Wenn jemand nicht mehr leben will

Shownotes

„Hast du gerade Gedanken, dir das Leben zu nehmen?“

Es sind nur wenige Worte. Und trotzdem kann es unglaublich schwer sein, diese Frage auszusprechen.

In dieser Folge sprechen Florian und Clara Nordfeld darüber, warum genau diese Offenheit ein wichtiger Teil von Suizidprävention sein kann. Clara erzählt von ihrer Arbeit beim Arbeitskreis Leben, von der Begleitung suizidaler Menschen und von einer Haltung, die zunächst irritieren kann: Manchmal müssen Suizidgedanken nicht sofort verschwinden. Manchmal geht es zunächst darum, sie gemeinsam auszuhalten.

Das Gespräch führt von der konkreten Beratung über die besondere Trauer nach einem Suizid bis hin zu Schuld, Ohnmacht, ehrenamtlicher Krisenbegleitung und der Frage, ob eigentlich jeder Mensch lernen kann, mit Suizidalität umzugehen.

🔍Themen dieser Folge 👉 Warum uns die direkte Frage nach Suizidgedanken so schwerfällt 👉 Wie Suizidgedanken paradoxerweise Halt geben können 👉 Aushalten oder eingreifen: Wo verläuft die Grenze? 👉 Wann professionelle oder psychiatrische Unterstützung notwendig wird 👉 Warum Trauer nach einem Suizid besondere Fragen aufwirft 👉 Schuld, Scham, Wut und Ohnmacht bei Hinterbliebenen 👉 Welche Rolle ehrenamtliche Krisenbegleiter:innen spielen können 👉 Warum eigene Grenzen beim Helfen wichtig sind 👉 Weshalb wir auch mit Kindern und Jugendlichen über Suizid sprechen sollten 👉 Warum Suizidprävention nicht nur Aufgabe von Fachleuten ist

👤 Über den Gast dieser Folge Zu Gast ist Clara Nordfeld.

Clara ist Sozialarbeiterin und systemische Beraterin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren hauptamtlich beim Arbeitskreis Leben in Freiburg. Dort begleitet sie Menschen in Krisen und mit Suizidgedanken, arbeitet mit Ehrenamtlichen und unterstützt Hinterbliebene nach einem Suizid. Zum Arbeitskreis Leben kam sie ursprünglich während ihres Studiums über ein Praxissemester – und blieb.

🎙️ Host Florian D. Weber – Moderator, Entertainer und seit über 15 Jahren ehrenamtlich in der Krisenintervention und Suizidprävention tätig.

Mit „Und plötzlich: Krise“ gibt er Einblicke in Situationen, die sonst verborgen bleiben – und spricht mit Menschen, deren Geschichten bewegen.

⚠️ Inhaltsinformation Diese Folge thematisiert ausführlich Suizid, Suizidgedanken, Suizidprävention und Trauer nach einem Suizid. Einzelne Passagen können emotional belastend sein.

Solltest du Unterstützung benötigen, findest du anonyme und kostenlose Hilfe bei der Telefonseelsorge: 📞 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Weitere Hilfe: ➡️ Arbeitskreis Leben Freiburg ➡️ Arbeitskreise Leben Baden-Württemberg

📅 Veröffentlichung Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen, freitags um 7 Uhr.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Ich sitze an diesem Nachmittag einer Frau gegenüber.

00:00:04: Ihr Sohn ist gestorben, wir sprechen darüber was passiert ist.

00:00:08: Darüber wie es ihr gerade geht und irgendwann sagt sie diesen einen Satz Wenn er nicht mehr lebt will ich auch nicht mehr!

00:00:20: Ich höre den Satz und ich rede darüber hinweg.

00:00:23: Vielleicht war's ja nur so dahin gesagt vielleicht meint sie es gar nicht zu.

00:00:28: Wir sprechen weiter.

00:00:30: Dann sagt sie es noch einmal Diesmal werde ich aufmerksamer.

00:00:36: Und irgendwann kommt wieder ein Satz, der in dieselbe Richtung geht.

00:00:41: Jetzt weiß ich – Ich kann hier nicht gehen ohne diese eine Frage gestellt zu haben!

00:00:47: Eigentlich ist das ja nur einen Satz.

00:00:49: Ein paar Worte und trotzdem merke ich wie ich nervös werde.

00:00:54: Ich fange an zu schwitzen.

00:00:56: In meinem Kopf suche ich nach einer Formulierung.

00:00:59: Vielleicht kann ich die Frage etwas vorsichtiger stellen, etwas weniger direkt?

00:01:04: Aber genau das darf ich jetzt nicht.

00:01:07: Also zwinge mich dazu!

00:01:10: Und ich frage sie, haben Sie gerade den Gedanken sich das Leben zu nehmen?

00:01:16: Eine Frage vor der ich damals unglaublich großen Respekt hatte.

00:01:21: Heute weiß ich, dass gefährliche ist NICHT sie zu stellen.

00:01:26: Das Gefährliche kann sein diese Frage nicht zu stellen.

00:01:35: Hallo und ganz herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Unplötzlich Krise.

00:01:40: Ich bin Florian de Weber und heute sprechen wir über ein Thema, bei dem diese eine Frage eine ganz entscheidende Rolle spielt.

00:01:47: Suizid Oder genauer gesagt – Wir sprechen darüber wie wir mit Menschen umgehen können die darüber nachdenken sich das Leben zu nehmen also viel mehr über Suizideprävention.

00:01:59: Und genau dafür bin ich beim Arbeitskreis Leben in Freiburg zu Gast und ich spreche dort mit Clara.

00:02:04: Clara ist Sozialarbeiterin und Systemische Beraterin, und arbeitet dort seit mehr als zehn Jahren hauptamtlich mit Menschen in Krisen, mit Suizidgedanken und auch mit Hinterbliebenen nach einem Suizit.

00:02:16: Und wir sprechen ganz bewusst über Gedanken, die auf den ersten Blick vielleicht irritieren.

00:02:22: Wir sprechen darüber warum es in ihrer Arbeit manchmal darum geht, Suizide-Gedanken zunächst einmal auszuhalten statt sie sofort wegmachen zu wollen!

00:02:30: Warum der Gedanke an Suizid einem Menschenparadoxerweise sogar dabei helfen kann, weiterzuleben?

00:02:36: Wo die Grenze zwischen Aushalten und Eingreifen verläuft.

00:02:39: Und warum es so wichtig ist einen Menschen ganz direkt zu fragen ob er oder sie gerade darüber nachdenkt sich das Leben zu nehmen.

00:02:48: Wir sprechen auch darüber was ein Suizide bei den Menschen hinterlässt – Die Weiterleben.

00:02:52: Wir sprechen über Schuld, über Wut und Ohnmacht.

00:02:55: Und darüber warum Clara überzeugt ist dass nicht nur Fachleute lernen können mit diesem Thema umzugehen Denn vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Botschaften der heutigen Folge wir müssen nicht für alles eine Lösung haben aber wir können Lernen hinzuschauen zuzuhören und eine Frage zu stellen vor der wir vielleicht viel mehr Angst haben als wir haben müssten.

00:03:19: Ich wünsche euch jetzt ganz viele wichtige Gedanken beim Zuhören und vor allem ganz viel Spaß im heutigen Gespräch mit Clara Nordfeld.

00:03:42: Und dann hatte ich einfach Glück.

00:03:56: Genau, und habe hier eine Praktikumstelle bekommen im AKL.

00:03:58: Ich hab dann Praxissemester gemacht... ...und bin als ehrenamtliche Onlineberaterin dabei geblieben.

00:04:06: Und dann hat ich das Glück am Ende vom Studium, dass mich der ehemalige Leiter von hier angerufen hat und gefragt hat ob ich Lust hätte hier nach dem Studium anzufangen.

00:04:14: Das ist schon ein Riesenglück weil es nicht so easy ist in einer Beratungsstelle zu kommen als Sozialarbeiterin als Berufsanfängerin.

00:04:24: Klar, der Volta, weil da sich die Abläufe und alles schon kennen.

00:04:27: Und hier war ... Genau, seitdem bin ich hier.

00:04:31: Das sind jetzt über zehn Jahre als Hauptamtlicher schon.

00:04:34: Jetzt bist du als Studierende soziale ... Warum hast du soziale Arbeit studiert?

00:04:39: Weil ich zu schlecht für Psychologie

00:04:41: war!

00:04:42: Ja, das ist tatsächlich immer meine Idee.

00:04:45: Therapie-Therapeutin.

00:04:48: Ich hab nicht so viel für mein Awe gemacht.

00:04:53: Genau, dann habe ich mich so umgeguckt und bin da eher so reingestellt.

00:04:56: Das haben viele auf meinem Umfeld irgendwie gemacht.

00:04:58: Ich hatte nicht so eine Idee davon.

00:04:59: dachtet das ist auf jeden Fall breit gefächert, dass wir irgendwie noch ein bisschen raus schieben wohin man genau will.

00:05:05: Und ich hab immer viel Jugendarbeit gemacht und daher kannte ich irgendwie soziale Arbeit her und fand es cool.

00:05:13: Am Anfang habe ich da sehr dran gezweifelt.

00:05:15: die ersten zwei Semester fand ich irgendwie recht ätzend weil ich nicht so genau wusste... wohin das führen soll.

00:05:20: Und nach meinem Praktikum dachte ich dann aber ja mega, dass es ist.

00:05:23: und genau hab dann noch nach dem Studium während ich schon hier war eine Ausbildung zur systemischen Beraterin gemacht und merke jetzt einfach genau das was ich machen wollte.

00:05:33: also mit diesem was ich mir immer unter therapeutisch vorgestellt habe mit Menschen zu sprechen.

00:05:39: Ja, finde ich es total faszinierend.

00:05:40: Dass man so in das Menschen kommen die einen nicht kennen und die einem so viel darüber erzählen was ihnen vorgeht also was das für ein Vertrauensvorschuss ist Und wie man dann auch mit den richtigen Fragen oder auch mit wenigen Fragen So viele Bewegungen setzen kann das finde ich schon immer noch total fassiniernd.

00:06:00: ja Ich habe mich nämlich versucht in die Hörerinnen und Hörerei zu versetzen.

00:06:06: Und ab mich das gefragt, wie habe ich es auch für mich selbst gefragt?

00:06:09: Wie landet man

00:06:10: eigentlich

00:06:11: beim AKL so?

00:06:12: Meine Geschichte konnte ich da ja ganz gut erzählen und hab hier auch schon erzählt ein bisschen, wie das kam.

00:06:17: Jetzt höre ich aber von dir, du warst auf einer WG-Party.

00:06:20: Was jetzt erst mal nicht der klassische Zugang ist um sich über solche Situationen gedauert zu machen.

00:06:26: Und wirst dann vom Arbeitskreis leben, dann guckt man sich's mal an... Hat dich das nie abgeschreckt zu sagen, okay ist es Suizidprävention und oh, schweres Thema oder ehrlicherweise auch ein Thema mit dem man sich noch nie beschäftigt hat.

00:06:37: Oder vorher?

00:06:38: Oder hattest du dich schon damit beschäftigt?

00:06:40: Nee nicht so richtig, nicht bewusst.

00:06:42: Aber ich... Also es hat mich einfach total fasziniert.

00:06:44: Ich weiß auch noch, dass ich in meinem Bewerbungsbesprech für das Praktikum gefragt wurde ganz offen was das Thema Suizide mit mir macht.

00:06:51: Und da war es schon, als ich so ein bisschen wie zurück geschreckt bin und dachte, krass, dass die das jetzt so direkt ansprechen.

00:06:57: Nachher denke ich ja klar Und dann kam aber schon, während ich mich mit dem Thema beschäftigt habe.

00:07:05: Dass es natürlich Berührungspunkte gibt wie glaube ich bei jedem der sich mit dem thema auseinandersetzt und dass ich zum Beispiel dann erst so richtig realisierte das ist in meiner Familie auch ein Suizid gab von einer Person die ich gar nicht mehr kennengelernt hab.

00:07:18: und dann so die Frage eben Wie wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat nimmt man überhaupt war dass ein suizid halt ein anderer totes als Natürlicher Tod dass ich das inzwischen ganz oft erlebe bei Menschen, die hier zum Beispiel ehrenamtlich arbeiten oder Praktikum machen.

00:07:35: Oder wenn ich Seminare gebe oder so... Wenn man sich damit auseinandersetzt, dass dann irgendwie so ganz oft Situationen aufploppen auch aus der Kindheit und man sagt da gab es für uns im Dorf irgendwie was wo komisch geredet wurde aber ich hab's gar nicht kapiert.

00:07:48: Und dass es dann doch irgendwie Berührungspunkte gibt.

00:07:52: Genau deswegen haben mich das irgendwie fasziniert also abgeschreckt hat sie mich glaube ich nie.

00:07:57: Glaubst du, dass jeder Berührungspunkte hat?

00:08:01: Ich glaube schon.

00:08:04: Und wenn es eben nur ist, dass man dann irgendwie merkt, ah da gab's bei mir in der Klasse jemanden wo dann der Vater verstorben war und man kriegt irgendwie mit... Man weiß nicht wie er verstorgen ist oder so und kapiert das S-Jahre später, dass ein Suizid war.

00:08:20: Ja ich glaub' wenn es nur minimal ist.

00:08:21: also ich glaub', das muss gar keine persönliche Betroffenheit in dem Sinne sein aber dass man einfach noch mal merkt, dass man dann anders auf solche Situationen guckt.

00:08:29: Ich habe mich das nämlich gerade gefragt weil ich auch so dachte, also das Beispiel, das du gerade gemacht hast, war ein Dorf komisch geredet da haben wir ja sofort eine Situation im Kopf gehört und dachten doch klar gab es irgendwie, wenn man Kind ist kann man das nicht einordnen.

00:08:43: Wenn man

00:08:44: sehr jung ist oder auch als Jugendlicher weiß ich nicht ob Bevor ich zum AKL gekommen bin, hätte er einordnen können.

00:08:52: Ich

00:08:53: hab's nicht mit diesem Todesfall in der Familie, das war für mich einfach ... Ein Mensch, der gestorben ist und dass es ein Suizid war und was das ausgelöst haben muss und hat.

00:09:05: Das war mir nicht bewusst.

00:09:06: Aber ist es nicht total irre?

00:09:07: Weil wir haben auf der einen Seite offensichtlich so, dass es dein Gefühl, das ist mein Gefühl alle schon mal irgendwie damit zu tun gehabt.

00:09:14: Nicht im nächsten Umfeld aber... irgendwie schon mal mitbekommen.

00:09:18: Und wenn es nur ist, du sitzt in der deutschen Bahn und kommst nicht weiter auch das

00:09:21: ja?

00:09:22: Also auf der einen Seite wissen wir alle es gibt Suizide Es gibt dieses Thema es gibt Wege die dahin fühlen dass jemand diese Entscheidung trifft und auf der anderen Seite schieben wir's weg und schaffen es tatsächlich... ...dass dieses Thema nicht so richtig

00:09:39: in unserem

00:09:39: Tag

00:09:40: einzieht.

00:09:40: Ich habe das einfach immer noch ein riesen Tabu.

00:09:42: also da tut sich schon auch viel.

00:09:45: Ich find's ja immer schwierig, auch zu sagen hat sich da was verändert.

00:09:47: Weil ich denke für mich persönlich hat es sich natürlich ganz viel verändern weil ich hier in einer ganz anderen Bubble jetzt bin und auch merkt das hatte totale Auswirkungen auf.

00:09:55: dann so meinen Umfeldengespräche die ich geführt habe.

00:09:57: Ich hatte während im Praktikum hatte ich irgendwann das Gefühl alle meine Freundinnen und Freunde und Bekannte werden alle suizidal Und hab' denn da auch mit Julia drüber gesprochen meiner Anleiterin und dann war irgendwie so klar Den Menschen, von denen ich dachte, die sind suizidal geworden, ging es auch vorher schon nicht gut.

00:10:16: Aber ich gucke anders hin oder frage an das Nachricht, mich diese Frage zu stellen ob Suizidgedanken

00:10:21: im Raum

00:10:21: sind.

00:10:22: Deswegen merke ich für mich ist es natürlich viel enttabuisierter in meinem Umfeld aber klar wenn ich mit den Menschen rede gerade Hinterbliebenen, die hierher kommen und jemandem durch Suizide verloren haben dann ist es schon auch noch klar dass es super unterschiedlich wie dieses Umfeld damit umgeht.

00:10:39: Kannst du so ein bisschen beschreiben, was sich verändert hat?

00:10:41: Du hast gesagt es sind ganz viele Sachen die sich verändert haben.

00:10:44: Also du hast gesagt zu meinen ja man traut sich diese Frage zu stellen, man guckt anders hin.

00:10:52: wie hast

00:10:52: du das gemerkt?

00:10:53: Ja ich glaube ganz konkret einfach in Gesprächen dass wenn ich mit Menschen gesprochen habe denen's nicht gut geht Dass ich das einfach sofort auf dem Schirm hab und ... sofort diese Fragestelle.

00:11:05: Aber ist es dann so ein Gefühl, dass man... Weil das ist ja... Ich beschreib' das immer... Das wird's in anderen Nationen auch geben, aber ich beschreib das als sehr deutsches Phänomen!

00:11:13: Du wirst auf der Straße oder du musst nicht mehr auf der Strasse sein.

00:11:15: Wirst von Freunden gefragt wie gehts?

00:11:17: Und ich hab schon super oft das Gefühl, die Frage ist eigentlich gar nicht so richtig ans Gemeinden sondern die Erwartung ist, dass Man sagt gut oder zumindest passt schon.

00:11:25: Ist es eher sowas, dass du dann konkret fragst?

00:11:28: Oder ist es so ein Gefühl, dass jemand, der eben sagt, passt schon Das nicht ernst meint, dass du da genauer hinguckst.

00:11:35: Ja ich glaube das sind ja schon... also bestimmt frage ich es auch manchmal einfach so im bekannten Kreis was ist sich wenn ich meine Kinder abholen und man eine andere Mutter trifft oder so und dann geht's dann ist es bestimmt auch rausgehauen.

00:11:45: ohne dass ich in dem Moment eigentlich denke habe ich gerade die Kapazität mir anzuhören wie es dir wirklich geht.

00:11:51: aber ich glaube schon dass ein Gegenüber auch merkt wie man diese Frage stellt Und dass ich eine Frage.. Also ich versuche Diese Frage, wie geht es dir zu stellen in einem Moment wo ich weiß eben... Ich habe jetzt auch die Kapazitäten mir die Antwort anzuhören und ich glaube schon dass man das merkt.

00:12:08: Und manchmal kommt's ja auch ohne diese Frage einfach zu Gesprächen.

00:12:11: also ich hab' einfach gemerkt, dass ich in Gesprächen, die ich vorher bestimmt auch schon geführt habe, dass es Menschen nicht gut gegen man darüber redet, einfach dann diese Frage.

00:12:18: danach hast du dann manchmal auch den Gedanken, dass du nicht mehr weiterleben willst, dass sich mich getraut habt ihr zu fragen weil ich wusste wie gehe ich damit um danach wenn ein Jahr kommt ... und das überhaupt einfach erst mal auf dem Schirm zu haben, dass es eine Option ist.

00:12:31: Weil für mich war's einfach nie eine Option im Leben... ...und deswegen war das für mich bis zu meinem Praktikum hier schon auch was,... ...was mir nicht klar war, dass so vielen Menschen so gehen kann.

00:12:41: Also dass so viele Menschen in Krisen den Gedanken haben ich will nicht mehr weiterleben.

00:12:46: Und du brauchst ja erstmal dieses Bewusstsein dafür um diese Frage überhaupt

00:12:49: stellen zu können.

00:12:50: Du hast gesagt zwar in deinem Leben nie Thema kannst du das nachvollziehen?

00:12:55: Dass Leute da hinkommen

00:12:56: Ja, ja kann ich.

00:13:00: Kann ich nachvollziehen?

00:13:04: Ich glaube manchmal ist es ein, dass ich's nachvollzieh'n kann im Sinne von...ich kann mir vorstellen wenn ich in der gleichen Situation wäre würde ich auch diesen Gedanken haben und manchmal ist das aber eher wie ein...Ich glaube is der Person weil ichs nicht weil ich es in manchen Geschichten auch nicht nachvollziehen kann, einfach weil ich mir überhaupt nicht vorstellen kann wie das sich anfühlen soll.

00:13:25: Die Situationen der die Person ist so aber ja...

00:13:32: Jetzt sind wir eigentlich schon richtig tief drinnen und jetzt sehr schnell tief geworden!

00:13:37: Weil mich beschäftigt da gerade die Frage also in beiden Situationen gibt diese Situation die du gerade gesagt hast da kannst du das ein bisschen Nachfühlen auch oder zumindest so dieses Gefühl verstehen, dass dieser Druck so groß ist und das als plötzlich als realistischer Ausweg erscheint.

00:13:54: Was ja so diesem natürlichen Überlebensinstink komplett widerspricht.

00:13:59: In den Situationen kannst du das dann aushalten?

00:14:04: Dass die Person den Gedanken hat oder versuchst du direkt aktiv zu werden was machst du da?

00:14:10: Ja, Aushalten ist glaube ich so ein Stichwort.

00:14:12: Deshalb finde ich das Schwierigste hier in der Arbeit oder auch das Wichtigste.

00:14:18: Ich habe gerade eine Klientin im Kopf, wo es einfach so ist, wo die Suizidgedanken sehr stark sind und auch sehr akut sind.

00:14:26: Und da geht's genau darum, das zu thematisieren, also zu sagen – weil sie fragt dann immer wieder, ob ich böse wäre wenn sie es tun würde?

00:14:36: Und für mich ist das bei ihr wirklich eine Option.

00:14:38: Also manchmal gibt es ja auch, dass ich irgendwie denke... Da sind Suizidgedanken, aber ich bin ganz sicher, dass wir da einen Weg rausfinden.

00:14:44: und bei ihr ist es zum Beispiel so, dass sich denkt, ja, das ist ne reale Option, dass sie das tun wird und das auszuhalten und das zu akzeptieren.

00:14:51: und das kann ich aber auch offen mit ihr ansprechen.

00:14:53: also eben zu sagen Ich bin dir auf keinen Fall böse.

00:14:56: Ich kann das nachvollziehen, dass es eine Option ist und das bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass ich sie aufgebe.

00:15:02: Also das ist wie so ein Zweigleisigfahren zu sagen, das ist eine Option und ich bin dabei immer noch darum die andere Optionen mit aufrecht zu erhalten.

00:15:09: Das geht mir.

00:15:11: Das hätte ich früher glaube ich auch nicht vorstellen können, aber das funktioniert.

00:15:14: Und ich glaube ehrlich gesagt, dass man auch nur so... gut mit Menschen arbeiten kann, die Suizidgedanken haben.

00:15:19: Wenn man diese Option wie akzeptiert oder mit aushalten kann, weil es die manchmal auch braucht um weitermachen zu können.

00:15:28: Weil's das manchmal glaub ich braucht dass wenn ich so richtig tief in der Scheiße sitze, dass sich dann sagen kann Ich hab' in der Hand, wie lange ich das noch mitmache und dadurch habe ich so eine Art Kontrolle über mein Leben Die mir hilft weiterzumachen.

00:15:42: Also, so jetzt geht es Gedanken können wir nicht mehr irgendwie am Leben halten auch wenn das absurd

00:15:46: ist.

00:15:46: Klingt eigentlich wirklich absurd, aber wie du das erklärst... ...ist es interessant.

00:15:52: und es gibt das Buch, das hast Du vielleicht auch gelesen im Keller von Jan-Philipp Brehmsma.

00:15:57: Und da muss ich jetzt gerade dran denken weil er beschreibt diese Situation.

00:16:03: Also, Suizidgedanken waren für ihn ja glaube ich nie so ein richtig krasses Thema in dieser Entführungssituation.

00:16:09: Also um es einmal kurz weiter ist entführt worden und sind im Keller gefangen gehalten.

00:16:14: Und irgendwann ist er durch mehr oder weniger einen blöden Zufall an eine Glasscherbe gekommen und die ist sehr symbolisch geworden.

00:16:20: diese Glasscherbe hat er unter seiner Matratze glaube ich versteckt wenn ich es richtig erinnere.

00:16:25: Als er das Buch dann geschrieben hat Das so beschrieben, dass er gesagt hat diese Glasschambe war für ihn immer die Option hier rauszukommen wenn das nicht mehr aushält.

00:16:35: Und nur diese Option zu haben, hat dafür gesorgt, dass der wieder länger durchhalten kann.

00:16:40: Also das ist glaube ich so das was du gerade auch beschrieben hast ein bisschen.

00:16:43: Ja und

00:16:43: da gibt es ganz viele Schilderungen von KZ Überlebenden oder so die das auch beschreiben haben diese Optionen zu sagen.

00:16:48: Ich habe die Kontrolle darüber wie lange ich das noch mitmache.

00:16:52: Die kann Hoffnung geben und am Leben halten.

00:16:55: ja Und es wird, glaube ich gerade an solchen Beispielen sehr deutlich.

00:16:59: Weil KZ oder entführt und im Keller gefangen halten ist eigentlich das komplette Gegenteil von Kontrolle.

00:17:06: Du hast keine Kontrolle mehr!

00:17:08: Und jetzt hast du sie aber plötzlich in diesem winzigsten Bereich... ...und ich finde interessant dass so ein winziger Bereich schon ausweichen kann der ja eigentlich sogar wenn man's so fertig denkt mit Kontrolle nur so bedingt zu tun hat weil es gibt hier nur die Kontrolle nicht mehr weiter zu leben.

00:17:24: Ja und im Grunde ist es ja absolut, weil ich ja sage, das kann natürlich auch noch andere Dinge passieren.

00:17:30: Aber eine Angst ist ja in Gefangenschaft oder sozusagen... Ich werde umgebracht und im Gründe könnte man sagen, Joa ist ja die gleiche Konsequenz also ob du dich jetzt umbringst oder dann gegen mich umbringt.

00:17:40: aber ich glaube es geht manchmal vielleicht auch gar nicht um die Angst vor dem Tod sondern eher um die angst vor dem wie man weiterleben muss.

00:17:46: und das ist das was ganz viele Menschen die Suizidgedanken haben beschreiben und die nicht irgendwie äußeren Umständen im Sinne von Gefangennahme oder Folter, das ausgesetzt sind.

00:17:56: Aber so dem Gefühl von ich kann dieses Leben so wie es jetzt ist, kann ich mich weiterleben.

00:18:01: Und dann ist halt der Tod und ich kann selber entscheiden wann er eintreten soll?

00:18:05: Ist eine Erlösung davon.

00:18:09: Wir sagen immer so, dass es Probleme im Grunde nicht löst in Suizid.

00:18:12: Aber es beendet sie und das muss man einfach klar sagen, dass das eben eine Option ist.

00:18:16: und diese Option zu haben.

00:18:19: Und deswegen lasse ich dir auch immer so stehen sage ich, das ist ein Plan... was heißt das?

00:18:23: Du hast einen Plan A im Leben und der hat irgendwie nicht funktioniert.

00:18:26: und jetzt ist Plan B du möchtest dich umbringen.

00:18:29: Und diesen Plan B können wir jetzt gerade nur so stehen lassen und können aber gucken vielleicht gibt's noch einen Plan C oder D. Ich glaube, dass man sich Plan C und D nur widmen kann wenn einem Plan B nicht weggenommen wird.

00:18:39: Natürlich gibt es manchmal Situationen im Leben, wo man gerade wenn's vielleicht auch eine psychische Erkrankung ist.

00:18:44: Wo Suizidgedanke auch ein Symptom davon ist und ich dem so ausgeliefert bin dass sich einfach überhaupt nicht mehr Zugriff darauf habe und nicht mehr klar entscheiden kann.

00:18:56: dann kann das natürlich auch sinnvoll sein in die Klinikfläche zu kommen und diese Kontrolle wie abzugeben.

00:19:01: aber langfristig ist das natürlich einfach auch nichts was einem einem guten Leben hält.

00:19:08: So viele Stichworte hier gerade auf dich gleich alle nur mal eingehen will, das ist auf jeden Fall das Wort Gefangenschaft dass du gerade benutzt hast weil ich finde es interessant Du hast es ja so mit einer sehr physischen Gefangschaft gerade beschrieben und mein Gedanke den ich dazu hatte gerade ist ja manchmal ist man ja aber auch gefangen an seine eigenen Gedanken und das muss ja gar nicht immer dieses ganz große dramatische sein sondern das kann ja auch eine Prüfung sein die du am nächsten Tag hast oder so wo du es einfach nicht schaffst aus deinem eigenen Kopfkino auszubrechen und rauszukommen.

00:19:36: Und das beschreibt irgendwie ganz gut, finde ich.

00:19:41: Die Frage die sich da also wenn wir über Plan B und C und so weiter sprechen stellt sich ja so ein bisschen die Frage wie kann ich es denn unterscheiden noch ob's das tatsächlich vielleicht Teil einer Erkrankung ist, die schwerer wiegt oder ob in Anführungszeichen... Ich nenn's mal nicht an den Gedanken sind die halt auf auf rational betroffene Entscheidungen oder so passieren, das ist doch auch schwer.

00:20:03: Es

00:20:03: ist super schwer.

00:20:04: ja also wir im AKL hier probieren immer ein bisschen rauszufinden es ist eine Krise, es ist natürlich verschiedene Formen Aufgrund derer vielleicht diese Suizidgedanken entstehen oder geht's um eine psychische Erkrankung?

00:20:18: Auch das ist natürlich total schwierig weil durch die Krise kann ich in eine psychischen Erkrankung

00:20:21: rutschen.

00:20:23: Aber wenn ich jemanden hier sitzen habe, der von Suizidgedanken spricht und ganz viel davon spricht, dass überhaupt nicht mehr aus dem Bett kommt.

00:20:29: Also eben total antriebslos ist sich diese Gedanken ja mal im Kreis drehen oder so ein paar Sachen schildern wo bei mir irgendwie ein Signal hochkommt es können Depressionen sein dann errat' ich immer auch das abklären zu lassen also da eine Diagnose... sich eventuell die Diagnosedepression irgendwie zu holen Weil dann natürlich auch klar ist, da kann ich irgendwie noch mal anders mit umgehen.

00:20:52: Und für manche Menschen ist es auch total wichtig so ein Wort dafür zu haben, also eine Diagnose zu haben und zu sagen das ... Ich kann das benennen und ich kann das dann auch wie wegschieben und zu sein, dass bin nicht ich sondern das gerade meine Depressionen wieder so zum Beispiel.

00:21:05: Genau aber nicht jeder Mensch der Suizidgedanken hat im psychischen Erkrankungen.

00:21:09: Also das kann auch einfach eben Ausdruck von einer Lebenskrise sein.

00:21:13: Ändert das was in der Arbeit?

00:21:18: Ja, insofern schon das.

00:21:19: Also gerade wenn ich jetzt mal ganz überspitzt sage jemand kommt hierher und hat einfach eine schwerwiegende psychische Erkrankung, eine Schizophrenie oder sowas dann ist einfach klar da komme ich ja auch an Grenzen der braucht noch andere Unterstützung, der braucht psychiatrisch Unterstützung vielleicht medikamente therapeutisch.

00:21:36: Und da ist dann auch mal die Frage, wieviel können wir hier leisten als Sozialarbeiterinnen oder müssen wir komplett weiterweisen?

00:21:43: Oder können wir einfach multiprofessionell begleiten.

00:21:46: Oder vielleicht auch ehrenamtlich begleitend, dass wir sagen gerade wenn jemand schon therapeutisch begleitet ist, dann ist es total gut, wenn wir unsere Krisenbegleiter also dich einsetzen können um zu sagen, da braucht's jemanden der neben diesem ganzen professionellen System da ist und das mit aushält und zuhört

00:22:04: Genau.

00:22:05: Da sind wir nochmal bei diesem Thema aushalten, weil ich versuche... Also es ist irgendwie interessant dass wir sprechen, weil hier eigentlich jede Position die du hier machst teilt und das würde mich wundern wenn sich das im Gespräch anders entwickelt.

00:22:14: so.

00:22:15: Ich versuch mir aber ein bisschen rein zu versetzen in die Hörerinnenhörer die vielleicht noch nie damit zu tun gehabt haben.

00:22:21: Und da hast Du vorhin gesagt, jetzt ist auch meine Aufgabe das auszuhalten Das Beispiel mit der Klientin Erzählt, die dich gefragt hat ob du böse bist und deine Antwort ist neblich nicht.

00:22:30: Musst Du dir dann auch ein bisschen den Vorwurf gefallen lassen dass es dir egal ist?

00:22:35: Ich glaube wenn's mir egal wäre dann würde ich vielleicht nicht hier arbeiten.

00:22:42: Und ehrlich gesagt ist das mehr glaub ich.

00:22:45: also ich weiß noch tatsächlich als Hier als Onlineberaterin in der Mail-Beratung gearbeitet hat.

00:22:51: Da gab es einmal die Situation, dass eine Klientin sich suizidiert hatte und wir das erfahren haben – das passiert super selten!

00:22:59: Die hat nicht ich beraten, sie hat eine andere Ehrenamtliche begleitet und die Mutter von der Klientine hat sich eingelockt und uns geschrieben, dass die Tochter sich suiziiert hat.

00:23:11: Ich weiß noch, wie wir in dieser Teamsitzung saßen und die das erzählt hat.

00:23:14: Und ich glaube auch diesen Brief von der Mutter vorgelesen unglaublich dankbar war.

00:23:18: Das war immer so eine Angst, dass wenn sich jetzt Eltern einloggen, dass sie dann Vorwürfe machen, warum habt ihr nicht die Polizei gerufen?

00:23:23: Was wäre gar nicht können!

00:23:24: Aber die Mutter war unglaublich Dankbar, dass ihre Tochter bis zum Ende begleitet wurde und nicht alleine waren.

00:23:29: diese Suizidgedanken und die hatte schon unglaublich viele Suizitversuche... gescheitert sind, obwohl jegliche Medizinerinnen drumherum gesagt haben.

00:23:38: Es ist ein Wunder dass dieser Mensch noch lebt.

00:23:41: also die hat wirklich krasse Suizidversuche überlebt.

00:23:43: und da weiß ich noch das wir in dem Team saßen und sich dann irgendjemand getraut hat zu sagen Ich freue mich für sie.

00:23:52: Und dann war das so gut, dass sie das ausgesprochen hat, die CP-Bereiterin.

00:23:55: Und alle dann gesagt haben ja, dass Sie total erleichtert sind und sich für die Person freuen.

00:23:58: Das war eben ein Zeichen für dieses Nein.

00:24:00: es geht überhaupt nicht darum, dass einem die Person egal ist sondern... ...es war bei allem Glauben und Hoffnung und Wünschen, der für die Personen hat, dass er irgendwie noch ein besseres Leben findet.

00:24:10: War das in dem Fall so, dass man gesagt hat, ist die Hoffnung, dass es jetzt besser geht?

00:24:22: Ja.

00:24:22: Eben so ein Zeichner für das war nicht egal.

00:24:25: Und gleichzeitig ist bei mir immer egal wie tief, also auch bei dieser Klientin die wirklich ziemlich viel Scheiße gerade irgendwie im Leben hat und viel kämpfen muss trotzdem irgendwie immer noch sowieso eine Vision oder eine Hoffnung von doch da kann noch was anderes kommen.

00:24:40: und vielleicht liegt es auch daran zusammen dass ich einfach damit zusammen dass sich echt viel Glück im Leben hatte bisher und da so einen Urvertrauen drin habe Ja, oder dass ich einfach schon viele Schicksale dann auch erlebt habe.

00:24:50: Wo man vielleicht auch selber einen Punkt kommt und denkt wie kommen wir da jetzt wieder raus?

00:24:55: Und dann passiert was und dann kommt er wieder raus.

00:24:57: Und das da ja so eine grundlegende Hoffnung noch ist, dass da etwas kommen kann und in Menschen drin eine Kraft steckt die unfassbar groß ist.

00:25:07: Das finde ich nämlich... also mir würde auch soweit wegtreten von diesem Wort egal weil es natürlich allen die hier sind, glaube ich und allen in Deutschland weil sich irgendwo auch nur ansatzweise mit diesem Thema beschäftigen ist es nicht egal.

00:25:22: Und trotzdem ist das ja eine wahnsinnige Kunst es akzeptieren zu können wenn jemand sich für einen anderen Weg entscheidet und damit natürlich auch.

00:25:30: jetzt bleiben wir mal bei der Klientin und der Pierberaterin damals.

00:25:35: Natürlich kriege ich doch das Gefühl okay ich konnte hier nichts machen aber das stimmt ja eigentlich nicht.

00:25:40: Das zeigt diese Mail der Mutter dann wieder.

00:25:42: man konnte was

00:25:43: man kann bis zum Schluss Dabei bleiben.

00:25:45: Man kann bis zum Schluss sagen, du bist nicht allein so und wenn Du es nicht heute machst sondern nächste Woche dann bin ich auch nächste Woche noch oder bis nächste Woche da.

00:25:54: Und trotzdem ist das glaube ich wahnsinnig schwer!

00:25:56: Ich

00:25:57: kann mir

00:25:57: auch vorstellen dass es schwer ist das nachzuvollziehen wenn man sich nicht intensiv mit diesem Thema ausmacht.

00:26:03: Gibt's das manchmal?

00:26:04: Dass Leute zu dir kommen und genauso was sagen?

00:26:06: also wie kannst du das zulassen dass die hier aktiv über Suizidgedankenruf erredet.

00:26:11: Wie kannst du nicht?

00:26:12: Die Polizei rufen, wie kannst du den Rettungsdienst rufen?

00:26:14: Wie kannst Du nicht in die nächste Klinik fahren und so weiter?

00:26:17: Ja das gibt es immer wieder vor allem von Fachleuten.

00:26:20: spannenderweise also wir gehen mir auf.

00:26:23: Fortbildung für Fachleute, Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen alle die irgendwie mit Menschen zu tun haben könnten, die suizidal sind.

00:26:30: im beruflichen Umfeld mal davon abgesehen ist natürlich jedem Passieren kann egal welchen Job ich ergreife Und da gibt's uns immer wieder.

00:26:38: Und zum Beispiel, was das ich eine Schulsozialarbeiterin sagt.

00:26:41: Aber das ist doch total verantwortungslos.

00:26:42: wenn dann ne vierzehnjährige zu mir kommt und die sagt sie hat Suizidgedanken seit zwei Jahren... ...und dann würdest du nicht sofort die Eltern von mir in die Polizei rufen, das ist auch total verantwortungslos!

00:26:52: Ich kann es total nachvollziehen weil man in so einen Stress kommt, in eine Panik kommt vielleicht auch also gerade wenn's jüngere Menschen sind und weil man vielleicht auch nicht so oft diese Berührung hatte.

00:27:02: und für mich ist dann immer die Frage Was is denn grade Gewinnbringender?

00:27:07: Also ist es gerade hilfreich, dass ich diese Beziehung, die vielleicht dieses Mädchen gerade ganz zögerlich zu mir aufgebaut hat.

00:27:13: Die seit zwei Jahren Suizidgedanken hat immer noch am Leben ist... ...die sich jetzt gerade das erste Mal öffnet wenn ich diese beziehung gleich abbreche?

00:27:21: Ist das gerade zielführender da für sie im Leben zu halten oder dass ich sage okay kann das jetzt gerade noch mit aushalten und das sind wahnsinnig schwere Gradwanderungen?

00:27:30: Das zu entscheiden, gerade wenn's minderjährige sind, das ist natürlich auch nochmal eine andere Nummer.

00:27:35: Aber da zu gucken, okay was rein fachlich.

00:27:38: Was macht der Sinn?

00:27:39: Und da ist natürlich je nach Berufsgruppe habe ich dann auch vielleicht andere Leute im Nacken sitzen.

00:27:42: Dann hab ich deine Schulleitung sitzen oder dann steht im Schulrecht sobald Gefahr für Leib und Leben besteht muss sich halt die Eltern informieren und so.

00:27:49: das ist total schwierig.

00:27:50: aber so rein von fachlicher Ebene.

00:27:53: es ist ja ganz oft so dass ich sage wow du hast dich mir gerade anvertraut Die Suizidgedanken sind seit zwei Jahren da, da muss ich vielleicht abchecken.

00:28:01: Sind die jetzt gerade stärker geworden?

00:28:02: Steht jetzt gerade akut ein Suizideversuch im Raum oder geht es darum jetzt erstmal in der Ruhe zu bleiben und zu sagen das ist total gut und wir reden morgen wieder oder wir reden in zwei Tagen wieder oder so und da in Beziehung zu gehen.

00:28:16: Gibt's einen Moment wo du sagen würdest also ich konstruiere das jetzt mal so ein bisschen Du hast eine Klientin hier sitzen, die dir ankündigt.

00:28:24: Wir zeichnen auf heute am zweiten Juli und die kündigt an in genau einer Woche am neunten Juli oben zehn Uhr, fünfundvierzig werde ich an diesem und jenem Ort mir das Leben nehmen.

00:28:35: Gibt es... also würdest du da dann einschreiten?

00:28:37: Würdest du sagen okay dann schiege ich halt da die Polizei oder... Ja so sofort

00:28:41: ja auf jeden Fall weil ein Mensch der vor mir sitzt und meine Uhrzeit unter den Orten nennt.

00:28:45: Der nennt mit denen ja nicht Ohne Grund, also da würde ich ganz klar einen Appell drin sehen.

00:28:50: Dass die Person sagt tue was.

00:28:53: Ich würde erst mal sagen okay wenn wir so klar den Ort benennt dann haben wir vielleicht noch ein paar Tage Zeit und können wir gucken sehen wir uns davor nochmal.

00:28:59: aber wenn die Person dabei bleibt dann würde ich auf jeden Fall Hilfe hinschicken.

00:29:05: Wenn wir einfach so einen klaren Appell darin sehen ist es ja auch fachlich richtig dazu reagieren.

00:29:10: wenn jemand so ein Beziehungsabbruch ankündigt

00:29:14: Wo verläuft diese Grenze ist wahrscheinlich schwer zu sagen, oder?

00:29:16: Weil das ist wieder ein bisschen auch Gefühl am Ende.

00:29:19: Du kennst dich ja so ein bisschen in der Beziehung bestenfalls.

00:29:22: Also im Grunde geht es ja immer darum dass wir einfach ganz viel nachfragen müssen, dass wir diese Suizidgedanken erfragen und detailliert fragen müssen.

00:29:30: Und ich glaube das Schwierige ist nicht wenn uns jemand ganz offen sagt wann oder wo oder wie er es tun möchte dann haben wir klare Informationen.

00:29:36: Das Schwierigste ist eher wenn man Gefühle hat.

00:29:38: eine Person sieht sich zurück und sagt mir eben nicht mehr die Wahrheit Antwort hat einfach nicht oder sagt, das will ich nicht sagen.

00:29:46: Dann ist es schwieriger und dann kann man natürlich auch mit so Lebensverträgen arbeiten, dass man sagt, kannst du mir denn jetzt zusichern?

00:29:53: Oder können Sie mehr zusicheren, dass wir uns in einer Woche noch mal

00:29:55: sehen?".

00:29:56: Aber ich thematisiere es dann auch offen.

00:29:57: Also das passiert ehrlich gesagt hier gar nicht so wahnsinnig oft.

00:30:01: Das muss man auch dazu sagen, wir sind ja keine Psychiatrie wo Zwangs angewiesen wird sondern sind eine niedrigschwellige Beratungsstelle, wo Menschen freiwillig hinkommen.

00:30:10: Die sind ja noch in der Ambivalenz auch, also da ist ja irgendwas.

00:30:12: Sonst würden die ja nicht kommen und dann würde ich das auch offen thematisieren und sagen, weil ich habe gerade irgendwie ein ganz ungutes Gefühl und bin mir grad nicht sicher ob ich sie gut gehen lassen kann und was hält sie denn noch am Leben.

00:30:25: oder genau würde ich es einfach offen ansprechen.

00:30:29: Danke, dass du den Bogen gerade geschlagen hast zu niedrigschwelliger Beratung.

00:30:32: Weil vielleicht gucken wir da gleich nochmal drauf was der AKL eigentlich macht und beschreiben das noch mal so ein bisschen.

00:30:37: Aber eine Frage schicke ich noch vorweg Erinnerst du dich noch daran man los erste Mal die frage nach Suizidgedanken gestellt hast?

00:30:44: Von einem Rollenspiel in der Ausbildung

00:30:46: wahrscheinlich?

00:30:47: Okay

00:30:50: Ja, tatsächlich glaube ich per Mail.

00:30:51: Also sie jetzt so an einem realen Gegenüber das wirklich Suizid-Gedenken hatte oder vermutlich... Ich war ja am Anfang viel mehr Onlineberatung tätig und dann habe ich das per Mail gemacht und es war total gut zu üben weil da kann man irgendwie nochmal drüber nachdenken, kann die Frage nochmal umformulieren, kann noch mal jemand drüber lesen lassen also.. Ich fand die Mail Beratungen einen super guten Einstieg in Beratung generell weil sie so emotional

00:31:16: ist Und nochmal ein bisschen distanzierter einfach.

00:31:20: Genau

00:31:20: das auch,

00:31:21: ja.

00:31:21: Für alle die in die Folge da noch nicht reingehört haben es gibt hier schon eine Folge mit drei Peerberaterinnen von U-Von-Zwanzig aus Freiburg.

00:31:27: Auch heißt da sein auf Augenhöhe und lohnt sich auf jeden Fall da mal reinzuhören weil das eben genau das Angebot ist über dass du schon gesprochen hast Clara.

00:31:34: und auch einfach eine wahnsinnig interessante Folge in die es sich lohnt rein zu hören und sich mal damit auseinandersetzen.

00:31:41: wie ist das Jugendliche?

00:31:42: andere Jugendliche beraten und so was wir auch im ersten Moment wo man denken Könntest du aber seitdem völlig verantwortungslos, was macht ihr denn da?

00:31:49: Aber der Erfolg gibt dem ja recht.

00:31:51: Also lohnt sich auf jeden Fall in die Folge zu hören.

00:31:53: Ich würde das teilen und ich erinnere mich auch noch daran wie oft... Das ist ja so absurd.

00:31:57: oder irgendwie du schreibst eine Mail am Ende und es ist allen Satz formulierend.

00:32:02: einfach mal wie ich ihn jetzt wahrscheinlich formulieren würde hast du gerade akut Gedanken dein Leben zu beenden oder dir das Leben zu nehmen und dann löscht man es wieder.

00:32:09: Und dann schreibt man es noch mal ein bisschen anders rein, ernehm muss ich ein bisschen weicher formulieren.

00:32:13: Dann verwäscht's aber so.

00:32:15: Das ist total interessant!

00:32:17: Ich fand auch eine gute Übungsplattform.

00:32:19: Erinnerst du dich noch daran abgesehen von der Ausbildung?

00:32:22: Man starrt das erste Mal, wenn du wirklich jemanden diese Frage ins Gesicht gestellt hast?

00:32:26: So face to face.

00:32:33: Ich überlege jetzt gerade ob ich es irgendwie... Also ich habe im Praktikum auch Beratungen einmal gemacht Und dann war das wahrscheinlich da.

00:32:42: Aber da war ich so unfassbar aufgeregt, dass ich mich gar nicht so dran erinnern kann.

00:32:46: Das war aus dem Sinn ins Wasser geworfen, weil irgendwie plötzlich alle Mitarbeiter verschwunden waren und jemand geklingelt hat oder so

00:32:52: ähnlich.

00:32:53: Ja... Aber ich weiß auf jeden Fall noch, dass sich es am Anfang wirklich unfassbareufregend fand um dass ich auch mich wieder zu zwingen musste.

00:33:02: Und dafür suche ich mich immer wieder daran zu erinnernen wenn ich auch Fortbildungen gebe oder so, weil ich dann immer das so einfordere von den Leuten, dass sie das machen und dass die's auch im Rollenspiel machen dann klar zu haben, das kostet einfach Überwindung.

00:33:12: Wenn man das nicht gewohnt ist diese Frage zu stellen, dass okay wenn man die am Anfang unfassbar weich formuliert und es üben muss, die so klarzustellen, dass das Gegenüber nur mit Ja oder Nein antworten muss.

00:33:22: Das ist immer mein Hinweis den ich an Fachkräfte dann jeden eigentlich gebe zu sagen, wenn da die Möglichkeit im Raum steht, dass dein Gegenüber Suizidgedanken hat, dann

00:33:31: frag

00:33:32: nach Suizidegedanken so, dass es Gegenüber mit ja oder nein

00:33:34: antworteln

00:33:35: kann damit eben für beide klar ist worüber reden wir hier gerade?

00:33:41: Hundertprozent Zustimmung ist genau der Punkt, auf den ich nämlich nochmal hinaus wollte.

00:33:44: Ich habe das hier glaube auch schon mal irgendwann in irgendeiner Folge erzählt.

00:33:47: Bei mir hat es genauso ging wie dir... Das war im Rahmen eines Einsatzes mit der Krisenintervention und da hatte die Frau, die mir gegenüber saß dann gesagt, ah!

00:33:56: Der Sohn war verstorben und jetzt wenn er nicht mehr lebt will sie ja auch nicht mehr.

00:33:59: Und dann konnte ich beim ersten Mal gut drüber hinweghören, will ich ehrlich sagen, aber wie gut drübe hinweggehört, dachte ich, ja, das ist so eine Floskel, wie man sich sagt.

00:34:06: Genau.

00:34:07: Dann hat sie es noch einmal gesagt Dann bin ich schon aufmerksam geworden, dann hat sie nochmal irgendwas in die Richtung gesagt.

00:34:12: Und ich werde das nie vergessen wie nervös ich war weil ich gedacht habe okay du kannst hier nicht rausgehen ohne diese Frage gestellt zu haben.

00:34:19: Das verzeihst du dir nicht wenn da irgendetwas passieren sollte ob man es mitkriegt oder nicht ist ja noch mal eine ganz andere Sache und ich war richtig nervös und es ist genau wie du es beschrieben hast.

00:34:27: ich musste mich richtig

00:34:29: zwingen

00:34:29: und ich musste mir wenig sagen Flo, das ist jetzt hier geboten und du musst diese Frage jetzt hier einmal stellen.

00:34:35: Und sie auch klarstellen und nicht sagen Frau Müller, stellen Sie sich mal vor!

00:34:41: Wir haben folgende Szenarien dann da irgendwie sowas können.

00:34:43: Die muss einmal klarkommen die muss einfach gestellt sein.

00:34:46: und ich habe richtig geschwitzt und es war die größte Erleichterung dieser Frage dann einmal wirklich ausgesprungen.

00:34:51: und ich würde behaupten ab diesem einen Mal ist das jedesmal wesentlich leichter gefallen.

00:34:57: Es ist einmal das Überspringen dieser Hürde und dann ist es leichter.

00:35:00: Und das Spannende ist ja, dass es den gegenüber manchmal ein bisschen ähnlich geht.

00:35:03: Dass auch so eine Erleichterung da ist wenn die Frage gestellt wurde und beantwortet wurde.

00:35:09: Selbst in Rollenspielen melden wir ganz viele zurück, wenn ich Seminare gebe oder Fortbildung unter die Rollenspiele machen lasse um diese Frage zu üben, dass sie dann selbst in der Rolle als Klientin sagen Das war irgendwie gut, dann einfach ja sagen zu können.

00:35:23: Obwohl die überhaupt keine Suizidgedanken hatten und Klientinnen das auch immer wieder sagen.

00:35:27: Sie fragen oft in Beratungsgesprächen oder ich frage, dass es danach im Suizideberjagd bejaht haben und wir ein bisschen darüber geredet haben zu fragen wie geht's Ihnen da jetzt gerade damit?

00:35:35: Dass sie das mir erzählt

00:35:36: haben.

00:35:37: Und ganz oft ist das, dass sie sagen, du hast grad irgendwie ein bisschen besser geworden sogar die Suizids Gedanken durch dieses Aussprechen.

00:35:43: Dann denke ich so, das kann doch nicht sein, das ist so ein sinnples Mittel!

00:35:47: Das muss doch möglich sein, dass das nicht nur Fachleute ist sondern auch jeder Mensch weiß, dass es irgendwie so wirksam ist.

00:35:55: Er hat das aussprechen zu dürfen.

00:35:57: Das ist eine Frage klarer die ich heute mitgebracht habe.

00:35:59: kann jeder Mensch das lernen?

00:36:01: Ja!

00:36:02: Ich stieb die aber noch ein bisschen nach hinten.

00:36:04: Aber es ist ja genau das.

00:36:05: also weißt du wenn stellen wir uns mal vor egal wo du in der wenn in der Öffentlichkeit unterwegs bist bei der Arbeit oder wo auch immer und jemand merkt irgendwie so, es ist nicht so richtig.

00:36:15: Und würde einfach diese Frage stellen und damit jemand anderen diesen Raum zu öffnen vielleicht einfach nein zu sagen, aber offensichtlich ist das ja die Wirkung, die ich habe, okay?

00:36:25: Oder tatsächlich zu sagen gerade ist eine richtige Scheißzeit.

00:36:28: Klar, du hast vorhin was Thema Kapazitäten gesprochen.

00:36:30: ich muss dann ja irgendwie auch einen Folge angeboten machen.

00:36:32: wenn ich dann sage ah gut dann viel Erfolg damit geht funktioniert ihr auch nicht.

00:36:37: aber können wir vielleicht gleich nochmal drauf gucken?

00:36:39: lassen sie einfach ganz kurz gucken der Arbeitskreis Leben.

00:36:41: Du hast schon so Stichwort der genannten Beratung.

00:36:43: es ist eine Arbeit mit Hinterbliebenen

00:36:46: das

00:36:46: andere vielleicht fangen wir bei der Beratungen an.

00:36:48: Was macht ihr genau hier im Acker?

00:36:50: Was machst du hier, genau?

00:36:51: Genau.

00:36:51: Also wir sind eine Beratungsstelle, gibt's jetzt seit ... ... die ist eigentlich entstanden daraus so aus der antipsychiatrischen Bewegung das man gesagt hat es muss doch möglich sein dass Menschen mit Suizidgedanken nicht erst wenn sie ganz hart auf hart kommen in Psychiatrie landen sondern irgendwie schon früher Hilfe bekommen.

00:37:11: und wir arbeiten hier mit Hauptamtlichen und ganz vielen Ehrenamtlichen AKL ist eigentlich, dass Menschen herkommen und über Suizidgedanken sprechen können.

00:37:23: Und die entweder bei uns hauptamtlichen Sozialarbeiterinnen beraten werden oder wir eben an ehrenamtliche Krisenbegleiterinnen wie dich weiter verweisen.

00:37:32: Und man sich dann so wöchentlich oder zwei-wöchendlich trifft.

00:37:36: Genau, da haben wir noch eben diese Onlineberatung

00:37:38: u.a.,

00:37:39: wo du schon von der anderen Folge auch gesprochen hast, das wurde es bestimmt auch nochmal... intensiver besprochen wird, aber genau ganz kurz einfach dass man per Mail begleitet wird wenn man unter fünfundzwanzig ist anonym von eben gleichaltrigen Piers.

00:37:52: und dann hat sich im Laufe der Zeit immer mehr noch die hinterbliebenen Arbeit so verstärkt.

00:37:58: Die Welt gerade immer größer was total schön ist im Sinne von dass die nicht größer geworden ist, jetzt unbedingt weil die Zahlen wahnsinnig gestiegen sind.

00:38:09: Sondern dass wir einfach das Gefühl haben, dass sich mehr Menschen trauen da Unterstützung anzunehmen und auch mehr in der Gesellschaft vielleicht ankommt, dass Trauer nach einem Suizid eine besondere Trauer ist.

00:38:21: Und da bieten wir einfach Trauergruppen an also wie so ein Seminar oder auch offene Selbsthilfegruppen oder eben auch Begleitung und Beratung im Einzelsetting.

00:38:33: genau Es ist eigentlich auch interessant, wenn du das jetzt so erzählst erschließt sich mir das total.

00:38:38: Das ist natürlich die Beratungsstelle, die sich im besten Fall damit beschäftigt dass jemand gar nicht zum Suizid kommt weil der Ansprechpartner eine Ansprech-Partnerin hat sich natürlich auch damit auseinandersetzt.

00:38:47: okay jetzt nehmen wir an und Klientinnen und Klien haben tatsächlich das Leben genommen.

00:38:52: damit endet das nicht, sondern da hängt er dann plötzlich ganz viel dran.

00:38:55: Hinterblieben beispielsweise?

00:38:57: Genau!

00:38:57: Also man geht davon aus dass sich die konservativen Zahlen sind so sechs Angehörige zugehörig.

00:39:02: Man kann davon ausgehen, dass es eigentlich viel mehr sind.

00:39:04: also wenn man nicht überlegt würde sterben.

00:39:08: Das betrifft nicht nur sechs Menschen.

00:39:09: Nein auf gar keinen Fall.

00:39:11: und sechs ist aber schon eine Zahl weißt du?

00:39:14: Genau, genau.

00:39:15: Und das heißt der sind mindestens sechs Menschen durchschnittlich wo man sagt sie sind davon betroffen auch ein erhöhtes Risiko haben, sich zu suizidieren.

00:39:24: Also wenn ich jetzt zum Beispiel gerade Kinder angucken und sage da hat sich eine Elternteil suizitiert dann komme ich erstmal vermutlich in eine krasse Krise.

00:39:32: die ganze Familie stürzt vielleicht in der Krise Und ich habe natürlich, wenn ich dann in einer Krise bin, vielleicht auch nicht nur nach dem Suizid sondern später Dann hab' ich ja schon mal vorgelebt bekommen von einem Elternteil.

00:39:41: wie kann ich daraus kommen?

00:39:44: Das heißt da kommt erst einmal die Gefahr dieses Suizids, vielleicht auch die Gefahr von der Traumatisierung dadurch.

00:39:51: Und einfach diese Bewältigungstrategie, die ich dadurch gelernt habe.

00:39:55: Genau deswegen ist das ganz wichtig und... Auch wenn da keine eigene Suizidalität im Raum steht dann ist es einfach so dass Trauer nach einem Suizide oft sich total Fehler am Platz fühlen in anderen Trauer kommen weil da ganz andere Gefühle, ganz andere Fragen da sein können.

00:40:11: Für dies ist es unglaublich erleichtern oft sich mit anderen austauschen zu dürfen Ähnliches erlebt haben.

00:40:17: Das sind dann auch tatsächlich nur Hinterblieben, oder?

00:40:19: Genau!

00:40:20: Also das ist schon ein bisschen die Besonderheit jetzt gerade im Vergleich zu anderen Trauergruppen weil... Oder wie viel Stimmenformuliers als Frage ist es so dass Trauern, die jetzt jemandem durch Krebs verloren haben, das einfach manchmal nicht nachvollziehen können, wie das ist jemanden durch sich zieht zu verlieren?

00:40:37: Ja, alles ganz unterschiedlich.

00:40:39: ich glaube ehrlich gesagt kann man's nicht nachverziehen wenn wir uns nicht selber durchgemacht Zählen wir die Fragen und sagen, was ist nachvollziehen?

00:40:45: Was es

00:40:45: mitfühlen

00:40:46: kann.

00:40:47: Ich glaube so, wenn man sich viel damit auseinandersetzt, dann kriegt man eine Idee davon, was passiert da.

00:40:52: aber so richtig zu fühlen, was da passiert oder was man da erleben muss, wenn jemand sich das Leben nimmt.

00:41:00: Das kann man wahrscheinlich nur, weiß man nur, wenn er selber durchgemacht hat.

00:41:03: Es ist aber wirklich so dass uns immer wieder Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben auch... krasse Sachen erzählen, was andere ihnen sagen.

00:41:13: Einer hat erzählt, dass irgendeine Bekannte oder jemand aus dem Dorf gemeint hat, da müsste man jetzt nicht so traurig sein weil die selber entschieden sind.

00:41:21: Die Person, die gestorben

00:41:22: ist.

00:41:24: Es gibt schon einen harten Torback, den sie sich anhören müssen.

00:41:26: Nicht immer.

00:41:27: es gibt auch Menschen, die sagen Sie werden wahnsinnig gut begleitet von ihrem Umfeld aber sehr unterschiedlich.

00:41:33: Aber ich glaube das geht oft um diese Fragen, wie Gefühle.

00:41:36: Ganz oft sind Schuldgedanken und Schuldfragen stehen ganz

00:41:40: viel im Baum.

00:41:41: Manche haben auch eine Wut auf die Person, die selber entschieden hat das geht und dass es bei einem natürlichen Tod kann es natürlich auch sein, dass ich wütend bin vielleicht auch weil sich jemand zu spät Hilfe geholt hat in der Krebserkrankung.

00:41:52: Ich kann vielleicht wütende aufs Universum oder so sein.

00:41:55: aber Das genau ist oft auch noch mal sehr explizit Dass da auch nur Wut ist auf jemandem der ganz alleine entschieden hat ich gehe jetzt Und du musst damit klarkommen

00:42:05: Und das wirft mich jetzt, wenn ich nur so gedanklich da reingehe.

00:42:08: Sofort in der Ambivalenz weil auf der einen Seite willst du ja oft genau diese Person nicht wütend sein sondern du trauerst dir total und dann ist diese Wut da und plötzlich bist du in so einer Situation, die gar nicht weiß wie du selber mit umgehen sollst also mit dir?

00:42:19: Mit der Situation, mit der Wut usw.

00:42:21: Voll!

00:42:21: Es ist ja zum Einen so dass es auch gesellschaftlich so ein bisschen tabuisiert ist, dass man sich wütends sein darf oder nicht schlecht sprechen darf für mehr Menschen die tot sind.

00:42:28: und eben dieses Gefühlskausen beschreiben ganz viele.

00:42:32: Ich glaube, dass es bei Trauer generell oft so ist Chaos ist ein Gefühl und man gar nicht weiß wohin mit sich, dass wir auch so ein bisschen verlernt haben zu trauen.

00:42:41: Und das es nach dem Suizid einfach noch mal wie zugespitzt da sein kann diese verschiedenen Gefühle.

00:42:47: Manchmal war auch eine Angst.

00:42:49: oder ich habe letztens einen Mann hier gehabt dessen Frau sich suizidiert hat und der gesagt hat er ist wie komplett verwirrt in seiner Menschenkenntnis also dass er sagt er hat das Gefühl kann überhaupt niemanden mehr einschätzen.

00:43:03: Er kann eigentlich alle seine Beziehungen über ein Haufen werfen, weil er könnte ja überhaupt nichts mehr über Beziehung aussagen was die wert sind wenn seine Frau sich umbringt und er nicht geahnt hat dass sie Suizid gelangen hatte so das stellt ja einfach alles in Frage.

00:43:17: Es ist finde ich hart.

00:43:18: also es finde ich wirklich hart der will ich mir auch gar nicht vorstellen so richtig in dieser Situation zu sein.

00:43:23: Ich kann das so total nachvollziehen.

00:43:25: Ich kann das so total nachvollziehen, dass dieser Gedanke kommt und der bringt dich ja wirklich an den Rand.

00:43:30: Weil wenn du aus dem Nichts kommst, dann ist es kaum, die er.

00:43:33: leider

00:43:33: hoff ich aus

00:43:33: dem nicht... Kannst auch häufig passieren, dass wir diesen klassischen Rückschauffehler machen und sagen mit dem Wissen von heute.

00:43:41: Meine Frau hat sich das Leben genommen.

00:43:43: Ich hätte es hier erkennen müssen, da waren die Signale.

00:43:46: Das ist sicherlich so... Genau,

00:43:48: auf die Frage, was hätte ich anders entscheiden müssen?

00:43:50: Ich hatte gerade zwei Frauen in der Trauergruppe und es war total schön, weil sie sich beide den Vorwurf gemacht haben, dass ihr Partner doch hätte in die andere Klinik gehen sollen.

00:43:58: Und der jeweilige Vater war in der anderen Klinika.

00:44:01: Die zwei Frauen haben sich dann ausgetauscht.

00:44:04: Der eine Partner hatte sich umgebracht, obwohl er in Klinik A war.

00:44:06: Und der andere Kliniker hatte sich auch vor den Kliniken B war und so.

00:44:09: Und für die hat es total gut zu erkennen okay jeder stellt sich diese Frage und sollte irgendwas kommen können.

00:44:14: Die eine hat dann nur irgendwann gesagt sie versucht sich jetzt immer zu sagen Sie hätte auch was anders machen können und dann hätte das vielleicht noch schlimmer kommen können.

00:44:22: also Das finde ich ein total interessanten

00:44:25: Gedanken, weil auch das ist ja richtig.

00:44:27: Wir teigen glaube ich dazu zu sagen Mensch, ich hätte an der Abzweigung eben doch rechts gehen sollen dann wäre es gut geworden.

00:44:32: Ja aber Wissentum wär's auch nicht.

00:44:34: Genau und das fandest du halt gut von ihr dass wir dann irgendwann auf die Idee kamen zu sagen Hätte ja noch schlimmer enden können.

00:44:41: Ich erlebt es nur in Einsätzen, in der Krisenintervention.

00:44:44: Glaub ich noch mal ein bisschen mehr als hier.

00:44:46: Hängt aber ja auch einfach mit den Klientinnen und Klientenkontakten zusammen die ich hier habe.

00:44:49: Ich glaube das ist bei dir nochmal was anderes ganz häufig dass so diese Schuldfrage eigentlich eine ist von der man weiß dass man sie nicht mehr los werden wird weil du eben ja die Antwort nicht darauf bekommst oder du bekommest nicht die Antwort darauf.

00:45:00: was wäre gewesen wenn oder hätte ich etwas tun können so und das finde ich schon also auch das aushalten zu können um den Leuten klarzumachen Wir können natürlich jetzt darüber reden, aber wir werden nicht zu einem Schluss kommen.

00:45:14: Ja, Schuld ist ein wahnsinnig spannendes Thema.

00:45:19: Ich fand auch spannend nochmal zu lesen dass Schuld nicht unbedingt Gefühle sind sondern es eigentlich Gedanken sind.

00:45:24: also das ich Schuld Gedanken habe und daraus entstehen Gefühlen ist eigentlich Scham dass es auch nicht unbedingt immer Sinn macht, diese Schuldgedanken oder Gefühle auszureden.

00:45:35: Also das ist ganz anders unterschiedlich ist.

00:45:37: Ich hab mit einem Menschen gesprochen der sexualisierte Gewalt erlebt hat und er hat gesagt für ihn war's total gut, dass jemand... Irgendwann gesagt hat, du trägst keine Schuld.

00:45:47: Und diese schuld wie abgenommen hat.

00:45:49: und andere sagen gerade hinterblieben.

00:45:51: nach südzieller lebe ich oft dass die sagen Das bringt mir überhaupt nichts wenn alle um mich rumsagen Du bist doch nicht schuld weil ich empfinde das halt so.

00:45:59: unschuld kann ja auch was sein was in Kontakt hält.

00:46:02: also Wenn ich wenn jemand gestorben ist und ich habe das Gefühl Ich bin schuld daran dass er gestorbt ist dann bedeutet das dass sie in Verbindung binden mit der Person.

00:46:09: Schult und Scham lösen auch krasse Körperreaktionen

00:46:13: aus.

00:46:14: Da fühle ich was, da bin ich irgendwie in Verbindung.

00:46:16: Und das ist manchmal ... Manchmal besser auszuhalten als Ohnmacht.

00:46:21: Ich hatte jetzt auch eine Trauergruppe, die gesagt hat, sie weiß eigentlich nicht, dass sie keine Schuld trägt aber hat viel zu viel Angst vor dem Gefühl, dass Sie sich eingesteht und ohnmächtig ist.

00:46:30: Dass sie nichts dagegen tun konnte oder dass die Mutter sich so sieht.

00:46:33: Deswegen sagt sie lieber, sie ist schuld daran.

00:46:37: Das konnte ich ganz offen so thematisieren.

00:46:39: Trotzdem hat es funktioniert.

00:46:40: dieses Konstrukt ja

00:46:42: Ja und solange es tragfähig ist, ist das doch völlig in Ordnung?

00:46:44: Genau.

00:46:44: Und dann ist es irgendwie so...und dann ist gut darüber zu reden und zu gucken was gibt mir das oder wie tut das weh?

00:46:49: und was wäre denn echt die Schuld loslassen würde?

00:46:51: und wie könnte ich mit der Ohrmacht umgehen?

00:46:54: also es wäre natürlich schon total schön wenn man sich entschulden kann.

00:46:58: Das kann ja schon sehr oder unglaublich erleichtern.

00:47:02: Kollege von mir aus der Krisenintervention hat das auch mal gesagt, weil es ist ja ganz interessant wenn du in der Öffentlichkeit sprichst mit Leuten die nicht so viel damit zu tun haben.

00:47:09: Das Erste was ja häufig passiert ist dass sie sagen Du hast keine Schulter dran und dann was hinter dem Rücken passiert ist.

00:47:14: noch etwas anderes glaube ich.

00:47:16: aber das erste ist Ja du kannst da ja nichts für.

00:47:18: wir war ja seine Entscheidung war ja ihre Entscheidung und ein Kollege das mal schön auf den Punkt gebracht hat gesagt er ist kein Fan von also eben genau dieses Ausreden weil er sagt das ist doch total gut weil dann is was da?

00:47:28: Da ist was worüber man sprechen kann sich beschäftigen.

00:47:32: Da ist genau wie du es gesagt hast, diese Verbindung offensichtlich.

00:47:35: Das heißt auch da sind wir wieder beim Aushalten irgendwie auch das einfach auszuhalten?

00:47:39: Auch dass wir ja gar nicht... also wir können sie auch gar nicht beurteilen.

00:47:41: Habt ihr mich vielleicht einfach tatsächlich de facto eine Schuld?

00:47:45: Genau!

00:47:46: Sehr die Frage.

00:47:47: aber was ist Schuld?

00:47:48: und will ich sagen?

00:47:48: Ja auch das wäre... Es ist sehr die Frage so ein Schuldkonzept.

00:47:50: Ich habe zwei kleine Kinder und da ist auch die Streitensicherheit.

00:47:53: und dann ist die Frage wer als Schuld, wer hat angefangen?

00:47:55: und im letzten eines bin der dann mal ich Schuld weil ich mich früh genug auf irgendwelche Bedürfnisse angegangen bin.

00:48:01: Auch da hatte ich einen Klienten, wo dann klar war der hat schon noch viel Scheiße gebaut.

00:48:06: In einer Beziehung.

00:48:08: und dann zu sagen bestimmt hast du bist du Teil also bist du ein Auslöse auch dafür gewesen oder bist Du ein Faktor gewesen der dazu geführt hat dass dieses Partnerin sich so zidiert hat Und es bedeutet trotzdem nicht das du die Schuld an dem Tod trägst weil die Entscheidung Dafür dass sie sich umgebracht hat Die trägt sie.

00:48:27: Das ist unglaublich wichtig, immer wieder diese Verantwortung zurückzugeben und das ist aber auch in der Arbeit wichtig wenn ich mit Menschen arbeite die Suizidgedanken haben also immer wieder dieser Verantwortung zurück zu geben und zu sagen du hast oder Sie haben wahnsinnig große Suizide Gedanken und ich bin jetzt gerne hiermit dabei im Boot und wir gucken was es geben kann um daraus zu kommen.

00:48:45: Aber die Entscheidung ob Sie weiterleben wollen, die können letztendlich nur sie treffen.

00:48:50: Ich glaube auch nur so kann man es aushalten indem er diese Verantwortung immer wieder zurück

00:48:53: gibt.

00:48:54: Klar, als machst du das.

00:48:55: hauptamtlich beschäftigt sich den ganzen Tag fünf Tage die Woche mit dem Thema Suizid.

00:49:02: Du hast aber gerade schon angesprochen Ehrenamtliche sind auch so ein ganz wesentlicher Teil des Ackers genauso wie ich es mache.

00:49:08: Aber nicht nur ich sondern wie viele sind's meistens?

00:49:11: Das sind ja

00:49:12: über sechzehn alle zusammen

00:49:14: Muss man überlegen, also wir haben eine Handvoll Hauptamtliche und Sechzig Ehrenamtliche.

00:49:19: Ist nicht das auch wieder ein bisschen verantwortungslos?

00:49:22: Das an ehrenamtlichen abzugeben die nicht soziale Arbeit studiert haben, die es nicht jeden Tag machen.

00:49:27: Ja was sagst du dazu?

00:49:28: Du bist ja noch dabei!

00:49:33: Natürlich ist es das nicht, aber wir kriegen eine sehr gute Ausbildung Und das ist aber eine Frage, die mir super häufig gestellt wird im Alltag.

00:49:42: Die erste Frage ist warum macht man so was ehrenamtlich?

00:49:44: Warum beschäftigt man sich ehrenamtlich mit diesem Thema?

00:49:47: Da müssen wir glaube ich eine eigene Folge machen über das Thema, warum sich Leute damit beschäftigen.

00:49:51: weil da gibt es aus meiner Sicht Millionen Gründe und einer ist – ich habe mich diese Woche mit einem Klienten getroffen – und irgendwie nach zwei Stunden oder einer Stunde, wenn es auch nur dreißig Minuten auseinander zu gehen.

00:50:04: Und jemand bedankt sich für nichts quasi... Für mich ist das ja gefühlt nichts!

00:50:09: Das ist eine Stunde meiner Zeit die ich gut entbeeren kann in der ich zuhöre und vielleicht mal den ein oder anderen wahnsinnig schlauen Ratschlag gebe, den ich so für mich irgendwie mitgeben kann Und das reicht schon.

00:50:23: Das ist auf jeden Fall... Aber es ist schon eine Frage, die mir häufig gestellt wird.

00:50:27: Ist es fair, das dann ehrenamtlich abzugeben oder müsste man das nicht bei Hauptamtlichen

00:50:30: lassen?

00:50:31: Ich glaube also wir erleben das zum einen so dass die Klientinnen das manchmal wahnsinnig zu schätzen wissen.

00:50:37: Also ich hatte mal eine Kliente, die war dann so ganz fassungslos als ich gesagt habe, ich würde gerne Ehrenamtliche geben.

00:50:44: Die macht es dann einfach ohne Geld für mich.

00:50:47: Also das war für die, ich sag das wie so ein Geschenk.

00:50:49: Das ist dein Menschengibben der wird nicht dafür bezahlt er möchte sich einfach mit ihr treffen.

00:50:53: und es hatte nochmal eine ganz andere Wertigkeit als wenn ich hier sitze und weiß jetzt mein Job.

00:50:58: Und ich denke eigentlich wäre es ja so schön wenn diese Frage nicht mehr gestellt würde sondern unsere Gesellschaft zu funktionieren würde dass klar ist dass alle Menschen das tun können was wir vorhin hatten dass es möglich ist.

00:51:09: natürlich ist es so dass wir hier das wie konzentrierter haben also dass man wenn man ehrenamtliche arbeitet zugeschoben kriegt, so in dem Sinne.

00:51:18: Also wir fragen ja immer ob man den Klienten übernehmen will und geben ein bisschen Abriss auf.

00:51:22: das Passt Und da ist es aber natürlich auch so dass wir so ein bisschen darauf gucken.

00:51:27: also wenn ich jetzt ins Gefühl habe Ich hab deine klientin die Akku zu özidalis und sie braucht gerade einfach eine Beratung oder vielleicht auch mehr Kapazitäten zeitlich irgendwie mehr oder so dann geben wir dir auch nicht weiter an deren Amtliche der wird er schon noch geguckt und für uns ist es sehr schon immer wichtig auf beides zu schauen.

00:51:44: Also wir haben jetzt zum Beispiel gerade eine Online-Beratung auch an Klienten, wo es irgendwie ein bisschen schwierig ist und das klar ist da ist.

00:51:50: in erster Linie gucken wir da jetzt gerade auf die Pierberaterin oder auf die Mail Beraterin dass es der gut geht mit diesem Kontakt.

00:51:55: Und das heißt wir versuchen daher schon das irgendwie alles gut zu begleiten und ich glaube aber eben das Leinen können.

00:52:01: also davon abgesehen, dass ihr keine Leinen in dem Sinne seites gar nichts mitbekommen habt aber dass man das auch ohne eine berufliche Ausbildung oder dass auch jemand kann, der irgendwie was weiß ich was ganz anderes gelernt hat.

00:52:14: Und das manchmal noch schöner ist.

00:52:15: also ich finde es immer total schön wenn Leute herkommen die eben nicht soziale Arbeit oder Lehramt oder so gemacht haben oder irgendwelche Therapeuten in Rente sondern wenn jemand kommt er sagt Ich habe noch gar

00:52:25: nichts am Hut gehabt

00:52:26: aber ich würde's gerne irgendwie machen und das klappt oft richtig gut.

00:52:31: Das ist das Spannende!

00:52:32: Ich meine ich hab jetzt auch irgendwie Erziehungswirtschaft studiert, so dass es dann stimmt zwar auch nur so halb weil mit meinem Schwerpunkt im Personal und Organisationsamt eine ganz andere Richtung studiert haben.

00:52:42: Aber du hast zumindest das, was die Leute, wenn man davon erzählt sagt, ja okay dann hast ihr schon mal mit Menschen gearbeitet.

00:52:49: Es ist ganz interessant dass das schon irgendwie scheinbar eine Voraussetzung zu sein scheint aber gerade jetzt so in diesem Team mit dem wir Supervisionen haben das könnte bunter nicht gemischt sein Medizinerinnen, Medizinern dabei.

00:53:03: Es ist aber Leute die eigene Erfahrung gemacht haben und ich hatte mich mit einem neuen Krisenbegleiter ja ausgetauscht und wir sind da irgendwie auch auf dieses Thema zu sprechen gekommen Und mir ist dann noch mal so bewusst geworden naja Ich kann ja immer nur mich als Mensch anbieten und eigentlich ist total egal ob ich Pilot bin Ob ich Busfahrerin oder Busfahrer bin?

00:53:26: Ist völlig egal.

00:53:27: Als Mensch ticke ich halt auf irgendeine Art und Weise.

00:53:31: Und darauf kommt es ja an, das ist das was ich anbieten kann.

00:53:33: Das passt oder das passt nicht?

00:53:35: Da würde ich auch behaupten... ...nicht jeder kommt mit mir klar, aber dafür eben mit jemand anderem usw.

00:53:42: Was du sagst ist schon auch wichtig!

00:53:44: Wir sind Leinen im Sinne davon dass wir das natürlich nicht studiert haben und keine therapeutische Ausbildung gemacht haben.

00:53:51: Aber man startet ja auch, das ist vielleicht auch immer so.

00:53:53: ein bisschen das ermutigende für alle die jetzt hier Lust haben es mal auszuprobieren.

00:53:59: Wir werden nicht ins kalte Wasser geworfen als es nicht so, dass man hier reinkommt und dreimal gesagt, ja passt schon ne?

00:54:05: Hier sind erstens zwei Klienten.

00:54:06: viel Erfolg und wir sehen uns in zwei Wochen wieder, sondern ist ja schon eine sehr fundierte Ausbildung am Ende, die viel Beschäftigung mit sich selbst ja auch beinhaltet.

00:54:14: also das reflektieren überhaupt erstmal wie denk ich zum Thema Suizid Also das ist ja schon auch ein wesentlicher Teil.

00:54:21: Ja und ich finde allein dieses Auswahlverfahren, also dass wir... Ich find es ja unglaublich faszinierend, dass wir immer wieder Menschen finden die das auch ehrenamtlich machen wollen und sich diese Zeit auch nehmen und sich dem Thema dann irgendwie auch aussetzen.

00:54:33: und genau da sprechen wir mit jedem Einzelnen vorher um zu klären ist jemand auch stabil genug das zu machen, als natürlich auch Menschen gibt die es aus eigener Erfahrung herausmachen wollen und aber vielleicht einfach noch sehr in eigenen Themen hängen.

00:54:47: Genau an der Ausbildung werden Intensivthemen angeguckt.

00:54:50: dann gibt's ja auch diese Supervision oder Intervisionstreffen sich alle zwei Wochen noch mal zusammensetzen.

00:54:55: Auch die Möglichkeit hat sich auszutraschen, auch unabhängig davon natürlich jederzeit sich hier melden kann.

00:55:00: Ich glaube das ist auch total wichtig ja einfach zu sagen da es irgendwie einen Rahmen und dass es vielen auch hilft zu sagen ich habe diese Rolle auch dann als Ehrenamtliche und kann eben auch sagen ich treffe mich in den Räumen vom AKL und dann gehe ich auch wieder, auch da geht's wieder um das Thema Verantwortung

00:55:15: abgeben Wobei das schon auch so ein bisschen ist, wie das was du aus deinem Studium damals

00:55:20: beschrieben hast.

00:55:20: Das würde ich schon auch teilen.

00:55:22: Das zieht sich natürlich in den Alltag

00:55:23: und natürlich guckt

00:55:24: man anders auf Situationen.

00:55:26: Und natürlich würde ich bereits behaupten seit ich damals diese Ausbildung bei U-Fiveundzwanzig gemacht habe fällt mir mehr auf, wie ein Passtschon kommt.

00:55:34: Also es ist wirklich so ein Passschon oder hat man das Gefühl Nee, da bleibt was hängen so und natürlich ist es dann trotzdem.

00:55:41: meine Entscheidung frage ich nach oder frage nicht.

00:55:43: Ach du hast schon benannt Kapazitäten usw.

00:55:47: Du hast gerade gesagt Auswahlverfahren!

00:55:49: Ich hatte's vorhin schon mal so hingeworfen dass ich gerne von dir auf jeden Fall noch wissen wollen würde kann das jeder machen?

00:55:54: Kann jeder und jede...

00:55:56: Diese Ausbildung

00:55:57: machen?

00:55:57: oder gibt es tatsächlich Kriterien, wo du sagst das muss man mitbringen?

00:56:01: Das ist ein Ausschuss

00:56:02: kritisieren.

00:56:03: Also im Grunde gucken wir so ein bisschen.

00:56:04: ist die Person dazu in der Lage vielleicht auch sich selber und eigene Themen ein bisschen zurückzustellen?

00:56:09: weil ja schon auch klar ist hier kommen Menschen hin denen wir ermöglichen wollen dass sie über sich reden können darüber wie's ihnen geht ohne dass sie sich Gedanken darüber machen müssen.

00:56:18: was ist bei meinem Gegenüber los?

00:56:19: und das ist im Grund finde ich so ein Bisschen der Knackpunkt dass es darum geht.

00:56:24: so um die Frage kann Ich mich da so zurückstellen.

00:56:26: Und dann gibt es natürlich aber auch noch so Sachen, wo wir fragen wie steht man denn zum Thema Suizid?

00:56:31: Wenn da jetzt jemand kommt und sagt ich bin streng katholisch und Suizide ist eine Todsinnung, so dann ist irgendwie klar das ist nicht unser Bild mit Arbeiten.

00:56:40: So Sachen genau dass irgendwelche Ansichten politisch oder religiös oder sogar nicht stimmen.

00:56:45: Aber sonst würde ich sagen es ist schon auch das ja zu gucken kann.

00:56:49: kann jemand also eigene Themen vielleicht auch ein bisschen zurück stellen Was ja nicht heißt, dass man nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann.

00:56:55: Also wir haben ja viele gerade Hinterbliebene auch die selber jemanden verloren haben und jetzt als Ehrenamtliche arbeiten und da kann es ja auch total wertvoll sein zu sagen ich kann erzählen wie ich das damals erlebt habe oder das hat mir geholfen oder so.

00:57:09: also das heißt eigene Krisenerfahrungen welcher sich doch immer ist auf keinen Fall ein Hindernis kann total gut sein.

00:57:15: Für uns ist es immer noch wichtig, eben so ein bisschen rauszufinden.

00:57:17: Ist man schon stabil genug oder selber schon irgendwie genug investieren dürfen um jetzt für andere da zu sein?

00:57:25: Und letztendlich ist das aber auch so wie für natürlich so ein Gespräch Da kriegt man ja auch nicht alles raus,

00:57:31: also wie ein Bewerbungsgespräch.

00:57:35: Ja oder auch dass manche Menschen das glaube ich selber vielleicht gar nicht so klar haben.

00:57:38: Also werden jetzt eine Ausbildung einer Person die dann irgendwann gesagt hat wo ich merke gerade sind doch zu viele eigene Themen.

00:57:43: es war mir nicht so klart und ich glaube ich muss noch mal warten.

00:57:47: Und ich glaube da können wir immer nur ermutigen dahin zu gucken und zu begleiten und bieten ja auch an dass Ehrenamtliche hier mit uns sprechen

00:57:55: können wenn eigene Themen hoch kommen oder

00:57:57: so.

00:57:58: Und bei UFEM-Zwanzig zumindest wurde vor Jahren auch mal so eine Studie durchgeführt von der Uni Erlangen.

00:58:05: Die haben ganz viel sich mit dem PeerberaterInnen beschäftigt und haben eben auch rausgefallen, dass das Suizidpräventiv wirkt für die Ehrenamtflächen also, dass es einfach hilft sich damit auseinanderzusetzen.

00:58:14: irgendwie auch logisch aber sehr gut wissenschaftlich noch.

00:58:18: Interessant ja man wartet immer darauf, dass einer nochmal bestätigt ist.

00:58:22: Aber er gibt irgendwie ja total Sinn.

00:58:25: weil Also es ist doch bei allen Themen so.

00:58:28: Ist doch nichts schlechter, als dass du sie soweit wegschiebst und denkst betrifft mich nicht, Ismael kommt eh nicht.

00:58:33: Du wirst ja nicht wo das mal zu mir voll geführt hat.

00:58:36: Der Seilndes bleibt halt so, dass du bis dahin dich nie damit auseinandersetzen musst.

00:58:40: dann okay aber spätestens wenn's halt wieder aufschlägt Burnout, das fällt mir da so ein.

00:58:46: Schiebt man ja auch immer gerne mit, ich bin nicht anfällig für, bis es dann da ist.

00:58:52: Das wird halt so sein und deswegen ergibt es finde ich schon total Sinn dass natürlich wenn du dich damit auseinandersetzt dich auch mal damit auseinandersetzt.

00:58:59: Es ist ja auch eine Einladung, die wir an alle Hörerinnen und Hörern machen können sich mal auseinander setzen.

00:59:04: mit eigenen Krisen habe ich, die man hat.

00:59:06: War ich vielleicht selber mal an dem Punkt?

00:59:07: Und was hat geholfen

00:59:08: usw.?

00:59:09: Na klar, wir haben das in irgendeiner Weise präventiver gesagt.

00:59:11: Ja oder eben gar nicht unbedingt wenn ich jetzt selber eine Krise präsent hab sondern einfach zu schauen es macht das Thema der Gedanke mit mir dass Menschen sich umbringen Diese Frage nach dem Suizid oder auch, was wäre eine Gründe für mich?

00:59:24: Also wir überlegen immer auch.

00:59:25: Was wäre denn ein Grund für mich aus dem Leben zu gehen?

00:59:28: Gibt es da Gründe?

00:59:29: Gibt es da keine?

00:59:30: Und das ist schon auch spannend, sich darüber vielleicht auch auszutauschen zu gucken.

00:59:34: Was passiert damit eine mehr oder was macht bei einem Thema Angst und ich glaube das ist auch total wichtig.

00:59:38: also gerade auch wenn man jetzt nicht in dem Setting wie hier ist Ich habe ja auch die Möglichkeit muss er auch nochmal sagen sein Luxus dass ich kann immer wieder diese Fragen stellen haben sie Suizidgedanken und dann gehe ich nach den Gespräch raus und spreche mit meiner Kollegin oder meinem Kollegen so ich kann mich austauschen ich hab da irgendwie ein Backup.

00:59:53: Wenn ich natürlich jetzt im privaten Umfeld sowas habe, dann ist das finde ich auch total legitim zu sagen, es fällt mir so schwer diese Frage zu stellen.

01:00:00: Ich hab so Angst davor aber ich hab irgendwie Sorge... Dann ist es ja auch okay zu sagen ich mach mir Sorgen um dich und such dir doch mal Hilfe oder ich kann dir helfen Hilfe zu suchen oder sowas.

01:00:12: Also irgendwie klar zu haben wenn ich diese Kapazitäten nicht habe Nicht nur zeitlich sondern einfach weil ich sie mir gerade nicht zumote.

01:00:19: Es ist auch ok, ich find's nur einfach gut Präsent zu haben, woran liegt es gerade?

01:00:23: Hätte ich diese Frage nicht stellen.

01:00:25: Stelle ich die nicht weil ich mir einrede, ich müsste sie nicht stellen, weil sie nicht notwendig ist oder stelle ich sie nicht, weil ich grad merke mehr macht das einfach total angst.

01:00:32: mich kann das gerade nicht und dann kann Ich mich damit auseinandersetzen oder ich kann gucken ob ich jemand anders finde.

01:00:37: Das finde ich auch ganz wichtig, da auf die eigenen Kapazitäten und Grenzen zu schauen.

01:00:44: Und das ist glaube ich eine Gefahr in die man reinlaufen kann, dass man in so einer Überverantwortung geht.

01:00:50: Über Verantwortung für jemand anderen heißt aber immer sehr wenig Verantwortung für mich selbst.

01:00:54: weil das was du sagst ist ja wahnsinnig wichtig auch zu sagen Okay, ich habe das verstanden.

01:00:59: Dir geht's gerade richtig scheiße und ich würde dir wahnsinnig gerne helfen.

01:01:02: Ich kann es aber grade nicht!

01:01:04: Aber wenn dich doch mal dahin auch das finde ich wahnsinnigt wichtig für sich klarzum und dann aber auch transparent zu sein und zu sagen... ...ich kanns grad einfach nicht.

01:01:11: Also ich verstehe dass du mir das erzählst.

01:01:13: Ich bin da auch dankbar dafür Und ich finde es gut, aber ich kann's nicht machen.

01:01:18: Es auch find' ich ja auch nicht so einfach, sich wirklich abzukannend aufzusagen.

01:01:21: Ich muss dich gerade wegkicken irgendwie.

01:01:23: Das fühlt sich auch blöd an, ja, nichterweise?

01:01:25: Aber das ist ja im Grunde was wir hier auch machen.

01:01:27: wenn ich jetzt jemanden vor mir sitzen hab wo ich sag... Ich sehe, dass sie wahnsinnig tief gerade in der Krise stecken und da vielleicht noch andere Themen sind.

01:01:35: Und ich glaube, da brauchst du grade mehr!

01:01:36: Das ist nicht das was ich leisten kann.

01:01:38: Da wäre es gut wenn Sie sich um eine Klinik, um eine Reha kümmern oder nochmal eine andere Beratung mit der Therapie dazu ziehen oder sowas.

01:01:44: Ich glaube, dass das ja auch so.

01:01:46: Transparenz davon, dass man selber etwas nicht leisten kann... Auch ne Verantwortung ist die wir tragen.

01:01:52: Also diese Verantwortung auch führen gegenüber des Transparens zu machen sozusagen.

01:01:56: Ich kann dir grad nicht helfen und ich würde dir was vormachen, wenn ich so tun würde als ob und ich dann letzten Endes doch hängen lasse oder

01:02:02: so.

01:02:02: Und deswegen

01:02:02: ist es, glaube ich, wichtig

01:02:03: heran.

01:02:05: Von morgens bis abends Krisen, Suizid, schwere Themen, psychische Erkrankungen.

01:02:12: kotzt das nicht manchmal an?

01:02:16: Also tatsächlich ist es so dass ich halt gerade arbeite nur fünfzig Prozent.

01:02:21: Ich glaube das macht schon was aus wobei ich merke wie ankotzen glaube ich nie.

01:02:27: ankotze nie wobei auch den Luxusjahr habe non-stop Beratung machen, sondern ich arbeite ganz viel mit den Ehrenamtlichen.

01:02:35: Dann habe ich diese Trauergruppe jetzt wo ich neu eingespiegen bin.

01:02:38: die Trauerarbeit das finde ich auch hat ein ganz viel Schwere und ist auch unfassbar anstrengend.

01:02:42: Das ist nochmal eine andere Dimension.

01:02:44: dann gebe ich Fortbildungen gerade nicht mehr so viel, aber teilweise auch an Schulen unterwegs.

01:02:50: Also für mich war immer total gut dass meine Arbeit so bunt ist das ich eben nicht nur mit dieser schwere Beratung vielleicht zu tun habe wobei auch diese Beratungen ja nicht immer nur schwer ist.

01:02:59: also auch mit Suizidalenmenschen kann man lachen.

01:03:02: Genau deswegen ist das für mich irgendwie immer was gewesen wo ich sagen konnte ja den Job kann ich mir vorstellen machen und dann sind es manchmal spannenderweise eher andere Themen die dann anstrengend sind hier im Team oder so wo wir irgendwas knabbern Und eben nicht irgendwie diese Fälle.

01:03:18: Also es ist immer spannend, wenn wir auch Supervision haben und Supervisoren von außen kommen, dass das dann auch oft um irgendwelche Strukturen oder irgendwas geht.

01:03:25: Manche überraschen dann, weil sie sagen, ihr arbeitet mit Menschen die Suizidgedanken haben aber das ist gar nicht das was irgendwie so schwer zu sein scheint.

01:03:34: Nee deswegen ankotzen nie!

01:03:35: Ich glaube manchmal ist es schon so, ich merke es ist natürlich anstrengend und manche Beratungen können schon einen wie so... Ja, dass man einfach viel Energie reinsteckt.

01:03:45: Also das es irgendwie zieht und wenn man dann gucken muss wo kriege ich die gerade wieder her?

01:03:49: oder wie achte ich auf meine Grenzen?

01:03:51: Aber ja, ich finde es einfach ein Luxus dieses Team hier zu haben ist eine kleine kleine Truppe und das ist irgendwie gut weil man weiß man kann immer mit jemandem reden.

01:04:04: Was ich gemerkt habe was sich so ein bisschen verändert hat seit ich selber Kinder hab dass mir Dinge mehr zusetzen.

01:04:10: Also das war früher nicht so, da konnte ich das irgendwie gut weglassen.

01:04:13: aber wenn ich natürlich jetzt ganz speziell, wenn ich irgendwie Eltern begleite wo ein Kind sich suicidiert hat und ich denke scheiße ihr habt alles so richtig gemacht.

01:04:22: genauso würde ich es auch tun.

01:04:23: und wer weiß wie meine Töchter mal landen was dann noch so kommt.

01:04:28: Das sind dann eher Dinge wo ich merke Ich krieg natürlich sehr viel von dem mit was schiefläuft in der Welt Und dann irgendwie wieder einen Fokus zu kriegen und zu sagen okay Nicht alle Kinder kommen in so schwere Krisen wie die, die ich jetzt hier erlebe.

01:04:43: Egal von welcher Seite der hinterblieben oder betroffenen Seite.

01:04:48: Das merke ich, dass das schwieriger geworden ist mit eigenen Kindern.

01:04:53: Aber du schaffst es dann schon zu differenzieren und da auch Energiequellen wiederzuhaben?

01:05:01: Ja, klappt.

01:05:02: Also ich arbeite noch hier und hab auch nicht vorhauf

01:05:05: zu hören.

01:05:05: Du kannst sagen, ältert sich in den nächsten zwei Wochen noch nicht?

01:05:07: Auf

01:05:08: gar keinen Fall!

01:05:09: Nee aber das gibt es natürlich schon immer wieder so Momente wo man dann irgendwie da dran zweifelt und denkt war und gleichzeitig ist für mich irgendwie klar diese Sinnhaftigkeit die Arbeit mir gibt steht dem ja wie gegenüber.

01:05:21: also das wird sich ja irgendwie jetzt nicht ändern.

01:05:23: wenn ich sage ich könnte jetzt hier und mache irgendwie einen anderen Job der... nicht mit Krisen zu tun hat, dann wüsste ich immer noch davon.

01:05:29: Und dann wird sich das nicht ändern.

01:05:31: und so ist eher das Gefühl von okay alles was ich jeweils kann ich mitbringen und vielleicht kann ich meinen Kindern da jetzt schon irgendwie etwas mitgeben auch.

01:05:39: oder also ich meine die wissen ja auch wo ich arbeite und da erzähle ich dann irgendwie auch kindgerecht drüber und

01:05:43: dann genau.

01:05:46: Ich habe eine letzte Frage noch klar.

01:05:48: Das passt weil du es gerade auch gesagt hast, du erklärst es deinen Kindern jetzt schon Kind gerecht?

01:05:53: Du hast gesagt Der AKL ist auch in Schulen.

01:05:55: Du warst viel an Schulen, weil könnte ich jetzt ja auch wieder den allgemeinen Vorwurf mal formulieren und sagen, das spinnt ihr!

01:06:01: Das Thema Suizid noch aktiv an Schulen zu tragen und quasi in Anführung seinen Werbung für dieses Thema zu machen.

01:06:07: Aber wie wichtig ist es genauso was zu machen?

01:06:09: Wie wichtig ist das, dass wir sprechen, dass am besten alle rausgehen und der zählenhältiges Thema gibt's?

01:06:15: Ich finde es unfassbar wichtig, Es ist einfach klar, dass über Suizid sprechen nicht dazu führt, dass Menschen Suizide Gedanken kriegen.

01:06:23: Das passiert nicht und wir sind so ab achte Klasse machen will das aber man kann natürlich schon viel früher mit Kindern sprechen also auch mit meiner sechsjährigen spreche darüber dass es Menschen gibt die Manchmal im Leben, denen es so schlecht gibt, dass sie gar nicht mehr wissen wie sie weiterleben sollen.

01:06:36: Und wenn ich Kinder habe von denen sich Eltern suizidieren dann muss ich mit ihnen auch darüber sprechen.

01:06:41: da kann ich ja auch nicht sagen jetzt warten wir mal zehn Jahre und dann gleichst du ja also auch das gibt's dass man das Eltern den Kindern oder Menschen den Kindern erzählen auf einem Autounfall und dann gibt es irgendwie zum achtzehn Geburtstag die Offenbarung.

01:06:54: Ich glaube das ist total wichtig ist und das muss ja nicht immer Hier, nachdem wir alte Kinder sind mit Suizid anfangen.

01:06:59: Da kannst du erst mal darum gehen zu sagen wie kann ich Gefühle benennen oder dass es okay ist wenn's einmal schlecht geht?

01:07:06: Aber auch dieses Thema Suizide ganz offen anzusprechen.

01:07:08: Ich glaube das ist total wichtig.

01:07:10: Wir haben jetzt gerade zwölf jährige hier in Beratung und es macht keinen Sinn zu sagen wir sprechen da erst rüber, wenn du acht sind.

01:07:18: Sondern es ist total wichtig irgendwie früh drüber zu sprechen immer noch so wenig Thema ist.

01:07:24: Also meine schlimmste Situation in so einer Fortbildung war, dass ich Lehrer fortgebildet habe zu dem Thema und dann war ein Lehrer der kurz vor der Rente standen ganz stolz gesagt hat das er jetzt seit so vielen Jahren im Dienst ist und hatte noch nie einen Suizid an Schüler in der Klasse.

01:07:42: Und ich fand es wirklich... Also ich dachte, wie kannst du stolz darauf sein?

01:07:45: Es ist offensichtlich dass du in Suizidalen Schüler schon in der Klasse hattest oder mehrere.

01:07:50: Interessant,

01:07:50: wie es dir jetzt dann ausgeblendet wird ganz offensichtlicher.

01:07:52: Ja und irgendwie einfach nicht auf dem Schäden zu haben, dass das daran hängt, dass man nicht sensibel genug dafür

01:07:57: ist.

01:07:58: Das Thema ist da mit Social Media noch viel krasser und offensichlich ja dar und die Kinder kriegen das mit

01:08:04: früh.

01:08:05: Und ich glaube, da muss ich den was gegenüberstellen.

01:08:07: also da muss sich diese Gewalt, die vielleicht auch damit Manchmal war auch Suizid als so heroische Lösung oder sowas, den muss ich halt irgendwie diese Hilfsangebote und die Umgangsmöglichkeiten in der Bewältigungsstrategie gegenüberstellen.

01:08:22: Das finde ich vielleicht auch ein ganz schönes Schlussstatement für die Folge weil was ich wahnsinnig schätze am AKL ist und das hast du mehrfach jetzt schon... ... benannt ist und das gilt ja auch für andere Beratungsstellen wahrscheinlich.

01:08:34: Die kenne ich jetzt alle nicht, weiß nicht wie gut du andere kennst... ... ist aber eben genau diese Haltung zu sagen hey hier ist ein Angebot und es gibt eine ganze Fülle!

01:08:43: Du kannst ne Beratung haben, du kannst ne ehrenamtliche Begleitung, ne Krisenbegleitung haben,... ...du kannst als Hinterbliebene hinterbliebende kommen.

01:08:48: Egal was es ist.... Es ist ein Angebot da und dieses Angebot nimmt dir niemals die Entscheidungen deine Gedanken trotzdem weiterzuhaben.

01:08:58: Die nimmt dir niemandes die Entscheidung des vielleicht...?

01:08:59: trotzdem irgendwann zu machen, sich das Leben zu nehmen und so weiter.

01:09:03: Und das finde ich eine wahnsinnig gute Haltung eben hier auch zu sagen wir möchten gerne alles anbieten was wir haben und da verstehen wir zur Verfügung und es ist aber immer deine Entscheidung ob du's annimmst oder wo dein Weg hinfühlt.

01:09:15: auch so und das find ich ganz wichtig hier auf.

01:09:19: Ich glaube nur so können Menschen es auch annehmen.

01:09:22: Sonst ja ich findet man so ne Phase wenn zum Beispiel in Psychiatrie so heißt wollen sie jetzt Unterstützung?

01:09:30: Nee, eins habe ich falsch formuliert.

01:09:31: Also wenn irgendwie klar ist wollen Sie freiwillig hier in die Klinik oder müssen wir sie zwangseinweisen?

01:09:35: Wo ich so denke ja das sind total

01:09:37: Optionen

01:09:39: und ich glaube es braucht diese Option weil's geht ja für Menschen die Suizid Gedanken haben genau darum dass sie das Gefühl haben sie eben keine Option mehr.

01:09:46: Ja natürlich du hast das auch schon genannt Es gibt Situationen da führt kein Weg dran vorbei.

01:09:52: Menschen gegen ihren Willen vor sich selbst zu schützen, finde ich auch eine blöde Formulierung irgendwie.

01:09:58: Aber das ist ja genau das also ganz klar aber eben nicht in allen Fällen und das find' ich eben auch wahnsinnig wichtig dass es auch die Idee dieses Podcasts letztendlich darüber zu sprechen und so sagen dieses Thema ist da und wir alle können damit umgehen.

01:10:12: Es passiert nichts wenn wir dieses Thema mal ansprechen und wenn man's trauen weil jemanden zur Frage her geht gerade so scheiße dass du drüber nachdenkst.

01:10:20: dir das Leben zu nehmen Passiert nichts.

01:10:23: Wenn das alle schaffen würden, wäre ein absoluter Traum glaube ich.

01:10:27: Ich glaube es wird an den Zahlen

01:10:29: ändern.

01:10:32: Clara vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast und wir jetzt hier sprechen konnten.

01:10:36: Sehr gerne!

01:10:39: Das war's auch schon wieder mit der heutigen Folge von Und Plötzlich Krise.

01:10:43: Ich freu mich sehr, dass ihr hier reingehört habt und freue mich natürlich auch wenn ihr in Zukunft wieder rein hört.

01:10:48: Wenn ich einen Wunsch hätte was ihr aus der heutige Folge mitnimmt dann wäre es wirklich der Gedanke das ist total Sinn ergibt aufmerksam zu sein und dass es weit weniger schlimmes solche Themen wie Suizidgedanken oder menschliche Krisen auch mal anzusprechen und nachzufragen wie es jemandem wirklich geht.

01:11:04: Diese Folge hat sich gelohnt, wenn das Hängen bleibt und ihr es vielleicht in einer oder anderen Situation schafft ist so etwas mal anzusprechen.

01:11:10: Und auf die Menschen zuzugehen.

01:11:12: Ansonsten freue ich mich natürlich sehr, wenn wir uns wieder hier in zwei Wochen hören, wenn's dann eine neue Folge von Unplötzlich Krise gibt.

01:11:19: Bis dahin machts gut!

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