

00:43:50: Das ist dann immer so, kommen die dann rein und sage ich

00:43:52: wissen Sie überhaupt, was die Anforderungen sind für einen Mord usw

00:43:55: Und dann geht man Stück für Stück weiter unten, bis man irgendwann

00:43:58: am Boden der Tatsachen angekommen ist und dann sagt das ist jetzt realistisch,

00:44:02: so und so sieht es aus und dann fällt ein Stein und das ist ein schönes Gefühl.

00:44:06: Dann verstehe ich total, verstehe ich total.

00:44:09: Das ist glaube ich gibt für uns jetzt oder ich spreche mal nur für mich.

00:44:13: Gibt für mich auch wenig Schöneres, als wenn wir in den Einsatz kommen.

00:44:16: Der einfach nur scheiße ist von den ganzen Rahmenbedingungen, was du willst.

00:44:19: Hey, hey, hier geht es.

00:44:20: Das wird jetzt viele, viele beschissene Tage nach sich ziehen

00:44:23: und den Leuten geht es hier nicht gut und man schafft es aber trotzdem,

00:44:27: dass die mal wieder gelacht haben, dass die sich an schöne Momente erinnern.

00:44:31: Das gibt einem selbst ja auch ganz, ganz viel.

00:44:33: Das darf man nicht vergessen.

00:44:35: Was bei dir ja auch wirklich dazu kommt, ist die wissen ja auch Hey,

00:44:38: ich hab hier jemanden, der spielt in meinem Team,

00:44:40: er ist für mich da usw und ich kann das total nachvollziehen,

00:44:45: weil ich kann auch da ein bisschen kurz aus dem Nähkästchen plaudern.

00:44:48: Ich habe auch mal an einem Freitagabend ging es um online Betrug.

00:44:51: Ich meine, dass meine IP Adresse geklaut worden soll.

00:44:54: Lange Rede kurzer Sinn hat dazu geführt, dass ich mal am Freitagabend

00:44:58: von einer Ermittlungsbeamten angerufen wurde,

00:45:01: ob ich nicht Lust hätte, am Montag mal eine Aussage zu machen.

00:45:04: Da habe ich gesagt

00:45:05: Sprechen wir über eine Zeugenaussage oder Nähe als Beschuldigter.

00:45:09: Und dann wusste ich Gott sei Dank, dass ich dazu natürlich nichts sagen muss

00:45:13: und fand das aber interessant, weil

00:45:15: versuch mal Freitagabend

00:45:16: noch einen Strafverteidiger zu erreichen, mit dem du dann noch kurz drüber

00:45:19: sprechen kannst.

00:45:20: Und in meinem Kopf sind auch wildeste Dinge vor sich gegangen.

00:45:24: Es ging ja

00:45:25: Gott sei Dank nicht so weit, dass ich den Speiseplan der JVA ausgedruckt hätte.

00:45:28: Aber man weiß ja nicht, was steckt dahinter?

00:45:30: Das ist das, was ich sage. Nichts. Du weißt nichts.

00:45:32: Die ruft dich am Freitagabend an

00:45:35: und ab dem Moment weißt du nichts mehr und hast jetzt zwei Tage Zeit.

00:45:38: Nein, das ist. Das ist krass. Das macht was.

00:45:41: Das hat mit mir richtig was gemacht.

00:45:43: Dann habe ich auch zwei Nächte schlecht geschlafen.

00:45:45: Hatte Gott sei Dank

00:45:46: das Glück, dass ich an dem Freitag noch ein Strafverteidiger erreicht habe,

00:45:49: der genau wie du das gerade beschrieben hast, Manuel total entspannt war.

00:45:52: Der hat gesagt Nee, jetzt machen Sie mal Folgendes Den Termin

00:45:56: können Sie direkt streichen, da gehen Sie gar nicht hin.

00:45:58: Dann war meine erste Frage Ja, aber dann muss ich.

00:46:00: Ich hatte zugesagt haben, sage ich ja gleich, das ist ein Schuldeingeständnis.

00:46:03: Ich dann, so der Gedanke.

00:46:05: Ich hatte der Beamten zugesagt, hat gesagt kein Problem,

00:46:07: komm am Montag um zehn vorbei, ist ja kein Stress, hab mir nichts vorzuwerfen

00:46:11: und dann mit dem mit dem Verteidiger dann gesprochen, der dann gesagt hat.

00:46:16: Das machen sie nicht. Sie gehen da nicht hin.

00:46:18: Und mein erster Gedanke war ja, da muss ich

00:46:19: die aber ja noch schnell anrufen und absagen.

00:46:22: Und dann hat er gesagt

00:46:23: Nein, nein, es ist ja nicht absagen, Sie können da einfach nicht erscheinen.

00:46:27: Und das hat mich wirklich übers Wochenende auch beschäftigt.

00:46:30: So, das ist, das macht wirklich was mit einem.

00:46:32: Und alleine dann zu hören, da ist irgendjemand,

00:46:35: der das besser einordnen kann als ich, fand ich unglaublich hilfreich.

00:46:39: Ja, ich glaube, darum geht es eben auch.

00:46:41: Genau.

00:46:41: Ja, es ist im Prinzip Man kriegt,

00:46:43: man hat ein Problem, man man hat was, was einen beschäftigt

00:46:47: und man versucht jemanden zu haben, der es einmal rational sieht,

00:46:52: das in tatsächlicher Hinsicht mich beruhigt und wo man weiß es, der hat

00:46:55: es hat auch rechtlich irgendwas definiert,

00:46:57: was für Leute auch immer wichtig ist, der macht es regelmäßig.

00:47:00: Ja, also ich weiß ja,

00:47:02: wie es von Beginn an abläuft, Ich weiß, wo es am Ende hinführen könnte

00:47:06: und man fühlt sich einfach geborgen, wenn man da weiß,

00:47:09: jemand ist an einer Seite und an ihm.

00:47:12: Also definitiv, Das kann ich so sagen.

00:47:15: Um die Geschichte fertig zu erzählen.

00:47:17: Bevor jetzt hier irgendwelche Gerüchte über Gerüchte entstehen.

00:47:20: 170 Strafprozessordnung ist es, wenn ich es richtig im Kopf habe, zwei

00:47:24: Absatz zwei ist eingestellt worden, ist genauso gekommen,

00:47:27: wie der Verteidiger mir das am Abend noch gesagt hat,

00:47:29: weil man sich überhaupt keine Gedanken machen.

00:47:31: Ich soll mal gucken, ob ich nachweisen kann,

00:47:32: dass meine IP Adresse irgendwo gestohlen ist.

00:47:34: Konnte ich problemlos nachweisen.

00:47:36: Ist über so eine Website gelaufen?

00:47:38: Sache erledigt gewesen.

00:47:40: Hätte ich das aber alleine irgendwie wusste dann, wer da war.

00:47:43: So hilfreich, dass dieser Mann da war, der gesagt hat Ganz entspannt bleiben,

00:47:47: Mir wird gar nichts passieren.

00:47:48: Er sollte Recht behalten.

00:47:50: Es gibt halt die Situation Man geht zur Polizei,

00:47:52: die Polizei hat die Ermittlungsakte,

00:47:54: vielleicht gibt es Videoaufnahmen oder sonst was, von denen man nichts weiß.

00:47:58: Die Polizei fragt natürlich dann schon in eine gezielte Richtung.

00:48:02: Viele Mandanten sagen dann aus Nervosität irgendwas, wo sie vielleicht

00:48:06: auch spekulativ sagen.

00:48:07: Manchmal wissen

00:48:08: ja Leute auch nur noch Teilfetzen und und bilden sich dann eine Geschichte draus.

00:48:12: Und am Ende vom Tag ergibt die Ermittlungsakte dann was ganz anderes.

00:48:17: Und selbst wenn sie es dann nicht waren,

00:48:18: ist man dann automatisch schon mit einem Vollverdacht. Also

00:48:23: deswegen, da sollte man immer erst mal die Klappe halten.

00:48:25: Ja, auch am Freitagabend gibt es Anwälte.

00:48:28: Offensichtlich.

00:48:29: Ja, ja, es war auch echt.

00:48:30: Es war 19:00 irgendwie.

00:48:32: Und ich habe natürlich dann so ein paar angerufen und bei allem dann Glück gehabt.

00:48:34: So, also ja, du hast ja auch nicht.

00:48:36: Das ist ja auch eine wilde Geschichte.

00:48:37: Hast ja nicht

00:48:38: die die Nummer von dem Strafverteidiger oder Strafverteidiger auf der taste.

00:48:42: Bis dahin vielleicht ja auch.

00:48:45: Ich habe tatsächlich mir die Angewohnheit gemacht.

00:48:47: Also ich habe auf der Homepage

00:48:50: ein Zweithandy angelegt, habe da so eine Notfallnummer

00:48:53: und das Zweithandy habe ich eigentlich umgeleitet

00:48:55: auf meins und oftmals und ja, ich sage mal,

00:48:59: wenn was wirklich dringend ist, da geht es

00:49:01: aber wirklich nur um diesen Moment, die Leute kurz zu berühren.

00:49:04: Ja, das ist dann Wochenende usw, dann sagt man Hey,

00:49:07: jetzt fahren Sie mal Impuls runter, das klären am Montag, Sie müssen da nicht

00:49:10: hin, Sie müssen noch nicht absehen, Sie müssen gar nichts machen.

00:49:12: Wenn es wirklich

00:49:13: ganz arg auf der Seele brennt, rufe ich für die auf der Dienststelle an und sag

00:49:17: ich vertrete jetzt kommt am Montag nicht und dann sind die fürs Wochenende schon

00:49:20: wieder beruhigt.

00:49:21: Dann sage ich Kommen Sie am Montag ins Büro oder Dienstag, wie es passt.

00:49:24: Und dann besprechen wir erst in Ruhe.

00:49:25: Und das sind nur solche Sachen, oder?

00:49:28: Klar, Haft Situation.

00:49:30: Das war es. Nämlich. Genau.

00:49:31: Das ist ja noch mal so super. Gerne auch noch mit dir drauf.

00:49:33: Schon weil das ist ja noch mal ein ganz anderes Extrem.

00:49:35: Was ganz anderes.

00:49:36: Ja, da sind Emotionen und ja Schicksale, Geschichten ganz extrem.

00:49:42: Also gibt es geht von jemand, wo sozusagen

00:49:46: niemand mehr im Umfeld hat, wo verhaftet wird

00:49:48: bis zu was ich erlebt habe bei Haftbefehl zu Eröffnung,

00:49:51: wo die ganze Familie mit zwölf Leuten vor dem Gerichtssaal steht.

00:49:55: Und wenn jemand verhaftet wird,

00:49:57: muss er innerhalb von 24 Stunden dem Haftrichter vorgeführt werden. Und

00:50:02: wo dann das ganze

00:50:02: Gericht quasi dann wartet, bis er in den Gerichtssaal

00:50:05: als ganze die ganze Familie wartet, wie er reingebracht wird.

00:50:09: Also habe ich beides schon erlebt und das muss,

00:50:11: das muss so eine Situation sein, dann zwölf Leute da stehen.

00:50:14: Der Bruder, Sohn,

00:50:15: was auch immer da reingebracht werden, also da steckt ganz viel dahinter.

00:50:19: Und da ich natürlich als Strafverteidiger da, da ist auch viel Feingefühl gefragt

00:50:23: und da ist man tatsächlich in erster Linie dann auch für die Familie danach

00:50:27: der erste Ansprechpartner.

00:50:29: Das habe ich ganz oft und ja, das fordert auch einiges

00:50:33: von einem, weil man halt auch merkt, wie geht es den Leuten.

00:50:36: Es muss schon ein schlimmes Gefühl sein,

00:50:38: wenn man

00:50:38: als Eltern zum Beispiel nach Hause geht und weiß, der Sohn oder die Tochter

00:50:43: ist jetzt heute Nacht in der

00:50:44: JVA alleine da, keiner kann mit ihm reden.

00:50:48: Da habe ich so eine Situation und das hat mich dann schon ja mitgenommen.

00:50:54: Aber da muss man versuchen halt auch da tatsächlich aufarbeiten und rechtlich

00:51:00: aufarbeiten, rechtlich gleich sagen, was es für Möglichkeiten gibt.

00:51:04: Auf was wird der Haftbefehl gestützt?

00:51:06: Das gibt ja bestimmte Haftgründe an und muss halt sagen

00:51:10: okay, wir können dagegen ankämpfen,

00:51:12: wir können Haftprüfung, eine Beschwerde gegen Haftbefehl einlegen

00:51:15: und ja, in vielerlei Fälle, gerade wenn eine Familie dahinter steht.

00:51:20: Wenn das Delikt jetzt nicht ganz so schwer ist, kriegt man zum Beispiel

00:51:23: eine Fluchtgefahr wieder ausgeräumt.

00:51:25: Dann können die Eltern bürgen,

00:51:26: dass er aufs Kind aufpassen usw oder eine Kaution vielleicht hinterlegen.

00:51:29: Es geht es eigentlich nur darum, dass er nicht abhaut,

00:51:31: wenn man Fluchtgefahr annimmt.

00:51:33: Und so kann man es den Eltern oder der Familie dann erklären und dann am

00:51:37: ja dann

00:51:39: ist auf jeden Fall schon mal ein erster Schritt,

00:51:41: weil die dann wieder am Ende sind ja quasi nur ein Tunnel, der dunkel ist

00:51:44: und ich versuche dann ein bisschen Licht da reinzubringen, dass die wieder sehen.

00:51:47: Am Ende des Tunnels gibt es wieder Licht.

00:51:49: Und ja, das jetzt bei jemand wo Background dahinter steht.

00:51:53: Aber es gibt natürlich auch Betäubungsmittel, Milieus, Schicksale

00:51:56: wo jemand gar niemanden mehr hat, wo er dann in Haft kommt.

00:51:59: Und erst vor kurzem habe ich jemand verteidigt, hat

00:52:02: sein Bein verloren und hat die Straftaten begangen.

00:52:05: Was bei noch hat, muss danach aufgrund von der Sucht abgenommen werden.

00:52:10: Und jetzt sitzt er in Haft mit nur einem Bein

00:52:13: und das ist auch ein Schicksal dahinter.

00:52:16: Ja und da ist jetzt aber auch dran,

00:52:19: ein gutes Ergebnis für ihn zu erzielen, dass er da auch mal so therapeutisch

00:52:23: behandelt wird und gleichzeitig noch spezifisch natürlich auch

00:52:28: psychologisch mit dem Verlust des Beines und so,

00:52:31: aber das mit der Haft Situation war dann auch nicht ein spezielles Schicksal.

00:52:35: Aber ja, Haft ist immer was krasses.

00:52:38: Man wird da teilweise aus dem Lebensumfeld gerissen, ist auch immer

00:52:42: ja, es gibt ja ganz viele Deliktsbereiche,

00:52:45: wo zur Haft führen kann ein Prinzip kann jeder jedes Delikt zu Haft führen.

00:52:48: Aber doch sind es schon immer wieder ähnliche Bereiche Betäubungsmittelhandel

00:52:53: im größeren Stil oder Gewerbsmäßigkeit von Sachen,

00:52:56: bandenmäßige Begehung von Straftaten oder natürlich Kapitaldelikte.

00:53:02: Und da muss man dann auch immer schauen, was steckt dahinter?

00:53:05: Bei Betäubungsmittelhandel

00:53:08: oft auch eine größere, also wenn es um Bande und so geht,

00:53:10: eine Struktur dahinter, wo dann die Leute sich irgendwann entschieden haben

00:53:14: an sich ja, die handeln dann teilweise im Hintergrund wie eine Firma.

00:53:18: Also man kann es schon so bezeichnen, dann ist

00:53:21: in der Regel denken die schon mal drüber nach,

00:53:24: was können sein, wenn nicht erwischt werden.

00:53:26: Im Gegensatz dazu sind jetzt Gewalthandlungen oftmals aus Situationen

00:53:29: raus, die nicht lang geplant sind, sondern die sozusagen

00:53:33: die aus Streitigkeiten oder so was heraus aus Emotion heraus geschehen.

00:53:37: Und da muss man halt immer schauen wie wie Stahl aufgebaut, was steckt dahinter?

00:53:42: Manchmal kommuniziert man eben nur mit Mandant.

00:53:45: In Haft ist die Kommunikation natürlich auch erschwert. Also

00:53:49: ja oder manchmal kommuniziert man halt mit der Familie.

00:53:52: Die rufen einen,

00:53:53: wenn Familie da ist, dann sowieso

00:53:54: meistens auch immer an, muss man dann auch erst mal schauen.

00:53:57: Darf ich mit der Familie sprechen?

00:53:58: Hat der Mandant nicht von der Schweigepflicht entbunden?

00:54:01: Und wenn er das hat,

00:54:03: dann darf ich der Familie natürlich mal Auskünfte auf jeden Fall geben.

00:54:06: Ähm, ja, spannendes Feld.

00:54:09: Was macht es mit dir, wenn du jemanden siehst,

00:54:13: der möglicherweise auch das erste Mal in Haft kommt und

00:54:18: das nicht gewohnt ist?

00:54:19: Da also möglicherweise auch so vom.

00:54:23: Das ist jetzt vielleicht schwierig, das so zu formulieren, aber vom Typ her

00:54:27: jetzt auch niemand, der in der Haftanstalt passt so, weil

00:54:33: keine Ahnung ist.

00:54:34: Vielleicht hast du sogar ein Beispiel im Kopf, wo du sagst

00:54:36: Aber das passt eigentlich, da hat nichts zusammengepasst.

00:54:38: Das war ein Aussetzer, der irgendwie genau dazu geführt hat oder so.

00:54:41: Ähm, ja, ich habe schon so ein Fall im Kopf,

00:54:44: will mich da aber zurückhalten, weil der schon medial auch präsent.

00:54:47: Okay.

00:54:48: Ähm, aber das war jemand das erste Mal in Haft gekommen, jüngerer Kerl

00:54:54: und da habe ich schon dann auch gedacht, das passt da gar nicht rein.

00:54:59: Ähm, ja, das habe ich dann schon so mitgenommen. Und

00:55:04: ja, mit der Zeit haben

00:55:07: ja, wie soll ich sagen, hat sie das?

00:55:09: Es war zwangsweise so, er musste dort sein.

00:55:12: Aber ja, in den ersten Moment war es dann schon, wo ich so gedacht habe,

00:55:18: das wird schwierig, wenn Ich weiß ja auch, wie es in der Haft abläuft.

00:55:20: Jemand dann erzählen mir das ja auch,

00:55:24: dass in der Haft gelten Sage ich mal, intern bestimmte Regeln

00:55:29: und wo die Häftlinge untereinander haben.

00:55:32: Und ja, wenn dann jemand so Neues dazu kommt,

00:55:36: wo so wirklich noch so na Bübchen, wo wirklich noch keinerlei Erfahrung

00:55:41: mit so was hat und gerade frisch

00:55:42: im Erwachsenenbereich überhaupt vom Rechtlichen her angesiedelt ist.

00:55:46: Er soll nicht mehr heranwachsen, sondern erwachsen.

00:55:49: Das ist irgendwie.

00:55:50: Nach dem 21..

00:55:51: Lebensjahr ist das genau, aber ab dem 21.

00:55:53: Lebensjahr ist man dann nicht mehr Heranwachsender, sondern erwachsen.

00:55:56: Und dann gilt halt Erwachsenenstrafrecht.

00:55:58: Das kann im Prinzip fünf Tage können da einen Riesenunterschied machen.

00:56:03: Also zwischen 18 und 21 ist man Heranwachsenden ab

00:56:06: 21 erwachsen und als Heranwachsender muss man schauen,

00:56:09: ob Jugendstrafrecht angewendet wird oder doch schon erwachsen ist.

00:56:13: Es geht beides.

00:56:13: Aber ja, da können wenige Tage natürlich was ausmachen,

00:56:16: weil im Jugendstrafrecht zählt

00:56:18: ja der Erziehungsgedanke und im Erwachsenenstrafrecht ja andere

00:56:22: relevante Gesichtspunkte und ja, also

00:56:26: der eine Fall, das hat mich tatsächlich ein bisschen beschäftigt.

00:56:29: Ich konnte aber sehr gut mit dem Mandanten und ich konnte dann halt in dem Moment

00:56:32: dahingehend auch für ihn da sein.

00:56:34: Es will da mehr tatsächlich, als es rechtlich in dem ich ihn,

00:56:37: sage ich mal in den ersten sechs Wochen, glaube ich, viermal besucht habe

00:56:40: und mit ihm wirklich dann den Fall intensiv durchgesprochen habe,

00:56:43: dass er auch einfach

00:56:44: das Gefühl hat und nicht nur das Gefühl, sondern dass es auch zutrifft,

00:56:47: dass das jemand sich darum bemüht, dass jemand auch für ihn kämpft.

00:56:52: Also meine Aufgabe ist auch für die Mandanten zu kämpfen.

00:56:55: Ich habe da schon auch Leidenschaft

00:56:58: und will schon für die alles rausholen.

00:57:01: Also das macht mir ja auch Spaß, mich dann reinzufuchsen.

00:57:04: Und so konnte ich ihm dann das Gefühl geben, dass er halt nicht allein ist oder

00:57:08: was auch ganz wichtig ist.

00:57:09: Das macht auch jeder Strafverteidiger anders.

00:57:11: Ich mache es für die Mandanten

00:57:13: Besuchserlaubnis für die Familie beantragen, Telefon, Erlaubnis beantragen,

00:57:17: dass er recht schnell mit der Mutter zum Beispiel Kontakt haben kann,

00:57:21: dass er mit mit nahen Bezugspersonen die Person dann einfach

00:57:25: Kontakt aufnehmen kann, dass man ihm da hilft in dieser Situation,

00:57:28: dass er halt einfach merkt ich bin nicht alleine.

00:57:30: Am Ende vom Tag sitzen sie in einem Raum, der Raum hat ein kleines Fenster,

00:57:35: da kommt ein bisschen Licht rein, ist noch mit Häftling,

00:57:37: drinnen ist eine kleine Toilette

00:57:38: und wenn er Glück hat im Fernsehen, nicht in jeder JVA aber

00:57:42: und an sich in Mini Raum und da sitzt da und abends

00:57:45: und schaut die Wand an und hat genügend Zeit am Tag haben sie dann eine Stunde

00:57:48: Hofgang in U Haft Dürfen sie manchmal ja, manchmal nein, ja auch nicht arbeiten.

00:57:53: Manchmal dürfen sie nicht unter andere, je nachdem nach Situation.

00:57:57: Und dass er einfach weiß, er sitzt jetzt nicht ganz allein da,

00:58:00: sondern man im Hintergrund schaut man, was man tun kann.

00:58:04: Und das ist ganz wichtig.

00:58:05: Also für mich in Haft.

00:58:06: Deswegen,

00:58:07: wenn ich jetzt zum Beispiel zwei, drei Wochen in Urlaub gehe,

00:58:10: dann denke ich immer so,

00:58:11: wen habe ich gerade in Haft und will vorher einfach

00:58:13: die Situation in der Haft mit den Leuten besprochen haben.

00:58:17: In der Regel geht man es bei der Haft

00:58:19: ganz am Anfang durch und schaut, hat man realistische Chancen, ihn rauszuholen,

00:58:23: dann versteht man dieses Verfahren, wenn es der Mandant möchte, einmal durch,

00:58:26: Im besten Fall kriegt man ihn raus.

00:58:27: Im worst case muss er halt bleiben.

00:58:29: Aber dann, bis die sechs Monate Grenze ist, passiert dann oft nichts mehr.

00:58:34: Also nach sechs Monate

00:58:36: sollte die Staatsanwaltschaft im besten Fall Anklage erheben.

00:58:39: Ansonsten müssen sie

00:58:40: sich beim OLG rechtfertigen, warum das quasi noch nicht geschehen ist.

00:58:44: Der Gesetzgeber will damit, dass Fälle mit Untersuchungshaft

00:58:47: halt einfach schnellstmöglich vorher entschieden werden.

00:58:51: Was ja nachvollziehbar ist angesichts dessen, was du gerade beschrieben hast.

00:58:55: Der würde

00:58:56: also ich kann mir das nicht vorstellen, ich will mir das auch ehrlich gesagt

00:58:59: gar nicht richtig vorstellen,

00:59:01: wie genau so was ist.

00:59:03: Also da ist es glaube ich schon

00:59:05: unfassbar viel wert,

00:59:06: dass man einen Strafverteidiger hat, der sagt Ich interessiere mich für dich

00:59:09: und du hast gesagt, viermal in sechs Wochen besuchte,

00:59:11: musst du dir aber trotzdem mal überlegen, wie wenig das ist.

00:59:14: Ja, ja, das ist ja unfassbar wenig.

00:59:16: Dafür, dass du die anderen 22, 23 Stunden unter Leuten bist,

00:59:21: von denen du nicht weißt, wer will dir hier was Gutes tun?

00:59:24: Wie verhalte ich mich, wenn ich da noch nie war?

00:59:26: Definitiv.

00:59:27: Also, das.

00:59:28: Ist, wenn jemand noch nie in Haft war, dann frisch erwachsen

00:59:32: und dann mit anderen, die teilweise jahrelang da in Haft sind, er weiter

00:59:36: das macht was mit ihm, mit dem Mensch, Das ist ja alles klar.

00:59:40: Ich Ja, ich.

00:59:41: Ich habe auch Mandanten erlebt.

00:59:43: Es gibt Mandanten, die die kommen halt immer wieder in Haft,

00:59:47: Die nehmen das dann so hin, denn für die ist auch immer dramatisch.

00:59:49: Es gab tatsächlich auch schon solche Schicksale,

00:59:52: die wollten wieder in Haft, weil sie sagen Na ja, draußen,

00:59:56: ich habe kein Dach überm Kopf, ich habe kein warmes Essen.

00:59:59: Äh, ganz ehrlich, was habe ich zu verlieren?

01:00:01: Dann lieber in Haft.

01:00:03: Das gibt es wirklich auch.

01:00:04: Habe ich auch schon erlebt, wo ich dann

01:00:06: meine Aufgabe auch ein bisschen darin gesehen habe, ihm zu sagen

01:00:08: Na ja, was ist denn Ihr Ziel?

01:00:09: Dann gehen Sie wieder

01:00:10: für irgendwelche kleine Diebstahl, Beschaffungskriminalität,

01:00:13: also klein in Anführungszeichen, einfach im Verhältnis zu den Delikten.

01:00:17: Gehen Sie dann wieder 345 Monate in Haft, gehen wieder, gehen wieder raus.

01:00:22: Und das ist ja dann Hamsterrad.

01:00:23: Schauen Sie, dass Sie da mal also rauskommen aus diesem Rad.

01:00:27: Ich meine, es gibt wirklich viele einrichtungen

01:00:29: und da vermittle ich mittlerweile habe ich mir einen guten Kreis gebildet.

01:00:32: Da vermittle ich dann immer Ansprechpartner für Schuldnerberatung,

01:00:36: für Betäubungsmittelsucht, für alles Mögliche,

01:00:40: Arbeitsstellen, Vermittlung.

01:00:42: Ja, und das ist dann meine Aufgabe.

01:00:45: Das auch wieder weniger rechtlich wie mehr.

01:00:46: Tatsächlich, ähm, wo ich den Leuten halt da Anlaufstellen geben kann.

01:00:52: Bei manchen klappt's und also wenn jemand gewillt ist, wirklich

01:00:55: was von so was wegzukommen und noch auf die gerade Bahn zu kommen,

01:00:59: dann bin ich echt jemand, der mich wahnsinnig engagiert, weil

01:01:02: das ist für mich dann ein Erfolg, wenn ich einfach sehe, was kommt daraus?

01:01:06: Ich hatte auch einen Mandant, der hat auch Betäubungsmittelgehandelt.

01:01:10: Also wirklich ordentliche Geschäfte.

01:01:13: Da, aber auch ordentlich im Sinne von der Menge abgewickelt

01:01:18: und dann auch noch Betrügereien, Hehlerei, also recht

01:01:22: großes Dealer, der das betrieben und dann kam auch in Haft.

01:01:28: Wir haben es hingekriegt, ihn nach einen Monat raus

01:01:30: und das Verfahren geht jetzt schon drei Jahre

01:01:33: und da haben wir es jetzt hingekriegt, dass er.

01:01:35: Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt,

01:01:37: das heißt, ihn gibt es noch,

01:01:38: aber man hat ihm quasi zugestanden, solange das die Füße still hält,

01:01:42: sich an gewisse Regeln hält, darf auf freiem Fuß bleiben.

01:01:45: Also man schaut quasi noch mit einem Auge drüber, wenn man das mal so sagen mag.

01:01:49: Und der hat in dieser Zeit hat er jetzt

01:01:52: eine Betäubungsmitteltherapie durchlaufen, abgeschlossen.

01:01:56: An der hat sich ein Job besorgen können.

01:02:00: Also ein echt guten Job hat sich darin ich meine sogar also mit Fortbildungen

01:02:04: usw er sich recht gut hochgearbeitet in dem Betrieb an

01:02:08: und ah ja keine Straftat begangen.

01:02:11: Mit seiner Familie war er im Ärger, hat alles versöhnt,

01:02:15: hat jetzt eine eigene Wohnung, hat jetzt eine Lebensgefährtin gefunden.

01:02:19: So in den drei Jahren hat das sein Leben komplett umgekrempelt

01:02:22: und jetzt gehe man natürlich in die Hauptverhandlung.

01:02:25: Die fängt ich irgendwann Anfang nächstes Jahr findet die statt.

01:02:28: Ja, und jetzt haben wir natürlich super Karten.

01:02:32: Das ist

01:02:32: so was, wo ich sage, das ist Paradebeispiel und das ist was.

01:02:35: Also dem Mandant, da freue ich mich echt, wenn der als ins Büro kommt

01:02:38: zum Besprechen.

01:02:40: Der hat sich so gewandelt und ja, das ist für einen Strafverteidiger auch

01:02:44: was Schönes.

01:02:45: Das ist so ein bisschen die Sache, Wie kann man die Bösen vertreten?

01:02:47: Aber meine Aufgabe ist es, nicht nur die zu vertreten,

01:02:50: sondern wenn ich das hinkriegt von von jemand wo ganz klar.

01:02:53: Also die Beweislage ist erdrückend und dann bis dahin,

01:02:56: dass er zu Gericht geht als gestandener Mensch,

01:02:58: der frei von allen Straftaten ist mit dem gewandelten Leben.

01:03:01: Das ist dann schon eine schöne Geste.

01:03:03: Auf jeden Fall.

01:03:04: Das kann ich total nachvollziehen.

01:03:06: Ja, weil man es oft genug auch andersrum erlebt.

01:03:08: Eben. Ja.

01:03:10: Ich habe

01:03:11: einen Fall tatsächlich erlebt, da ging es auch wirklich um

01:03:14: um eine schreckliche Tat.

01:03:17: Muss man wirklich so sagen.

01:03:19: Wo man vor Gericht aber auch gemerkt hat, dass das diesem Angeklagten

01:03:23: mit dem hat die Familie gebrochen, der hat keinerlei Sozialkontakte mehr gehabt,

01:03:28: den Job verloren, war Koch damals usw was ja dann auch

01:03:32: in dem Fall auch mit Drogen zu tun gehabt usw

01:03:36: Und er hatte auch einen Strafverteidiger, der glaube ich viel viel mehr

01:03:40: emotionaler Beistand

01:03:41: war in dieser Verhandlung, weil das für den die absolute Hölle war,

01:03:44: glaube ich da zu sitzen und das auch eingeräumt usw und aber

01:03:48: einen tollen Strafverteidiger gehabt der sich dafür eingesetzt hat,

01:03:52: dass er eine Therapie machen kann und so und dann in dieser Verhandlung wirklich

01:03:55: emotionalen Beistand geleistet hat.

01:03:57: Und ich glaube, das war für diesen Strafverteidiger 80 % seines Jobs

01:04:02: an dem Tag

01:04:02: und nur 20 % waren am Ende irgendwie

01:04:04: das Plädoyer zu halten und das noch mal einzuordnen aus seiner Sicht.

01:04:07: Also das war unglaublich zu beobachten, wie die menschlich das teilweise

01:04:10: dann doch auch zugeben muss und man das eben nicht ganz trennen kann.

01:04:14: Das Menschliche und das das Strafrechtliche, sage ich mal definitiv.

01:04:17: Das ist ein großer Teil der Tätigkeit

01:04:20: und das ist auch das, was auch wieder Spaß macht.

01:04:23: Eben also nicht nur das rechtliche Helfen,

01:04:26: für das man jahrelang studiert hat, sondern auch das tatsächliche Helfen.

01:04:30: Aber da ist jeder Strafverteidiger tatsächlich anders.

01:04:33: Ja, ja. Klar, weil Verteidigung und Pflichtverteidiger

01:04:36: es gibt Pflichtverteidiger, die machen wahnsinnig tolle Arbeit für die Mandanten.

01:04:40: Es gibt Pflichtverteidiger, die lassen es halt ja machen das Nötigste.

01:04:44: Da gibt es wie in jeder Branche immer Unterschiede.

01:04:47: Aber es liegt glaube ich, auch nicht jedem gleichermaßen.

01:04:50: Also es liegt nicht jedem,

01:04:51: diese menschliche Komponente wahnsinnig gut zu spielen.

01:04:54: Wenn wenn das geht ja schon mit Sympathie und Antipathie möglicherweise los.

01:04:58: Wenn dir jemand jemandem von Anfang an nicht so richtig vertraust,

01:05:01: dass er wirklich nichts gemacht hat, dann wird es glaube ich, schon schwer.

01:05:04: Denn dann musst du dich, glaube ich, mehr auf diesen rationalen Aspekt beziehen,

01:05:08: weil emotional hast ja dann offensichtlich keinen Zugang.

01:05:10: Ja und und da ticken glaube ich alle Menschen unterschiedlich.

01:05:15: Aber was mich noch interessiert, so zum Schluss war

01:05:17: oder auch etwas gerade gesagt für dich prüfst du immer vom Urlaub.

01:05:23: Noch mal wen habe ich in Haft? Da gehe ich noch mal hin.

01:05:25: Es gibt Fälle, die du mit nach Hause nimmst.

01:05:27: Auch das heißt, es beschäftigt dich schon auch

01:05:31: wieder.

01:05:31: Ja, in.

01:05:33: Der ist auch so nicht ganz typische Juristen.

01:05:35: Es kommt darauf an ähm.

01:05:37: Ja, ich nehme Fälle schon mit nach Hause, aber ich nehm sie nicht so mit

01:05:41: nach Hause, dass ich nicht schlafen.

01:05:43: Und das gab's recht

01:05:44: wenig, dass ich wirklich nicht mehr schlafen kann

01:05:46: wegen dem Fall. Wenn ich nicht mehr schlafen kann,

01:05:49: dann liegt es daran, dass ich drüber nachdenke.

01:05:51: Wie finde ich eine Lösung?

01:05:52: Ich denk, ich lege dich zu Hause und und und tu über die schlimme

01:05:56: oder die Schwere der Fälle nachdenken, sondern eher,

01:06:00: weil es mich wurmt, Wie finde ich da eine Lösung oder

01:06:03: wie komme ich zu einem angemessenen Ergebnis?

01:06:06: Es gab bislang ein einziger Fall, den ich mit nach Hause genommen hab

01:06:11: und wo ich einfach dann

01:06:12: mal so ein paar Minuten zu Hause, dann so ein bisschen Bauchgrübeln bekommen habe.

01:06:18: Aber ansonsten versuche ich wirklich,

01:06:20: wenn ich die Tür, die Bürotüre abschließe, dass ich das im Büro lass.

01:06:26: Also ja, das kriege ich auch wirklich ganz gut hin.

01:06:30: Ähm, gut, meine Bürotür wird dann halt erst.

01:06:32: Relativ spät abgeschlossen.

01:06:34: Okay, es braucht Möglichkeit, darüber nachzudenken.

01:06:39: Aber. Also ich, ich. Ich mache das.

01:06:41: Ich arbeite auch ganz gerne am Wochenende mal und und so Ermittlungsakten

01:06:45: in einer Akte kommen mit zwei 3000 Seiten oder noch mehr.

01:06:47: Die kann man ja jetzt auch nicht im Alltag lesen.

01:06:48: Da muss man da mal am Wochenende,

01:06:50: da hole ich mir da was Leckeres zu essen, setz mich da hin und lies ja,

01:06:54: dass ich da wirklich

01:06:55: einen Überblick kriege und dann mache ich mir solche Gedanken

01:06:58: zu solchen Zeitpunkten.

01:07:00: Aber wirklich,

01:07:00: ich versuche da immer lösungsorientiert zu denken, weil

01:07:03: wenn der, der eigentlich die Panik nehmen soll,

01:07:06: selber noch sich zu viele Gedanken macht

01:07:08: und in Panik kommt, dann ist keinem geholfen.

01:07:10: Völlig richtig.

01:07:11: Ich schaue das ich es wirklich rational an

01:07:15: ja überdenke und dann immer dann

01:07:18: wenn ich mit dem Mandanten ins Gespräch gehe und er merkt

01:07:20: ich habe eine Nacht geschlafen, weil es mich so gegrübelt hat,

01:07:24: dann fühlt er sich nicht mehr sicher, sondern damit er der schon Angst hat

01:07:27: Was soll ich denken?

01:07:27: Und er so ne, aber ich ja nicht.

01:07:31: Ich kann das ganz gut differenzieren. Also wie gesagt,

01:07:33: es gab einen einzigen Fall und es war wirklich schwerer.

01:07:36: Sexueller Missbrauch war da und das habe ich dann mit nach Hause

01:07:39: genommen, habe es aber auch ganz gut hingekriegt.

01:07:41: Rational, weil wie gesagt, ein Anwalt ist auch da Verfahrensrechte zu sichern,

01:07:47: einfach die Situation hinter dieser Person darzustellen

01:07:49: und eben jetzt nicht einfach zu versuchen, jemand, der was Schlimmes getan hat,

01:07:54: dass der jetzt als unschuldig gilt, sondern

01:07:57: ich bin dazu da, wenn jemand was wirklich nicht getan hat,

01:07:59: dass er dann freigesprochen wird. Das kann man so sagen.

01:08:01: Und ansonsten bin ich dazu da, einfach bestmöglich zu helfen

01:08:05: in allerlei Hinsichten.

01:08:07: Es haben ja ich sage mal, festgestellt, dass es tatsächlich sein kann oder

01:08:10: rechtlich einfach bestmöglich zu helfen,

01:08:14: dass ich mich drin und das ich meine Aufgaben tun.

01:08:17: Wir Mandantinnen Mandanten manchmal leid,

01:08:21: gab es auch.

01:08:21: Ja, gab es auch.

01:08:22: Also ja, kann ich so sagen.

01:08:25: Es gibt Mandanten, die tut mir leid als Rechtsanwalt

01:08:30: oder juristisch man natürlich schon privilegiert. Ja.

01:08:36: Und wenn man dann manche Schicksale von anderen sieht,

01:08:39: die zum Beispiel keine Familie mehr haben, die in einem gewissen Milieu

01:08:43: sich vorfinden, das tut einem dann schon leid.

01:08:48: Und das sind dann so Momente, wo ich den Leuten halt versucht, dann

01:08:52: Auswege aufzuzeigen, wie oder

01:08:55: was heißt Auswege, wie es einfach vielleicht besser laufen kann,

01:08:58: jemand wo dauerhaft Geldsorgen hat und deswegen immer mal wieder

01:09:02: Beschaffungskriminalität in die Beschaffungskriminalität geschickt wurde.

01:09:06: Also nicht mal selber, sondern quasi wenn.

01:09:09: Es gibt ja Menschen, die sehen, andere haben nix und dann sagen die glaub mir,

01:09:12: der Klassiker eigentlich gehen Müller Und glaub mir, das Parfüm kriegst 20 € dafür

01:09:18: und oder andere wo im Milieu ist und da heißt es

01:09:21: Parfüm kriegst ein Gramm so und so und ja, wie man dann

01:09:26: da kann man den Leuten helfen, indem man versucht,

01:09:28: dass ein Umfeld Wechsel stattfindet usw und die Gerichte,

01:09:31: das kann ich nur nochmal betonen, die sind wahnsinnig positiv gestimmt.

01:09:36: Wenn man, wenn die merken, dass bei den Leuten ein Umdenken stattfindet

01:09:41: und dass ich halt

01:09:42: dann das sehe ich dann als meine Aufgabe und deswegen leidtun.

01:09:45: Ja, aber das würde ich den Leuten, also ich, ich ich tu den Leuten

01:09:48: jetzt nicht diese klare Ansage, ich habe jetzt Mitleid,

01:09:52: sondern im Gegenteil, dass ich das finde ich dann unpassend,

01:09:56: sondern ich tu denen Lösungswege aufzeigen,

01:09:59: aber innerlich in mir als Strafe, da gibt es das sicherlich.

01:10:02: Also ich bin ja eben auch ein Mensch, wie wir alle Menschen sind.

01:10:06: Also das finde ich noch mal ganz wichtig, weil eben genau das ist,

01:10:10: ich glaube, davon kann man

01:10:11: sich nicht freimachen, dass einem manchmal Menschen leidtun.

01:10:14: Und dann finde ich aber genau das ein Aspekt von Professionalität,

01:10:18: genau wie du es beschrieben hast, zu sagen.

01:10:19: Ich muss aber auch

01:10:21: erkennen, dass es hier nicht um mich geht, sondern es geht darum, für Mandanten

01:10:24: und Mandanten, Klientinnen, Klienten das Beste rauszuholen.

01:10:28: Doch wenn mir das Leid tut, dann kann das so sein.

01:10:30: Aber das ist nichts, was ich nach außen unbedingt zeige,

01:10:32: sondern ich versuche, das Bestmögliche zu tun, um

01:10:35: vielleicht meinen und sei er noch so klein,

01:10:38: aber diesen Beitrag zu leisten, dass die da rauskommen, auch definitiv.

01:10:42: Also kann ich nur bejahen. Zustimmen.

01:10:46: Ich schließt die Beweisaufnahme.

01:10:49: Ein, kommen jetzt in der Regel.

01:10:50: Ich möchte doch einschalten.

01:10:53: Nein, nein, das ist mir jetzt wahnsinnig viel Spaß gemacht.

01:10:55: Bin hergekommen, fast so ein bisschen nervös.

01:10:58: Erste Mal, wo ich so frei sprech und auch gar nicht vorbereitet.

01:11:02: Aber macht tatsächlich Spaß.

01:11:04: Und da kommen doch immer wieder so Sachen im Kopf, wo man dann erzählt

01:11:08: hätte ich jetzt noch stundenlang. Ja, ich tatsächlich auch.

01:11:11: Ich finde die Perspektive,

01:11:12: also für mich hat sich

01:11:13: total gelohnt, mit dir zu sprechen, weil ich Parallelen erkannt habe

01:11:16: und und für mich das einfach auch noch mal eine Horizonterweiterung gewesen ist,

01:11:20: wie viel du auch in deinem Alltag

01:11:22: tatsächlich mit mit

01:11:23: menschlichen Krisen zu tun hast,

01:11:24: mit menschlichen Ausnahmesituationen zu tun hast, wo man im ersten Moment

01:11:28: glaube ich ganz oft nicht dran denkt, dass das eben auch für dich

01:11:32: oder gerade für dich

01:11:34: eine extrem

01:11:34: große Rolle spielt und da auch eine menschliche Komponente dazugehört.

01:11:37: Wohlweislich, dass das nicht alle machen, sicherlich,

01:11:39: sondern dass es sicherlich Menschen gibt,

01:11:41: die da ganz rational, rechtlich, juristisch rangehen.

01:11:44: Aber das ist eben eine Perspektive ist, die man einnehmen kann.

01:11:46: Also für mich ein total cooles Gespräch und ich bin total dankbar

01:11:49: für die ganzen Einsichten, die du auch geteilt hast

01:11:52: und für die ehrlichen Worte auch gerne gerne.

01:11:54: Ja, ich habe so ehrlich, wie es mir möglich ist, gesprochen.

01:11:57: Also alles was ich jetzt erzählt habe, sehe ich so und ist mir als

01:12:00: erstes in den Sinn gekommen.

01:12:01: Habe jetzt einfach mal frei Schnauze raus geplaudert.

01:12:05: Nee, hat noch super viel Spaß gemacht und

01:12:08: danke, dass ich hier sein durfte.

01:12:09: Ich danke dir! Vielen, vielen Dank!

01:12:14: An dieser Stelle haben wir die Mikrofone aus

01:12:16: und unsere Handys wieder eingeschaltet Und in exakt dem Moment,

01:12:20: als wir das Studio verlassen haben und Manuel wieder Handyempfang hatte,

01:12:24: erhielt er eine Nachricht auf seiner Mailbox.

01:12:27: Guten Abend, Herr Single.

01:12:28: Ich bin völlig verzweifelt und weiß gar nicht, was ich machen soll.

01:12:32: Deshalb habe ich sie jetzt angerufen und vielleicht können Sie mich zurückrufen.

01:12:36: Ich habe hier einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft.

01:12:39: Sechs Monate auf Bewährung.

01:12:41: Ich zittere am ganzen Körper und weiß nicht, was ich jetzt mache.

01:12:46: Selbst mit mir als wirklich völlig Unbeteiligten In dieser Situation

01:12:51: hat diese Nachricht etwas gemacht, denn es war wirklich regelrecht spürbar,

01:12:55: dass hier

01:12:55: jemand völlig aus heiterem Himmel von einer Nachricht getroffen wurde,

01:12:59: die er nicht hat kommen sehen.

01:13:01: Zack, der Boden unter den Füßen weg und die Welt wankt.

01:13:05: Und dann habe ich erlebt, mit welcher Ruhe Manuel sich diese Nachricht angehört hat

01:13:09: und wie er gesagt hat Den rufe ich jetzt gleich mal zurück.

01:13:13: Mal schauen, was das ist.

01:13:15: Wahrscheinlich genau die Ruhe, die der Mensch gegenüber gleich

01:13:18: dringend gebrauchen kann.

01:13:20: Jemanden, der

01:13:21: ihm das Gefühl gibt, dass er das nicht alleine durchstehen muss

01:13:24: und dass es jemanden gibt, der jetzt für ihn da ist.

01:13:28: In diesem Moment ist mir noch mal ganz, ganz deutlich bewusst geworden, wie eng

01:13:32: die Arbeit von Manuel und meine Arbeit in der Krisenintervention

01:13:36: wohl manchmal zusammenhängen

01:13:38: für die heutige Folge.

01:13:39: Belassen es mal dabei.

01:13:41: Möglicherweise werde ich mich in Zukunft noch einmal mit Manuel unterhalten

01:13:44: und dann natürlich auch fragen, wie dieser Fall ausgegangen ist.

01:13:47: Ich möchte mich aber natürlich auch noch bei euch fürs Zuhören bedanken.

01:13:51: Danke, dass ihr wieder mit dabei wart und denkt gerne dran, aber da

01:13:55: lassen Glocke bei Spotify aktivieren und gerne natürlich auch bei Insta folgen.

01:13:59: Dann verpasst ihr wirklich gar nichts mehr.

01:14:01: Und ansonsten bis in zwei Wochen.

01:14:03: Macht's gut.

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