Was jetzt gebraucht wird

Shownotes

Ein Mann fährt dreieinhalb Stunden, weil sein Bruder sich nicht mehr meldet. Als er schließlich dessen Wohnung betritt, findet er ihn tot. Er hat sich das Leben genommen.

Was folgt, ist ein fast sechsstündiger Einsatz des Kriseninterventionsteams – und einer, der sich kaum in ein klassisches Schema pressen lässt. Ein Nachbar steht unter Schock und spürt eine immer stärkere Anspannung. Der Bruder hat sich vermutlich die Hand gebrochen und weiß nicht, wo er die Nacht verbringen soll. Die Polizei findet keinen Bestatter. Und mitten in all dem entstehen immer wieder neue Situationen, Gespräche und Bedürfnisse.

In dieser Folge probieren wir ein neues Format: Gemeinsam mit Kriseninterventionshelferin und Trauerbegleiterin Jessica Kretschmar nehmen wir einen konkreten Einsatz Stück für Stück auseinander. Wir sprechen über Entscheidungen, Unsicherheiten und Grenzen – und über die Frage, die an diesem Abend immer wieder neu beantwortet werden musste: Was wird jetzt gerade gebraucht?

🔍 Themen dieser Folge 👉 Warum sich zwei Helfende unmittelbar nach ihrer Ankunft aufteilen 👉 Wie aus einem scheinbar klaren Auftrag mehrere parallele Betreuungssituationen entstehen 👉 Was passiert, wenn ein Betroffener selbst merkt, dass seine Anspannung gefährlich werden könnte 👉 Warum eine vermutlich gebrochene Hand zunächst fast bedeutungslos erscheint 👉 Wie Nachbarschaft, Trauer und unerwartete Begegnungen einen Einsatz verändern 👉 Wo Krisenintervention endet – und wann vorhandenes Wissen trotzdem eingesetzt werden sollte 👉 Warum ein Schlafplatz plötzlich zu einer zentralen Aufgabe wird 👉 Was passiert, wenn nachts kein Bestatter verfügbar ist 👉 Warum Krisenintervention keine Schablone kennt

👤 Über den Gast dieser Folge Jessica Kretschmar arbeitet gemeinsam mit Florian im Kriseninterventionsteam Freiburg. Beruflich beschäftigt sie sich ebenfalls intensiv mit Tod und Trauer: Sie arbeitet bei einem Bestattungsunternehmen, ist Trauerbegleiterin und Trauerrednerin.

🎙️ Host Florian D. Weber – Moderator, Entertainer und seit über 15 Jahren ehrenamtlich in der Krisenintervention und Suizidprävention tätig.

Mit „Und plötzlich: Krise“ gibt er Einblicke in Situationen, die sonst verborgen bleiben – und spricht mit Menschen, deren Geschichten bewegen.

⚠️ Inhaltsinformation Diese Folge thematisiert Suizid, Tod, akute Trauerreaktionen, psychische Ausnahmesituationen sowie Alkohol und Medikamente im Kontext einer akuten Krise. Die konkrete Art des Suizids wird nicht beschrieben.

Solltest du Unterstützung benötigen, findest du anonyme und kostenlose Hilfe bei der Telefonseelsorge:

📞 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 💬 Telefonseelsorge

Weitere Hilfe: ➡️ Arbeitskreis Leben Freiburg ➡️ Arbeitskreise Leben Baden-Württemberg

📅 Veröffentlichung Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen, freitags um 7 Uhr.

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Transkript anzeigen

00:00:04: Der Mann hält sich die verletzte Hand.

00:00:06: Schon früh fällt es einem der beiden Kriseninterventionshelfer auf, aber er fragt zunächst nicht danach.

00:00:12: Erst viel später erfahren die Helfer das der Mann mit der Hand gegen einen Schrank geschlagen hat – vermutlich ist sie gebrochen!

00:00:20: Für ihn selbst spielt das an diesem Abend offenbar keine Rolle.

00:00:24: Dreieinhalb Stunden ist er gefahren weil sein Bruder sich nicht mehr gemeldet hat.

00:00:28: Als er in der Stadt ankommt, ist es früher Abend.

00:00:32: Im Innenhof eines älteren Mehrparteienhauses stehen Fahrräder an der Wand.

00:00:36: Aus geöffneten Fenstern dringen Alltagsgeräusche, nur die Wohnung seines Bruders bleibt still.

00:00:43: Vor der Wohnungstür klingelt er zunächst vergeblich.

00:00:46: Dann läuft er zurück durch das enge Treppenhaus und fragt bei den Nachbarn nach einem Schlüssel.

00:00:51: Sie kennen ihn nicht und wollen ihm keinen geben.

00:00:55: Irgendwann kann er eine Nachbarin überzeugen.

00:00:57: Gemeinsam mit ihr und einem weiteren Nachbarn steigt er die Treppen zur Wohnung wieder hinauf, schließt die Tür auf.

00:01:04: Dort finden sie seinen Bruder – er hat sich das Leben genommen!

00:01:10: Als das Kriseninterventionsteam eintrifft lautet der Auftrag vor allem diesen Bruder zu betreuen.

00:01:16: Doch schon nach wenigen Minuten wird klar dieser Einsatz hat kein festes Zentrum.

00:01:21: Mehrere Nachbaren haben den Verstorbenen gesehen.

00:01:24: Einer von ihnen spürt, wie seine Anspannung immer weiter steigt.

00:01:27: Menschen kommen in den Innenhof und verschwinden wieder.

00:01:31: Zwischendurch jagen Anwohner einem Mann hinterher der an die Hauswand uriniert hat.

00:01:35: Die Polizei findet keinen Bestatter Und der Bruder weiß nicht wo er schlafen soll.

00:01:41: Fast sechs Stunden bleiben die beiden Helfer an diesem Ort.

00:01:45: Nicht weil sechs Stunden lang ein großes Gespräch stattfindet Sondern weil sich die Antwort auf eine Frage ständig verändert.

00:01:53: wird jetzt gerade gebraucht.

00:01:58: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Und Plötzlich Krise!

00:02:03: In der heutigen Folge möchte ich gerne gemeinsam mit meinem Gast was Neues ausprobieren, denn wir haben uns entschieden einen Einsatz mal wirklich auseinanderzunehmen und Stück für Stück auf alles zu schauen, was in diesem Einsatz passiert ist.

00:02:16: Und ich habe mir genau dafür natürlich den passenden Gast rausgesucht!

00:02:19: Mein Gast in der heutige Folge ist Jessica Kretschmer.

00:02:23: Mit ihr zusammen war ich in diesem Einsatz und Jessica ist nicht nur Kriseninterventionshelferin und arbeitet mit mir gemeinsam im Krisen-Interventionsteam in Freiburg sondern Jessica arbeitet auch noch bei einem Bestattungsunternehmen und sie ist professionelle Trauerbegleiterin.

00:02:38: Mit ihr gemeinsam habe ich diesen Einsatz erlebt, mit ihr gemeinsam schaue ich jetzt auf alles was in diesem Einsatz passiert ist und dann nehmen wir euch heute mal Stück für Stück mit!

00:02:47: Ich bin gespannt, wie euch dieses neue Format gefällt.

00:02:49: Und wenn ihr Feedback habt dann freue ich mich natürlich das kennt ihr schon Wenn ihr es mir mitteilt in den Kommentaren oder auch in der Nachricht bei Instagram oder wie auch immer.

00:02:57: Das hilft natürlich auch immer diesen Podcast stetig weiter zu entwickeln!

00:03:01: Ich bin Florian De Weber und ich bin Host und Moderator dieses Podcasts und ich wünsche euch jetzt viele spannende Erkenntnisse aus der heutigen Folge.

00:03:33: Das ist mein Alltag, davon lebe ich.

00:03:35: Ich bin Trauer-Begleiterin bei einem Bestattungsinstitut und trauer Rednerin.

00:03:43: Ich begleite Menschen sehr intensiv.

00:03:46: ja also insofern rund um das Thema bin ich involviert.

00:03:52: Ja und ich glaube dass wir da heute auch noch mal ein paar Mal darüber sprechen werden weil sich in diesem Einsatz ja noch als wahnsinnig hilfreich erwiesen hat, dass du Bestatter kennst.

00:04:01: Dass du in diesem Umfeld tätig bist.

00:04:03: Sprechen wir später darüber.

00:04:04: Wir gucken jetzt relativ intensiv auf diesen Einsatz.

00:04:07: was ich ganz interessant finde ist Du kommst eigentlich aus einem völlig anderen Bereich.

00:04:11: Du kommest von der Ausbildung her aus dem Tourismus, aus dem Reisemanagement.

00:04:16: Wie bist du da plötzlich in das Thema Trauerbegleitung reingerutscht?

00:04:20: Das stimmt, ja.

00:04:21: Also das war ein langer holpriger Weg auch.

00:04:24: Ich habe Tourismusmanagement studiert und hab meinen Abschluss da auch gemacht.

00:04:29: Und es war damals ein Notfallstudium.

00:04:31: also ich wusste eigentlich schon irgendwie willigst nicht aber ich musste einfach aus privaten Gründen entscheiden jetzt mal irgendwas zu tun.

00:04:42: Also eigentlich wollte ich soziale Arbeit oder Psychologie studieren.

00:04:48: Ja, das hat damals nicht funktioniert und dann bin ich den Weg gegangen.

00:04:51: Ich dachte ja, Tourismus ist doch spannend!

00:04:55: Ich reiß gerne also

00:04:56: mit dich.

00:04:56: Es war wirklich so.

00:04:58: Das war so.

00:05:01: Und dann habe ich es auch durchgezogen.

00:05:04: Das ist so ehrgeizig, bin ich dann.

00:05:07: Bin aber nach und nach.

00:05:08: Also hab so meinen Weg verfolgt.

00:05:11: Ich wusste okay, ich möchte gerne was über Menschen lernen.

00:05:16: Ich möchte mit Menschen arbeiten.

00:05:18: Und da habe ich aber so über die Jahre einfach mich weitergebildet in dem Bereich der mich wirklich interessiert.

00:05:26: Ich habe psychologische Beratung als Weiterbildung gemacht Trauerbegleitung kam dann eben auch verschiedene Zertifikate, weil ich immer dachte es ist nie genug.

00:05:38: Ich muss immer noch mehr machen.

00:05:41: Ja und bei Trauer habe ich dann gemerkt okay das Thema packt mich jetzt schon einfach... Ich hab auch eben privat einen Bezug dazu gehabt also ein Hintergrund wenn mein Papa der ist mit fünfzig verstorben.

00:05:56: Also genau zu dieser Studienzeit Und ich glaube schon unterbewusst war das einfach ein Punkt, warum es mich auch so interessiert hat.

00:06:07: Weil ich hatte überhaupt keine Trauer-Bereichung... Das wollte ich

00:06:09: dir jetzt gerade fragen?

00:06:09: Hast du selber einen Anspruch genommen?

00:06:11: Eben nicht!

00:06:11: Ich hatte überhaupt eine Ahnung.

00:06:13: Ich bin rückblickend mit meiner Trauer furchtbar umgegangen.

00:06:17: also ich habe es verdrängt und das hab' ich später dann auch wirklich spürbar noch bemerkt.

00:06:25: Ja, ich denke das war so ein Punkt warum ich da so hängen geblieben bin.

00:06:30: Ja okay,

00:06:31: ja

00:06:33: aber warum dann auch noch Krisenintervention?

00:06:35: Ich meine du hast jeden Tag mit Tod und Trauer zu tun und auch mit den schönen Seiten davon glaube ich.

00:06:42: Du bist Trauerrednerin das heißt du kannst dir auch ganz viel zurückgeben.

00:06:46: So stelle ich es mir zumindest vor ... sind ja auch schwere Themen.

00:06:50: Du triffst die Leute ja nie, wenn sie wahnsinnig gut gelaunt sind oder nehm ich zumindest mal an bei den Allermeisten und... Ja du siehst vielleicht wie es ein bisschen bergauf geht das stelle ich mir auch noch total schön vor.

00:07:01: aber es ist ein schweres Thema irgendwie.

00:07:03: und dann hast du gesagt ja und die Freizeit die ich da noch hab abseits von Schichtdiensten Rufbereitschaft usw.

00:07:10: Da fahre ich dann mal mit Flo in Einsätze vom Kriseninterventionsteam und nehme da auch nochmal ein bisschen tot mit.

00:07:15: also dass ist schon Du gibst dir die volle Dröhnung,

00:07:17: oder?

00:07:18: Brauch ja jeder ein Hobby.

00:07:22: Spannendes

00:07:22: Hobby auf jeden Fall!

00:07:24: Nein also das war jetzt für mich schon auch eine ... Also die Motivation war schon auch da nochmal für mich eine andere Perspektive einnehmen zu können.

00:07:36: Also wirklich da noch unmittelbarer mal zu schauen kann ich es.

00:07:42: Ich war der Meinung ich kann das und Hätte ich es auch nicht gemacht, aber das war jetzt für mich schon eine Herausforderung mal zu schauen.

00:07:50: Wie sieht's denn wirklich vor Ort aus?

00:07:53: In den Akkutsituationen und so ruf für mich super spannend weil ehrlich gesagt Ich habe ja die komplette Kette eigentlich von Todesfall ist gerade passiert Beisetzung.

00:08:10: Wir schließen

00:08:12: es ab.

00:08:12: Nicht emotional, aber vom Prozess her irgendwie.

00:08:15: Genau und das macht's schon auch total spannend.

00:08:18: also auch weil ich schaue natürlich eben auf diesen Weg der Trauer oder die Entwicklung in welchen... wie sind Menschen?

00:08:27: Jeder geht anders damit um.

00:08:28: da gibt's ja überhaupt keinen Farbplan Es gibt keine Regeln, es gibt gar nichts.

00:08:32: Das machts auch spannend.

00:08:36: Arbeit einfach gern mit Menschen.

00:08:38: Ich kann das auch gut halten, ich kann den Raum guthalten glaube ich und ja... Das macht es mir irgendwie.

00:08:46: also für mich fühlt sich das sehr leicht an Auch wenn's sich komisch anhört Eine schwere Arbeit die aber irgendwie für mich sehr leicht so im Alltag geht, weil mein Fokus liegt einfach immer darauf.

00:09:05: Was kann ich dazu beitragen dass die Menschen jetzt einen guten Prozess haben?

00:09:10: Dass sie einen guten Abschied haben und Ich bin einfach nicht involviert in dem Leid.

00:09:17: Natürlich nimmt mich manches auch mit über so ein Einsatz zum Beispiel über den wir jetzt auch sprechen.

00:09:23: da denkt man dann darüber nach

00:09:26: Gerade so einen kurzen Moment gezögert, als du gesagt hast.

00:09:29: Das hört sich vielleicht komisch an, weil ich dachte ... Nee?

00:09:33: Eigentlich wird es sich nicht komisch.

00:09:36: Ich wünsch mir doch, dass das leicht ist.

00:09:37: Also ich wünsche mir von meiner Trauerbegleiterin, dass ihr leicht fällt.

00:09:41: Nichts beschissener, als wenn die auch noch morgens sitzt und denkt, ohne Scheiße, da hab ich keinen Bock drauf!

00:09:46: Ich mach mal einen blöden Vergleich, glaub ich.

00:09:48: Aber ich will auch, dass der Pilot meines Urlaubsfliegers um in deinem Reise-Thema zu bleiben.

00:09:53: dass es sich für den leicht anfühlt.

00:09:55: Also ich will doch nicht, dass der da vorne sitzt und denkt, ah, so eine Scheiße!

00:09:58: Was muss ich jetzt nochmal machen?

00:10:00: Ich will auch, dass er jeden Handgriff sitzt und das dem Spaß macht.

00:10:03: oder der Handwerker, den ich zu Hause auf dem Dach stehen habe.

00:10:06: Da will ich doch auch, Richtig.

00:10:09: Das klingt eher, ich geb dir schon recht das klingt komisch aber es ist total normal.

00:10:13: also dann ist das vielleicht doch sogar eigentlich das perfekte Zeichen dass du ganz gut aufgehoben bist in dem beruf den du da machst zumindest jetzt momentan weil's dir leicht fällt weißt dich nicht so sehr mit einem weil man sich natürlich Gedanken drüber macht.

00:10:23: aber es Ist nicht wahnsinnig belastend

00:10:25: ja total und Ich meine wirklich Bei all den ja auch emotionalen Themen, die das sind und über die ich natürlich auch reflektiere.

00:10:34: Es wird dir nicht anders gehen aber bei all dem finde ich auch schon schön dass sich für mein eigenes Leben sehr viel mitnehmen.

00:10:43: Ich denke man lebt anders wenn man so involviert wird in solche Themen.

00:10:52: Du hast gerade schon gesagt, ich hab's auch schon angedeutet.

00:10:54: Wir sprechen über einen konkreten Einsatz.

00:10:56: bevor wir jetzt gleich noch mal so Stück für Stück in diese Geschichte reingehen und die Geschichte aus diesem Einsatz erzählen vielleicht nochmal eine Frage wenn du diesen Einsatz wie du ihn jetzt gerade erinnerst bevor wir noch einmal drauf geschaut haben in einem Satz zusammenfassen müsstest was wäre dieser Satz?

00:11:16: Wir haben es grade im Vorgespräch schonmal Es war wild Das ist mein Satz dazu.

00:11:22: Es war wild!

00:11:23: Ja, das macht die bautene Spannungskurve auf weil ich finde es auch und wir haben's im Intro auch schon gehört Ich will gar nicht mal jetzt drauf eingehen weil wir kommen jetzt nach und nach zu allem aber es waren wirklich wilde Einsätze.

00:11:34: Wenn du Lust hast Jessica würde ich sagen Wir steigen einfach mal ein Und gucken mal wie es losgegangen ist an dem Abend.

00:11:40: Ja gerne...

00:11:45: Es isst einen Donnerstag gegen halb sechs am Abend.

00:11:49: In den Straßen setzt langsam der Feierabendverkehr ein, als die Kriminalpolizei das Kriseninterventionsteam alarmiert.

00:11:55: Ein Mann hat sich in seiner Wohnung das Leben genommen.

00:11:58: Sein Bruder hat ihn gemeinsam mit zwei Nachbarn gefunden.

00:12:02: Der erste Auftrag lautet vor allem diesen Bruder zu unterstützen.

00:12:06: Er lebt im benachbarten Ausland.

00:12:08: Ein weiteres Geschwister hatte schon länger nichts mehr von dem später verstorbenen gehört.

00:12:13: Das war ungewöhnlich genug um unruhig zu werden.

00:12:16: Weil der Bruder von allen noch am nächsten wohnte, wurde er gebeten zur Wohnung zu fahren.

00:12:23: Auch für ihn bedeutete das eine Fahrt von ungefähr dreieinhalb Stunden.

00:12:27: Mit jedem Kilometer wächst die Hoffnung dass es eine harmlose Erklärung geben wird – ein kaputtes Telefon, eine spontane Abwesenheit, irgendein Missverständnis!

00:12:37: Doch vor Ort öffnet niemand.

00:12:39: Hinter der Wohnungstür bleibt es still.

00:12:42: Der Bruder klingelt bei den Nachbarn und fragt ob jemand einen Schlüssel hat….

00:12:46: Zunächst möchte ihm niemand helfen.

00:12:48: Sie kennen den Mann vor ihrer Tür nicht und einem fremden, den Wohnungsschlüssel eines Nachbarn zu überlassen wäre unter normalen Umständen keine gute Idee.

00:12:57: Er erklärt wer er ist und warum er sich Sorgen macht Und schließlich lässt sich eine Nachbarin überzeugen.

00:13:03: Zusammen mit ihr und einem weiteren Nachbaren geht er in die Wohnung.

00:13:07: Alle drei sehen an diesem Abend den Verstorbenen.

00:13:11: Soweit das Kriseninterventionsteam später erfährt, setzt einer der Nachbarn den Notruf ab.

00:13:16: Als die beiden Helfer ankommen ist es im Hof unruhig – obwohl kaum jemand laut spricht!

00:13:22: Polizei, der Bruder und sechs bis acht Menschen aus der Nachbarschaft sind vor Ort.

00:13:27: Manche stehen in kleinen Gruppen zusammen andere warten allein auf eine Hauswand.

00:13:34: Vielleicht unterbrechen wir an dieser Stelle das erste Mal weil ich mich noch ziemlich gut an die Anfahrt erinnere.

00:13:38: ich war ein paar Minuten voll hier da ... echt interessant, weil die Polizei ja so ein bisschen gedrängt hat.

00:13:43: Hey wir müssen... Wir würden gerne den Bruder der vor Ort ist noch befragen.

00:13:47: Kannst du schon mal mit uns hoch?

00:13:49: Haben sie mich gefragt!

00:13:50: Und ich hab gesagt, ich rufe dich mal schnell anfragt wie lang du noch brauchst,... ...weil wird das ja eigentlich in der Regel nicht machen, einsätze alleine anzufangen.

00:13:57: Und eigentlich war ja wirklich die Ansage, ja wir sind zur Betreuung des Bruders da aber.... Du kamst dann, ich glaube drei vier Minuten nachdem ich da war und ich habe dann zu den Polizisten auch gesagt ne wir warten.

00:14:06: also ich warte auf jeden Fall bis du da bist und du kamst denn ja auch.

00:14:11: Erinnerst du dich noch, wie das war als du ankommst in der Einsatzstelle?

00:14:15: Ja.

00:14:15: Also ... Du warst da und ich glaube ein oder zwei von den Polizisten.

00:14:24: Und dann ging es eigentlich auch schon direkt los.

00:14:26: Die Frage war nämlich... Da hat sich ja sofort das Thema aufgetan, dass da gerade noch ein anderer sehr akut betreut werden soll.

00:14:35: Dann hat sich bei uns natürlich die Frage gestellt wer ... betreut jetzt wehen.

00:14:39: Ja, die saßen ja im Innenhof!

00:14:41: Also es war ja sofort auffällig dass eine Gruppe... Es war vielleicht beschreiben wir dieses Szenario noch mal so ein bisschen.

00:14:47: War ja schon interessant das Einsatz-Szenario weil wir waren mitten in der Stadt also wirklich mitten In einem Haus wo ringsrum andere Häuser standen und du hattest ringsrum fünf sechs Stöckige Häuser, würd ich sagen.

00:15:03: Wo du genau gemerkt hast, okay da gehen natürlich die Fenster auf weil der Rettungsdienst dasteht und die Polizei dastehlt.

00:15:08: Da sind diese ganzen Alltagsgeräusche... Du hast Leute mit den Fahrrädern durchfahren, du hast den Lärm der Straßenbahn.

00:15:16: also irgendwie so ein sehr unruhiges Szenario von Anfang an und in diesem unruhmigen Szenario sitzt schon eine Gruppe von Leuten draußen und es waren diese zwei Polizisten aus meiner Sicht auch diesen Druck hatten.

00:15:28: Ja, wir brauchen jetzt einen der mit in die Wohnung geht.

00:15:29: Wir brauchen jetzt ein der mit hochgeht damit wieder weitermachen können und so weiter.

00:15:34: Und hattest du damals einen Impuls?

00:15:36: weil ich weiß noch dass wir relativ schnell gesprochen haben.

00:15:38: ja passt es für uns beide wenn wir uns aufteilen einfach jetzt direkt super ungewöhnlich, einfach so direkt am Anfang bevor wir groß miteinander sprechen konnten direkt aufgeteilt.

00:15:47: Ja.

00:15:48: Hast du damals einen Impuls?

00:15:49: Wärst du lieber hochgegangen oder wolltest du lieber unten bleiben?

00:15:51: Ich hatte eben gar keinen.

00:15:53: also tatsächlich deshalb weil ich war einfach wenn ich dann da in so ein Einsatz fahre dann bin ich einfach innerlich sehr... Ruhig so, das kriege ich irgendwie hin.

00:16:04: Ich denke mir wie ein leeres Blatt Papier komm' ich da hin?

00:16:07: Ich nehm dann was kommt und deshalb hatte ich keinen Impuls weil halt aber auch dieser Trubel da war.

00:16:15: Da dachte ich okay wir gucken jetzt.

00:16:19: Du hast es dann entschieden!

00:16:20: Ja und da hat er aber auch kein Impuls, weil ich so dachte auf welcher Basis soll ich jetzt entscheiden zu wem ich einen besseren Vibe habe?

00:16:26: also normalerweise kann man das ja... könnte man das daran festmachen, dass man sagt okay wir haben schon fünf Minuten gesprochen.

00:16:32: hey Jessica du bist irgendwie glaube ich gefühlt besser im Gespräch.

00:16:35: mach du weiter.

00:16:36: Ich mache den anderen oder so.

00:16:38: aber es gab keinen Anhaltspunkt und dann habe ich gesagt ja dann gehe ich halt mit hoch wenn's für dich passt bleib hier ist aber ja dann eine echt interessante Entwicklung auch gewesen im Laufe des Einsatzes die sich ja dann erst so nach und nach ergeben hat.

00:16:54: Also für mich war schon spannend, wir haben ja den Bruder nicht gesehen.

00:16:59: Der war ja oben in der Wohnung und wir haben die Gesamtsituation oben nicht einschätzen können.

00:17:04: Wir haben nur dieses Geschehen im Hof gesehen.

00:17:07: Deshalb wie du sagst auf welcher Basis sollen wir jetzt die Entscheidung treffen?

00:17:13: Das ist völlig richtig!

00:17:14: Wir hatten den noch nicht gesehen und wir hatten nur die Info von der Polizei dass er oben sitzt.

00:17:18: entsprechend aufgelöst ist Überraschungen in so einer Situation.

00:17:22: Aber das ist völlig richtig.

00:17:24: Wir hatten den noch überhaupt nicht

00:17:26: gesehen.".

00:17:27: Und klar war auch, das muss man vielleicht auch dazu sagen bei dem Einsatz der Verstorbene war ja vor Ort.

00:17:37: Also ich weiß immer nicht ob es für alle klar ist die zuhören aber der war in der Wohnung.

00:17:43: Ja

00:17:43: vielleicht an der Stelle auch nochmal erwähnt.

00:17:44: genau also wir sprechen Die Art und Weise, wie er sich das Leben genommen hat.

00:17:49: Es werden hier auch keine expliziten Schilderungen natürlich erfolgen.

00:17:52: aber wir sprechen über ein Suizid und es ist völlig richtig der war nach wie vor in der Wohnung ja genau Und das Wissen war okay mit ihm.

00:17:59: in der wohnung ist der Bruder der da halt irgendwo sitzt offensichtlich und wir wussten Zu dem zeitpunkt Auch nur so halb dass der so eine weite Anfahrt hatte.

00:18:08: also Wir wussten dass aus dem Nachbarland hergefahren ist Aber das hätte ja hier bei uns in der Region Könnte es dreißig Minuten sein oder eben, wie er dann erzählt hat, drei und ein halb Stunden?

00:18:19: Ja.

00:18:19: Wir gucken mal weiter auf den Einsatz!

00:18:25: Die beiden Helfer entscheiden unmittelbar sich aufzuteilen.

00:18:29: Jessica bleibt bei einem der Nachbarn im Innenhof.

00:18:32: Ihr Kollege folgt einen Polizisten durch das Treppenhaus hinauf zur Wohnung.

00:18:36: Die Stufen sind schmal.

00:18:37: Im Haus ist es warm und aus dem Hof dringend gedämpfte Stimme nach oben.

00:18:42: In der Wohnung möchte die Polizei den Bruder noch befragen... Die Lage ist aufgelöst, aber nicht laut.

00:18:48: Der Bruder wirkt gefasst – gleichzeitig ist ihm der Schock anzusehen.

00:18:53: Einige Nachbarn erscheinen ähnlich betroffen, andere wirken äußerlich ruhiger.

00:18:57: Über ihr inneres Erleben lässt sich in diesem Moment nicht mehr seriös sagen.

00:19:02: Der Helfer bleibt während der Befragung beim Bruder.

00:19:05: Danach gehen beide ebenfalls in den Hof.

00:19:08: Die Kriminalpolizei und die Kriminaltechnik müssen in der Wohnung arbeiten.

00:19:13: während der Ort untersucht wird, an dem er gerade seinen Bruder gefunden hat.

00:19:18: Draußen sitzt er oft etwas abseits – er sucht kein längeres

00:19:22: Gespräch.

00:19:22: Wenn

00:19:23: der Helfer etwas fragt, antwortet er aber immer wieder möchte er einfach seine Ruhe

00:19:27: haben.".

00:19:33: Das ist immer ein Punkt in diesem Einsatz wo wir dann schon irgendwann wieder zusammengeführt waren.

00:19:39: Aber was ich ja noch gar nicht weiß, Jessica, ist was es in diesen dreißig?

00:19:44: ... vierzig Minuten bei dir im Innenhof passiert, als du da geblieben bist?

00:19:50: Ja.

00:19:50: Da ist viel passiert!

00:19:51: Ich glaube es ging auch wirklich lange... ich war lange... also wir waren lange getrennt quasi das war schon... Genau, sie waren zwanzig,

00:19:59: vierzig minuten war vielleicht sogar länger

00:20:01: oder...?

00:20:02: Weil ich weiß, ich erinnere mich, ich habe mich noch gewundert,... dass ihr so lange in dieser Situation in der Wohnung bleibt.

00:20:10: Boah, es war auch heiß in dieser

00:20:11: Wohnung, es ist

00:20:12: ja so offen

00:20:12: heiß.

00:20:13: Das war richtig krass.

00:20:16: Ja, also die Polizei hat mich ja gebeten.

00:20:19: Also bei mir war es so meine Situation.

00:20:21: ich wurde aufgeklärt dass der Herr, also der Nachbar noch befragt werden soll.

00:20:28: das ist aber aktuell nicht geht weil er so im Schock war ne?

00:20:32: So aufgelöst Er hat am ganzen Körper gezittert und also genau Es war wirklich sichtbar War der schock da und dann war das ein bisschen der Auftrag.

00:20:43: sprechen sie mit ihm Mal gucken, ob er vielleicht einfach vernehmungsfähig wird.

00:20:49: Und dann bin ich da hin und habe schon relativ schnell einen Zugang zu ihm bekommen.

00:20:56: so also erst mal hat er gar nichts gesagt.

00:20:59: aber es ging dann wirklich so ganz bruchstückhaft und das hat sich aber sehr schnell bei mir eben eine ziemlich dynamische Situation da unten ergeben weil er einfach immer aufgebrachter wurde und

00:21:15: geäußert.

00:21:16: Einfach durchs Erzählen?

00:21:17: Ja, also eben er hat sich geöffnet.

00:21:22: das ganze fing an.

00:21:23: Er hat dann irgendwann gesagt er bräuchte jetzt Alkohol.

00:21:26: Das war eigentlich so der Startschuss.

00:21:29: und naja gut wenn er das Gefühl hat, ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen.

00:21:36: Was für ihn richtig ist oder nicht?

00:21:38: Hast du was dazu gesagt?

00:21:39: Weil es ist ein ganz ultra-ultra-ultraspannendes Thema.

00:21:42: Wie stehen wir zum Thema Alkohol in Einsätzen?

00:21:44: Wie stehen die Medikamente, Drogen und so?

00:21:48: Hast Du irgendwas gesagt?

00:21:49: oder hast Du gesagt, mach halt?

00:21:50: Ja also mein Impuls war total bei ihm auch in der Gesamtsituation wie ich ihn erlebt habe, war eigentlich total.

00:21:57: ja!

00:21:57: Wenn das jetzt Dein Bedürfnis ist dann Mach Das war mein Impuls.

00:22:03: Ich habe aber nicht viel dazu gesagt, ich hab einfach ...

00:22:07: Hey wir haben mündige Leute uns gegenüber sitzen,

00:22:10: es ist ein erwachsener

00:22:10: Mann gewesen.

00:22:11: Richtig!

00:22:11: Es steht uns ja überhaupt nicht zu.

00:22:13: also ich glaube ich hätte das ähnlich gemacht.

00:22:15: Das Einzige was man da wirklich dagegen halten kann ist so was wir ja sonst häufig sagen Ja das kannst du natürlich machen und wenn du dich jetzt hier völlig abschießt dann wird dir das wahrscheinlich auch helfen.

00:22:25: aber es kommt halt später.

00:22:27: Das ist ja so irgendwie die Scheißkonsequenz von Medikamenten oder auch von Alkohol, dass es für den Moment vielleicht gut sein mag.

00:22:34: Aber es kommt ja später trotzdem.

00:22:36: Ja.

00:22:36: Aber klar!

00:22:39: Ich hätte das wahrscheinlich genauso beurteilt zu sagen... ich saß schon in einem Einsatz, wo dann Schnaps getrunken wurde, weil das offensichtlich in dem Moment sowas gebraucht wird.

00:22:49: Manchmal ungewöhnliche Situationen erfordern.

00:22:52: Vielleicht manchmal auch ungewönliche Maßnahmen.

00:22:57: Ja, ich hab das laufen lassen und er wollte dann zum Kiosk ums Eck.

00:23:02: Und das habe ich da mit der Polizei auch abgeklärt, ob denn das jetzt überhaupt geht oder so.

00:23:08: Da fing die Dynamik aber bei mir an weil wiederum dieser andere Nachbar, der da involviert war hat dann direkt gemeint Alkohol geht gar nicht jetzt und so.

00:23:18: Interessant!

00:23:19: Also da war gleich einfach eine sehr trubelige Situation.

00:23:23: vielleicht ganz kurz da einmal erklärt, weil das glaube ich wirklich schwer ist nachzuvollziehen wenn man dann nicht dabei war.

00:23:29: Da waren in diesem Haus würde ich sagen... Ich weiß es nicht mehr genau drei Stockwerke mit jeweils zwei Parteien.

00:23:34: so ganz grob glaube ich kann man sagen und alle waren irgendwie an diesem Szenario, an diesen Geschehen beteiligt ist auch irgendwie nachvollziehbar Weil da passiert was im Haus, dann lässt jemanden schreien.

00:23:45: Dann kommen zwei andere Nachbarn... Da klingelt schon ein Fremder an Türen und fragt nach einem Schlüssel auch schon ultra weird?

00:23:51: Also alle die in diesem Haus irgendwie waren zu dem Zeitpunkt, waren auch an diesem Einsatz beteiligt ... den Verstorbenen gesehen oder waren sogar dabei, als sie in die Wohnung sind.

00:24:03: Oder haben dann den Notruf gerufen.

00:24:05: also es war so total ... ... unübersichtlich und ich war ja in der Situation gar nicht da.

00:24:10: das ist ja alles an dir hängen geblieben weil ich ja... Den Anführungszeichen dann doch entspannten Part hatte mit dem Bruder einfach oben in der Wohnung zu sitzen eine Person auf die ich mich fokussieren kann Und das war ja da eben total interessant, und das muss man glaube ich auch nochmal verstehen.

00:24:24: Das eine ist der Nachbar, der irgendwie gesagt hat, ich brauche Alkohol... ...und dann waren bei einem anderen Nachbarn noch da, der auch beteiligt war,... ...der aber gesagt hat geht gar nicht!

00:24:33: So ein Zack und plötzlich stehst du als Spielball in so einer Situation oder?

00:24:36: Genau,

00:24:37: plötzlich ging es los.

00:24:39: Aber da war also... Mein zu betreuen da, der war dann schon weg.

00:24:46: Das ging doch recht schnell.

00:24:49: Es gingen viele, die meinen das wirklich recht schnell ist.

00:24:55: Also er war auch schnell wieder zurück mit Alkohol und es war wirklich.

00:25:00: also er hat vielleicht zwei drei Schlucke Alkohol getrunken und dann hat er sich schon, da hatte er sich noch mal merklich geöffnet.

00:25:08: Das war dann gut für die Vernehmung, die dann stattgefunden hat.

00:25:12: also es hat dann wirklich funktioniert.

00:25:14: Da hat man der Stelle noch gedacht ja gut das war auch so der Auftrag bisschen von der Polizei.

00:25:21: Also das hat funktioniert und dann habe ich mich wieder um ihn gekümmert und dann nahm das einfach diesen Lauf dass er plötzlich mir erzählt hat ja Alkohl dürfte er eigentlich gar nicht trinken, weil er damit einfach ein Thema hat.

00:25:36: Und dann Finger anzuerzählen aus seinem Leben war es auf jeden Fall nicht leicht war.

00:25:41: Er hat schon viel erlebt und hat dann gemeint also er würde jetzt gerne Handschellen anbekommen, damit er niemanden hier gefährdet.

00:25:55: Also ich meine mit so was habe ich überhaupt nicht gerechnet.

00:25:59: Hast du das da schon gemerkt dass Herr Unruhiger wird?

00:26:01: Dass er so eine Anspannung bekommt?

00:26:03: Ja, also es hat mein körperlich ganz stark gemerkt bei ihm.

00:26:07: Aber ich hätte jetzt nicht vermute dass das jetzt gegen jemanden gehen könnte.

00:26:12: Das war nur ... Er hat das geäußert, er hat gesagt.

00:26:14: Also... Es ist mir schon passiert vor ein paar Wochen und da hat's irgendwie sieben Polizisten gebraucht um mich dann wieder einzufangen.

00:26:25: Muss man dazu sagen, das ist natürlich irgendwie so eine Info die wir nicht unabhängig überprüfen können oder auch... Das ist hier unsere Aufgabe, das Unabhängiges zu überprüchen.

00:26:32: aber es war ja so ne Aussage die eben im Raum stand und ...das ist ein sehr großer muskulöser Mann gewesen.

00:26:39: auch da muss man auch kein Geheimnis draus machen.

00:26:41: also ich hätte mich dem auch auf gar keinen Fall in den Weg gestellt und du saßt ihm aber wirklich direkt gegenüber in der Betreuungssituation.

00:26:48: ja saß dir wirklich in diesem Innenhof wo die diesen Tisch stehen hatten.

00:26:52: Wie ging es dir in der Situation, als er gesagt hat?

00:26:55: Ich habe hier gerade Sorge dass das gegen einen von euch gehen könnte.

00:26:59: Ja, das war schon... Also der Moment war einfach sehr überraschend und er hat ja mir dann auch seinen Hintergrund erzählt und ich glaube nur so viel darf man sagen Er war Soldat also er hat so ein Hintergrund Und da hab' ich dann schon gedacht okay Das ist jetzt eine ernst zu nehmende Sache.

00:27:19: Weil was machen wir jetzt, wenn er hier durchdreht?

00:27:23: Und ich fand dabei total beeindruckend, dass er das äußern kann.

00:27:27: Dass er sagen kann, er merkt da kommt etwas in ihm hoch und er möchte niemanden gefährden.

00:27:33: Er hat darum gebeten ganz höflich eigentlich.

00:27:37: Also ja also ich hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Bedenken weil da hat er es ja noch geäußert.

00:27:45: Gab's einen Moment wo du bedenken hattest dann...

00:27:48: Also, das Thema war ja dann, dass er diese Handschellen nicht bekommen hat.

00:27:54: Und da hab ich gedacht ... Was machen wir denn jetzt?

00:27:57: Ja, ja, ja.

00:27:59: Das war so bei ihm auch in der Nähe zu ihm, weil ich war ihm sehr nah in diesem Engen.

00:28:06: Das muss man sich vorstellen, es war alles ganz eng in diesem Hof und ich saß sehr nah bei ihm.

00:28:12: Fast Knie an Knie kann man

00:28:14: sagen.

00:28:14: Genau!

00:28:16: Ich hatte ... Ich habe mich persönlich nicht bedroht gefühlt, aber ich habe schon gedacht, wenn der jetzt hier eher noch gegen jemand anderen.

00:28:26: Also gegen mich irgendwie nicht!

00:28:30: Ja das ist schon eine echt spannende Situation gewesen von der ich ja nichts mitbekommen hab weil wir oben waren.

00:28:38: Ich war in einer erstaunlich entspannten Situation, außer dass es offen heiß war in dieser Wohnung und ich dachte ach du liebe Zeit das ist echt unangenehm warm hier auch.

00:28:45: aber der Bruder war total ruhig.

00:28:47: Der hat erzählt.

00:28:48: Er hatte auf die Befragung mit der Polizei zwar alles gar kein Problem und Das ist so das Interessante dass wir wirklich bis dahin in zwei komplett unterschiedlichen Einsätzen waren Und sich das auch jetzt wenn wir gleich nochmal darauf gucken ja auch im folgenden sofort gesetzt hat dass diese einsätze immer irgendwie parallel geblieben sind, obwohl sie jetzt ja gleich... Also wir haben es gerade in diesem Teil der Geschichte schon gehört.

00:29:12: Wir sind irgendwann runtergekommen also war das jetzt wirklich alles an einem Ort und trotzdem ist es irgendwie so parallel gebliehen uns immer noch so viel passiert?

00:29:19: Wie haben die Nachbarn reagiert drauf?

00:29:21: weil du hast ja mehrere Personen dann auch betreut.

00:29:24: am Ende wie haben die darauf reagiert auf diese zunehmende Anspannung?

00:29:27: Die haben das auch sehr ernst genommen.

00:29:30: also da war klar okay Wirklich Gründe, warum er das äußert und dass man da definitiv irgendwie mit umgehen sollte.

00:29:39: Also die haben es schon... Die haben mir schon zu verstehen gegeben, dass wir da jetzt auch seinem Wunsch eigentlich entsprechend sollten.

00:29:49: Und das war ja ziemlich genau der Moment, als ich dann mit dem Bruder irgendwann runterkam.

00:29:53: Weil es für uns keinen Grund gab in dieser Wohnung zu bleiben.

00:29:56: wir saßen da... Der Verstorben ist im Schlafzimmer gefunden worden.

00:29:59: Wir saßen in der Küche oder beziehungsweise im Wohnzimmer also da weit weg auch oder weit genug weg.

00:30:04: aber es gab jetzt auch kein Grund in der Wohnung zubleiben wenn die Kriminaltechnik da anrückt und ihre Arbeit macht.

00:30:10: Und dann sind wir runtergekommen.

00:30:12: und das war ja für mich dann auch so ein bisschen Moment, wo wir uns das erste Mal wieder unterhalten konnten nach.

00:30:17: Ich kann wirklich nicht mehr sagen, war es eine halbe Stunde?

00:30:19: War es ne Stunde?

00:30:20: Waren's anderthalb

00:30:21: Stunden?!

00:30:21: Ich weiß es wirklich nichtmehr!

00:30:22: Aber da haben die uns ja auch das erste mal wieder unter halten können weil der Bruder den ich betreut hatte sich dann relativ schnell an die Hauswand gesetzt hat mit dem ob er mich noch kurz gesprochen hat gefragt, ob es okay ist wenn er sich dahinsitzt zu hinsetzen.

00:30:34: Also verständlich also klar... Nimm mal gefragt, brauchst du gerade was?

00:30:39: Nee, er möchte mal kurz durchatmen einfach.

00:30:41: Und dann haben wir ja gesprochen und überlegt okay kacke wie gehen wir mit der Situation um?

00:30:46: die Polizei hat relativ klar aus ihrer Sicht können sie grade nichts machen.

00:30:50: also Sie können jetzt keine Hand habe oder sehen jetzt keine Möglichkeit irgendwie diesen Mann zu helfen so dass wir dann tatsächlich entschieden haben naja gut ist es so blöd das auch klingt aber man muss der Notarzt vorher schon da war begleitet hat halt noch mal kommen und ein Medikament da lassen oder so, dass man diesen Mann irgendwie helfen kann wenn er es schon äußert.

00:31:15: Aber fand der ja nicht so gut erstmal?

00:31:16: Nee, er fand das erst einmal gar nicht gut.

00:31:19: Das war schon also ich habe dann mit ihm drüber gesprochen und es irgendwie geschafft, dass er... Also da war auch eine andere Nachbarin tatsächlich mit dabei die auch mit ihm gesprochen hat und das in der Kombination hat geholfen.

00:31:34: Er hat's dann tatsächlich ... angenommen.

00:31:38: Und er hat gesagt, okay wir probieren

00:31:40: das.".

00:31:41: Ja und

00:31:41: was waren seine Bedenken?

00:31:42: Weißt du das noch warum er das nicht machen wollte?

00:31:44: Also er hatte da total Bedenk.

00:31:46: Er meinte, er möchte keine Medikamente nehmen die abhängig machen.

00:31:51: Also das hat er...

00:31:53: Interessant!

00:31:55: Und so krass finde ich, das hast Du ja auch damals dann direkt erzählt, dass der Dir gegenüber oder allen immer ruhig war.

00:32:01: also klar diese Anspannung war da aber es ist nie gefühlt gefährlich oder so, weil er das eben artikulieren konnte.

00:32:07: Was ja eine Riesenleistung ist, muss man belegen.

00:32:09: Er hat das wirklich kommunizieren können, dass es ihm gerade Scheiße geht und dass hier eine zunehmende Anspannung bekommt.

00:32:14: Das finde ich extrem beeindruckend!

00:32:17: Ich fand es auch sehr beeindruckt, dass er das so geäußert hat.

00:32:20: Also so weitsichtig dann aber doch noch zu sein in der Situation und zu überlegen jetzt bevor sie jetzt hier eskaliert.

00:32:29: Aber er wurde schon immer hektischer Also körperlich und in der Aussage auch.

00:32:35: Sie hat wirklich gesagt, ich bitte leg mir Handschellen an!

00:32:43: Ja

00:32:43: also das ist schon eine Dynamik an sich die irgendwie schon um sich gegriffen hatte und die wir jetzt auch nicht so häufig erleben ehrlicherweise.

00:32:52: Und es gab in diesem Einsatz aber dann noch was anderes was dann auch jetzt zum Tragen gekommen ist, wo mir auch aufgefallen ist.

00:32:59: Das ist mir von Anfang an aufgefallen aber ich habe es nicht zum Thema gemacht.

00:33:02: vielleicht gucken wir da auch nochmal ganz kurz drauf.

00:33:08: Schon früh fällt einem der Helfer auf dass sich der Bruder eine Hand hält und sie schont.

00:33:13: Er spricht ihnen zunächst nicht darauf an.

00:33:15: Vielleicht lässt die tote Person in der Wohnung jede andere Beobachtung kleiner erscheinen?

00:33:20: Vielleicht liegt es daran das der bruder seine hand selbst überhaupt nicht zum thema macht.

00:33:24: sicher erklären lässt sich das im Nachhinein nicht.

00:33:28: Erst deutlich später bietet ihm eine Nachbarin ein Glas Wasser und etwas zum Kühlen an.

00:33:33: Sie war bei der aufwinde Situation dabei, hatte mitbekommen dass der Bruder vor unserer Ankunft mit der Hand gegen einen Schrank geschlagen hat.

00:33:42: Erst jetzt fragt der Helfer nach – die Hand sieht so aus als könnte sie gebrochen sein!

00:33:47: Der Bruder hat mehr als dreieinhalb Stunden Fahrt hinter sich, seinen Bruder totgefunden.

00:33:54: Trotzdem scheint die eigene Verletzung für ihn an diesem Abend fast bedeutungslos zu sein.

00:34:00: Doch es bleibt noch etwas anderes hängen!

00:34:03: Eine Nachbarin reicht einem Mann, den sie wenige Stunden zuvor überhaupt nicht kannte Wasser und etwas Kühles für seine Hand.

00:34:14: Mir ist diese Hand super früh aufgefallen.

00:34:17: in der Wohnung schon habe ich gesehen dass er eine Abschürfung an der hand hat Und hatte schon auch den Eindruck das die dick isst überhaupt nicht zum Thema gemacht.

00:34:27: und für mich ist das richtig bewusst geworden erst als diese Nachbarin gefragt hat, ob der was zum Kühlen braucht.

00:34:34: Und ich habe mich in diesem Einsatz oder jetzt auch danach noch eine Vorbereitung auf unseren Gespräch heute wirklich gefragt wie... ...das passieren konnte?

00:34:43: Oder wie das passiert ist?

00:34:45: Weil!

00:34:46: Wir haben ja dann nachher darüber gesprochen, die Hand war... Das haben wir interessanterweise alle gesagt, die da noch vor Ort waren mit höchster Wahrscheinlichkeit gebrochen.

00:34:55: Also die war so was von dick geschwollen und das sah wirklich nach einem Mittelhandbruch aus.

00:35:00: Und ich habe es gar nicht thematisiert, und das finde ich richtig interessant.

00:35:04: Und hab mich da wirklich gefragt auch für ihn dass in dieser Situation einfach so klein war, dass das gar keine Rolle gespielt hat weil auch als die Nachbarin ihm etwas zum Kühlen angeboten hatte wollte er das erst nicht haben der wollte nicht diese Hand kühlen weil er gesagt hat ist nicht so schlimm und das find ich auch richtig interessant.

00:35:22: Ich glaube eigentlich Also das hat irgendwie auch was Gutes, glaube ich.

00:35:29: Du hast es wahrgenommen aber es war kein Thema in dem Moment weil da waren einfach andere Dinge wichtiger.

00:35:35: Ich glaube hättest du das Thema sofort transparent gemacht oder jetzt für dich als besonders wichtig wahrgenommen Hättest vielleicht ihn verloren und gar keine Bindung hergestellt Aber es war für ihn nicht wichtig.

00:35:49: Ja ja das stimmt Das stimmt.

00:35:50: Ich hab mich nur im Nachgang gefragt, was wär wohl passiert, wenn der Notarzt, der ja noch mal kam?

00:35:56: Der kam ja nochmal und hat ein Medikament vorbeigebracht, um's mal aus der Lob zu formulieren.

00:36:00: Ja... Man hätte den auch darauf aufmerksam machen können.

00:36:05: Aber wäre er möglicherweise damit in die Klinik, weil für Ort hätte der Notarzts wenig machen können.

00:36:09: wahrscheinlich, muss ich einen Röntgenbild machen oder so irgendwie.

00:36:12: Und das finde ich ganz interessant darüber nachzudenken, ob vielleicht genau das ist, was du gesagt hast ... in dem Moment gegriffen hätte, dass man plötzlich aus einem Schauplatz der eigentlich wirklich wie wir es gerade gehört haben erstaunlich klein ist.

00:36:26: In dieser gesamten Situation einen doch größeren Machen, der irgendwie wahnsinnige Konsequenzen hat weil der beispielsweise mit in die Klinik muss, weil es plötzlich nur noch um diese Hand geht, weil was auch immer.

00:36:38: Also ich glaube wirklich in der Rückschau das war genau richtig wie's war!

00:36:43: Weil wäre der jetzt auch da rausgezogen worden eben Hätte ihn in die Klinik müssen.

00:36:49: Weiß ich nicht, also ich würde irgendwie sagen da hätte ihm dann auch sehr viel gefehlt.

00:36:54: es war ihm wichtig das mitzubekommen was da passiert.

00:36:57: Ja wird ja gleich auch noch Teil werden.

00:37:01: Er war ja nicht mehr als wieder im Hof waren.

00:37:04: Es war vor allen Dingen für ihnen warten.

00:37:07: Es war immer nur ein Warten Ein Warten darauf dass die Polizei fertig wird in der Wohnung.

00:37:13: Dann eigentlich der Bestatter hätte kommen sollen, gucken wir auch gleich nochmal drauf.

00:37:17: Das irgendwie der Bruder aus einem anderen europäischen Ausland, auch Nachbarland von Deutschland sich schon auf den Weg gemacht hatte.

00:37:25: Der Mann war nur am Warten dass er irgendwas tun kann das irgendwas passiert.

00:37:30: und während dieser ganzen Zeit war dieser Mann... komplett alleine, weil er niemanden kannte.

00:37:35: Keine Nachbarn keine Nachbarin keinen aus der Familie es gab keine anderen Angehörigen.

00:37:40: dieser Mann war komplett alleine.

00:37:42: Der hat selbst zu Hause Frau und Kind.

00:37:44: die waren aber nicht dabei.

00:37:46: Natürlich hatte mit denen telefoniert natürlich hatte das denen erklärt.

00:37:49: aber dieser Mann In dieser Innenhof-Situation so voll die war, die ganze Zeit allein.

00:37:56: Und das finde ich schon auch krass weil der wirklich eigentlich nur gewartet hat dass irgendwas passiert, dass es irgendeinen Anker gibt womit's weitergehen kann.

00:38:06: und umso erstaunlicher finde ich weiß nicht ob du dich daran erinnerst diese... Situation mit der Nachbarin, die auch eine ganz eigene Dynamik da reingebracht hat.

00:38:14: Weil das total interessant war weil ich mich gerade mit dem Mann unterhalten hatte dann war sie so unglaublich freundlich.

00:38:19: Hat uns beiden was zu trinken angeboten hat ihm etwas zum kühlen gebracht hat noch ein Handtuch drum gepackt dass es nicht zu kalt ist also wirklich krass und hat dann angefangen, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

00:38:31: Hat mir dann angefange, Ihre Geschichte zu erzählen, dass sie auch ihren Mann verloren hat vor ... Ich glaube vier Jahre war das ... Nee, stimmt gar nicht!

00:38:39: Ein Jahr war es her also auch wirklich nicht langer Zeit, dass der Sohn von ihr jetzt ganz viele Fragen stellt so ganz viel wissen will usw.

00:38:48: Und plötzlich hatte ich gar nichts mehr mit dem Bruder zu tun sondern hab mich um diese Frau gekümmert wo man, wenn man noch mal an unseren Einsatzauftrag denkt eigentlich sagen müsste.

00:38:57: Das war doch gar nicht unser Auftrag aber das war total das was es in dem Moment gebraucht hat und das hat diesen Einsatz so enorm ausgezeichnet dass wir immer und immer wieder an unterschiedlichsten Stellen gebrauchten werden wird das nie vergessen.

00:39:09: eine Frage war Was soll ich meinem Sohn jetzt sagen?

00:39:12: Wo ist der Mann hin?

00:39:13: also wo ist sein Nachbar hin?

00:39:14: weil die haben sich wohl immer gegrüßt morgens Ja das kann ich dir mir nicht erzählen.

00:39:21: Was ist deine Reaktion, wenn ich jetzt die Frau bin und sage dir, jetzt kann ich die mir nicht erzählen?

00:39:26: Ja aus der Perspektive also absolut unbedingt erzähle.

00:39:30: Er hat dich darüber reden.

00:39:34: Warst du wahrscheinlich auch gemacht?

00:39:36: Ja, sicher.

00:39:37: Der vorhaltet mich da ist mir so richtig... Da hab ich gedacht, oh Gott fang nicht an den Anzulügen weil das wird ja merken.

00:39:42: also wie willst du diese Lüge aufrecht erhalten?

00:39:45: Aber der ist gerade im Urlaub, okay vier Wochen und dann zieht irgendwann jemand anderes ein, um Himmels willen immer ehrlich sein

00:39:53: auf jeden Fall.

00:39:53: Aber was für einen wichtiger Moment möglicherweise.

00:39:58: dieser kleine Moment dieses kurze Gespräch hat es Wahrscheinlich gerettet, dass dieses Kind die Wahrheit erfährt.

00:40:06: Vielleicht ist das so?

00:40:07: Ja.

00:40:07: Ist so!

00:40:09: Auch, dass sie nochmal... drüber sprechen konnte, werde ich auch nicht vergessen weil sie jetzt sich bei mir bedanken hat gesagt da hast du ja noch mit gar niemandem so drüber sprechen können wie das für sie war als ihr Mann verstorben ist.

00:40:20: Und natürlich hätte man da jetzt mit der Haltung hingehen können ja es ab deine Baustelle und hat hier gerade gar nichts zu tun weil neben uns sitzt grade der Bruder des Verstorbenen den interessiert eine Geschichte möglicherweise gar nicht aber das wars ja nicht sondern es war halt okay.

00:40:35: das wird gerade gebraucht.

00:40:36: dann liefern wir dass der Bruda wollte da eh seine Ruhe haben.

00:40:40: Also warum jetzt nicht das auch irgendwie damit reinnehmen?

00:40:43: Du hast ja schon in diesem Innenhof richtig gemerkt, es ist wie wenn du einen Stock in so ein Armeißnest steckst.

00:40:48: Das hat mit allen die da vor Ort waren irgendwas gemacht.

00:40:52: So viel muss man überlegen, wie viele verschiedene Gespräche wir da auch noch geführt

00:40:55: haben.

00:40:56: Ja dieser Vergleich war jetzt gerade gut.

00:40:58: Eben ständig kam ja irgendjemand Überall fing irgendwie ein neues Gespräch an, also das war schon ... Ja.

00:41:09: Mich würde dann noch mal so vielleicht weil wir es am Anfang davon hatten Jessica dass du ja auch Trauerbegleiterin bist und ich mich das wirklich gefragt habe auch im Nachgang da merkt man auch, dass mich solche Einsätze ja auch beschäftigen ist ja nicht, dass ich nach Hause gehe und denke so Herd an jetzt wird gegessen los gehts Alltag ist wieder so.

00:41:25: natürlich Ist es nie schlimm oder war bisher zumindest für mich nie schlimm.

00:41:28: aber es beschäftigt uns ja schon auch oder mich auch So aus deiner Arbeit als Trauerbegleiterin hast du das manchmal, dass so körperliche Symptome wirklich keine Rolle spielen?

00:41:38: Weil alles was man so mental dadurch macht einfach schlimmer ist.

00:41:42: Ja würde ich schon sagen definitiv.

00:41:44: Also die Gegend mit

00:41:45: dir auch so...

00:41:46: Es ist auch so.. Ich meine das unterscheidet jetzt schon diese Akkutsituation zu dem was später kommt.

00:41:52: ne weil also ein ganz normales Symptom der Trauer sind eben körperlich Dinge, also Schmerzen.

00:42:03: Was auch immer und das wird aber eben dann wirklich erst viel, viel später überhaupt wahrgenommen.

00:42:10: Also im Grunde passt es gut zu der Akutsituation weil auch da kommt es erst Wochen später.

00:42:21: Ich habe mir eine Frage vor allen Dingen gestellt und hab gedacht, das hätte ja auch was Schlimmeres sein können.

00:42:26: Jetzt ist es ne gebrochene Hand!

00:42:28: Da würde ich sagen... Das ist wahrscheinlich erstaunlich undramatisch, kannst du gut behandeln so.... alle Ärztinnen und Ärzte weghören, weil wahrscheinlich ist es gar nicht so einfach.

00:42:35: Und muss operiert werden?

00:42:36: Je schneller das so besser ... Keine Ahnung!

00:42:39: Habe ich kein Plan von.

00:42:40: Ich hab mich immer gefragt, was wäre gewesen wenn's ein Herzinfarkt war?

00:42:43: Was wär gewesen, wenn der Mann Schweiß auf der Stirn gehabt hätte, gesagt hätte, der linke Arm tut ihm weh?

00:42:49: Wie nah ist man dann vielleicht dran, sowas auch zu übersehen?

00:42:54: Ich glaube nicht... Ach nee, du musst

00:42:56: sich jetzt so rauspoltern.

00:42:58: Das hätt die

00:42:59: ... Nein!

00:43:00: Genau und das ist nämlich eine Unterscheidung, die ich wahnsinnig wichtig finde.

00:43:03: Ich glaube es auch weil wir haben in vergangenen Einsätzen oft schon Leute hingesetzt, die blass wurden und gesagt haben mir wird hier schwindelig!

00:43:10: Wir haben ... ähm... schon den Rettungsdienst dazu gerufen.

00:43:14: nochmal wenn wir gemerkt haben dass das andere Sachen sind.

00:43:17: Und für mich hat's wirklich noch mal so im Nachgang verdeutlicht Ich hab das ja wahrgenommen.

00:43:22: also ich habe ja diese geschwollene Hand wahrgenommen aber dadurch dass er die selbst nicht thematisiert hat und dass das irgendwie gar nicht Thema war Konnt man das wirklich so gut wegschieben?

00:43:32: Und ich glaube, es hat wirklich gar nichts damit zu tun dass wir nicht noch akutere Notfälle erkennen würden.

00:43:39: Also

00:43:39: glaube ich auch nicht definitiv nicht.

00:43:41: und Es wurde ja.

00:43:43: ich meine da kommen wir ja auch hin aber das wurde Ja später.

00:43:47: Dann wird's ja schon wichtig auch für uns.

00:43:50: Wir haben ja dann schon gemerkt okay jetzt und da hat sich bei ihm ja auch einiges irgendwann gelegt und dann war es wichtig finde Ich und die Wahrnehmung hatten wir ja Ja.

00:44:02: Lass nochmal weitergucken auf den Einsatz!

00:44:05: Während all das passiert, bleibt der Innenhof in Bewegung.

00:44:08: Es ist inzwischen später Abend In einigen Fenstern geht das Licht an Haustüren fallen ins Schloss und immer wieder Hallenschritte durch den Durchgang zur Straße.

00:44:17: Freunde und Bekannte tauchen auf Sprechen kurz mit jemandem und verabschieden sich wieder.

00:44:22: Manche Nachbarn sind eben noch da und im nächsten Augenblick verschwunden.

00:44:26: Für die Helfer bleibt oft unklar, ob sie nur in ihre Wohnung gegangen sind oder den Ort ganz verlassen haben.

00:44:33: Und dann gibt es diese eine Szene, die sogar nicht zu diesem Abend zu passen scheint.

00:44:39: Ein Mann uriniert in den Innenhof.

00:44:42: Einige Anwohner bemerken das und rennen los um ihn festzuhalten und der Polizei zu übergeben.

00:44:48: Für einen Moment beschäftigt sich die komplette Einsatzstelle nicht mit dem Todesfall sondern mit einem Wildpinkler!

00:44:54: Es ist Absurd und gerade deshalb bleibt es im Gedächtnis.

00:44:59: Danach kehren die Menschen zurück, Gespräche werden wieder aufgenommen und jemand anderes ist inzwischen verschwunden.

00:45:05: Die Situation ist nie vollkommen außer Kontrolle sie ist nur jedes mal ein wenig anders wenn einer der Helfer den Blick durch den Hof schweifen lässt.

00:45:17: Das war in diesem Einsatz, die mit Abstand absurd ist.

00:45:22: Erinnerst du dich noch daran?

00:45:24: Darfst du erst mal erzählen wie du es wahrgenommen hast?

00:45:26: Ja also jetzt ehrlicherweise im Rückblick das habe ich komplett, das ging bei mir komplett unter aber natürlich jetzt wo wir drüber sprechen erinnere mich wieder dran und es war völlig... Also ich hab erstmal gar nicht verstanden was hier Thema ist, also gar nicht!

00:45:41: Das hat echt gedauert.

00:45:44: Ich stehe beim Bruder, du bist beim Nachbarn mit der Anspannung und plötzlich rennen zwei Leute los durch diesen Innenhof so dreißig Meter auf die andere Seite.

00:45:53: Und packen einen da, der dahin gepinkelt hat Und dann ist es ja laut geworden plötzlich.

00:45:58: Die Diskussion geht los, er ruft jetzt ... Einer der Nachbarn hat gesagt, er ruft sofort die Polizei, das wird da wohl regelmäßig

00:46:05: passieren.".

00:46:06: Dann hat der Wildpinkler auch noch gesagt, sei von der Polizei und so weiter!

00:46:11: Das war so richtig slapstick, weil er gesagt hat, dann kannst du hier direkt mit deinen Kollegen sprechen.

00:46:16: Und dann standen die beiden Beamten von der Cripo doch mit uns in den Hof.

00:46:21: Zack sind sie in diese Situation mit dem Wildpinker reingezogen worden.

00:46:25: Quasi aus dem Nichts heraus mussten die sich darum kümmern, dass da dieser Wildpinkler ist und wird wahnsinnig gerne die beiden auch noch mal befragen wie diese Situation wahrgenommen haben.

00:46:36: Weil sie plötzlich in so einen völligen Nebenkriegs-Schauplatz mitten reingezogen wurden.

00:46:40: Das wäre spannend ihre Perspektive.

00:46:43: Auf

00:46:43: jeden Fall!

00:46:44: Und es Ich finde, diese Situation beschreibt dieses Einsatzgeschehen mit am besten.

00:46:50: Weil das für alle die jetzt da nicht dabei waren so müsst ihr euch das vorstellen, dass es in diesem Einsatz immer und immer wieder passiert auch wie wir es gerade gehört haben.

00:46:59: Ey du hast dich mit einem Nachbarn unterhalten, drehst dich um, dritt dich zurück ist der weg einfach weg!

00:47:04: Und du weißt nicht?

00:47:05: Ist er ins Haus gegangen?

00:47:06: Ist der eine Runde spazieren oder zur Arbeit?

00:47:09: Einfach weg!

00:47:11: Zum

00:47:11: Kiosk

00:47:12: vielleicht?!

00:47:15: Das war so verrückt.

00:47:16: Ich werd das auch nie vergessen, als wir uns verabschieden wollten ... waren noch drei Leute von den Ursprünglichen da dafür aber vier andere, mit denen wir gar nichts zu tun hatten.

00:47:26: Es ist völlig absurd teilweise.

00:47:31: Und irgendwie macht es das aber auch aus.

00:47:33: Also irgendwie macht doch diese Arbeit auch aus, dass du die halt nicht planen kannst.

00:47:37: und ich hab hier in diesem Podcast schon oft gesagt, es gibt halt keinen ... Wie sagt man?

00:47:44: Gibt's jetzt nicht!

00:47:44: kein

00:47:46: Plan?

00:47:46: Ja, also keine Schablone.

00:47:49: Kannst gerade nicht anders formulieren, es gibt keine Schablonen nach der wir arbeiten können weil die Situation einfach dynamisch sind.

00:47:54: und an dem Abend ist das wirklich besonders dynamisch gewesen.

00:47:58: aber sie ist ja dann auch so oft über ganz verschiedene Themen gesprochen worden wie ich mich auch nie vergessen.

00:48:06: da hatten wir plötzlich Bestimmt zwanzig Minuten das Thema, dass die Kinder jetzt hier noch Süßigkeiten bekommen haben von einem der Nachbarn und die sich natürlich gefreut haben wie Sau.

00:48:15: Und die Eltern dieser Kinder aber gesagt haben im ersten Stock gewohnt und die Kinder haben sich immer schon die Süßkeiten aus dem Fenster da irgendwie gegriffen und dann haben die natürlich da irgendwie plötzlich gesagt ja eigentlich mit Süßheiten und jetzt schlafen sie die ganze Nacht nicht.

00:48:28: Ja genau und dann war das plötzlich Thema irgendwie so.

00:48:31: Und trotzdem haben alle auch irgendwie Ich finde, du hast an diesem Abend so richtig diese Wellenbewegung gemerkt.

00:48:38: Dass das mal kurz besser wird, dann wird's wieder schlechter, weil auch der Bruder hat sich ja da beteiligt und hat sich immer wieder bedankt dafür, dass die ganzen Leute da sind, dass jeder hilfsbereit ist und so ... Weil es schon sehr interessant gewesen

00:48:52: ist?

00:48:52: Wirklich ein Ja in Auf-und Ab wirklich!

00:48:55: Da war mal kurz ein bisschen Ruhe und über Stunden ja auch.

00:48:58: Das war einfach alles sehr lang.

00:49:03: Ja und wir kommen jetzt ja auch nochmal zu dem Punkt, der das dann auch noch mal irgendwie erstaunlich lang gezogen hat.

00:49:10: Weil ich habe es gerade gesagt, dass mit der Hand hat mich beschäftigt.

00:49:12: aber es gab noch so eine andere Frage die uns ja auch wirklich in diesem Einsatz noch sehr beschäftigt hat.

00:49:17: Vielleicht gucken wir auf die auch noch einmal?

00:49:19: Wir haben schon gesagt, ihr habt dreieinhalb Stunden Anfahrt gehabt und ich weiß auch noch, dass ich den vier-fünfmal gefragt hab was seine Idee ist für die Nacht und dass ich auf diese Frage lange keine Antwort bekommen habe.

00:49:35: Zwischen den wechselnden Situationen rückt für einen der Helfer eine sehr praktische Frage in den Vordergrund.

00:49:41: Wo wird der Bruder heute Nacht schlafen?

00:49:44: Er ist aus dem Ausland angereist, seine eigene Wohnung liegt dreieinhalb Stunden entfernt.

00:49:49: Weitere Geschwister und Angehörige sind bereits unterwegs Einige von ihnen aus großer Entfernung.

00:49:56: Am nächsten Tag wollen sie sich beim Bestatter treffen.

00:49:59: Der Helfer fragt den Bruder wo er die Nacht verbringen möchte.

00:50:03: Der Mann antwortet zunächst nicht.

00:50:05: Er schaut zur Seite, als wäre die Frage zu weit von allem entfernt was gerade zählt.

00:50:10: Doch die Frage bleibt im Raum.

00:50:13: Irgendwann sagt der Bruder dass er es nicht weiß.

00:50:16: Im Zweifel werde er im Auto schlafen.

00:50:19: Seine Trauer kann niemand an diesem Abend verändern aber die Vorstellung das er nach diesem Einsatz allein in seinem Auto sitzt wird zu einem konkreten Problem für das es vielleicht eine andere Lösung gibt.

00:50:37: Das hat mich wirklich beschäftigt, weil der dann nach diesem wirklich beschissenen Tag gesagt hat er schläft wahrscheinlich im Auto.

00:50:46: Und es war wirklich krass, weil ich das so glaube ich noch nie hatte.

00:50:48: aber da habe ich gesagt ne also das machen wir nicht, da wird's irgendeine andere Lösung geben.

00:50:53: Ich weiß gerade noch nicht, welche.

00:50:56: Aber du schläfst nicht in deinem Auto mit dem die hier hergefahren bist und also musst dir auch mal vorstellen das schläft ja nicht gut, schläft eh schon scheiße dann noch im Auto mitten in der Stadt die ganze Nacht Straßenbahnen... Also das hat mir echt beschäftigt.

00:51:09: Und ich hatte das ja im Grunde gar nicht aufm Schirm weil ich mit ihm quasi nichts zu tun hatte außer am Ende dann mal.

00:51:19: Deshalb war, du warst das so involviert.

00:51:22: Weil natürlich ihr hattet ja eine Verbindung in dem Moment und verständlich weil als ich dann da mal wahrgenommen hab was hier eigentlich Thema ist, da habe ich auch gedacht naja?

00:51:35: Was machen wir denn jetzt?

00:51:37: Wir sagen ja auch ganz oft Leuten nach so einem oder in so nem Einsatz jetzt fahrt nicht unbedingt sofort Auto.

00:51:44: also haben das ja auch häufig, wenn Angehörige angerufen werden oder Freunde die dann sofort sagen ich fahr zu dir, wo man ja schon auch sagen muss.

00:51:51: Das kann schon auch super gefährlich sein, wenn Leute sich in so einem Zustand ins Auto setzen und irgendwo hinfahren.

00:51:56: Auch das verbieten wir nicht.

00:51:57: also wer sind wir dass wir uns das Urteil da erlauben ob sie fahren können oder nicht?

00:52:01: aber das ist schon auch nicht ungefährlich.

00:52:03: jetzt stell dir mal vor der ist dreieinhalb Stunden dahin gefahren sechs stunden sind wir da im Einsatz.

00:52:07: jetzt fährt er noch dreieinhalb Stunden zurück und es war aber auch gar nie eine Option.

00:52:10: aber da habe ich gedacht ah wie beschissen solls denn sein?

00:52:15: Natürlich nach Freunden gefragt.

00:52:17: Ja, gibt es keine in Freiburg also zumindest von ihm nicht weil er nach Freiburke keinen Bezug hat sondern halt nur den Bruder.

00:52:23: so er selber lebt da nicht.

00:52:25: und das war echt so eine Frage wo ich gedacht habe also ich werde diesen Einsatzort nicht verlassen bevor wir das nicht gelöst haben.

00:52:33: Gab es später in der Lösung?

00:52:34: Können wir gleich auch sagen, da finde ich dann sogar richtig, richtig gute.

00:52:38: Naja aber auch da die insgesamt... Die Wendung, die sich da nochmal genommen hat war ja schon wieder so wild!

00:52:44: Ja

00:52:44: vor allem ohne jede Vorankündigung.

00:52:48: Kann man erzählen das an dieser Stelle?

00:52:50: Ohne jede Vorankündigung fährt plötzlich ein Auto davor Nix beigedacht, steigen vier Leute aus und kommen so richtig zielstrebig auf uns zu.

00:52:59: Und stellen sich vor ... Hallo?

00:53:02: Ja, wir sind jetzt da!

00:53:04: Wir standen da, dann gedacht ...

00:53:07: Hallo?!

00:53:08: Ich weiß noch nicht, dass wir da wirklich standen.

00:53:10: Ich hab's ja auch nicht sofort gefragt.

00:53:12: Nachdem die mit uns standen, ich weiß nicht mehr, ob ich oder du gefragt habe, hat aber einer gefragt.

00:53:18: Und was macht ihr hier so?

00:53:19: Also wenn es wirklich wie, wenn einfach Leute dazukommen und sagen wir gesellen uns mal dazu.

00:53:23: Das war so random!

00:53:25: Ja das war total... Die haben sich doch noch ganz nett so vorgestellt.

00:53:28: Ja die haben uns die Hand genommen.

00:53:31: So völlig okay.

00:53:33: Aber nicht mehr.

00:53:33: Die haben ja nicht mehr dazu gesagt sondern dann standen sie da und dann ging's glaube ich so eine Minute bis es an irgendwer gesagt hat Noch mal kurz nachgefragt, schön dass ihr da seid.

00:53:42: Aber was macht ihr hier?

00:53:43: Also hey wer seid ihr?

00:53:45: und dann waren die ja total nett und haben sich vorgestellt war ein Freund des Bruders wo ich aber bis heute nicht weiß wie die dahin kamen.

00:53:53: meine Vermutung ist das es waren ja mehrere Geschwister Und der bruder vor Ort den verstorbenen gefunden hat hat ihn hat ihnen nicht angerufen weil er kannt sie kannten sich untereinander gar nicht.

00:54:03: aber Ich vermute, dass ein anderer Bruder, ne andere Schwester diesen Kontakt wohl hatte.

00:54:09: Weil die sich auf jeden Fall auch irgendwie kannten.

00:54:12: Das ist meine Vermutung aber mehr als eine Vermutungen ist es halt nicht.

00:54:15: Ich

00:54:15: denke auch, die haben registriert hier braucht jetzt irgendwie Unterstützung.

00:54:19: So und haben's aus der Ferne irgendwie geregelt?

00:54:22: Ja.

00:54:24: Und dann nehmen wir das vielleicht an der Stelle einmal vorweg, dass ihr nicht so lange leiden müsst wie ich damals gelitten hab mit der Frage, wo die sagen, ich hatte damals kann ich auch noch erzählen Wir sind ja dann irgendwie, ist mir da nochmal aufgefallen auch okay wir denken in so einem Einsatz schon ganz interessant.

00:54:37: Weil ich hatte irgendwann die Idee ok wir haben diese Hand die offensichtlich gebrochen ist und ich glaube wir haben sogar drüber gesprochen Jessica das ich gesagt habe hey vielleicht ist es eine Option dass der Mann in die Uniklinik geht und dass wir erst irgendwie organisiert bekommen dass er ein Bett bekommt für die Nacht.

00:54:51: natürlich ist das von einer gebrochene Hand im Leben nicht das worauf die Uniclinik wartet.

00:54:55: aber vielleicht Ist das eine Chance, dass wir vor dem Hintergrund dieser Gesamtsituation schaffen?

00:55:01: Dass er da zumindest eine Nacht bleiben kann.

00:55:03: Das ist dann auch nicht geil!

00:55:05: Das ist kein Hotel und so weiter.

00:55:06: aber... ...das hätte mir zumindest die Sicherheit gegeben, dass der Mann heute Nacht irgendwo ist was nicht sein Auto ist.

00:55:14: Da werden mich jetzt alle Camperinnen wahrscheinlich verflogen weil sie sagen man kann doch gut im Auto schlafen.

00:55:19: ja Ich nicht.

00:55:20: Also für mich war das wirklich eine schlimme Vorstellung, dass der nach so einer Situation im Auto pennt.

00:55:24: Also wirklich in der Situation und ich meine, der stand unter Schock.

00:55:28: Der hatte einen Schock also ich finde es schon auch medizinisch schwierig zusätzlich mit der Hand eben und da kam ja die Überlegung Uniklinik vielleicht.

00:55:38: Genau,

00:55:39: das war wirklich ein Ansatz den ich so verfolgt hätte.

00:55:41: Ich werde auch bereit gewesen anzurufen denen die Situation zu schildern und sagen hey helft uns bitte!

00:55:47: Und dann kam aber Gott sei Dank diese vier Leute fünf Leute ich weiß es gar nicht mehr ganz genau ein paar leute Aus dem Nachbarort von Freiburg.

00:55:56: Dann hab ich mit denen noch mal gesprochen und dann hat der sofort gesagt, nein, der schläft bei uns, wir nehmen den mit.

00:56:01: Wir haben ein Bett, der kann auf jeden Fall bei uns bleiben.

00:56:03: Und die haben ja auch versprochen, dass sie mit ihm in die Uniklinik fahren oder irgendeine Notaufnahme von einer Freiburger Klinik noch fahren.

00:56:10: Absoluterweise waren wir nicht mehr weit von der Klinique weg.

00:56:12: Es wär sogar fußläufig erreichbar gewesen eine der Freiburger Kliniken so.

00:56:16: Das heißt ... Haben die dann auch noch versprochen?

00:56:19: Fand ich schon gut, dass man da auch noch mal sagt okay... um den kümmert sich auch noch mal jemand dabei.

00:56:26: Ich schwöre dir, wir wären da heute noch wenn das Problem nicht gelöst gewesen wäre.

00:56:29: ich wäre nicht von dieser Einsatzstelle gegangen, wenn man das nicht ordentlich gelöst hätte.

00:56:33: Da hättet ihr mir auch noch fünfundvierzigmal sagen können dass Auto schon okay ist glaube ich.

00:56:37: das hätte ich nicht akzeptiert irgendwie obwohl es ja eher bin ich das zu beurteilen.

00:56:40: aber

00:56:41: Ja, aber bei mir wurde dann dieses Thema sehr groß.

00:56:45: Diese Hand und dieser Schock den der Mann hat und die Kombination.

00:56:51: Das wurde da bei mir schon unterdacht.

00:56:53: ich ne also wir können so nicht gehen das geht nicht.

00:56:56: Du warst auch muss man an der Stelle sagen Gott sei Dank eine maßgebliche Treiberin in diesem Einsatz die gesagt hat du musst heute noch in die Klinik weil ich das glaube ich bis dahin auch und dann haben sie sich ja Nachbarn auch angeschlossen gesagt auf jeden Fall so und erst dadurch dass ihr das auch alle nochmal gesagt habe, ist mir klar geworden wie geschwollen dieser Hand ist.

00:57:13: Wie wichtig das doch ist dass er das noch untersuchen lässt?

00:57:16: Ich weiß gar nicht ob es für mich sonst so präsent gewesen wäre weil das einfach gar nicht Thema war bei uns und das war schon schon wichtig auch da also das ist ja auch irgendwie so hab ich hier auch schon hundertfach gepredigt das Thema Selbstwirksamkeit oder wirklich zu erkennen ich habe hier wahrscheinlich gerade echt starke Schmerzen und es geht mit ein bisschen kühlen nicht weg.

00:57:35: ich muss mich auch um mich wieder kümmern.

00:57:37: irgendwie Ja, ist schon wichtig.

00:57:42: Das Wilde ist wenn man es gerade so fast nebenbei erzählt dass da dann die Leute noch irgendwann kamen sodass man wenn man jetzt zuhört oder ich würde mich wahrscheinlich fragen wo ist die Polizei eigentlich zu diesem Zeitpunkt und warum ist da eigentlich so viel Zeit das Leute dazukommen können, weil das alles nicht in zehn Minuten abgespielt hat.

00:58:03: Wir sprechen nur über ein paar Stunden, in denen sich das so gebaut hat und es war ja noch eine Problematik die wir in dieser Nacht auch bekommen sollten, die ... Ich hab das noch nie erlebt vorher sowas.

00:58:16: Er guckt mal

00:58:17: drauf.

00:58:18: Das war der nächste Schauplatz!

00:58:25: Im Laufe des Abends entsteht ein weiteres Problem.

00:58:27: Hinter den Fenstern ist es längst dunkel geworden Die Arbeit der Kriminaltechnik ist längst abgeschlossen, doch der Verstorbene befindet sich noch immer in der Wohnung.

00:58:37: Die Polizei findet keinen Bestatter, der den Verstorbenen noch in dieser Nacht abholen kann.

00:58:43: Deshalb beschließen sie den Verstormenden bis zum nächsten Tag in der versiegelten Wohnung zu lassen.

00:58:50: Der Bruder bekommt das mit!

00:58:52: Er und auch die Nachbarn finden diese Vorstellung furchtbar – gleichzeitig weiß er nicht was er tun kann….

00:58:59: Eine Sprachbarriere erschwert die Situation zusätzlich.

00:59:03: Vermutlich versteht er nicht vollständig, dass die polizeiliche Arbeit für diesen Abend im Wesentlichen beendet ist und nun niemand mehr automatisch eine Abholung organisiert.

00:59:13: Jessica kennt aus ihrer beruflichen Arbeit einen Bestatter aus der Region von dem sie weiß das er auch nachts kommen

00:59:19: würde.

00:59:20: Aus einer Wagenhoffnung wird zum ersten Mal an diesem Abend ein konkreter Plan.

00:59:25: Sie bespricht die Möglichkeit mit dem Bruder.

00:59:28: Mit seinem Einverständnis nimmt Jessica den Kontakt auf.

00:59:31: Der Bestatter sagt zu, auch für die Polizei ist diese Lösung in Ordnung.

00:59:37: weil die Wohnung zu diesem Zeitpunkt bereits versiegelt war muss zur Abholung allerdings noch mal jemand von der Kriminalpolizei dazukommen.

00:59:44: nun bleibt vor allem eins warten vielleicht auch nochmal aufgeräumt so von der Story her.

00:59:53: polizei schon weg gewesen zu dem zeitpunkt relativ lange weg gewesen.

00:59:58: Ich glaube, alles versucht um den Bestatter zu bekommen.

01:00:01: Muss man schon sagen ...

01:00:03: Ja die haben sich schon geschaut.

01:00:06: Die haben es nicht in der SMS geschrieben und gesagt ja wird schon jemand kommen?

01:00:09: auf gar keinen Fall, sondern ihm sich wirklich Mühe gegeben aber von allen direkt infrage kommenden bestattungsunternehmen eine Absage bekommen.

01:00:20: Und dann ist eigentlich auch falsch in der Story weil das stand nicht im Raum den Verstorbenen bis zum nächsten Tag in der Wohnung zu lassen, sondern es war eigentlich beschlossene Sache.

01:00:30: Die Polizisten haben irgendwann gesagt sie können nichts mehr machen jetzt.

01:00:34: Natürlich wird im Hintergrund jemand weiterversuchen ein Bestattungsunternehmen zu bekommen aber das ist nicht sehr wahrscheinlich und sie versiegeln die Wohnungen und dann ist die Abholung halt morgen.

01:00:45: Und ich hab's vorhin schon mal gesagt in dieser Wohnung ... war es so dermaßen heiß.

01:00:49: Es war unterm Dach, es war... ... weiß nicht mehr ganz genau.

01:00:52: ich weiß auf jeden Fall dass ich mit dem Fahrrad da hingefahren bin und ultra verschwitzt ankam weil's richtig, richtig heiß war an dem Tag.

01:00:58: Ja!

01:00:59: Und dann... Es

01:01:00: war super heiß.

01:01:01: Eher.

01:01:02: Und dann ... ... war eigentlich beschlossene Sache das der Verstorbene am nächsten Tag abgeholt werden.

01:01:07: Das war richtig interessant weil du zum ersten Mal finde ich in diesem Einsatz gemerkt hast, dass jetzt gerade alle die sich auch nicht kennen wirklich zum ersten mal zusammenkommen im Kreis sich zusammenstellen und überlegen, was wir jetzt machen können.

01:01:19: Weil das für den Bruder eine unerträgliche Vorstellung war.

01:01:22: Das hat er ja auch so geäußert.

01:01:23: Er gesagt, das geht doch nicht!

01:01:25: Und wir beide haben auch sofort gesagt okay wenn wir es irgendwie vermeiden können dann vermeiden.

01:01:30: Es ist eigentlich auch gar nicht unsere Baustelle hätten wir genauso gut sagen können.

01:01:34: Nicht unser Ding schön abend die sind weg aber... Das hat uns auch gar keine Ruhe gelassen.

01:01:39: Ich spreche mal nur für mich, mir nicht und dir glaub ich auch nicht.

01:01:42: Gar nicht!

01:01:42: Weil es einfach so klar war das was so wichtig für den Bruder... Und also ich bin da total mitgeschwungen weil ich einfach diese Vorstellung dass da oben jetzt ein... Da liegt jemand.

01:01:56: Ein Mensch ist immer noch ein Mensch.

01:01:57: Genau

01:01:59: und es war so heiß und ich habe nun mal auch den Hintergrund ne?

01:02:04: wie sich das entwickelt und ich habe gedacht, dass können wir nicht so lassen.

01:02:10: Es geht ja auch um die Würde

01:02:12: von

01:02:13: einem Menschen.

01:02:14: Ja zumal der jetzt nicht auf einem gekühlten Bett liegt, wo man sagen kann den kannst du noch achtundvierzig sechszechs ... oh Gott es will.

01:02:21: Sechsunddreißig Stunden zu Hause lassen?

01:02:23: Das ist gekühlt!

01:02:23: Das passt so.

01:02:24: gesetzliche Vorgaben eingehalten.

01:02:26: Nee, das lag in der Auffindessituation der Mann also Müssen wir nicht mehr darauf eingehen, aber das ist nicht wie man einen Menschen zurücklässt.

01:02:36: Noch mal wirklich ausdrücklich gesagt es auch nicht die Idee der Polizei gewesen.

01:02:40: Aber die waren hilflos!

01:02:41: Die konnten nichts machen.

01:02:44: und da war ich wirklich froh dass wir dann drüber gesprochen haben weil du gesagt hast so aus deiner Tätigkeit heraus würde dir jetzt noch genau eine Lösung einfallen und ... dem Bruder nochmal sagen, dass er da anrufen kann.

01:02:55: Weil wir das ja mit der Polizei besprochen hatten.

01:02:57: Wir hatten gesagt okay ihr müsst gehen verstanden... ... ihr müsst weitermachen.

01:03:00: aber was machen wir wenn wir es doch noch schaffen einen zu organisieren?

01:03:04: Genau und das war dann ok.

01:03:06: und dann habe ich schon... Ich hab ja kurz also ich habe da mehrfach mit dir auch das Gespräch gesucht,... ... weil ich mir sehr unsicher war.

01:03:13: Welche Rolle habe ich jetzt hier gerade noch?

01:03:16: Weil eigentlich wenn ich in der Rolle vom KIT vor Ort bin, bin ich halt nicht in der Rolle im... als Bestatterin oder Trauerbegleiterin, aber ich dachte okay.

01:03:28: Ich habe doch jetzt das Wissen!

01:03:30: Ich hab die Kontakte, ich hab irgendwie ein Netzwerk... Ich weiß wenn wir da anrufen es wird funktionieren und ja.. Da haben wir dann schon gemeinschaftlich glaube ich entschieden.

01:03:41: dass ist jetzt einfach.

01:03:42: Es geht hier in dieser Gesamtsituation um Menschen gerade was wirklich Schlimmes durchmachen und ich glaube da darf man auch Handeln?

01:03:53: Ich

01:03:53: weiß auch, dass wir das noch gut diskutiert haben.

01:03:56: Weil sich für uns beide genau die gleiche Frage gestellt hat sind wir jetzt in einem Bereich wo wir eine Grenze überschreiten, die wir vielleicht nicht eigentlich nicht überschreiben dürfen weil wir uns einmischen was uns nichts angeht.

01:04:07: Weil es Aufgabe der Polizei ist sich um einen Bestatter zu kümmern.

01:04:10: Weil für uns das könnte man ja gut argumentieren verstehe auch wenn jemand das so argumentiert und sagt Es ist nicht eure Aufgabe.

01:04:20: Eure Aufgabe ist die Betreuung So und da habt ihr euch nicht einzumischen.

01:04:25: Ja, da kann man aber dann auch genauso gut entgegenhauen ja aber es ist nicht Teil der Betreuung auch zu versuchen für was was jemanden wirklich gerade belastet eine Lösung zu finden.

01:04:33: und zeichnet uns nicht in dieser Situation genau das aus, dass wir genau dieses Wissen haben was jemand anders nicht haben kann weil er sich damit noch nicht beschäftigt hat.

01:04:41: Und weil er aus dem Ausland kommt?

01:04:43: also der Mann hatte keine Ahnung.

01:04:45: dann kann jetzt natürlich auch jeder sagen ja komm mal einfach googeln während Frage kommt Ja super!

01:04:51: Und dann rufst du da als Privatperson um weit nach ... bei einem Bestatter an das kannst du schon probieren, aber ob du da erfolgreicher bist?

01:05:03: Das ist ja ganz schwierig.

01:05:05: und was sagt man auch viele sind ja generell schon aufgeregt bei einem Bestatter anzurufen.

01:05:11: Aber noch in dieser Situation Mitsprachbarriere.

01:05:15: also das ist einfach schwierig

01:05:17: zumal da ja das können wir vielleicht an der Stelle auch nochmal sagen Ganz klar war Du hattest es ja probiert aber es war ja ganz klar dass ein kein Bestattungsunternehmen aus Freiburg kommen würde, keines.

01:05:30: Das hat organisatorische Gründe die wir auch gar nicht kennen.

01:05:33: aber das ist uns ja ganz klar gesagt worden egal wenn ihr jetzt anruft aus freiburg wird niemand kommen.

01:05:40: und dann war es eben genau dem geschuldet dass du gesagt hast okay ich weiß aber Es gibt hier im unmittelbaren umland jemanden der kommt ... haben sie auch mit dem Bruder dann noch mal besprochen.

01:05:52: Das ist ja auch so eine Frage, wo ich auch verstehe... ... wenn man diese Entscheidung kritisiert,... ... weil das jetzt mithören Kosten verbunden unter Umständen.

01:06:00: In dem Fall können wir vielleicht auch gleich erzählen, glaube ich sogar nicht!

01:06:03: Ich glaube in diesem Fall war es wirklich am Ende gut,... ... also wenn man sich für einen Bestatter... Wenn die Polizei einen Bestatter ruft, dann ist es der, der halt kommt.

01:06:13: Und wenn man danach sagt ich möchte eine andere Bestatter haben, dann geht das jederzeit?

01:06:17: Du kannst jederzeit wechseln aber das kann natürlich mit Kosten verbunden sein.

01:06:20: Das heißt im schlimmsten Fall hätten wir dem da noch Kosten aufgebohmt und da mussten wir natürlich irgendwie auch transparent sein und sagen hey ... Irgendwie, dass wir können das machen aber das könnte die Konsequenz sein.

01:06:34: Und dann hat er ja total cool reagiert und hat gesagt Ja Die Bestattung wird aber sowieso im Ausland stattfinden Das heißt es wird eine Überführung in ein anderes Land geben Wo wir dann vielleicht sogar am Ende noch was Gutes getan haben, weil wir näher an den Flughafen gekommen sind dadurch.

01:06:49: Genau.

01:06:49: Also irgendwie auch eine ganz interessante Entwicklung gewesen.

01:06:51: Wissen wir nicht und müssen mal dazu sagen wissen wir nicht wie das am Ende gelaufen ist aber... ...das ist zumindest etwas damals besprochen wurde so.

01:06:58: Ja

01:06:58: total es war dann schon stimmig auch.

01:07:00: also

01:07:01: ja total aber ich weiß die auch noch genau diese dieser Bruder wieder da steht und wie der uns angeguckt hat als er verstanden hat dass der dass sein verstorbener Bruder da in dieser Wohnung liegen bleiben soll.

01:07:15: Das werde ich glaube auch so schnell nicht vergessen.

01:07:17: Ja, das war wirklich

01:07:18: schlimm!

01:07:20: Weil einfach auch klar war wir können jetzt nicht... es geht nicht.

01:07:25: man kann die Situation jetzt nicht so stehen lassen.

01:07:27: Es war irgendwie so klar eben obwohl wir ja hätten gehen können.

01:07:32: Ja

01:07:33: genau.

01:07:35: Auf jeden Fall.

01:07:36: Ich hab mich gerade gefragt, deswegen habe ich grad so gestorzen.

01:07:39: Hätte irgendwas dafür gesprochen in dieser Situation so zu lassen?

01:07:42: Weißt du was wir hätten ja wirklich sagen können ist nicht unsere Rolle hätte irgendetwas... Können wir ja nochmal kurz überlegen, hätte irgendwas an diesem Abend dafür gesprochen diese Situation sozulassen?

01:07:52: Also meine klare Meinung nein!

01:07:54: Ich

01:07:54: komm nämlich auch auf nichts.

01:07:56: also Ja doch das Einhalten von Prozessen vielleicht Das strikte Einhalten von Prozessen, das hätte vielleicht dafür gesprochen.

01:08:03: Weiß ich ehrlich gesagt auch gar nicht!

01:08:05: Ist es der ganz strikte Prozess dass wir das nicht machen?

01:08:07: Ich glaube nicht.

01:08:07: Eben.

01:08:08: Ne, ich glaube nicht!

01:08:09: Aber das wird.

01:08:10: das einzige was mir einfällt ist man sagt hey kenn deine Rolle, das ist nicht dein Problem.

01:08:14: Bestatter ist bestatter Aufgabe und unsere Aufgabe endet in der Akutsituation.

01:08:20: aber da merkt mal wieder wie wenig Trennschaft das ist.

01:08:24: Es funktioniert nicht, es funktioniert halt genau bei diesen Themen nicht.

01:08:28: also mein... Man muss schauen, was braucht's grade.

01:08:32: Und das war immer noch eine Akutsituation für mich.

01:08:36: Wenn die nicht sogar da nochmal richtig akut geworden ist?

01:08:38: Weil der war ja sehr ruhig dann alles ...

01:08:40: Da war es nämlich dann noch mal eher... Da ist es noch mal gekippt!

01:08:43: Ja

01:08:44: auch ganz spannend wie auch die Nachbarn sich sofort mit dem Bruder solidarisiert haben und gesagt haben wir auch zur Polizei ja noch gesagt, ihr könnt den doch nicht liegen lassen oder ihr könnt ihn noch nicht liegenlassen.

01:08:52: Und die armen Polizisten ... Was sollen sie machen?

01:08:56: Komplett die Hände gebunden aber ... das sensationell gelöst am Ende irgendwie.

01:09:01: Also da muss ich wirklich sagen, es war ja einer deiner ersten Einsätze.

01:09:05: Können wir vielleicht gleich auch noch mal drauf gucken?

01:09:08: Du bist ja noch gar nicht so lange in der Kriselintervention... Aber ich weiß nicht ob ich das mit jemand anderem so hätte lösen können weil ich selber auf die Idee gar nicht kamen dass man ja auch nochmal Bestatter, die man kennt anrufen kann.

01:09:20: Auch vielleicht an der Stelle auch noch einmal ganz wichtig zu erwähnen, wir empfehlen ja keine Bestattungsunternehmen.

01:09:25: Also das ist ja wirklich... die sind für uns alle gleichermaßen relevant und da ist nicht der eine besser als der andere und ich würde im Einsatz niemals auf die Idee kommen, zu sagen gehen sie dahin oder gehen Sie dahin?

01:09:36: Dafür kenne ich es auch viel zu wenig!

01:09:37: Ich hab bisher nur mit einem zusammengearbeitet, wer wär ich dann zu sagen geht dahin.

01:09:42: Also wirklich nochmal ganz wichtig das machen wir nicht aber aus genau diesem Gedanken heraus wäre ich glaube mich nicht auf die Idee gekommen und es war wirklich ja dein Einfall über den wir dann gesprochen haben und wo wir dann gemeinsam gesagt haben doch diese Situation ist jetzt wie sie ist und wir machen das jetzt so.

01:09:57: Ich glaube, deshalb habe ich mich aber auch so schwer getan.

01:09:59: Weil für mich diese Grenze noch klarer, weil ich einfach weiß, ich spreche über keine Bestattungsunternehmen im Einsatz und empfehle nichts.

01:10:09: Obwohl ich den Einblick habe – ich kenne die Bestattung.

01:10:14: Aber das würde mir nie einfallen!

01:10:17: weil eben ich bin in einer anderen Rolle da, das darf ich einfach nicht und deshalb habe ich mich auch so schwer getan.

01:10:23: Und es war aber in dem Moment also wirklich auch im Rückblick... Ich finde, es war einfach richtig!

01:10:27: Es war menschlich!

01:10:28: Ja,

01:10:29: ich würde es genauso widerspielen.

01:10:30: Es

01:10:30: war einfach menschliche.

01:10:31: Ja,

01:10:31: und ich würde's auch wieder so machen.

01:10:35: ganz am Anfang unseres Gesprächs einen Satz gesagt, dass das Trauer so individuell ist.

01:10:40: Und das finde ich ist auch noch mal eine sehr gute Erklärung warum wir ja gar keine Bestattungs... also abgesehen davon, dass wir es nicht dürfen und hier keine Werbung für den einen oder anderen machen völlig klar aber wir können's auch nicht weil nur weil jemand mit meiner Trauer gut umgehen kann ist das für den Nächsten nicht automatisch auch richtig sondern da muss sich das hängt ja auch vom Vibe ab.

01:10:57: vielleicht kommt der Bestatter rein und du merkst im ersten Moment neh, das passt gar nicht so für mich super unsympathisch oder es passt halt so.

01:11:05: Also da ist schwierig eine Empfehlung zu machen, ich verstehe da auch deine Rolle und versteh das schon auch dass das schwierig ist da dann zu sagen wir rufen da jetzt an aber genau wird auch sagen in dem in dem Szenario was die hundertprozent richtig entscheiden.

01:11:22: Vielleicht gucken wir dann noch mal ganz kurz darauf.

01:11:23: Es war ja einer deiner ersten Einsätze.

01:11:27: Hattest du schon einen anderen Einsatz?

01:11:29: So eine ähnliche Dynamik hatte.

01:11:31: irgendwie wo du sagst ja das war schon vergleichbar

01:11:34: Nein, also klares nein.

01:11:36: Also diese Dynamik in dem Ausmaß ich glaube auch nicht dass es oft vorkommt.

01:11:41: Ich hab's in zehn Jahren ein anderes Mal erlebt.

01:11:45: Das habe ich so noch nie erlebt.

01:11:47: das Dynamiken sich schnell ändern ja aber so in dem Maße dass du dich quasi nicht mal umdrehen konntest ohne dass irgendwas passiert ist habe ich schon noch nicht erlebt.

01:11:58: Ja auch so, also so absurd teilweise.

01:12:01: Also ich meine wirklich das ist einfach für mich dass da jemand vor mir sitzt und plötzlich Handschellen anbekommen will.

01:12:08: Wie geht man denn damit um?

01:12:10: Also das ist so weit weg von dem, was man sich vielleicht vorstellt oder dieser Wildpinkler plötzlich.

01:12:16: Da kam also ich meine... Das ist halt auch einfach sehr weit weg vom dem, dass man sich noch vorstellen könnte an Dynamik.

01:12:25: Von daher nein.

01:12:26: Also habe ich noch nicht erlebt.

01:12:29: Auch das plötzlich vier Leute aufschlagen und es mit Handschlag begrüßen?

01:12:34: Sagen danke, dass ihr da seid!

01:12:35: Ja,

01:12:37: gerne?

01:12:38: Okay.

01:12:40: Oder auch dann ... Was wir ja häufig haben ist diese Dynamik in Gesprächen, dass du mal über die schönen Sachen sprichst.

01:12:46: Es war schön zu beobachten, dass die Nachbarn irgendwann Freunde da hatten und dass die Ex-Partnerinnen eine Nachbar dazu kamen, weil er gesagt hat, die kann noch am besten mit ihm umgehen.

01:12:58: Das hat brutal geholfen, was sie da war!

01:13:00: Das war auch total schön zu sehen, dass das da funktioniert hat.

01:13:03: Es war super schön zu sein, dass diese Nachbarn offensichtlich auch alle sich da immer mal wieder in diesem Innenhof zusammensetzen und so wie sie halt auch waren mit ihrer Art, dass dann mal wieder einer wegläuft ohne irgendwas zu sagen und wieder kommt und dass auch mal völlig wilde und belanglose Themen angeschnitten werden auch ja schön zu sehen oder das.

01:13:22: ich weiß nicht wie oft uns gedankt worden ist aber auch immer wirklich random zwischen rein hat man einer wieder gesagt echt geil dass ihr da seid danke gerne.

01:13:30: kein problem so also

01:13:32: die waren noch einfach.

01:13:33: eben die waren sehr dankbar.

01:13:34: auch das war einfach ja sehr schön so auch diese.

01:13:39: Ja die wertschätzung aber auch untereinander.

01:13:42: die waren für sich sehr dank bar und das dann.

01:13:45: es war ganz menschlich sehr schön eigentlich.

01:13:51: Ich kann mich auch an einen anderen Einsatz erinnern, der Dynamik hat aber eine ganz andere.

01:13:56: Irgendwie so wie in dem Einsatz hab ich es noch nie erlebt.

01:14:00: Aber ich fand das bei dieser ganzen Dynamik bis auf eine Sache ist es ein extrem kontrolliertes Ende gewesen.

01:14:11: Gegen Ende des Abends fährt der Bestatterin den Hof.

01:14:14: Wegen der versiegelten Wohnung ist die Kriminalpolizei noch einmal eingebunden.

01:14:18: Türen werden geöffnet, kurze Absprachen getroffen.

01:14:22: Dann gehen die Mitarbeitenden des Bestatters hinauf in die Wohnung.

01:14:26: Der Verstorbene wird abgeholt.

01:14:29: Inzwischen sind Freunde des Verstorbenen da, sie geben dem Bruder einen Schlafplatz.

01:14:34: auf unseren Rat hin wollen Sie mit ihm außerdem in die Klinik fahren damit seine vermutlich gebrauchene Hand untersucht wird.

01:14:41: Die weiteren Angehörigen sind informiert und unterwegs.

01:14:44: für den Nachbarn dessen Anspannung so stark gestiegen war ist ebenfalls Unterstützung.

01:14:49: Er ist nach der Behandlung ruhiger und seine ehemalige Partnerin kann bei ihm bleiben.

01:14:55: Nicht alle Nachbarn, die am Anfang da waren sind am Ende noch auffindbar.

01:14:59: Einige sind irgendwann verschwunden.

01:15:02: Das passt zu diesem gesamten Abend.

01:15:04: Trotzdem können die beiden Helfer die Einsatzstelle mit einem guten Gefühl verlassen.

01:15:09: Es ist geklärt wohin der Verstorbene gebracht wird.

01:15:12: Der Bruder hat einen Schlafplatz und Menschen an seiner Seite.

01:15:15: Seine Hand soll untersucht werden.

01:15:18: Der Nachbar ist nicht allein und die Familie weiß Bescheid.

01:15:22: Es ist ungefähr halb zwölf, sechs Stunden nach der Alarmierung endet der Einsatz.

01:15:28: Wie es mit den Menschen weitergeht erfahren die Helfer

01:15:31: nicht!

01:15:40: Der sagt noch nicht, wir sind im Gespräch.

01:15:50: Plötzlich läuft der los und sagt Komm mit, komm mit!

01:15:53: Da war aber die Polizei ja schon wieder da?

01:15:56: Dann bin ich kurz mit dem mit und hab gedacht, nee, warum soll ich da jetzt mit?

01:16:01: Wir müssen ja einmal kurz die Polizei noch informieren.

01:16:04: Wieder zurück zur Polizei und dieser Nachbar ist nicht mehr aufgetaucht an diesem Abend.

01:16:08: Er war nicht mehr da.

01:16:09: Das war der Einzige von dem wir uns nicht verabschieden konnten weil er weg war.

01:16:14: Keine Ahnung wohin.

01:16:16: Komm mit und weg waren.

01:16:18: Es wäre schon spannend, was er da noch wollte.

01:16:20: Hätte mich schon auch gemerkt!

01:16:20: Also eigentlich wär es wirklich spannend gewesen...

01:16:23: Aber er ist ja nicht mehr gekommen obwohl er noch ein paar Minuten dann vergangen sind.

01:16:26: Der Bestatterer ist ja erst hoch oder... Die Mitarbeiter von Bestattungsunternehmen, Polizei muss erst die Wohnung wieder aufmachen.

01:16:31: Also der hätte schon genug Zeit gehabt auch wieder zurückzukommen.

01:16:35: Es klingt jetzt so ein bisschen blöd aber ich habe mich gefragt ob dir irgendwo einen Bier trinken gegangen ist weil es hätte zu diesem Abend gepasst.

01:16:40: Das er einfach sagt Ich laufe jetzt los und auf dem Weg merkte ich habe eigentlich Lust auf den Bier in irgend eine Knäube.

01:16:47: Total

01:16:48: hätte gepasst.

01:16:49: vielleicht Wollte er dich einladen auf den Bier?

01:16:52: Ja,

01:16:53: vielleicht hätte ich

01:16:53: mitgekehrt.

01:16:54: Es hätte wirklich gepasst!

01:16:56: Also in diese Dynamik... Ich weiß gar nicht ob man sich das so vorstellen kann jetzt einfach nur aus unserer Erzählung heraus aber vielleicht ist es wirklich nochmal betont Das war extrem ungewöhnlich.

01:17:06: Und Wendungen und hier was anderes, das ist so nicht typisch.

01:17:11: Also wirklich Schauplätze aufgemacht werden mit denen du nicht rechnen kannst.

01:17:16: Wirklich nicht!

01:17:16: Das kann man sich auch nicht ausdenken.

01:17:18: Das würde wirklich... Das passiert?

01:17:22: Ja

01:17:22: Ja, wenn du das irgendeinem Drehbuchautor vorschlägst, sagt er ja komm edit ist hier.

01:17:28: Der

01:17:28: wird sagen dass es drüber.

01:17:29: Genau, das können

01:17:30: wir nicht machen.

01:17:31: Das kann man nicht, das glaubt uns kein Mensch.

01:17:34: Und trotzdem und das finde ich wirklich noch mal das Wichtige ist dieser Einsatz enorm gut zu Ende gegangen weil so diese ganzen Probleme die aufgetaucht sind und die ganzen Herausforderungen die wir hatten sind gelöst worden.

01:17:45: Und das war schon irgendwie saumäßig wichtig

01:17:47: find' ich.

01:17:47: Es war total schön!

01:17:50: Stimmig am Ende war dieser ganze Abend, dass das für irgendwie jeden gut ... Also wenn man in der Situation von Gut sprechen kann.

01:18:00: Weil es hat gut geändert für jeden also bestmöglich würde ich sagen.

01:18:06: Es musste niemand im Auto schlafen ja ist es niemand irgendwie angegriffen worden.

01:18:13: Das war schon schön!

01:18:19: Ich schreibe ja immer so ein Skript und auf diesem Skripton überlege ich mir schon einen Titel, das hast du ja auch vorher gekriegt.

01:18:25: Jetzt muss ich aber gerade nochmal nachgucken und der Titel der Folge wird, wenn sich das jetzt nicht im Nachhinein noch mal irgendwie ändert, wird der Titl der Folge sein was jetzt gebraucht wird?

01:18:35: Und ich finde... ...ich habe wenige Einsätze erlebt wo ich sagen würde dass dieser Titel wirklich perfekt passt weil wir Ich glaube wirklich gar nicht so viel in unserer Rolle als Krisenintervention gebraucht.

01:18:49: Also doch natürlich, weil in der Rolle sind wir da und natürlich ist diese Rolle nicht festgeschrieben.

01:18:54: Und wenn man vorhin schon gesagt gibt es keine Schablone, in der wir uns bewegen aber Wir hatten nicht viel mit mit dem Gespräch um den Verstorbenen zu tun beispielsweise.

01:19:04: Wir hatten nicht viel mit dem Gespräch zu tun, was ist der nächste Schritt so?

01:19:07: Was müssen wir machen werden?

01:19:09: Nicht viel damit zu tun werden müssen wir alles informieren sondern wird mit ganz verschiedensten Situationen zu tun.

01:19:16: Aber genau deshalb würde ich jetzt eigentlich reingrätchen.

01:19:20: Ich würde nämlich sagen genau deshalb war es ja waren wir total in der Rolle als Kriseninterventionshelfende weil Du musst ja schauen, okay was passiert ist hier eigentlich und darauf flexibel reagieren.

01:19:35: Genau!

01:19:36: Und nicht dein eigenes Denken da irgendwie überstülpen oder so sondern einfach mitgehen ohne vielleicht auch viel zu sagen weil ich weiß also viel geredet habe ich glaube auch gar nicht so.

01:19:47: Ich auch nicht.

01:19:48: Es war halt

01:19:49: man hat so ein bisschen mitgenommen was daher glaube ich war genau das ja was die Rolle auch ausmacht oder?

01:19:56: Total Total.

01:19:57: Ich glaube, nur wenn man das in so ein Schema F-Einsatz mal gießen wollte, dann wäre ja irgendwie ... Achtung!

01:20:03: Liebe Zuhörerinnen und Zuhöre, es gibt kein Schema-F-Ensatz.

01:20:06: Aber die Grundvorstellung mit der ich in Einsätze gehe ist okay, wir fahren dahin.

01:20:10: Wir sprechen erst mal mit den Leuten drüber, was passiert?

01:20:12: So lassen sie erst mal erzählen.

01:20:13: Dann guckt man mal, hey gibts Angehörige oder Freunde, irgendjemandem dazurufen können.

01:20:18: Aktivierung soziales Netzwerk.

01:20:21: Und der nächste Schritt wär noch irgendwie zu sagen, lass mal gucken, was sind so die nächsten Schritte?

01:20:24: Was sind eure Anker?

01:20:26: Die Punkte würde ich mal sagen und dann noch gucken, dass wir wieder wegkommen.

01:20:29: Verabschiedung so.

01:20:31: Da passt da überhaupt nicht rein dieser Einsatz.

01:20:33: Aber es ist genau das was du sagst, würd' dich trotzdem sagen, ist hundertprozent richtig?

01:20:37: Weil eben genau das ist... Das is nicht immer Schema-Effes!

01:20:41: Ja.

01:20:41: Wir können ja auch nicht gehen und sagen, oh, ah, soziales Netzwerk ist schwierig, du kommst gar nicht aus dieser Stadt.

01:20:48: Blöd gut, was machen wir denn?

01:20:49: Nee, das ist die Frage ... Was wird gerade eine Hilfe gebraucht?

01:20:53: Wo wird sie gebrauchten und wie können wir sie zur Verfügung stellen.

01:20:56: Genau!

01:20:57: Und das haben

01:20:58: wir gemacht, ja.

01:21:01: Gibt es noch so eine Sache die dir aus diesem Einsatz richtig krass im Gedächtnis geblieben ist?

01:21:05: Ich meine jetzt haben wir vieles nochmal hoch geholt und nochmal wach gerüttelt.

01:21:08: ich muss schon auch irgendwie über diesen Einsatz lachen der ist schon nicht über diese Situation.

01:21:13: bitte nicht falsch verstehen aber...

01:21:18: Ich finde schon auch, das hatte in sich irgendwie, wenn man auch so einen Nachgang irgendwie drauf schaut.

01:21:23: Das hatte eben ja auch in gewissen Situationen eine Komik ne?

01:21:27: Das muss man einfach sagen!

01:21:29: Also das ist halt... und für uns darf es aber auch sein, weil wir sind neutrale Personen.

01:21:35: Es ist nicht unser Leid was da passiert

01:21:37: ist.

01:21:37: Und von daher war das schon so.

01:21:40: Also dieses wo man wirklich so dachte okay bin ich gerade ne?

01:21:47: Anheb.

01:21:47: drei Situationen kann ich denen die wirklich komik hatten.

01:21:50: Wir haben jetzt wenig drüber gesprochen, aber auch das Gespräch mitzubekommen zwischen den beiden Polizisten, ob sie jetzt dem Handschellen anziehen können.

01:22:01: Ich will da nicht zu viel ins Detail gehen, sondern auch eine witzige Auseinandersetzung gewesen, die dann zu der Entscheidung geführt hat.

01:22:08: Nee, machen wir nicht so... Okay, dann Jessica bitte setzt sich da wieder hin und ... Viel Spaß.

01:22:15: Aber genau so war das.

01:22:16: ja, ne?

01:22:16: Ich hab dieses Gespräch lief und dann war das Gespräch vorbei.

01:22:20: Es war klar, es gibt jetzt halt keine Handschellen

01:22:22: ...

01:22:23: Und dann dachte ich okay na dann...

01:22:26: Du hast dich dem wieder gegenüber gesetzt!

01:22:28: Du wirst da wieder hin und hast dich dahin gesetzt.

01:22:30: Und du hast jetzt noch die Scheißaufgabe, den wir auch noch zu erklären.

01:22:34: Geht leider nicht so was jetzt ja wahrscheinlich nicht zur Berührung beiträgt.

01:22:38: Er hat

01:22:40: sich aufgeregt darüber.

01:22:41: Ja,

01:22:42: sei er.

01:22:43: Ich mit meinen Eins, vier und sechs nicht.

01:22:46: Auch, weißt du so?

01:22:47: Also genau diese Einsatz hatte auch Elemente von Komik absolut!

01:22:51: Und ich finde wir haben jetzt ganz viel noch mal wach gerüttelt irgendwie so.

01:22:54: also mir ist es ganz viel bewusst geworden in unserem Gespräch jetzt gerade.

01:22:59: Nehmt da gerne auch mal Bezug ums meine Worten von Felix Lobrecht und Tommy Schmidt zu sagen wie ich.

01:23:04: mir ist gerade bewusst geworden dass dieser Einsatz zu einem runden Abschluss gefunden hat ist ganz lang nicht klar gewesen.

01:23:11: Wenn ich das jetzt so nochmal rekapituliere und mit dir hier über diesen Einsatz spreche, eigentlich nicht vorhersehbar.

01:23:17: Also hätte eigentlich ein loses Ende geben müssen.

01:23:20: Und es gab's nicht!

01:23:22: Das finde ich interessant.

01:23:22: wie dieser Einsatz über Stunden immer weiter aufgegangen ist, immer größer geworden ist... ...und am Ende plötzlich zugeht.

01:23:29: Und sich geschlossen

01:23:30: hat?

01:23:31: Ja

01:23:31: komplett.

01:23:32: Unglaublich

01:23:33: eigentlich?!

01:23:34: Mit diesen vielen Schauplätzen.

01:23:38: Hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht mit dir in dem Einsatz gewesen zu sein.

01:23:40: Ja, mir auch sehr.

01:23:43: Jessica vielen Dank dass du das mit mir gemacht hast, dass du dich als erstes mutig in die Höhle des Löwen getraut hast und dieses neue Format dich drauf eingelassen hast so nochmal mit draufzuschauen.

01:23:53: Danke schön!

01:23:54: Sehr gerne danke dass ich da sein durfte.

01:23:56: Ja kommen wir bauen mal den Cliffhänger ja auch einen Einsatz noch mal mehr oder weniger zusammen erlebt, eigentlich gar nicht zusammen.

01:24:04: Aber da war ich im Einsatz unterwegs und du hast die Folge dieses Einsatzes übernommen sprich deine Tätigkeit als Trauerbegleiterin.

01:24:12: Und das kann man glaube ich an der Stelle auch schon mal ankündigen.

01:24:14: Du bist nicht zum letzten Mal Gast gewesen sondern wir werden auch das nochmal beleuchten und da dann auch nochmal insbesondere auf diesen Übergang gucken den wir hier nur angerissen haben.

01:24:21: Krisenintervention zu Trauer... Arbeittrauerbegleiterin, Trauerrednerin.

01:24:27: Also da kann ich schon mal ankündigen wirst du auf jeden Fall wieder zu Gast sein.

01:24:31: Da freue ich mich sehr weil... Wann haben wir die Situation?

01:24:34: Ja.

01:24:35: Wir haben, ihr habt es gerade jetzt gesagt ... und das ist ja auch wirklich so, wir wissen nicht wie's weitergegangen ist.

01:24:40: Wir wissen nicht ob diese Hand gebrochen war oder dieser Mann, wie viele Nächte der bei den Freunden geschlafen hat.

01:24:45: Wir weiß nicht, ob die Angehörigen am nächsten Tag da waren.

01:24:47: Wir wussten nicht, dass der Verstorbene ins Ausland überstellt wurde.

01:24:51: Wie sagt man?

01:24:53: Überführt.

01:24:54: Danke!

01:24:55: Wissen wir nicht... Ähm ... Wir kennen den Ausgang nicht.

01:24:59: Unser Ausgang ist der, wie wir diesen Abend ... wie wir diesen Inhof verlassen haben.

01:25:04: Und da gibt es jetzt aber aus einem Einsatz heraus genau eine Möglichkeit, dass wir so ein bisschen weiter gucken können und da auch noch mal drauf schauen können, wie entwickelt sich das möglicherweise für Familien weiter?

01:25:15: Für Angehörige weiter.

01:25:16: wohlgemerkt auch nur in diesem einen speziellen Fall auf dem er da gucken kann.

01:25:20: Aber wird auf jeden Fall auch spannender.

01:25:21: Freu ich mich auch schon drauf.

01:25:22: Ich freue mich auch!

01:25:24: Danke dir vielmals, dass du dich darauf eingelassen hast.

01:25:26: Sehr gerne!

01:25:26: Bis bald!

01:25:29: Wie immer bedanke ich mich an der Stelle ganz herzlich bei euch, dass ihr in die heutige Folge reingehört habt und damit natürlich diesen Podcast unterstützt.

01:25:36: Ich hoffe auch das das neue Format euch gefallen hat!

01:25:38: Das werde ich in Zukunft sicherlich immer mal wieder machen und werde mich mit Kolleginnen und Kollegen zusammensetzen, mit denen ich im Einsatz war.

01:25:45: Ich werde mich aber manchmal auch einfach als dritte Person mit Kolleginnen zusammen setzen – in Einsätzen, in denen nicht dabei war um einfach mit Kolleginnen diese Einsätze so ein Stück weit auseinander zu nehmen.

01:25:58: Was ist in diesen Einsätzen passiert und wie ist es den Helferinnen und Helfern vor Ort ergangen?

01:26:03: Ich hoffe, dass euch das Ganze gefallen hat.

01:26:05: Wie schon gesagt lasst mich das gerne wissen in den Kommentaren, in der Nachricht, wie auch immer!

01:26:10: Und natürlich freue ich mich auch weiterhin wenn ihr ein Like da lasst für diesen Podcast Wenn ihr ihn abonniert, wenn ihr eine gute Bewertung da lasft und wie auch Immer diesen Podcast unterstützt.

01:26:19: und dann sage ich an dieser Stelle wie ich's immer mache bis in zwei Wochen machts gut.

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