Die schlimmste Nachricht

Shownotes

Was sagt man Menschen, deren Leben sich gerade für immer verändert hat?

Gemeinsam mit seiner Kollegin Petra blickt Florian auf einen Einsatz zurück, bei dem sie zusammen mit der Polizei mitten in der Nacht eine Todesnachricht überbringen mussten. Die Eltern des verstorbenen Sohnes hatten bis zuletzt gehofft, dass ihr Kind gerettet werden konnte – stattdessen mussten sie die schlimmste Nachricht ihres Lebens entgegennehmen.

Doch die Folge bleibt nicht bei diesem Einsatz stehen. Florian und Petra sprechen darüber, warum viele Menschen Trauer nur schwer aushalten können, weshalb wir oft vorschnell trösten wollen und welche Rolle Erfahrung, Übung und Haltung in der Krisenintervention spielen. Ein ehrliches Gespräch über das Begleiten von Menschen in ihren dunkelsten Stunden.

🔍 Themen dieser Folge 👉 Das Überbringen einer Todesnachricht gemeinsam mit der Polizei 👉 Ein Einsatz nach einem tödlichen Polizeieinsatz 👉 Warum Helfende Trauer oft "wegmachen" möchten 👉 Reaktionen auf Todesnachrichten – und warum jede anders ist 👉 Aushalten statt vorschnell trösten 👉 Was Erfahrung in der Krisenintervention verändert 👉 Eigene Krisenerfahrungen als Ressource 👉 Floskeln wie „Alles wird gut“ – helfen sie wirklich? 👉 Vorurteile, erste Eindrücke und der Blick auf den Menschen 👉 Welche kleinen "Werkzeuge" in Krisengesprächen wirklich helfen

👤 Über den Gast dieser Folge Zu Gast ist Petra Christ.

Petra engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Krisenintervention und begleitet Menschen unmittelbar nach belastenden Ereignissen. Gemeinsam mit Florian war sie bei zahlreichen Einsätzen im Team unterwegs. In dieser Folge sprechen beide erstmals gemeinsam über einen Einsatz, der ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist – und darüber, was gute Begleitung in einer Ausnahmesituation ausmacht.

🎙️ Host Florian D. Weber – Moderator, Entertainer und seit über 15 Jahren ehrenamtlich in der Krisenintervention und Suizidprävention tätig.

Mit „Und plötzlich: Krise“ gibt er Einblicke in Situationen, die sonst verborgen bleiben – und spricht mit Menschen, deren Geschichten bewegen.

⚠️ Inhaltsinformation Diese Folge thematisiert Suizid, einen tödlichen Polizeieinsatz sowie das Überbringen einer Todesnachricht und kann emotional belastend sein.

Solltest du Unterstützung benötigen, findest du anonyme und kostenlose Hilfe bei der Telefonseelsorge:

📞 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

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📅 Veröffentlichung Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen, freitags um 7 Uhr.

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Transkript anzeigen

00:00:05: Es ist mitten in der Nacht, als die Alarmierung app mich aufweckt.

00:00:09: Überbringen einer Todesnachricht, lautet das Einsatzstichwort.

00:00:14: Ich melde mich verfügbar ohne Fahrzeug.

00:00:17: Auch meine Kollegin Petra meldet sich verfügba.

00:00:20: Sie hat allerdings ein Auto zur Verfügung.

00:00:23: Wir vereinbaren dass wir uns direkt bei der Polizei treffen zu der wir nun erst einmal bestellt wurden.

00:00:30: Also ziehe ich meine Schuhe an und schnappe mir meine Fahrradlichter.

00:00:34: Bevor ich das Haus verlasse, putze ich mir noch einmal schnell die Zähne.

00:00:37: Dann geht es auch schon los!

00:00:40: Etwa zehn Minuten später treffe ich am Polizeirevier ein.

00:00:45: Petra wartet dort schon auf mich bevor wir gemeinsam reingehen.

00:00:50: In dieser Nacht waren wir beide schnell vor Ort.

00:00:53: Die Stadt schläft zu großen Teilen noch.

00:00:55: Es sind nur ganz wenige Menschen unterwegs.

00:00:59: Das Polizeirevir hingegen ist hell beleuchtet.

00:01:02: Hier wird gearbeitet.

00:01:05: Wir passieren die Schleuse und werden von einem Polizisten und einer Polizistin in Empfang genommen.

00:01:11: Die beiden führen uns in ein Büro und schließen die Türe.

00:01:16: Der Polizista hält einen langen Einsatzbericht in der Hand, er erzählt uns worum es geht.

00:01:23: Ein junger Mann sei seit dem Vortag unterwegs gewesen mit etwas unklaren Absichten.

00:01:29: Er hatte seinen Eltern Nachrichten geschrieben die darauf hindeuteten dass er sich das Leben nehmen wolle.

00:01:36: Im Laufe des Nachmittags, das Vortrags hat die Polizei ihn dann ausfindig machen können.

00:01:41: Über Stunden hat er die Polizei in Atem gehalten weil es tatsächlich wirkte als wolle er sein Leben beenden.

00:01:49: Auch seine Eltern die irgendwann an der Einsatzstelle eintrafen hatten keinen Einfluss auf ihnen.

00:01:55: Der junge Mann bewegt sich nicht von der Stelle Über Stunden.

00:02:01: Irgendwann verabschiedeten sich die Eltern des jungen Mannes.

00:02:05: Sie selbst hatten keine Kraft mehr und wussten auch nicht, was sie noch hätten ausrichten sollen.

00:02:11: Als die Polizei sich im Laufe des Abends für einen Zugriff entschieden hatte, passierte es.

00:02:17: Beim Zugrift der Polizei kam der junge Mann ums Leben.

00:02:23: Die beiden Polizisten, die uns über genau diesen Ablauf informiert hatten, hatten nun die Aufgabe den Eltern die Todesnachricht zu überbringen.

00:02:31: Nachdem die Eltern von der Einsatzstelle nach Hause gefahren waren warteten sie früher oder später auf eine Information der Polizei.

00:02:40: Diese Informationen hatte die Polizei nun im Gepäck, mit dabei meine Kollegin Petra und ich.

00:02:49: Gemeinsam machen wir uns also auf den Weg zum Überbringen einer Todesnachricht.

00:03:01: Hallo und ganz herzlich willkommen zur heutigen Folge von Und Plötzlich Krise.

00:03:06: Im Intro habt ihr es gerade schon gehört Ich erzähle euch heute wieder von einem meiner Einsätze mit der Krisenintervention.

00:03:13: Und zum allerersten Mal mache ich das aber nicht alleine!

00:03:16: Ich habe meine Kollegin Petra Christ an meiner Seite, mit der ich den damaligen Einsatz absolviert habe.

00:03:22: Petra ist selbst seit vielen Jahren Einsatzkraft im Krisen-Interventionsteam und wir haben schon den einen oder anderen Einsatz gemeinsam gemacht.

00:03:30: Mit Petra spreche ich heute über ihr Erleben, das Einsatzes.

00:03:33: Wir sprechen über unterschiedliche Wahrnehmungen und ihre Tipps und Tricks die sie in Einsätzen anwendet.

00:03:40: Mein Name ist Florian de Weber.

00:03:41: Ich bin Host und Moderator dieses Podcast Und ich freue mich natürlich wie jedes Mal dass ihr hier rein hört!

00:03:48: Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß bei der heutigen Folge und beim Gespräch mit Petra Christen.

00:04:15: Wir haben uns bei der Polizei getroffen, glaub ich.

00:04:18: Ich war vor dir da und dann hieß es, wir sollen da hinterher

00:04:22: fahren.".

00:04:23: Ja das war ja da schon auch immer ein ganz spannender Moment finde ich schon wenn man bei der Polizei steht weil meine dann immer ein bisschen wartet in der Regel, weil die sich selber auch die Infos teilweise noch zusammensuchen müssen.

00:04:34: Weil die ja ganz neu viele Sachen sind.

00:04:37: Haben auch noch telefoniert, haben noch Infos geholt, wir haben gesessen und haben gewartet.

00:04:42: Das finde ich auch immer ein komisches Gefühl, wenn man in einer Polizeistation rumsitzt.

00:04:47: Das hatte ich mir früher nicht vorgestellt, dass ich das mal tue.

00:04:50: Und wenn dann wollte ich das deutlich vermeiden?

00:04:52: Ja!

00:04:52: Ich glaube jeder will das vermeiden.

00:04:55: Ich finde es tatsächlich eigentlich spannend was du sagst, weil Polizeistationen sind ja immer mit dieser Schleuse auch... das macht ja total was mit einem.

00:05:02: Auch wenn man da jetzt in offiziellem Auftrag unterwegs ist, finde ich aber, diese Schleusel, die Sicherheitsschleuse schon etwas mit einem macht.

00:05:09: Auch nachts so, wenn da nichts los ist.

00:05:12: Ja gerade nachts, weil du merkst ja, Da laufen die Monitore, die beobachten.

00:05:17: Die gucken und dann denkst du so okay ich geh jetzt da rein.

00:05:21: Die beobacht mich habe ich in letzter Zeit irgendwas falsch gemacht.

00:05:24: Worauf die jetzt zu sprechen kommen.

00:05:26: Genau was wir ihnen noch sagen wollten

00:05:29: wenn sie schon mal da sind nicht mehr nach Hause

00:05:35: Nein, nicht wünschenswert.

00:05:37: Ist auch noch nicht vorgekommen.

00:05:40: Niemals bisher passiert von uns glaube

00:05:42: ich.

00:05:42: Das

00:05:44: sind alle

00:05:44: noch im Team.

00:05:48: Ich kann dir die genaue Uhrzeit gar nicht mehr sagen weil es war nachts.

00:05:53: Was ich noch weiß ist du bist sehr gefahren für uns dann

00:05:55: und...

00:05:56: Ich bin mit dem Fahrrad hingefahren, das weiß ich auch noch.

00:05:59: Und wir sind im Sonnenaufgang dann zurückgefahren auf Freiburg.

00:06:02: Richtig!

00:06:02: Das weiß ich noch, dass es ja so ländlich gelegen war...

00:06:05: Ja, am Ortsrand die Polizei hat auch gesucht.

00:06:09: Genau.

00:06:10: Die Adresse an sich war ein bisschen knifflig rauszukriegen und allein die Anfahrt war schon sehr kompliziert.

00:06:19: Hast du einen Gefühl Petra?

00:06:20: Wie viele Todesnachrichten du schon überbracht hast gemeinsam mit der Polizei?

00:06:24: Du bist ja auch schon ein paar Jahre dabei.

00:06:28: Gemeinsam mit der Polizei.

00:06:30: Ja, also zu fünfzehn schon gewesen sein.

00:06:35: Genau,

00:06:35: das ist hier schon eine der... ich weiß gar nicht ob man Häufigen sagen kann aber eine der häufigeren Einsatzindikationen die wir haben.

00:06:45: Also zumindest dass auch die Polizei mit dabei ist an Bord ist mit der Polizei hingehen Todesnachricht überbringen Ja, doch häufiger.

00:06:55: Wobei auch immer wieder vorgekommen ist, dass du ... Du hast dich verabredet?

00:07:00: Man hat sich getroffen auf der Polizeistation und man hat alles besprochen wie es dann von Statten gehen soll.

00:07:07: Und dann kommt man da an und dann ist halt niemand da.

00:07:10: Das haben wir ja schon gehabt.

00:07:11: Dann färsch halt ungetaner Dinge wieder nach Hause und das gab's auch schon.

00:07:16: Ich glaube,

00:07:16: es hatten wir sogar einmal zusammen.

00:07:18: Ich

00:07:19: glaube, dass wir mal unverrichteter Dinge zurückgefahren sind.

00:07:21: Genau das passiert.

00:07:22: Aber es ist ja so vom ... weil ich glaube, daß es gleich eine Rolle spielen wird.

00:07:26: Deswegen habe ich gefragt ob du so ein ganz grobes Gefühl hast.

00:07:29: Ich kann's nämlich auch... Ich weiß nicht, ich kann's nicht sagen!

00:07:34: Also ich hab'n paar Fälle noch im Kopf.

00:07:36: Insofern weiß ich, dass es deutlich mehr waren als zehn aber ich glaub', nicht mehr als fünf.

00:07:42: Welche Fälle sind dir noch im kopf geblieben?

00:07:45: Mir sind die Fälle im Kopf geblieben, wo es Komplikationen gab.

00:07:50: Wo es ein bisschen knifflig war... ...wo die Polizei unterstützt hat auch.

00:07:59: Ich kann mich an einen Fall erinnern da haben die erstmal den Leuten ganz deutlich gesagt sie sollen diesen reiserischen Hund bitte aus dem Wohnzimmer schaffen bevor wir da mit rein gehen ... sehr froh, weil der hat auf dem Balkon getroppt.

00:08:13: Okay!

00:08:14: Und den hätte ich nicht gerne neben mir gehabt.

00:08:18: Dann gab es andere Fälle wo du gemerkt hast... Ja?

00:08:22: Es ist Klientel was bekannt ist oder ähm ja... Es kam auch drauf an was für ein Tod war, ob's ein Suizid war oder ob's einen Unfall war.

00:08:33: Meistens sind dann halt auch Unfälle gewesen.

00:08:36: Genau.

00:08:38: Ich würde nämlich auch von mir behaupten dass sich viele Ich hab das ja auch oft erzählt, dass ich aus jedem Einsatz, wenn diese eine Erinnerung kommt.

00:08:47: Dann wird man häufig wieder an einen Setz erinnert und ist bei mir ganz häufig noch mal am Haus vorbeifahren.

00:08:53: Wo man schon war oder eben genau so ein Hund dann wieder zu sehen, wo man denkt, das ist der gleiche wie damals auf dem Balkon?

00:08:59: Oder als solches Zähn ... Aber es gibt irgendwie so grade, finde ich, bei Todesnachrichten würde ich auch sagen, habe ich relativ viele im Kopf, weil die ja doch auch.

00:09:11: Also so gut man abgestimmt ist mit der Polizei, sie haben dir sofort, sobald du vor Ort bist eine eigene Dynamik.

00:09:17: die kannst du noch so gut vorher besprechen.

00:09:21: Die wird ja anders laufen.

00:09:22: also du kannst sie nicht planen.

00:09:23: einfach das muss man finde ich da total wissen.

00:09:26: Ja du merkst ihnen einfach an dass in einer anderen Ausbildung kommen, dass sie eine sehr strukturierte Art und Weise haben im Regelfall straighte Art haben.

00:09:40: Manchmal hat man ihnen auch angemerkt, wenn ich ihn einsetzen war, dass sie einfach schon schlechte Erfahrungen gemacht haben dem auch vorbeugen wollten oder zumindest in einer Habachtstellung waren das ihnen das nicht nochmal passiert.

00:09:59: Ja, das ist auch... Da können wir glaube ich auch mal so ein bisschen drüber sprechen an der Stelle.

00:10:03: Weil es ja ganz interessant ist wie wir das Hand haben.

00:10:05: Ich weiß gar nicht ob ich das im Podcast schonmal erzählt habe aber typischerweise ist es ja schon so dass wir jetzt nehmen mal genau diesen Einsatz über den wir heute sprechen.

00:10:13: Wir kommen dahin die beiden Polizisten in dem Fall war's ein Polizist eine Poliziste und haben uns in Empfang genommen stellen sich vor wir stellen uns kurz vor und dann spricht man erst einmal darüber was passiert ist.

00:10:24: So und das

00:10:24: war in dem fall glaube ich, eine Todesnachricht die man noch mal weniger gerne überbringt.

00:10:31: Nicht dass man das jemals gerne macht.

00:10:34: Aber

00:10:36: es gibt ja immer nochmal einen Topping.

00:10:38: So fühlt sich's zumindest an und so hat sich's für mich da angefühlt weil was sie uns ja gleich gesagt hatten war... ...dass die Todes Nachricht, die zu überbringen ist im Rahmen eines Polizeieinsatzes dieser Todesfall stattgefunden hat und dass die Eltern über ganz lange Zeit auch an der eigentlichen Einsatzstelle waren und irgendwann aber zur später Stunde gesagt haben oder auch die Polizei gesagt hat, sie können hier nichts mehr bewirken.

00:11:01: Gerade wir kommen hier nicht voran und dann die Eltern des später Verstorbenen auch gesagt haben Sie gehen jetzt?

00:11:07: Und dann stehen wir ...

00:11:09: Aber in Erwartung dass sie eine gute Nachricht bekommen weil es war ja so viel an Einsatzkräften vor Ort das sie eigentlich nicht damit gerechnet haben, dass die Nachrichten nicht gut sein können.

00:11:20: Genau!

00:11:21: Ganz genau Und die waren ja auch, muss man sagen so ein bisschen erprobt in solchen Situationen.

00:11:27: Das ist uns dann damals auch erzählt worden auf der Polizeiwache das es vor weiß den Zeitraum nicht mehr aber von ein zwei fünf Jahren irgendwie schon mal einen Einsatz des Spezialeinsatzkommandos gegeben hat bei denen zu Hause was heißt?

00:11:41: Die Kanten leider muss man ja sagen dieses Szenerie mit dem speziale Einsatzkommando dann entsprechend und Ich glaube, es war schon genau oder hat sich später auch gezeigt.

00:11:52: Es war genauso wie du gesagt hast als wir dann vor der Tür standen haben die mit einer anderen Nachricht gerechnet und das war ja ganz interessant da schon auf der Polizeiwache, auf dem Polizeirevier dass wir dieses Briefing bekommen haben weil das natürlich für die Polizistin und den Polizisten nochmal was anderes ist jetzt gleich dahin fahren zu müssen und eh schon die schlechteste Nachrichten im Gepäck zu haben, die du dabei haben kannst.

00:12:12: Und jetzt sind auch noch ... Polizistinnen und Polizisten daran beteiligt gewesen, dass es eben nicht gut ausgeht.

00:12:19: Nicht im Sinne von.

00:12:20: die haben Verantwortung dafür?

00:12:21: Absolut gar nicht!

00:12:22: Das

00:12:22: absolut gar nicht.

00:12:23: aber sie waren halt vor Ort und das Erleben desjenigen der dann die Nachricht kriegt ist natürlich da war Polizei vor Ort Und die Differenzierung findet dann glaube ich nicht so sehr statt Im ersten Moment vielleicht irgendwann später.

00:12:39: Es ist natürlich auch immer schön, wenn man irgendwie einen Sündenbock hat für das was passiert ist.

00:12:44: Und in dem Fall haben sie glaube ich geahnt dass sich das auch anbieten könnte, dass die dann der Sündenbox sind und das macht natürlich kein gutes Gefühl von vornherein.

00:12:57: Nee überhaupt nicht!

00:12:57: Das ist ja auch genau die Auftragsaufteilung, die wir ja häufig machen.

00:13:02: Dass die Polizei die eigentliche Nachricht überbringt und wir uns da wirklich nicht zurückhalten, sondern raushalten.

00:13:11: Also wirklich raushalten und die Polizei das machen lassen?

00:13:14: Ich hab das hier auch schon ein paar Mal erzählt hat ja verschiedene Gründe.

00:13:16: erstens haben die die ganzen Informationen.

00:13:19: klar kriegen wir die in der Regel vorab und wissen zumindest grob worum es geht.

00:13:22: aber Wir könnten ja keine rückfrage beantworten das wissen Ja alles die Polizistinnen und Polizisten vor Ort.

00:13:28: Und das andere ist ja dieser gedanke dass der und das passt du gerade wunderschön gesagt Dass der Überbringer der nachricht ist halt der sünden Bock auch Ganz schnell was auch total nachvollziehbar ist Weil für die Betroffenen ist diese Person der oder die Überbringer in einer schlechten Nachricht.

00:13:44: Ja klar, also woin würdest du es sonst projizieren wenn ich dahin?

00:13:48: Das ist gut guy, bad guy und das ist einfach der Bad Guy.

00:13:52: Auch wenn's noch so gefühlvoll passiert wird nicht besser deswegen.

00:13:56: Die

00:13:56: wird kein bisschen besser!

00:13:58: Und genau mit der Auftrags- oder mit der Arbeitsteilung sind wir dann auch dahin gefahren.

00:14:03: Genau!

00:14:03: Dann hast du es gerade schon beschrieben, Ortsrandlage ist mitten in der Nacht und wir fahren da hin... ...und haben geklingelt und dann hat der Vater uns hier aufgemacht.

00:14:14: Der Vater

00:14:14: hat das gemacht?

00:14:15: Ja.

00:14:15: Genau.

00:14:17: Das fand ich schon ganz interessant zu beobachten weil du ja... das grade schön beschrieben hast.

00:14:21: Die haben mit einer anderen Nachricht gerechnet und der war zumindest, das hab ich auch selten erlebt, er war nicht überrascht dass die Polizei da stand.

00:14:27: Das habe ich glaube ich vorher so noch nie erlebt.

00:14:30: Also nur wenn es wirklich Einsätze gab.

00:14:32: also ich hatte schon andere Einsätze auch wo es dann tatsächlich so war, dass schon die Polizei auch Kontakt hat mit der Familie.

00:14:39: die wussten also da ist irgendwas und waren deswegen nicht überascht.

00:14:44: aber ja da wars ganz deutlich ahja die Polizei ist da mach mal auf!

00:14:49: Genau.

00:14:50: Und er hat uns sofort reingebeten auch, also fand ich auch ganz spannend weil der gar nicht gezögert hat aber klar vor dem Hintergrund dass die den ganzen Tag da schon waren und wussten so das die Polizei schon beschäftigt ist haben sie wahrscheinlich irgendwann damit gerechnet dass es schon passieren kann dass die klingeln?

00:15:06: Er hat uns rein gebeten weil er uns erwartet hat und er hat mich nicht reingebeten mit einem gefühl so was wir oft gemerkt haben dass es so zögerlich war sondern es war ein richtiges heuer kommen Sie doch rein.

00:15:18: Er war dann, seine Frau hat noch geschlafen in einem anderen Raum.

00:15:21: Wer die auch nicht vergessen weil er gesagt hat geht schon mal durch.

00:15:24: ich hole meine frau noch schnell dazu Und mir ist dann als das so jetzt oder wenn wir jetzt drüber sprechen es wird mir so total bewusst klar Die haben halt mit einer ganz ganz anderen Nachricht gerechnet.

00:15:35: die haben einfach glaube ich gedacht die kriegen dann update

00:15:38: Die kriegen den Update oder sie kriegen die nachricht.

00:15:40: ja gut Wir haben ihn jetzt eingesammelt er ist jetzt irgendwo in der Einrichtung untergebracht und alles ist safe.

00:15:47: Halt nicht so noch.

00:15:49: Nee, war nicht so und dann ist eben... Ja das passiert was hier auch schon häufig besprochen wurde.

00:15:56: die Polizei überbringt die Todesnachricht Und das fand ich dann auch sehr greifbar.

00:16:00: du hast diesen Moment der Stille So und er dauert dann gefühlt vier Sekunden und länger ist es wahrscheinlich auch gar nicht

00:16:07: Wahrscheinlich nicht aber ja

00:16:10: Und plötzlich bricht ja dann alles zusammen

00:16:12: Wenn du merkst dass das so richtig Wenn du den Leuten dann in die Augen guckst und einfach merkst, so die Nachricht kommt jetzt

00:16:19: an.

00:16:20: Ja.

00:16:20: Erst sie wurde gesagt, sie wurde gehört... ...und dann braucht es eben diesen Moment bis die Nachrichten ankommt.

00:16:26: Und das sieht man

00:16:27: richtig!

00:16:31: Es ist ja auch ein ganz blöder Moment für alle, die da sitzen weil wir hier mit einem wahnsinnigen Informationsvorsprung dahin kommen plus wir sind nicht emotional betroffen d.h.

00:16:41: Wir sind nicht beteiligt Und du überbringst dann diese Nachricht und stehst, also bist quasi nicht nur vom Scherbenhaufen.

00:16:48: Sondern du sorgst dafür dass er überhaupt gerade entsteht erst gar nicht durch die die Aktionen die Du machst weil dafür können wir gar nichts und auch die Polizistinnen und Polizisten nicht.

00:16:57: Aber Du bist natürlich der der plötzlich

00:16:58: die Dicke von dem Schervenhaufen

00:17:00: so

00:17:00: zu sagen und plötzlich ist er da und das ist so.

00:17:04: ja

00:17:06: Und das fand ich ganz interessant.

00:17:08: Wir haben im Vorgespräch gerade auch schon so ein bisschen darüber gesprochen, dass wir unterschiedlichste Varianten von Überbringung von Todesnachrichten schon erlebt haben.

00:17:16: Absolut!

00:17:17: Ich habe erzählt, dass ich mal mit einem Polizisten in einem Einsatz war, wo ich mich drei Stunden lang gefragt habe was mache hier?

00:17:26: Weil die ist so sensationell überragend... das gemacht haben und nicht nur die Nachricht überbracht haben, sondern auch gesagt haben.

00:17:34: Wenn Sie jetzt noch Fragen haben sind wir da und wir bleiben jetzt erst mal bei Ihnen mit dem Polizisten ein Gespräch hier führen dürfen im Podcast.

00:17:41: Und er hat gesagt, weil ich dann sage aber ihr müsst ja auch ... Ihr habt ja das Problem dass ihr irgendwann weitermüsst.

00:17:45: Ja, die

00:17:45: haben ja ihre Termine da in der nächsten Einsatz oder sie müssen präsent sein.

00:17:49: Und Er hat zu mir gesagt ne... In dem Moment gibt es für ihn nichts Wichtigeres.

00:17:55: Wenn er das Gefühl hat, in irgendeiner Weise noch hilfreich sein zu können, bleibt er da.

00:17:58: Gleich habe ich auch eine Situation erlebt, wo wir zum Überbring einer Todesnachricht waren und der Polizist so dermaßen angespannt war, dass der eine Zigarette rauchen wollte.

00:18:08: Dann ist er ausgestiegen, haben kurz gequatscht, dann sagt er, er raucht jetzt noch einen, dann gehen wir rein.

00:18:13: Und ich glaube es war die schnellste Zigarette, die ich für den Leben jemals gesehen hab!

00:18:16: Der hat die gefühlt, damit dieses Bild-Forg mit einem Zug wirklich runter.

00:18:21: Da merkst du, finde ich war für mich auch zum ersten Mal gleich mal was für ein Stress das auch für so jemanden ist.

00:18:26: Was

00:18:27: für eine Anspannung!

00:18:28: Weil eben genau die haben ja die Rolle des Bad Guy also die müssen die schlechten Nachrichten überbringen.

00:18:36: Und das erinnere ich auch gut.

00:18:37: Ich finde der Polizist damals hat es... großartig gemacht.

00:18:40: Ich nehme auch an, dass die sich abgesprochen haben und er hat es ja sehr direkt ausgesprochen.

00:18:43: Der wird nicht um den heißen Brei herum geredet das ist trotzdem direkt.

00:18:47: meint jetzt nicht, dass der taktlos war in irgendeiner Art und Weise ganz und gar nicht aber die Nachricht wurde ja sehr klar ausgesprungen.

00:18:54: Klar unmissverständlich nicht irgendwie verschönigt wie von wegen schläft jetzt für immer oder irgendwie so

00:19:00: was sondern

00:19:01: ganz klar die Tatsachen die passiert sind einfach weil ... Ja Das passt auch zum Straighten der Polizei, denke ich.

00:19:09: Dass sie da einfach klare Fakten schaffen und das ist es ja auch.

00:19:14: Es geht ja nicht darum rumzureden Sie müssen ja das vermitteln oder das erzählen was wirklich passiert ist alles andere dann kommt man auf irgendwelche Nebengedanken oder macht sich irgendwelchen Ideen.

00:19:26: hätte könnte wäre aber wenn's ganz klar gesagt wird Dann ist die Person in dem Moment einfach verstorben.

00:19:36: Und es ist ja genau so, da gibt's halt dann auch nichts mehr schön zu reden.

00:19:39: Das ist einfach so...

00:19:41: Nee wirklich nicht!

00:19:43: Und ich glaube ihr habt mit jedem Satz den du da halt drum herum... Also die Leute kriegen irgendwann auch einen Gespür wenn du da jetzt erst anfängst drei Minuten rumzulamentieren und zu sagen, oh herr, der schön eingerichtet ihre Wohnung hier fühlen sie sich wohl oder weißt du irgendeinen Nebenkriegsschauplatz aufmacht?

00:19:59: Die sind dir auch nicht doof die Leute, die wissen ja schon also irgendwas stimmt ja auch hier gerade nicht.

00:20:04: Und dann, die Mutter damals ist ja sofort oder relativ schnell in den Trenn ausgebrochen und es ist ein bisschen lauter geworden auch weil weinen eben dann manchmal laut ist.

00:20:13: Das ist gar nicht geschrien worden aber so ein bisschen...

00:20:15: Nee ihre Emotionen einfach rausgeweint und das halt nicht leise sondern wie ein Kind halt das auch macht ungefiltert.

00:20:24: Einfach ihre Trauer gerade, ihrer Trauer eine Lautstärke gegeben Berechtigterweise.

00:20:30: Ja, klar!

00:20:31: Das ist ja auch was wir oft sagen... Es gibt ja nicht die Trauer so sondern das passiert halt wie es passiert.

00:20:38: und interessant war dann die Reaktion des Polizisten.

00:20:41: wenn ich und das ist wo ich mit dir gerne auch gleich mal ein bisschen draufschauen möchte weil das total uns unterschieden hat glaube ich in genau dieser Situation weil ich genau weiß wer sich zu uns umdreht um sich mit uns kurz abzustimmen und einfach nur die frage stellt Rettungswagen oder?

00:20:58: Um sich quasi zurück zu versichern, dass wir jetzt hier mal noch ein Arzt oder zumindest Sanitäterin, Sanitäternärztin dazu holen.

00:21:04: Ach

00:21:04: personal das

00:21:06: ist

00:21:06: ja nicht normal oder erscheint mir nicht normal da wird jemand jetzt so laut ist da ein medizinisches Problem dahinter Fragezeichen

00:21:16: und zwar ja so spannend weil der meint es ja total gut Der will ja in dem Moment nichts anderes machen als dieser Frau zu helfen.

00:21:23: Und ich weiß es wirklich noch als wäre es gestern gewesen, dass das für uns nicht ansatzweise ein Thema war in der Situation einen Rettungswagen zu rufen.

00:21:31: Weil's dafür aus unserer Perspektive nicht den geringsten Anlass gegeben hätte.

00:21:36: Nein weil die Frau hat einfach auch die Nachricht reagiert in ihrer Art und Weise und sie hatte irgendein... Es gab keinen Anzeichen von irgendeinen medizinischen Problem sondern sie war halt einfach... Tiefst unglücklich und das zu tiefst un glücklich sein, dem hat sie halt Raum gegeben.

00:21:52: Und... Das ist auch was wir ja auch kennen aus anderen Einsätzen, was wir vielleicht auch gut einordnen können und ähm ... Ja?

00:22:03: Was auch seine Berechtigung hat!

00:22:04: Und was jetzt nicht irgendwie geheilt oder überdeckt werden muss mit irgendwas anderem im Gegenteil, was ja auch rauskommen muss.

00:22:12: Ja.

00:22:13: Und trotzdem ist es natürlich irgendwie total nachvollziehbar auch dass jemand der das nicht täglich macht damit auch einfach überfordert ist, wenn jemand plötzlich so reagiert.

00:22:21: Ja!

00:22:22: Weil ich glaube in uns ist angelegt dass wir eigentlich gerade alle Blaulichtberufe und alles was da mit zusammenhängt... Wir möchten gerne helfen.

00:22:30: Möchten gerne Gutes tun.

00:22:31: Und wir möchten das es den Menschen gut geht.

00:22:33: Wenn ich jetzt eine Nachricht überbringe von der schon weiß, dass sie nicht so toll ist, dass im Prinzip eigentlich das Schlimmste ist, was sich überbringen kann.

00:22:42: Und dann geht's der Person auch noch schlecht dann macht sich so ein bisschen Hilflosigkeit.

00:22:47: Wie kann ich jetzt machen, dass es der besser geht?

00:22:49: Wer hilft?

00:22:50: Ah!

00:22:50: Krankenwagen.

00:22:51: Ja.

00:22:52: Arzt.

00:22:53: Aber war halt nicht nötig in dem Fall.

00:22:56: Nee, war gar nicht nöthisch.

00:22:57: aber ist das so... Ich finde es zeigt auch so gut wie und das gilt jetzt ja nicht nur um Gottes Willen.

00:23:02: Es gilt jetzt nicht für diesen einen Polizisten in diesem einen speziellen Fall sondern ich glaube da kann sich jeder und jede der oder die das gerade hört auch mal selber die Frage stellen wie man in so einer Situation damit um gehen würde und ich glaube, dass wir alle einen Hang dazu haben das nicht aushalten zu können.

00:23:21: Das sieht man ja auch schon an.

00:23:23: zur Redewendung alles wird schon wieder oder alles wird gut oder am Ende des Tages scheint die Sonne wieder

00:23:31: oder irgendwie.

00:23:31: sowas ist es nicht alles so redewendungen die einem suggerieren wollen Auch wenn's jetzt gerade schlecht ist wird bestimmt bald wieder ganz toll und ganz gut.

00:23:42: besser.

00:23:42: auf jeden Fall und das ist so, dieses Aushalten können von... Es ist nicht gut.

00:23:48: Dieses Aushalten können von ich kann da gerade gar nichts machen!

00:23:53: Ich kann da nur dabei sein.

00:23:59: Das muss man glaube ich sich wirklich aneignen.

00:24:03: Hat es nicht so einfach gegeben.

00:24:05: Warum kannst du das?

00:24:09: Also warum ich das kann Ich glaube, einmal klar die Ausbildung, die ich gemacht habe.

00:24:15: Also in der Ausbildung hab' ich viel davon profitiert was wir da erfahren haben, was wir geübt haben und was wir lernen.

00:24:21: Dann inzwischen – ich mach's jetzt seit dem Jahr zweitausend – also die Häufigkeit der Einsätze, dass man das halt nicht mehr als Ausnahme ansieht sondern schon öfter erlebt hat Was vielleicht auch so ein bisschen dazu gehört, dass man eigene Krisenerfahrungen hat und eigene Bewältigungsstrategien an sich selber erlebt hat.

00:24:49: Und diese eigenen Bewältigung Strategien einem irgendwie sagen können.

00:24:53: Mir sagen sie dann ich habe das auch geschafft daraus zu kommen.

00:24:57: Man kann da wieder rauskommen!

00:24:59: Ich hab andere gesehen die aus diesem tiefen Tal auch wieder rausgekommen sind.

00:25:04: also ich weiß es gibt einen Weg wie der aufwärts geht.

00:25:08: Insofern ist das so ein bisschen was, was man in der Hinterhand hat.

00:25:11: Um es auch aushalten zu können, dass das tiefe Tal auch mal da ist und vielleicht mal ganz tief ist, mal nur ein bisschen oder mal auch länger dauert.

00:25:21: Manchmal ist der ganze Reingraben und manchmal ist nur irgendwie der Schluchtensteig...

00:25:27: Für alle die nicht aus der Region kommen!

00:25:30: Schluchzensteig in eher, ich würde immer sagen, eher schmaleres kleines Tal während der Reingraben Doch, ein bisschen breiter.

00:25:41: Was aber ganz spannend ist ... Du hast gesagt eigene Krisenerfahrungen wo man weiß ich komme aus diesem Tal auch wieder raus in den meisten Fällen.

00:25:48: Aber sagen würdest du das in einem Einsatz ja irgendwie nie?

00:25:51: Nie!

00:25:51: Das würde ich nicht sagen weil das ist ja nicht meine Krise.

00:25:54: Ja Es ist die Krise von den Leuten und sie müssen ihren Weg finden daraus zu kommen.

00:25:59: Und Ich kann nur dabei sein Im Prinzip die Leitplanke sein, an der sie sich irgendwie dann mal reiben oder an der ... Reiben ist vielleicht das falsche Wort.

00:26:12: An die Sie sich mal anlehnen können.

00:26:14: Aber ich kann Ihnen auch nicht sagen wie Sie aus Ihrer eigenen Krise rauskommen?

00:26:19: Ja und du hast gerade diese ganzen Floskeln- ... Floskeln sind glaube ich so mein Lieblingsthema auch ehrlicherweise.

00:26:25: Weil das ist ja was sofort passiert!

00:26:27: Das ist ja etwas sofort passiert genau wie Du es grade angesprochen hast... Und da würde das ja auch irgendwie so ein bisschen reingehen, weißt du?

00:26:34: Wenn man dann sagt... Sie kommen da schon wieder raus oder ich habe auch schon mal ein tiefes Tal gesehen.

00:26:40: Ich hab's auch geschafft sie schaffen das auch.

00:26:42: Das ist ja auch gar nicht was du hören willst in so einem Moment

00:26:45: überhaupt nicht.

00:26:45: also wenn mir dass jemand sagen würde in dem momentan wäre ich glaube zutiefst empört und stinksauer, weil was weiß der von meinen Schmerzen oder weiß die über meine Probleme gerade?

00:26:58: Oder das, was das mit mir macht können die ja gar nicht wissen.

00:27:02: Also deswegen würde ich nie machen.

00:27:06: Genau, es ist ja genau das.

00:27:07: Also wir können ... Wenn man wieder in diesem Einsatz beispielsweise ... Wir können das nicht nachvollziehen was diese Mutter und dieser Vater die da an diesem Küchentisch sitzen Und sich da geradehin gesetzt haben mitten in der Nacht wenn zwei Polizisten und zwei vom roten Kreuz dastehen.

00:27:23: Da kann man sich ... Das kann man glaube ich nicht nach vollziehen.

00:27:26: natürlich können wir gut rückgreifen auf eigene Krisenerfahrungen Aber glaube ich auch voraussetzte sich damit auseinanderzusetzen weil ich glaube Krisen hat jeder und jede auch die oder der das gerade hört, hundertprozentig schon erlebt.

00:27:39: Geht los bei den ersten Trennungen geht noch früher du ziehst als Kind in eine andere Stadt oder streitest dich mit einem besten Freund?

00:27:47: Das sind ja alles Krisenerlebnisse... Heutzutage

00:27:50: viele Kinder meine Eltern trennen sich

00:27:52: oder

00:27:53: Oma stirbt Haustier stirbt das sind ja alle schon so.

00:27:57: Ja, wir sagen jetzt so Mini-Krisen aber in dem Moment für Kinder die da drinstecken.

00:28:02: Also du wächst ja eigentlich mit Krisen auf und die Frage ist eben wie wird damit umgegangen?

00:28:07: Dann hamst ihr dann dreizehn Jahre alt wird, dann wird halt versucht zu vermeiden dass du in eine Krise reinkommst.

00:28:17: Wir alten Witten hamsten noch mal zwei Jahre.

00:28:22: Also was ich glaube, das ist, was ich hier schon oft gesagt habe.

00:28:25: Ich glaube ein ganz wesentlicher Unterschied, das hast du gerade auch genannt, ist natürlich dass wir das hundertfach gemacht haben.

00:28:30: Dass wir in Hunderten einsetzen waren die alle wo wir das immer wieder erlebt haben, dass der Ablaufen immer wieder ähnlicher ist egal weswegen wir da sind.

00:28:40: damit der Ablauf ist ein Ähnliches heißt ich glaube was wir sehr gut können im Vergleich vielleicht auch zu diesen Polizisten oder zu ganz vielen anderen Leuten ist auf genau dieses Erfahrungswissen zurückzugreifen wenn der Polizist da steht und diese Nachricht überbringt.

00:28:53: Wissen wir beide, auch alle anderen, die sich damit beschäftigen?

00:28:57: Genau was als nächstes passieren wird!

00:28:59: Und es läuft mal ein bisschen mehr so...

00:29:02: Manchmal gibt's Überraschungen aber es gibt immer irgendeine Reaktion.

00:29:06: Genau und ich glaube dass wir halt einfach wahnsinnig auf dieses Wissen zurückgreifen und das Wissen des Aushalten auch leichter macht.

00:29:15: Das ist bestimmt ein großer Anteil dran.

00:29:19: Weil und das ist ja die Folge Wir auch wissen, es wird jetzt halt gleich wieder ein bisschen besser.

00:29:25: Und dann wieder schlechter und wieder etwas verläuft in Wellen.

00:29:29: Wie lang saßen wir da?

00:29:30: Ich weiß, wir sind nach Hause gefahren als Sonnenaufgang war aber ... ich würd mal sagen so zweieinhalb drei Stunden.

00:29:37: Drei Stunden würde ich jetzt einmal sagen ungefähr drei Stunden!

00:29:41: Ich meine auch dass das so um den Dreh war... In dieser Zeit glaube ich kann man schon sagen ... ist es besser geworden bei den beiden.

00:29:51: Der Sohn, der andere Sohn kam ja dann irgendwann auch noch... Gott, das Enkelkind war ja dann

00:29:55: plötzlich noch da,

00:29:57: die Ehefrau vom Sohn und so genau.

00:30:00: Und es ist interessant weil all diese Dinge bringen ja plötzlich total was ne?

00:30:03: Also wenn ich meine es war früh morgens als dann die Enkelin die ganz kleine noch mit dazukam.

00:30:09: Die

00:30:10: waren ja auch nicht weit also die wohnen im Prinzip in der Nähe.

00:30:12: dadurch könnten sie da auch kommen

00:30:17: Und das werde ich auch nicht vergessen, weil du dann zu dieser Enkelin-Kontakt aufgenommen hast.

00:30:21: Und irgendwann gesagt hast du zu der ... Boah, sie war ja noch ganz klein und bist auch ganz verwirrt was hier los ist und so weiter.

00:30:29: Darüber aber total die Großeltern plötzlich in diese Interaktion einsteigen konnten und sagen konnten Ja es ist halt gerade bisschen turbulent hier alles und plötzlich merkt man aber wie die das auch verbalisieren und zum ersten Mal ja auch drüber sprechen usw.

00:30:42: Das ist oft so, dass man im Prinzip gar nicht direkt anspricht.

00:30:45: Sondern dass man irgendwie was anderes ansprifft, das dann zur Folge hat, dass diejenigen, die eigentlich angesprochen sind sich nicht direkt angesprochen fühlen.

00:30:56: und dadurch habe ich manchmal das Gefühl können sie besser ins Gespräch einsteigen weil sie nicht das Gefühl haben Sie müssen jetzt irgendwas antworten sondern sie können auf etwas reagieren.

00:31:04: Und das ist ihnen ja freigestellt reagiere ich oder reagier ich nicht.

00:31:08: Und wenn sie dann darauf reagieren können, dass zum Beispiel das Enkelkind angesprochen wird oder ... Das Haustier hab ich auch schon erlebt.

00:31:16: Wenn man das Haustiere anspricht und mit dem Haustiel spricht und hauen die Leute plötzlich auf, weil Sie merken da können Sie jetzt einsteigen.

00:31:23: Da können Sie erst mal sehr niederschwellig einsteige, sehr niedeschwellig drauf reagieren und das ist oft ein Türöffner.

00:31:30: Find' ich auch wiederum ganz spannender Punkt, weil so... Also abgesehen davon, dass wir das glaube ich einfach aushalten könnten.

00:31:36: Und auch wenn man da drei Stunden schweigend sitzt und hätten wir das einfach gut ausgehalten ein bisschen... Also wer hätte wahrscheinlich irgendwann mal gefragt, ob wir gehen sollen oder so?

00:31:44: Aber wenn die gesagt hätten nö dann werden wir da auch drei Stunden einfach schweigent gesessen.

00:31:48: aber es ist schon auch das, dass glaube ich natürlich irgendwie jetzt Leute, die nicht so häufig damit zu tun haben, wahrscheinlich auch das Gefühl haben, glaube ich über gar nichts anderes sprechen zu dürfen gerade also zum Beispiel Humor oder so, dass das irgendwie versucht man sehr stark zu vermeiden.

00:32:05: Auch wenn es eine Situation gibt, wo Humor plötzlich im Raum ist.

00:32:08: Genauso versucht man andere Themen zu vermeidigen.

00:32:11: Ich mein, Humor liegt nicht nahe und trotzdem hab ich schon Einsätze erlebt in denen man erstaunlich lustige Gespräche geführt hat weil sich eine Dynamik ergeben hat plötzlich.

00:32:20: Und ich glaube viele versuchen das auch zu vermeilen.

00:32:22: Sondern man hat das Gefühl, man muss mit betroffen sein ... und vergisst, dass man das gar nicht ist.

00:32:28: Sondern dass es vielleicht auch völlig in Ordnung... ...und vielleicht sogar manchmal gut ist, eine neugierige Nachfrage zu stellen.

00:32:33: Ich mach das, weiß nicht wie du das handhabs?

00:32:35: Ich mache das häufig wenn ich Bilder irgendwo sehe.

00:32:37: dann frage ich nochmal Ist das ihr Sohn gewesen?

00:32:40: Genau.

00:32:41: Und

00:32:41: Ruckzuck passiert.

00:32:42: genau das, was du gesagt hast ... Man hat ein Gesprächsthema, dass wenig mit dem eigentlichen Szenario zu tun hat, aber du bist plötzlich in einem Gespräch und darüber kommt man natürlich dann auch immer wieder drauf, was jetzt in diesem Fall da passiert ist, dass er im Rahmen dieses Polizeieinsatzes doch noch irgendwann ums Leben kam und nähert sich ja diesen Thema auch.

00:33:02: Dann verläuft es ja in Wellen.

00:33:03: Du hast Momente, die sind besser und erzählen die sehr klar ... viel über die Geschichte des Sohnes ja damals erzählt auf, wie so... Ja.

00:33:13: Wie

00:33:13: sein Werdegang war?

00:33:14: Wie es ihm ging zuletzt und so weiter, genau!

00:33:17: Und dann bist du irgendwann wieder näher am Thema, dann kommt halt doch noch mal die Frage auf,... ..."Ja aber warum ist das jetzt

00:33:22: passiert?".

00:33:23: Oder was genau ist jetzt passiert können wir alles gar nicht beantworten.

00:33:27: Einfach

00:33:27: die Auseinandersetzung damit auch.

00:33:28: Genau.

00:33:29: Das muss ja noch nicht die komplette Auseinsatzung sein, aber wenigstens mal ein bisschen die Tür aufgemacht reingeguckt,... Ich habe immer das Gefühl, dass es so ein Art Wegweiser ist.

00:33:43: Ja doch eine Art Wegweise, dass sie dadurch verschiedene Wissens wie man wandern geht und man hat einen Wegweisern nach da geht's nach da, nach da... Und diesen Wegweißer sehen Sie dann und dass sie die Möglichkeiten haben überhaupt eine Idee zu entwickeln.

00:34:01: Wie kann's jetzt weitergehen?

00:34:02: Kann es jetzt weiter gehen, indem ich erst mal sage, ich brauche jetzt meine Ruhe.

00:34:05: Kanns weitergehen mit Schweigen.

00:34:08: Ich rede lieber.

00:34:10: Ich habe auch schon in Einsätzen erlebt, dass die Leute sehr geschäftigt wurden und sehr gerne machen wollten.

00:34:18: Und letzten Endes ist es ja wichtig, was ihnen hilft, genau das Richtige.

00:34:22: Aber dann haben sie da auch die Berechtigung und die Idee, ah ja, ich kann etwas machen oder ich kann eben nichts machen.

00:34:28: Das ist auch okay!

00:34:30: Ja.

00:34:31: Ich glaube, das ist auch eine Tür die wir aufstoßen können.

00:34:33: Und da sind wir wieder beim Aushalten diese komplette Akzeptanz zu haben, dass egal was sie jetzt machen ... Richtig!

00:34:39: Wir werden es nicht bewerten.

00:34:41: Genau.

00:34:41: Ob die jetzt hier aufstehen und erst mal gegen die Wand boxen?

00:34:44: Dann

00:34:45: sollen die das gerne machen.

00:34:47: Man wird wahrscheinlich gucken bevor die sich selbst verletzen, dass man's dann schon wieder irgendwie einfängt... Aber

00:34:55: eben auch aufschreien und weinen ist in Ordnung.

00:34:59: Und das ist etwas, was wir kennen und was jemand der ... Wir machen ja im Grunde genommen, wenn wir diese Einsätze machen.

00:35:06: Wenn wir im Kriseninterventionsteam unterwegs sind, machen wir nur solche Einsätze.

00:35:11: Währenddessen die Polizei macht auch solche Einsetze.

00:35:15: Die kommt auch wegen irgendwelchen anderen Dingen zu Leuten nach Hause oder gar nicht nach Hause sondern regelt irgendwelche andere Dinge.

00:35:22: Das heißt es ist ja nur ein Teilaspekt ihrer ganzen Berufs-, ihrer ganzen Beruflebens- Und deswegen vielleicht auch nicht so die Routine, wie es jetzt bei uns ist.

00:35:33: Ich bin der absolut festen Überzeugung, dass das eine Routine ist.

00:35:37: Das was uns beide von allen Hörer oder vielen Hörern unterscheidet, ist nicht, dass wir wahnsinnig gutes Skillset mitbringen um Krisenintervention zu machen.

00:35:49: ein Gott gegebenes Megatalent haben.

00:35:52: Es ist nicht, dass wir die härteste Ausbildung der Welt durchlaufen haben nur um dann irgendwann nach sechsundzwanzig Jahren Ausbildungen den ersten Einsatz machen zu dürfen aber auch nur... Das ist ja alles nicht der Fall sondern ich bin der ganz festen Überzeugung das es Routine und Übung ist die uns Ich will gar nichts sagen besser macht als andere Die es uns ermöglicht glaube mit jeder Situation die wir vorfinden umzugehen.

00:36:18: Also jede Einsatz gibt mir wieder irgendwie ein kleines Werkzeug in meine Werkzeugkiste rein.

00:36:23: Und je mehr verschiedene Einsätze ich auch habe oder je mehr Verschiedene, auch wenn wir bei Dienstabenden probieren also Übungen machen und auch das gibt wieder ein Werkzeug.

00:36:39: Das ist zwar keine reale Situation aber auch Rollenspiel kann einem irgendwie Ideen geben wie man vielleicht mal vorgehen könnte.

00:36:46: Das ist halt immer voller, die Werkzeugkiste.

00:36:52: Ja diese Dienstabende, die wir ja in regelmäßigen Abstand haben wo eben auch das immer wieder ein Thema ist zu üben.

00:36:58: Wo man denkt warum müssen die noch üben?

00:37:02: Und was es beim Üben schon da ist... Es ist ja gespielt!

00:37:08: Gut manchmal haben wir Schauspieler, die spielen das sehr

00:37:10: deutlich.

00:37:11: Das sind immer die sehr spannenden Abende wenn Schauspielerinnen und Schausspieler da sind weil da denkt man dann manchmal schon okay das ist auf einem anderen Level.

00:37:17: Die kriegen dann eine Info doch noch mal anders um als wir das als Leidenschau-Spieler tun würden.

00:37:23: Und das finde ich auch interessant, weil wir ja in der Regel einsetzen ... Was heißt denn die Regeln?

00:37:27: Es sind immer Einsätze, die stattgefunden haben in irgendeiner Art und Weise, die dann nochmal ... gespielt werden und auch behandelt werden.

00:37:35: Und das ist ja wahnsinnig wie unterschiedlich du und ich als Team funktionieren, während du und Irene die wir hier auch schon im Podcast gehört haben ganz anders funktionieren.

00:37:44: Du bist die gleiche Person und trotzdem ist die Konstellation der anderen für zu einem völlig anderen Einsatz aber gar nicht so einem schlechteren oder besseren Ergebnis.

00:37:51: Nee

00:37:51: es ist einfach ein anderes.

00:37:52: Es ist dadurch dass wir so unterschiedlich sind in unserer Persönlichkeit und in der Art und Weise wie wir herangehen auch an Die Dinge macht das nur Unterschied.

00:38:01: klar

00:38:02: Und das hast du vorhin auch schon gesagt.

00:38:04: Als ich dich fragte, warum kannst du?

00:38:06: Dass du sagst, das eine ist die eigene Krisenerfahrung und das andere ist die Ausbildung.

00:38:09: Ich tue dann immer so als hätten wir gar keinen Vorsprung.

00:38:15: Aber den haben wir natürlich durch die Ausbildungen schon.

00:38:17: Weil wenn viele Fachwissen haben, dass ganz viele andere nicht haben.

00:38:20: Das will ihr auch gar nicht wegignorieren und es soll jetzt nicht so klingen wie jeder, wenn er morgens aufsteht.

00:38:26: Nee, das ist ... Das Fachwissen ist enorm wichtig, weil das hilft Dynamiken zu verstehen.

00:38:32: Und das haben zum Beispiel Polizistinnen und Polizisten ja auch nicht.

00:38:36: Die haben diese Fülle an Fachinformationen, die beschäftigen sich nicht ein halbes Jahr lang damit welche Reaktionen möglich und denkbar sind, welche auch in Anführungszeichen normal oder nicht normal sind

00:38:49: usw.,

00:38:50: das machen die alles nicht wir schon.

00:38:51: also ich will gar nicht sagen dass diese Ausbildung keine Rolle spielt um Gottes

00:38:55: Willen.

00:38:58: Und trotzdem teile ich da deine Einschätzung.

00:38:59: Ich glaube, der wichtigste Teil in dieser Ausbildung war für mich zumindest das Üben sowohl mit Schauspielerinnen und Schausspielern als auch im Team weil auch eine Übung dich natürlich in die Lage versetzt dass jetzt einfach mal aushalten zu müssen und es ist super unangenehm.

00:39:13: machen wir uns nichts vor wenn du vor zwanzig Leuten da stehst die alle in der Ausbildung sind und du weißt jetzt gucken die hier vierzig Augen gerade an und gucken genau drauf was machst du?

00:39:22: Das musst du erstmal aushalten Aber jede Übung und jeder Einsatz bin ich hundert Prozent bei dir.

00:39:28: Gibt ihr genau dieses Werkzeug wieder in den Werkzeugkoffer, mit dem du im nächsten Einsatz halt wieder was anfangen kannst?

00:39:34: Ja!

00:39:36: Also ich weiß auch aus meiner Ausbildungszeit raus, dass gerade die Rollenspiele, die wir gemacht haben, die dann schief gegangen sind – aus denen hat man am meisten profitiert.

00:39:46: Weil, das hab ich mir echt gemerkt.

00:39:50: Wenn's dann irgendwie Sätze gab die man gesagt hat oder wenn es irgendwelche Handlungen gab und es hinterherhieß ... Ja!

00:39:56: Das war jetzt nicht so toll weil ... Punkt, punkt, punkt.

00:40:00: Das habe ich mir wirklich gemerkt und das ist sehr, sehr wertvoll.

00:40:03: Weil das sind so Sätze, die man eben gerne so floskellen.

00:40:06: Genau.

00:40:07: Die man gerne los wird und bevor ich diese Ausbildung gemacht hab hätte ich die wahrscheinlich weiterhin gesagt.

00:40:12: Ich

00:40:12: auch.

00:40:12: Hundert Prozent.

00:40:12: Inzwischen

00:40:13: weiß ich dass es eigentlich eher nicht so toll Und kontraproduktiv und insofern war das schon sehr wichtig, diese Ausbildung.

00:40:21: Es ist total interessante Rente.

00:40:23: der der Case ist eigentlich keiner aber ich bin am Wochenende umgezogen und wer mit mir mal umgezogen ist er weiß dass der Stresslevel bei einem Umzug von mir am oberen Ende Also wirklich am obersten Ende ist.

00:40:38: Irgendwann gab's eine Situation und dann hieß, hat irgendjemand gesagt ... Ich war gestresst, ich hab in dieser Wohnung keinen Potenzial mehr gesehen.

00:40:48: Ich hab gedacht, das war es jetzt hier.

00:40:50: Wir können diese Wohnung nicht nehmen.

00:40:52: Das ist alles Scheiße hier!

00:40:54: Und das entlädt sich irgendwann auch so in Richtung der Umzugshelferin.

00:40:57: Und mein Vater hat aus bestem Willen herausgesagt Alles gut.

00:41:05: Das wird hier alles gut und das war für mich so eine totale Floskel, wo ich gesagt

00:41:10: habe ...

00:41:10: Nein!

00:41:11: Es wirft nicht gut!

00:41:12: Und wir müssen auch nicht so tun als wäre hier gerade alles gut.

00:41:14: Es ist hier grade alles Scheiße.

00:41:16: Ja?

00:41:17: Und das fand ich so spannend zu beobachten weil ich wirklich gedacht hab diesen Satz hätte ich so nicht gesagt.

00:41:22: Weil ich kann jetzt nachvollziehen dass es hier für ne andere Person nicht alles gut ist.

00:41:28: also muss ich auch nicht sagen, dass alles gut ist.

00:41:31: Und das sind diese ... der Polizist!

00:41:34: Mein Vater, jeder Einzelne, der so eine Floskel benutzt, tut es ja immer aus bestem

00:41:39: Wissen heraus.

00:41:40: Aus Bestem Wissens oder aus Bestem Willen?

00:41:42: Genau.

00:41:42: Nicht Wissen sondern Willen.

00:41:43: also man möchte eben dieses Alles Gut Machen und das geht halt nicht.

00:41:50: Und es ist so für mich, ich vergleiche das häufig damit.

00:41:53: Dass wenn jemand sich richtig aufregt und du sagst dieser Person jetzt beruhigt dich doch mal.

00:41:57: Da möchte ich die Person sehen, die sich in so einem Moment jemals beruhigte.

00:42:01: Ja

00:42:01: klar, ich beruhige mich sofort!

00:42:02: Alles kein Problem.

00:42:03: Ach, ich bin aufgeregt.

00:42:04: Ist ja vor Hauptskeitschema.

00:42:07: Vielen Dank

00:42:07: für den Perspektivwechsel.

00:42:08: dann fahre ich mich jetzt darunter.

00:42:10: Das passiert ja einfach nicht.

00:42:12: Nein?

00:42:14: Und das ist aber genau der Effekt glaube ich.

00:42:17: Also eigentlich... Bewirkst du damit das Gegenteil?

00:42:21: Ja.

00:42:21: Und trotzdem ist es so etabliert, dass ... spannend!

00:42:26: Was glaubst Du, wo das

00:42:27: herkommt?!

00:42:28: Ich glaube, das kommt wirklich aus diesem Mann.

00:42:30: Hätte gerne das alles gut.

00:42:31: Das Friedefreude-Eierkuchenwelt.

00:42:33: Weil man's selber auch nicht mit aushalten will, oder?

00:42:35: Also ich ...

00:42:36: ja, weil es für einen selber

00:42:37: schwierig ist.

00:42:37: In dem Moment genau... Es ist für mich selbst schwierig.

00:42:40: Ich will in dem Moment, dass meine Welt sich nicht damit beschäftigen muss.

00:42:44: So blöd das klingt,

00:42:45: oder!?

00:42:46: Also ich weiß, wenn ich super wütend bin wegen irgendwas.

00:42:49: Dann möchte ich auch gerne... Ich MÖCHTE super wüten sein!

00:42:53: Ich merke wie mich dann so... Ich distanziere mich dann von den Leuten, die wollen mich jetzt beruhigen weil ich WILL jetzt wütent sein und ich habe ein Recht darauf wütenden zu sein.

00:43:04: Und ich will nicht dass irgendjemand jetzt kommt und zu mir sagt du musst nicht wütends sein Oder du darfst nicht wüdend sein.

00:43:10: Ich bin jetzt wühnt Punkt.

00:43:12: oder ich

00:43:13: bin jetzt

00:43:14: traurig Punkt.

00:43:16: und ich will nicht, dass irgendjemand kommt und mir sagt ah du brauchst jetzt nicht traurig sein das wird alles schon wieder gut.

00:43:22: Und Ich merke aber auch aus der anderen Perspektive wenn ich sehe dass irgendwie jemand anders vor mir steht und super wütend ist oder super trauriges.

00:43:31: Das hätte ich gerne weg.

00:43:33: ich hätte gerne dass es wieder gut ist.

00:43:35: Ich hätte gerne das wieder alles friedlich ist und dass Es funktioniert dass es problemlos ist dass sich da nicht in irgendeiner Form In meinem Denken, in meiner Planung oder in meinem Tagesgeschehen jetzt plötzlich nicht mehr weitermachen kann.

00:43:53: Weil da ist jetzt diese Riesenbaustelle, da hat jemand ein anderes Problem.

00:43:58: Das muss weg!

00:43:59: Wird wieder gut und das ist genau das was eben diese Floskeln glaube ich sind.

00:44:05: Ja weil wir... Also ich muss gerade an eine Situation denken.

00:44:09: Ich würde behaupten so wenn Leute traurig sind kann ich das mittlerweile wirklich sehr gut aushalten durch genau diese.

00:44:17: Arbeit im Arbeitskreis leben oder in der Krisenintervention und wo auch immer.

00:44:20: ich habe vor nicht allzu lange Zeit Teil einer eines Streits geworden, wo zwei so aneinander geraten sind wie sie Irgendwas auf dem Dienervierblatt schreiben, um es weiter runterzubrechen.

00:44:31: Das war wirklich so dermaßen banal!

00:44:34: Weil der eine das auf seine Weise gemacht hat und der andere aber der Meinung war, dass die Weise des einen nicht die richtige Weise ist.

00:44:40: Und dann sind sie aneinander geraten, aber fragt nicht wie?

00:44:43: Ich stand dazwischen oder neben dran und dachte ... Ach du heilige Scheiße.

00:44:47: da hab ich diese Tendenz bei mir sofort auch erkannt Und da hab ich die zurückhalten können.

00:44:52: Aber dachte, am liebsten würde ich sagen jetzt Leute ... Jetzt beruhigen wir uns alle mal ihr habt hier nicht mal ein Thema weil der eine macht so oder andere so und das ist wirklich beides in Ordnung.

00:45:00: Weil ich auch einfach nur wollte dass es aufhört.

00:45:04: Ich wollte dann nicht neben dran stehen, ich wollte nicht, dass sich die Leute nach uns umdrehen.

00:45:07: Ich will das eigentlich nicht Teil dieser Situation sein.

00:45:10: Ja.

00:45:11: Und aus so einer Haltung?

00:45:12: Oder aus so einem ...

00:45:13: Genau!

00:45:14: Aus so einer ... ja ich würd fast sagen Panik raus.

00:45:16: also das hat bei mir wirklich fast ne Panik ausgelöst weil ich dachte Leute Hier bleiben schon alle stehen die drehen sich um jetzt hört auf darüber zu streiten wer das jetzt richtiger macht als der andere.

00:45:27: und genauso weiß ich.

00:45:29: Das hätte nichts gebracht in der Situation, das auszusprechen.

00:45:32: Die waren ja gar nicht offen dafür.

00:45:34: Die wären in dem Moment ... die waren beide in ihrer Welt jetzt und beide waren da jetzt voll drin.

00:45:38: Da hätt ich noch so oft sagen können ihr streitet euch wegen nichts und wieder nichts?

00:45:41: Ja aber sie streiten sich.

00:45:44: Wenn du das so sagst dann kommt bei mir als Gedanke auch ein bisschen dazu dass es ja so ist, dass man sagt die zivilisierte Menschheit streitet sich nicht oder zivilisierte Menschen haben sich im Griff zivilisierte Menschen oder gut Bürgertum.

00:46:01: Das lässt keine Emotionen so hoch kommen, dass man sich vielleicht auf offener Straße streitet.

00:46:07: und das ist vielleicht auch noch ein bisschen Punkt dabei, wenn du sagst, du hast Bedenken gehabt die Leute drehen sich nach euch um.

00:46:14: was denken die von mir?

00:46:16: Ich bin jetzt in so einen Streit hier mit beteiligt Das kann ja auch noch so ein bisschen dazugehören, dass man eigentlich das nicht möchte.

00:46:23: Weil man möchte nicht der Affe auf dem Baum sein, der irgendwie mit der Keule schwingt und laut schreit, sondern man möchte das gerne verbal möglichst ruhig und möglichst elegant lösen.

00:46:34: Und das Interessante ist doch, dass jeder so eine Situation schon mal erlebt hat.

00:46:38: Ich glaube es gibt niemanden, der nicht irgendwie schon mal... Also ja, zivilisierte Menschen schreiten sich nicht.

00:46:42: Ja aber jeder hat sich schon mal gestritten und ... Mit

00:46:44: Sicherheit!

00:46:45: Und

00:46:45: das Spannende ist ja... Ich glaube nämlich da ist daher auch ein großer Teil dessen kommt warum wir das nicht aushalten können dass eben das Gefühl es muss vor allem nach außen hin immer alles gut sein.

00:46:56: Wir zeigen uns nicht verletzlich, wir zeigen uns Nicht dass wir mal einen Ausrast bekommen wegen nichts und wieder nichts der Aber ja selten wegen dieses Einen wegen dieser Einsachen sondern das staut sich an.

00:47:05: wir zeigen selten dass wir nicht weiter wissen in der Öffentlichkeit.

00:47:10: Lieber erklären wir jemanden völlig falschen Weg, statt zuzugeben dass wir gar nicht wissen wo er hin muss und so also das.

00:47:15: wir versuchen dieses perfekte Bild nach außen ganz häufig zu wahren, dass wir aber gar nicht halten können und es auch keinen Sinn ergibt es zu halten.

00:47:22: Witzige Weise sieht man das sogar an Talkshows manchmal wenn sie dann Fragen stellen und so und dann wird ins Publikum gefragt wer kann denn das beantworten?

00:47:30: Und dann stehen Leute auf und sagen, ich glaube... Ich habe ja eigentlich keine Ahnung.

00:47:33: Aber ich glaube es ist so-und-so!

00:47:36: Sie wollen den Schein waren?

00:47:38: Es funktioniert?

00:47:39: Es läuft?

00:47:39: Ich weiß es aber... Eigentlich nicht.

00:47:43: Ja.

00:47:45: Und jetzt haben wir wieder einen kleinen Exkurs gemacht, aber das ist genau das... Wir kriegen mal zu empfogen.

00:47:51: Ich bin da nämlich noch einmal beim Üben weil am Ende... Also glaub' ich schon dass alle Leute dass irgendwie auch üben können.

00:47:58: Und das fände ich jetzt so, wir kamen ... hab dich ja angefragt, ob du Lust hast mit mir mal über diesen Einsatz zu sprechen und ein bisschen nachzudenken.

00:48:05: Über genau diese Situation mit den Polizisten der so überfordert war in dieser einen Situation nicht mehr seiner Tätigkeit überhaupt nicht,

00:48:11: weil die hat er herausragend

00:48:13: gemacht.

00:48:14: Und dann mit dem was passiert ist, weil er damit nicht umzugehen musste.

00:48:18: Ich glaube, es wäre wahnsinnig hilfreich, wenn wir da hinkommen könnten, dass wir uns das zutrauen.

00:48:23: Weil letztendlich reicht's doch, dass Wir sind wie Wir sind!

00:48:26: Und mehr können wir eh nicht anbieten.

00:48:28: Also du kannst anbieten wie du bist, ich kann anbieden wie ich bin... Ja!

00:48:31: Wir können ein bisschen Fachwissen noch dazu anbiten aber wir müssen reichen.

00:48:35: in dem Moment und mal passt unsere Nase vielleicht auch nicht dann sind wir auch nicht hilfreich?

00:48:38: Dann sind wir ja auch nicht helfrig aber das Gute daran ist wir sind ja zu zweit.

00:48:42: Das heißt man merkt ja auch ganz oft dass die Leute sich dann eine Person aussuchen oder es sind mehrere Leute werden die Personen unterschiedlich ausgesucht weil sie halt an den unterschiedlichen Charakteren andocken

00:48:54: Und das finde ich immer wieder schön, auch zu sehen.

00:48:56: Das find ich auch in den wahnsinnig guten Gedanken ... Den sich es immer lohnt mitzunehmen aus meiner Sicht, dass wir als Personen komplett ausreichen.

00:49:05: Wir haben nichts dabei was die Situation besser macht.

00:49:07: keine Medikamente, kein Alkohol, keine Drohung nicht.

00:49:11: Das wird's alles nicht besser machen by the way.

00:49:13: Taschentücher?

00:49:14: Genau, wir haben Taschendücher dabei.

00:49:16: Die fühlst du aber in den meisten Haushalten auch also.

00:49:20: Und am Ende reicht es, dass wir als Personen da sind.

00:49:23: Wenn wir dann jetzt noch mal in diesen Einsatz springen und nochmal überlegen diese Situation mit dem Polizisten die haben sich auch relativ schnell verabschiedet das war ja aus unserer Sicht total in Ordnung.

00:49:33: Die haben ihre Karte da gelassen und sind ihre Arbeit wieder nachher.

00:49:36: Mehr hätten sie dauert nicht ausrichten können.

00:49:39: Exakt!

00:49:39: Ganz genau.

00:49:40: Und dann sitzen zwei wildfremde Menschen da an einem Estisch für drei Stunden und schaffen sie aber in diesen drei Stunden, so diese Wellen einfach mal auszuhalten und irgendwie mit denen einen Teil des Wegs zu gehen?

00:49:53: Ja!

00:49:53: Das finde ich eigentlich wahnsinnig schön dass es mehr nicht braucht.

00:49:56: Zwei Leute die nichts machen außer das Auszuhalten ein bisschen drüber zu sprechen was vor allem die Leute ja auch beschäftigt.

00:50:05: Einfach aushalten aufmerksam sein, aushalte... Genau.

00:50:10: Da sein?

00:50:12: Ja, da sein!

00:50:14: Jetzt haben wir heute so ein kleines Experiment gemacht, Petra und ich habe zum ersten Mal eine Einsatz-Story nicht selber erzählt und aus meinem Einsatz erzählt sondern wir haben das zum ersten mal so ein bisschen im Dialog gemacht.

00:50:25: und weil ich das in Zukunft öfter machen möchte, möchte ich gerne darauf bis du jetzt nicht vorbereitet hast.

00:50:32: Hast du eine Ahnung was jetzt kommen könnte?

00:50:34: Was jetzt die letzte Frage sein könnte?

00:50:37: Mich würde interessieren, hast du einen Trick?

00:50:40: Hast du einen Handkniff?

00:50:42: Hast Du eine Sache die Du in Einsätzen immer machst von der Du absolut weißt dass Du Dich drauf verlassen kannst was sie funktioniert.

00:50:52: In Bezug auf...

00:50:54: Ist total egal.

00:50:55: ich mach Dir gern einfach ein Beispiel weil ich das ganz häufig hier schon erzählt habe oder auch so im Freundeskreis immer erzähle.

00:51:02: Wir haben ja, es ist am Anfang dieser Folge so ein bisschen klar geworden.

00:51:04: Wir kriegen eigentlich relativ viele Informationen schon.

00:51:07: Wir wussten genau von diesem Polizeieinsatz, wir wussten wo der war und was passiert ist.

00:51:11: Wir wüssten wirklich alles.

00:51:13: Was die auch wussten?

00:51:14: Genau!

00:51:15: Und ich mache trotzdem in Einsätzen... Ist das eigentlich mein Standard dass ich erst mal sage Ich weiß gar nicht genau was passiert is, wollen sie's mal erzählen?

00:51:24: Das frag ich

00:51:26: auch sehr oft.

00:51:27: Ich würde sagen, das ist so mein Go-to Trick mit dem ich es immer schaffe in ein Gespräch zu kommen und da muss auch gar nichts am Gesprächs Anfang stehen.

00:51:36: Da wird mich interessieren damit ich das nämlich auch in meinen Handwerkskoffer packen kann.

00:51:39: gibt's zwar eine Sache wo du sagen würdest die hat sich wann immer ich sie gezogen habe bewährt.

00:51:46: Also das eine ist auf jeden Fall dieses, was ich vorhin schon mal angesprochen habe.

00:51:50: Dieses auch auf das Näherumfeld einzugehen.

00:51:53: Einfach wenn ein Haustier da ist oder wenn irgendwie ein Foto an der Wand hängt oder irgendwas da ist dass sich auf andere Dinge eingehe die mir eine Tür verbal öffnen.

00:52:04: dann zu den Leuten bei denen ich gerade im Einsatz bin.

00:52:09: Das ist das ich mir erstmal von denen erzählen lasse weil oftmals ist es ja so, dass die tatsächlich auch Informationen haben das als Türöffner zu nehmen.

00:52:23: Auch deutlich!

00:52:26: Ich versuche für mich eine ganz klare Offenheit in mir zu haben egal wer mir da jetzt gegenüber sitzt ob das jetzt irgendwie jemand ist wo ich denke das ist ne Wohnung in der möchte ich mich eigentlich nicht mal hinsetzen oder ob das irgendwie die high-end schicke Suite ist, dass ich einfach das alles versuche auszublenden und einfach nur versuch in die Leute rein zu gucken.

00:52:57: Sogar durchs Gesicht durch manchmal, weil ich so das Gefühl habe... Ich will einfach nur die Person auf mich wirken lassen und mich erstmal zurücknehmen und dann zu gucken, ob es ein Einsatz ist, indem ich gar nicht spreche?

00:53:13: Wenig

00:53:13: spreche?!

00:53:14: Oder ob es vielleicht sogar ein Einsatz ist, der von mir erst mal viel Interaktion braucht.

00:53:21: Dass ich Versuche rauszukriegen innerhalb der ersten paar Minuten?

00:53:24: Ist das eine Person die... ...ist es eher Ruhe, die jetzt gefordert wird oder ist es eher Aktivität?

00:53:31: Es ist eine Person, von der ich mich erfrage, ob sie mir vielleicht mein Glas Wasser bringen könnte oder lasse ich sie erstmal in Ruhe?

00:53:39: und das ist sowas wo ich denke Ja, ich weiß gar nicht was da der Trick.

00:53:44: Ich glaube, der Trick ist wirklich erst mal wirklich Tablerasa zu machen im Kopf und zu warten, was kommt da auf mich zu?

00:53:52: Und nicht schon mit dem Gedanken, ich mache jetzt dann das.

00:53:54: und dass als Erstes weil es in jedem Einsatz anders sondern wirklich erstmal alles wie eine weise Kiste leer und dann zu warten was kommt und dann erst einmal anzufangen wieder irgendwelche Sachen da reinzuschwachen in die Kiste.

00:54:11: Wir haben gerade den Stichwort aufgeschrieben.

00:54:12: Das Stich Wort lautet Vorurteile, vielleicht machen wir dazu mal eine eigene Folge, weil als du das grade gesagt hast sind mir wahnsinnig viele Beispiele eingefallen von ... Es

00:54:20: gibt kein verurteilungsfreies ...

00:54:23: Nee.

00:54:24: Und das ist wirklich interessant, weil ich glaube ... Da müsste man vielleicht mal im Team insgesamt auch fragen.

00:54:30: Weil ich glaube, dass wir dann eine sehr spannende Folge machen können rund ums Thema Vorurteile und wie sich es auch entwickelt im Laufe des Einsatzes.

00:54:37: Also ertappt mich da selbst ganz oft dabei... Ich kenne Wohnungen in denen wollte ich... Du hast gerade gesagt hinsetzen?

00:54:44: Ich wollte nicht mal den Fußboden berühren!

00:54:47: Wir waren alle schon in Wohnungen wo wir dachten... Das ist das Krasseste, was ich jemals gesehen hab.

00:54:52: Ja,

00:54:53: das kenn' ich eigentlich nur aus dem Fernsehen?

00:54:55: Genau!

00:54:55: Gibt's

00:54:55: das wirklich

00:54:56: tatsächlich?!

00:54:58: Ich hatte Gläser, aus denen ich nicht trinken wollte weil ich dachte um Gottes Willen... Was soll ich mir da?

00:55:03: Genau, ich weiß nicht wanns gespült worden ist.

00:55:05: Also es ist aber ganz spannend, die Einsätze entwickeln sich immer anders als man das am Anfang erwartet.

00:55:11: und gerade denke ich mir selber wie blöd ist dieser Gedanke eigentlich Dass man von dem, was man hier äußerlich wahrnimmt erst mal darauf schließt wie diese Person gleich in der Betreuung oder in der Begleitung ist.

00:55:25: Und es stimmt nie!

00:55:26: Es stimmt nie und ich merke auch dass das sehr dankbar auch angenommen wird weil die Leute wissen ja oft um ihre Situation.

00:55:36: also gerade wenn du in so eine Messi-Wohnung reinkommst Die wissen im Grunde genommen ja schon dass diese Wohnung nicht so aussieht wie sie sein könnte.

00:55:47: Und da stimmt sie auch dann oft nicht in der Wohnung noch nicht, sondern auch diverse andere Sachen nicht.

00:55:51: und wenn man das einfach, wenn Sie merken, man geht da offen mit um und man ist nicht pickiert und sagt so eben ich setze keinen Fuß in diese Wohnung, sondern macht es halt doch was vergeb' ich mir?

00:56:06: Also im Grunde genommen kann ich hinterher duschen oder die Hände sterilisieren oder ich kann irgendetwas anderes machen desinfizieren.

00:56:18: Ich glaube nicht, dass infizieren also wenn ich mir hinterher die Hände desinfiziere oder irgendwas dann bin ja wieder auf der vermeintlich sicheren Seite.

00:56:27: Ich kann mir woanders auch was holen.

00:56:28: Also das ist einfach dieses möglichst versuchen unvereingenommen darauf einzugehen weil eben oftmals entwickelt sich es in eine ganz andere Richtung und ich war auch schon in einer Wohnung dieser auch sehr desaströs aus.

00:56:43: Und der Mann, mit dem wir uns dann unterhalten haben.

00:56:47: Der war hochintelligent Professor... ...der halt einfach irgendwann durch den Tod seiner Frau gestrauchelt ist und er hat Gespräche, hat uns in Gesprächen verwickelt.

00:56:59: die waren toll!

00:57:00: Die waren richtig genial und schön.

00:57:03: und das war was wo ich gedacht habe.

00:57:04: ja wenn ich da von vornherein gesagt hätte oder mich selber blockiert hätte indem ich gesagt hatte oh Gott wie sieht's in dieser Wohnung aus?

00:57:12: will ich nichts mit zu tun haben.

00:57:14: Dann wäre mir das vielleicht entgangen.

00:57:15: und dass ist tatsächlich auch was, was ich auch merke.

00:57:19: Jeder Einsatz auch wenn er noch so schlecht ist und fühlt nicht nur meinen Werkzeugkasten sondern es auch für mich in mehr Wert weil ich immer wieder mit einer neuen Erfahrung rauskomme wo ich denke ach guck mal das hätte ich vorher nicht geahnt.

00:57:34: Spannende... Tricks, die du auch mit dabei hast Petra.

00:57:37: Weil ich tatsächlich so dieses über Tiere Enkel was weiß ich, was kommen glaube ich in meinem Werkzeugkasten noch gar nicht so wahnsinnig drin habe.

00:57:44: also ich glaube schon dass es das wahrscheinlich auch gibt aber ich kann mich nicht erinnern, dass sich mal eine enkele einen Enkel oder ein Kind oder so direkt angesprochen hätte.

00:57:52: findest aber dann ganz also ne ganze charmante Möglichkeit eben ins Gespräch zu kommen über etwas was nicht direkt Thema des

00:57:59: Einsatzes ist.

00:58:00: wenn's dir liegt

00:58:01: genau ja klar natürlich Ah ja, und du bist die anderthalbjährige Enkelin.

00:58:08: Und antwortest mir jetzt gar nicht oder was ist jetzt hier?

00:58:11: Dann wird's komisch irgendwie.

00:58:12: Ja

00:58:12: richtig genau.

00:58:14: Vielen vielen Dank dass Du mit mir über den Einsatz gesprochen hast, den wir da zusammen gemacht haben frühmorgen oder bis Frühmorgens.

00:58:23: Also habe ich aufgeschrieben es wird... Wir machen eine Folge und ich glaube da fragen wir mal im Team rum zum Thema Vorurteile weil ich glaube der hat jeder eine Geschichte zu erzählen.

00:58:34: Sehr, sehr gerne.

00:59:02: Klar, das klingt jetzt hier aus meiner Perspektive erstmal wahnsinnig einfach.

00:59:06: Aber ihr habt es in der heutigen Folge schon gehört!

00:59:08: Auch mir gelingt sowas nicht immer und umso wichtiger ist es dann wiederum dass wir uns mit unseren eigenen Reaktionen unsere eigenen Bedürfnissen und allem was damit eben zusammenhängt auseinandersetzen.

00:59:20: Dass wir verstehen dass es unterschiedlichste Perspektiven gibt und dass es eben selten ein einfaches richtig oder falsch gibt.

00:59:28: Vielen Dank, dass ihr in die heutige Folge reingehört habt.

00:59:32: Ihr habt Fragen, Anmerkungen, Wünsche, Kritik oder was auch immer?

00:59:35: Dann auf jeden Fall immer her damit!

00:59:37: Schickt gerne alles durch, was euch nach der heutigen Folge beschäftigt.

00:59:41: Ihr findet den Insta-Account wie immer in den Shownotes und ansonsten freue ich mich wenn ihr in zwei Wochen wieder mit dabei seid.

00:59:48: Bis dahin macht's gut.

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